#WMDEDGT? August 2018 Edition

Na? Und was machst Du eigentlich den ganzen Tag? Genau. Es ist wieder der 5. und das bedeutet, Frau Brüllen ruft mit #wmdedgt zum Tagebuchbloggen auf. Und heute hab ich tatsächlich mal was ganz verrücktes zu erzählen. Ich bin nämlich um 6 Uhr aufgestanden. Freiwillig. Ausgeschlafen. An einem Sonntag. Wie das passieren konnte kann ich mir auch nicht so recht erklären, aber ich kann Ihnen verraten: merkwürdige Dinge gehen da draußen vor sich, um 6 Uhr morgens an einem Sonntag.

Zum Beispiel ist die Luft noch total klar und frisch. Man kann im halben Haus die Fenster aufreißen und sowas wie Durchzug machen. In der anderen Hälfte schlafen die Familienmitglieder nämlich noch. Dann kann man eine Maschine Wäsche anstellen, die Spülmaschine ausräumen und bei einem Kaffee auf der Terrasse alberne Instagram-Stories aufnehmen. Wenn es dann 7 Uhr ist und sich im Haus immer noch nichts regt, dann setzt man einen Hefteteig an und backt frische Sonntagsbrötchen. Kurz bevor die Brötchen fertig waren konnte ich dann schon die Ladung Wäsche im Garten auf die Wäschespinne hängen.

Ja, an einem Sonntag (Ein Dorf in Aufruhr. Ein Fall fürs Ordnungsamt *chrchrchr*). Zudem waren es auch noch lange Klamotten, da ich das ganze eingetupperte Zeug vom Großen durchgewaschen habe, um zu schauen, was davon jetzt im Herbst (also eher bald als jetzt, aber dann irgendwann bestimmt) in den Kleiderschrank des Mittelkindes ziehen kann.

Gegen 9:30 Uhr stand dann der Mann auf, kurz darauf gefolgt von großen Sohn, der wie ein Wasserfall auf uns ein plapperte. Wie kann ein einziger Mensch nur so viel reden? Ich werde das Rätsel wohl nie lösen.

Ich deckte den Frühstückstisch und schickte das große Kind los, um seine Geschwister zu wecken. Ja, das ist gemein, aber ich wollte mir meine gute Laune nicht wegmaulen lassen. Doch – Überraschung!!! – beide Geschwister kamen fröhlich pfeifend die Treppe runter. Irgendwas schein ich falsch zu machen.

Nachdem alle am ungeschönten Frühstückstisch Platz genommen hatten freuten sich alle über die frischen Brötchen. Ha, einmal alles richtig gemacht, Mutti. Aber denkste. Bei der zweiten Brötchenhälfte fängt das große Kind plötzlich und ohne ersichtlichen Grund bitterlich an zu weinen. Wir saßen alle völlig perplex am Tisch und konnten ihm nicht entlocken, was denn los sei. Nach geschlagenen 5 Minuten schluchzt es dann: „Du hast so lieb gebacken … aber ich mag die Brötchen gar nicht.“ Und dann gingen die Schleusen wieder auf.

Ja, nun. So ist das manchmal. Und vor allem ist das überhaupt nicht schlimm. Im Grunde koche/backe ich seit 6 Jahren jeden Tag irgendwas, was nicht schmeckt. Sagt jedenfalls der Mittlere.

Wir wurden trotzdem alle satt und die Tränen des großen Kindes trockneten nach einem Dutzend Versicherungen, dass das wirklich gar nicht schlimm ist, auch.

Nachdem der Tisch abgeräumt war verschwanden die Kinder irgendwohin. Mimi bastelte in ihrem Zimmer und Alex und Max spielten zusammen Playmobil. So ein bisschen unheimlich war das schon. Das waren bestimmt eineinhalb Stunden ganz ohne Motzen und Streit. Spooky.

Ich legte mich pünktlich zur Mittagszeit mit einer Folge Die 3 Fragezeichen aufs Sofa und schlief erstmal erfolgreich ein. So hatte ich es am frühen Morgen bereits bei Instagram prophezeit.

Um 14 Uhr klingelten die Kinder dann bei unser liebsten Nachbarin, die während unseres Urlaubs Haus, Hof und Katertier ganz liebevoll umsorgt und verpflegt hat. So mit Fressbegleitung, täglichen Kuscheleinheiten, Leckerchen (die es sonst nie gibt) und einfach Unterhaltung und Ansprache. Ich glaube fast, Titus hatte den erholsamsten Urlaub von uns allen.

Gemeinsam schlenderten wir dann zur Eisdiele im Dorf, um sie – also die Nachbarin – als Dankeschön zu einem großen Eisbecher einzuladen. Ich mag diese Frau wirklich von ganzem Herzen. So eine gute Seele, die viel über die Geschichte unseres Dörfchens erzählen kann, ganz oft einfach mal 10 Minuten für die Kinder übrig hat, den großen Sohn mit auf die Hunderunde nimmt oder mit mir einfach bei einem Kaffee ein bisschen quatscht. Zudem erzählt sie immer so liebevoll von ihren Kindern und Enkeln und ich denk mir nur immer so: haben die ein Glück, so eine Mama/Oma zu haben.

Letzten Monat ist sie mit ihrem Sohn (in meinem Alter) den Jakobsweg gegangen und ich könnte ihr stundenlang zuhören, wenn sie von ihren Erlebnissen, Gedanken und Erfahrungen während dieser Reise berichtet.

Alex quasselte im Eiscafé übrigens immer noch ohne Punkt und Komma und ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, er holt nur einmal die Minute Luft. Generell war er heute maximal unruhig. Ständig tanzte oder zappelte er und man merkt ihm schon sehr an, dass ihm sein Alltag fehlt. Nicht, dass er unglücklich oder traurig wäre, ganz im Gegenteil. Er ist eher motorisch sehr unausgeglichen, was immer ein sicheres Zeichen für fehlende Strukturen ist.

Als wir 2 Stunden später aus der klimatisierten Eisdiele kamen – rund und satt gefuttert – erschlug uns die Nachmittagshitze doch so ein bisschen und der Rückweg dauerte ein wenig länger. Mimi jammerte, dass ihr die Beine und der Kopf wehtun würden und ich erinnerte sie erneut daran, dass sie mehr trinken müsse. Mimi kommt da nämlich ganz nach mir und vergisst das trinken zwischendurch gerne mal.

Die Jungs waren natürlich schon vorgelaufen und warteten vor der Haustür, wo wir Erwachsenen noch ein Weilchen quatschten, bevor wir uns dann von einander verabschiedeten.

Mimi trank erstmal ein großes Glas Wasser und verschwand dann in die lauwarme Badewanne, wo sie mit ihren Playmobilpferdchen spielte. Die Jungs durften in der Zeit eine Runde Zocken.

Ich bereitete Bockwürstchen, Kartoffelsalat und Rohkost für das Abendessen zu und rief gegen 18 Uhr alle an den Tisch. Auch Alex war in der Zwischenzeit einmal durch die Wanne geschwommen.

Nach dem Essen ging auch noch Max eine Runde in die Wanne, Mimi bastelte erneut in ihrem Zimmer irgendwelche Dinge (dieses Kind bastelt wirklich ständig irgendwas. Ständig!) und Alex verschwand schon in seinem Zimmer.

Mittlerweile liegen alle mehr oder weniger in ihren Betten. Jedenfalls halten sich alle in ihren Zimmern auf und es herrsch sowas wie Ruhe. Um 22 Uhr gehe ich nochmal hoch und sorge dafür, dass das licht gelöscht wird. Dann ist in die Ferien hier nämlich Feierabend.

Das war also mein – unser – Sonntag. Ein echt super guter Sonntag. Produktiv, faul, entspannt, gemütlich, gesellig und familiär. Vielleicht sollte ich häufiger um 6 Uhr aufsehen. Einfach so. Auch wenn ich gar nicht muss. Noch 3 Wochen Ferien, Baby!

Alle anderen #wmdedgt-Beiträge aus dem August 2018 findet Ihr wie immer bei Frau Brüllen. Kommt gut in die neue Woche.

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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7 Gedanken zu „#WMDEDGT? August 2018 Edition

  1. Toller Beitrag.. ich mag diese Art von Beiträgen. Die sind frisch von der Leber.

    Mhhhm und du schreibst: „Tolle Mama/Tolle Oma“. Da fällt mir auf, dass du nahezu nie von deiner Mama erzählst. Ich nehme an, es gibt Gründe dafür?

    Liebe Grüsse

  2. Toller Text, ganz nah am Leben.
    Hast du dir Zusammenhang zwischen motorischer Unruhe und fehlender Alltagsstruktur bei deinem Großen selbst erschlossen oder kennst du empfehlenswerte Quellen diesbezüglich?
    Anhand deiner Beschreibungen und auch Videos erkenne nämlich einige Ähnlichkeiten zu meinem Großen und freue mich da immer über neue Informationen.
    Viele Grüße!

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