Blut, Muttikopter & eine treue Seele

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Das große Kind ist echt kein wehleidiges. Gar nicht. Aber wenn es noch nicht genau weiß, wie sich etwas anfühlt, dann kann es sich schon mal in eine echte Panik rein steigern. Und mit so einem Kind war ich heute morgen dann bei der Blutabnahme. Konfetti und Tröten, bitte!

Ich kürze das jetzt mal ein bisschen flach ab: es war nicht ganz verkehrt, dass Mama daneben saß und gut zureden konnte. Drei Röhrchen Blut später seufzte er schwer und stellte dann fest, dass es eigentlich gar nicht so weh getan hätte. Aber die Angst vor dem Schmerz, die sei echt groß gewesen. So ein kluges und reflektierendes Kind. Hoffentlich erinnert er sich auch daran, wenn irgendwann einmal eine erneute Blutabnahme ansteht.

Im Anschluss kauften wir noch ein belegtes Brötchen für das bis dato nüchterne Kind, welches es sich aber für die Frühstückspause aufheben wollte, und fuhren in die Schule. Verpeilt, wie wir beide morgens gerne sind, ließ ich das Kind an der Schule raus und fuhr mit dem Brötchen in der Handtasche weiter nach Hause. Ganz groß.

Zum Glück fiel mir der blinde Passagier pünktlich zum Ende der großen Pause in die Hände und so flog ich das Käsebrötchen schnell mit meinem Muttikopter direkt ins Klassenzimmer [insert knatternden Helikopter-Rotor-Geräusch here].

***

Zum Mittagessen gab es heute sowas wie eine Bauernpfanne. Eine hübsche Umschreibung für Resteverwertung, oder? 4 Kartoffeln, frische Schnittbohnen, eine angebrochene Packung vegetarische Frikadellen und eine angebrochene Packung vegetarische Nuggets. Kartoffeln und Bohnen bissfest kochen und dann mit den restlichen Nuggets und Frikadellen in der guseisernern Pfanne* anbraten. Salz, Pfeffer, Bohnenkraut. Fertig. Dazu gab es Rührei und Gurkensalat.

Letzteres vor allem für das Mittelkind, das zu seinem Rührei drei vegetarische Nuggets kredenzt bekam.

Fast hätte das Mittelkind die sogar gegessen, doch dann ergab sich folgender Dialog zwischen den Jungs:

Max: „Da ist Fleisch in deinem Essen!“
Alex: „Das ist alles vegetarisches.“

Der Mittlere überlegt kurz, guckt auf Alex‘ Teller, dann auf seinen und stupst seine Nuggets mit der Messerspitze an: „Die etwa auch?“

Ich überlege kurz, ob ich ihn jetzt einfach anlügen soll, entscheide mich dann aber dagegen. Wenn er die Lüge enttarnt bin ich dauerhaft am Arsch. Also nicke ich.

Dem Kind entgleisen alle Gesichtszüge und er blickt mich mit so einem Willst Du mich vergiften? Blick an. Und dann kam, was kommen musste: „Ess ich nicht!“

Stellen Sie sich hier einfach einen Monolog über die Option des wenigstens mal Probieren, der Versicherung, dass sie wirklich gut schmecken und dem Angebot, einfach einen halben Liter Ketchup darüber zu kippen vor. Das Kind blieb stur und aß folglich nur Rührei (davon aber eine Menge) und Gurkensalat.

***

Nach den Hausaufgaben verschwand das große Kind in sein Zimmer und der Mittlere fragte, ob er mich ein bisschen massieren könne, während wir den Nusssknacker-Marsch hörten. Er schreibt nach Karneval einen Musiktest über Tschaikowski und der Marsch der Zinnsoldaten ist sein Lieblingsstück aus dem Nussknacker.

Während also zwei kleien Hände meinen Rücken krabbelten und kneteten, philosophierte das Kind über das Stück, die Elemente und was die einzelnen Stücke ausdrücken sollen. Es ist unheimlich faszinierend, wie sehr dieser Kerl beim Hören von klassischer Musik aufgeht. Davor war es Mozart und da mussten wir Die Zauberflöte in Dauerschleife hören.

Wenn ich ehrlich bin wäre ein Musikinstrument für das Kind vermutlich eine ziemlich gute Idee. Notiere mir also Musikschule kontaktieren und Infos einholen.

***

Nachdem Alex und ich die kleine Schwester samt Freudin zu ihrer Jugendgruppe der Kirche gefahren hatten, begaben wir uns auf die Jagd nach einem Valentinsgeschenk für seine Freundin. Seit Tagen liegt er mir damit in den Ohren und hat schon dutzende Ideen und Optionen entwickelt und wieder verworfen. Nun wird die Zeit etwas knapp, immerhin ist Valentinstag schon morgen.

Letztendlich war seine Wahl sehr klassisch: eine rote Rose und Schokolade in Herzform. Ich hab wirklich versucht ihn von gelben, weißen oder rosa Rosen zu überzeugen (weil ich rote irgendwie doch very kitschig finde), aber das Kind hat seine konkreten Vorstellungen und Pläne. Nun gut. Sein Geld. Seine Freundin. Seine Entscheidung. Im Grunde ist es auch völlig egal, denn die Wichtigkeit, die dieses kleine Präsent für ihn hat, macht die Gabe an sich total nebensächlich.

Immerhin ist es auch schon das dritte Jahr, in dem er ihr etwas schenkt. Also genau diesem Mädchen. Es gibt keine treuere Seele, als das große Kind. Und das meine ich ganz genau so, wie ich es geschrieben habe. <3

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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12 Gedanken zu „Blut, Muttikopter & eine treue Seele

  1. Wir hören hier viel Klassik und gehen regelmäßig zu Konzerte mit den Kindern. Wenn er sich dafür begeistern kann, ist ein Instrument eine hervorragende Idee :-) Max spielt schon ewig Saxophon und seit 3 Jahren Klavier. Mateo liebt seine Oboe über alles (davor 2 Jahren Blockflöte) und fängt jetzt auch an mit dem Klavier. Hier wird also viel musiziert :-)

  2. Das ist wirklich spannend. Ich beschäftige mich nämlich derzeit mit Linkshändigkeit und lese dazu das Buch „die Psyche des linkshändigen Kindes“ in dem gefühlt der Charakter meines Mittelkindes dargestellt wird und auch viele Dinge, die Sie über Ihren Jungen schreiben, tauchen dort auf ?. Darum die Nachfrage. Lieben Dank für die Antwort!

    1. Wir hatten das Thema tatsächlich schon mal. Es kann sein, dass er ein selbstumerzogener Linkshänder ist. Dafür sprechen zB auch seine Schwierigkeiten beim Schreiben. Er kann das zwar, aber Zeilenhöhen und Weiten einzuhalten, fällt ihm extrem schwer.

    2. Danke für den Tipp! Mateo ist tatsächlich Linkshänder und in seiner ganzen wunderbaren Art schon sehr „eigen“. Vielleicht sollte ich das Buch lesen :-)

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