Mütterliche Schnurr-Surr-Geräusche

Ich hab es noch gesagt!“ ist so ein Satz, den Eltern gerne sagen und Kinder nicht gerne hören.

Zum Beispiel damals, als Alex mit etwa 3 Jahren am Esstisch saß, knetete und dabei eine Brezel aß. Ich sagte ihm mehrfach, dass es beim Kneten nicht essen solle, da er sonst noch aus Versehen in die Knete beißt. Ich nahm ihm also die Brezel ab, nur um 5 Minuten später festzustellen, dass er sich erneut ein Stück Brezel gemopst hatte und es kam, wie es kommen musste: er hatte kräftig in die Knete gebissen und schrie vor Ekel laut auf.

Außer ein bisschen Ekel ist damals nichts Schlimmes passiert. In den Jahren darauf gab es einige solcher Szenen und Situationen, in denen ich etwas prophezeite, was auch so eintraf. Ganz oft sage ich den Kindern: „Ich warne Euch vor Dingen oder verbiete euch etwas, um euch zu schützen, nicht um euch zu ärgern.“ Was bei den Kindern ankommt ist vermutlich ein lapidares Schnurr-Surr-Geräusch, aber keine Information oder Warnung.

Heute dann wieder so eine Situation. Ich war mit Mimi und Alex bei Inma zu Besuch und die Kinder spielten zusammen auf der Nestschaukel im Garten. Sie drehten sich gegenseitig ein und ließen die Schaukel sich dann wieder zurück drehen. Nun ist die Schaukel recht nah am Holzgerüst befestigt und durch die Fliehkräfte der Kinderkörper läuft sie natürlich auch nicht absolut rund.

Ich bat sie mehrfach aufzuhören, da sich sonst noch jemand den Kopf am Balken stoßen würde. Ein mütterliches Schnurr-Surr-Geräusch eben. Dann donnerte es laut. Alex schrie wie wahnsinnig und ohne hinzusehen wusste ich genau, was passiert war.

Durch das schnelle Drehen der Schaukel hatte er die Orientierung verloren, den Kopf zu weit nach außen gestreckt und war frontal mit der Stirn gegen den Holzbalken gekachelt.

Die Stirn war sofort dick geschwollen und blutunterlaufen rot. An einer Platzwunde ist er nur haarscharf vorbei geschrammt. Wir kühlten mit einem Arnika-Gel aus dem Kühlschrank und beruhigten ihn erstmal ein wenig.

Den Rest des Tages verbrachte er auf dem Sofa mit einem kühlenden Lappen auf der Stirn und ich verging fast vor Mitleid mit meinem großen Beebie.

Er sagt, der Kopf brummt noch ein wenig, aber ihm ist weder schwindelig noch übel. Nach einer entspannenden Massage schläft er inzwischen auch. Ich behalte ihn heute aber noch etwas im Auge und schaue regelmäßig nach ihm.

Das mit den Schnurr-Surr-Geräuschen wird sich vermutlich trotzdem nicht ändern. Und dabei hab ich es noch gesagt!

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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66 Gedanken zu „Mütterliche Schnurr-Surr-Geräusche

  1. Gute Besserung! Irgendwann habe ich die „Schnurr-Surr- Geräusche“ aufgegeben und sie durch konsequentes Handeln ersetzt. Meint – gesagt, kurz kontrolliert ob die Kinder ihr Verhalten anpassen, wenn nicht entsprechend agieren: Von der Schaukel nehmen. Knete hätte ich z.B. gelassen. Kann ja nicht wirklich was passieren, ist „nur“ eklig. Es gibt halt leider kein Generalkonzept, das für jede Familie passt. Wir sind so gut durch gekommen.

  2. Autsch….so ähnlich hatten wir es vorige Woche auch, mit etwas Kopf brummen und einem Einhorn sind wir sonst noch klimpflich davon gekommen. Durch viel kühlen ist die Schwellung schnell vergangen, aber der Bluterguss hatte sich dann schön um das Auge verteilt ??
    Gute Besserung deinem kleinen Kampferherz! ?? Ich drücke die Daumen das es nix schlimmeres wird! LG aus Chemnitz


  3. Aaaaaahhaua! Gute Genesung! Ich schnurrsurre seit Ferienbeginn durchgehend weil die beiden wenn sie zu zweit zu Hause sind wirklich NUR auf doofe gedanken kommen!

  4. Gute Besserung dem großen Mann ?? Ja das sind so Sätze… Wenn man sie das erste Mal sagt und angewidert drüber nachdenkt, wie sehr man den selbst gehasst hat und ihn doch immer wieder nutzt ?? Mein liebster solcher Sätze ist momentan noch wir gucken nur mit den Augen… Jedes Mal denk ich danach wieder boah ey ne oder… Hast du nicht schon wieder gesagt ?

  5. Ich habe diesen Satz gehasst und sehr oft gehört -allerdings ohne, dass sich danach nach mir erkundigt wurde – das sitzt so tief, dass ich es mir wirklich verkneife, auch wenn es mir als erstes auf der Zunge liegt, wenn den Räubern etwas passiert.

  6. Autsch! So ein Mist, gut, dass es keine Gehirnerschütterung gab.
    Ach, ja, dieses Grundrauschen – manchmal denke ich mir, ich sollte besser den Mund halten, statt ständig sinnlose Verbote/Tips/Ratschläge auszusprechen.
    Eine (kinderlose) Psychologin und Bekannte, meinte mal zu Thema Verbote, dass ein „Nein“ bzw. Formulierungen mit Verneinung im Gehirn nicht oder schlechter verarbeitet werden, denn: „Die Seele kennt kein ‚Nein'“. Ob das nun Quatsch ist oder nicht: manchmal denke ich dran und formuliere Verbote als positive Handlungsanweisungen (also statt: „iss keine Brezel“ – „leg‘ die Brezel zur Seite“ oder so) und ich bilde mir ein, dass die Botschaft dann besser ankommt … (wenn ich genervt von meinen Fransen am Mund, mecker‘ ich aber auch mal los)

  7. Kommt mir auch bekannt vor. Ich sag dann schon immer „Lernen durch Schmerzen“. Danach hat mein Sohn das Getane auch nie wieder gemacht. Aber die Geräusche, die Mama da immer mal von sich gibt, werden immer noch oft ignoriert. ;-)
    Bin immer froh, dass es nicht nur hier so läuft…
    Lg Mel

  8. Oh man…?ich bin nach so was auch immer doppelt fuchtig,wenn ich es vorher geahnt hab. Auf mich,aufs Kind-auf alles. Als würde das was ändern?und dann leide ich mit. Bin immer froh,wenn der Satz NICHT aus mir rausplatzt…?

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