So ein Dienstag nämlich

Dienstag. Der Dienstag, der eigentlich mein wichtigster Arbeitstag ist, weil die Jungs beide 6 Stunden haben und erst um 13:30 Uhr zuhause sind und ich mich daher mit ein, zwei, drei großen Kaffees den ganzen Vormittag hinter den Rechner klemmen kann. So ein Dienstag. Wurde es dann heute doch nicht.

Nachdem heute morgen zwei von drei Kinder erfolgreich durch die Tür geschoben waren schaute ich mich etwas verdutzt um.

„Kind, wieso sitzt du noch ohne Schuhe oder Jacke am Esstisch rum?“
„Weil ich doch heute erst zur 2. Stunde Schule habe.“

Ah, ja, richtig, da war ja was. Nicht, dass ich das nicht gewusst hätte. So ist es jetzt nicht. Aber im morgendlichen Trubel kann einem – also mir – das dann gerne wieder entfallen. Insofern kann das Kind sich freuen, dass es selber dran gedacht hat. Sonst hätte es nämlich erst wie Falschgeld auf dem Schulhof rum gestanden und dann auch noch in den Unterricht der Parallelklasse gemusst.

Woher ich das so genau weiß? Ist mir tatsächlich schon mal genau so passiert und war ein großer Lacher bei den Lehrern, weil: „Dass ausgerechnet der Frau Drießen sowas passiert!“ Nun, das Kind fand das gar nicht schlimm, weil die Parallelklasse Kunst hatte und Kunst ist super. So.

Jedenfalls hat der Mittlere heute mitgedacht und durfte so noch eine Stunde auf dem Sofa rum lümmeln, bevor ich dann auch ihn noch erfolgreich durch die Tür buxiert hatte. Zur richtigen Zeit, wohlgemerkt!

Dann also den zweiten großen Kaffee (den ersten trinke ich direkt nach dem Aufstehen und grundsätzlich auf Ex. Ohne mindestens einen heißen Kaffee am Morgen bin ich alles, nur nicht genießbar!) fertig gemacht und mich an den Rechner gesetzt.

Hier dürfen Sie sich jetzt gerne etwas Tetris-Musik bis etwa 10:00 Uhr vorstellen. Dann klingelte das Telefon das erste Mal. SCHULE stand auf dem Display und ich hob schon wissend meine Murphy-Augenbraue. Es war das Sekretariat, auf der Suche nach einer Mutter, die die Einwilligungserklärung bezüglich des Pressetermins vergangene Woche noch einreichen wollte.

Ich erkläre, mich darum zu kümmern und verschicke Sprachnachrichten an andere Eltern, um den Verbleib der Einwillungserklärung zu ermitteln. Kurz darauf war sie gefunden und ich konnte mit dem dritten großen Kaffee am Start weiter arbeiten.

Tetris-Musik bis etwa 11:30 Uhr. Das Display blinkt wieder wild: SCHULE! Vermutlich noch irgendwas wegen des Pressertermins. Also bemühe ich meine Augenbraue erst gar nicht mehr.

1, 2 oder 3 … letzte Chance! Vorbei! Ob Du wirklich richtig stehst, siehst du, wenn das Licht angeht.

Kein Licht. Das große Kind klagt über anhaltende Hals- und Ohrenschmerzen, kann sich nicht mehr konzentrieren und möchte bitte abgeholt werden.

Also hole ich das Kind von der Schule ab, verabreiche erstmal ein Halsbonbon und werde mit großen runden Telleraugen um ein Ei geben. „Ein gekochtes Ei. Mit weichem Eigelb. Nein zwei. Und ein Toastbrötchen. Mit salziger Butter. Das wäre so toll, Mama.“

Ich zeige dem Kind, wie man Eier genau so kocht, dass sie fest, aber mit weichem Eigelb sind. Dann sitzen wir am Esstisch und reden ein bisschen über die Schule, die Pause und was wir diese Woche noch vor haben.

So richtig krank ist das Kind nicht, aber man merkt deutlich, dass es angeschlagen ist. Also schicke ich ihn in sein Zimmer, um sich auszuruhen.

Ab 12:45 Uhr stellen Sie sich jetzt bitte wieder die Tetris-Musik vor, die um 13:30 Uhr für heute entgültig verklingt.

Ding Dong. Das Mittelkind ist da, hat einigermaßen gute Laune mitgebracht und möchte auch erstmal kuscheln. Das lockt natürlich das große Kind aus seiner Höhle, das unbedingt sofort mitkuscheln möchte. Das geht so ungefähr 30 Sekunden gut, bis der eine dem anderen auf den Pulli sabbert, der wiederum seinem Bruder die Finger in die Ohren steckt. Also der Kind, nicht der Pulli.

Und weil ich meine Jungs so dolle lieb habe, beende ich den aufkeimenden Geschwisterknatsch mit einem fröhlichen: „Hausaufgaben!“

Diese Begeisterung! Trompeten! Konfetti!

Mit langen Gesichtern zerren beide ihre Ranzen an den Esstisch, ziehen die Hausaufgaben hervor und grunzen und grummeln plötzlich wieder ganz einvernehmlich vor sich hin. Ich bin ein pädagogischer Schlaufuchs!

Nach etwa 45 Minuten Hausaufgabenzeit verpuffen beide Jungs auf der Stelle. Ich bin mir ehrlich nicht sicher, ob sie sich direkt vom Tisch wegteleportiert haben, oder ob ihre Bewegungen eher so Schallgeschwindigkeit hatten. Jedenfalls waren sie weg und ich gönnte mir den 4. großen Kaffee. Ganz ohne Tetris-Musik.

Um 15:07 Uhr – ich weiß das ganz genau, weil ich so verwundert war, dass um diese Zeit jemand klingelt – stand das Tochterkind vor der Tür.

„Bist du geflogen?“
„Wieso? Bin ich zu früh?“

Das Fräulein ist nämlich sonst eher von der gemütlichen Bummelsorte. Heute scheint irgendwie auch gar nichts so zu sein, wie es sein sollte.

Die Gräte brabbelte direkt darauf los, zeigt mir ihre neusten Schätze (dazu später mehr) und sabbelt so lange weiter, bis ich sie und den Mittleren bitte, die Kung Fu Kleidung anzuziehen.

Um 15:45 Uhr verlassen wir zu viert das Haus. Die beiden jüngeren Kinder haben Kung Fu Training und der Große muss mit seiner heute angekommenen EC-Karte einen Kontoauszug und das erste Mal Geld am Bankautomaten holen, weil sein Handy-Guthaben aufgebraucht ist. Er hat seit Tagen von nichts anderem mehr gesprochen und dann soll das auch so sein.

Für das große Kind ist der erste Besuch am Bankautomaten voll aufregend. Ich stehe möglichst unauffällig daneben, gebe leise Anweisungen und drücke unauffällig die Daumen, dass er sich seine PIN-Nummer auch wirklich richtig gemerkt hat. Ich hab sie mir nämlich nicht angeschaut.

Alles wunderbar. Das Kind strahlt über seinen ersten Bankauszug und das angezeigte Guthaben. Weise, wie ich nun mal bin, habe ich nämlich das Taschengeld der letzten 5 Monate einbehalten und ihm zur Kontoeröffnung auf sein Konto überwiesen. Also quasi habe ich ihn zum Sparen gezwungen und wie super dieses Gefühl ist, etwas angespart zu haben, zeigte sich auch direkt.

Beim Discounter (unser Gurken-, Tomaten- und Haferflocken-Vorrat musste aufgefüllt werden) entschied er sich für eine Tafel Schokolade für 49 Cent. Das ist schon mal ein Fortschritt, wo er sonst doch immer sein ganzes Taschengeld komplett und bis auf den letzten Cent sofort in irgendwelchen Supermarktkassen versenken musste. Ich bin ein bisschen stolz.

Auch sein Handy-Guthaben musste er heute zum ersten Mal selber kaufen, was an der Kasse nochmal kurz zu hektischen Portemonnaiegefummel führte. Aber die Kassiererin war nicht nur geduldig, sondern wirklich auch herzig. „Mach ganz langsam. Steck zuerst das Rückgeld ein, sonst fällt es dir nachher runter. Und den Bon mit deinem Guthaben steckst du am besten hinten zu den Scheinen. Da verlierst du ihn nicht.“ Awwww.

Im Anschluss wurde das kränkelnde Kind wieder nach Hause transportiert und ich machte mich erneut auf den Weg, um meine kurzen – aber sehr gefährlichen! – Kung Fu Kämpfer wieder einzusammeln.

Noch bevor wir wieder im Auto saßen erklärte Mimi, dass sie unbeding noch ein paar Fingernägel bräuchte (Sie erinnern sich an die Schätze von weiter oben? Genau.). Die L. hätte ihr heute zwei mit Katzen gegeben und die V. zwei mit Einhörnern und sie hätte dafür welche von ihren Muffins hergegebenen, aber jetzt hätte sie ja gar keine mehr, um mit Alexa zu tauschen [insert fortwährenden Redeschwall here].

Also hielt ich auf dem Rückweg kurz bei Tedi, wo das kleine Kind ihr Taschengeld halt in neuen Klebefingernägeln anlegen wollte. Leider gab es aber mehr als ein Motiv und leider reichte das mitgebrachte Geld nur für ein Set.

Das sieht dann so aus:

Ach Gräte. Komm. Na gut. „Aber ich kauf nur 1 Set! Das andere musst du selber bezahlen.“

Und so, meine lieben Damen und Herren, wird man die „aller aller aller beste Mami von der gaaaaanzen Welt. Nein. Vom Weltraum!“

Die allerbeste Weltraummutti kredenzte dann Schnittchen und Rohkost zum Abendessen, sitzt jetzt mit dolle Füße hoch aufm Sofa und tut gar nix mehr.

So ein Dienstag war das nämlich.

***

Und weil heute der 5. Februar ist, schieb ich den Beitrag rüber zu Frau Brüllen und das heutige #wmdedgt

Es wurde keine Werbung für genannte oder erkennbare Marken beauftragt.

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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