Männerzöpfe & Kindergartenkarneval

Wer meinen gestrigen Beitrag gelesen hat, dem möchte ich direkt zu Beginn wissen lassen: dieser Morgen und Tag war für und mit dem Mittelkind ein wirklich guter. Vielleicht muss es sich manchmal einfach wie ein Blitzschlag in einem schon länger brummelnden Gewitter entladen, damit danach auch wieder die Sonne scheinen kann.

Heute morgen musste ich ihm dann den eigentlich bereits für den Vortag geplanten Flechtpony machen. Wir hatten das in den letzten Tagen öfters mal gemacht, wenn er einen Helm zum Rad oder Roller fahren aufsetzen wollte. Einfach das lange Pony im französischen Flechtstil zur Seite weg flechten und mit einem Gummi fixieren.

Das steht dem Mittelkind überaus gut und sieht sogar richtig cool aus. Und so hatte er sich überlegt, dass er das auch mal zum Schwimmen, zum Kung Fu oder eben in die Schule tragen könnte. Das lange Pony will er nämlich nicht aufgeben, erkennt aber auch die Vorzüge einer freien Sicht bei der ein oder anderen Aktivität.

Im Vorfeld haben wir ihn darüber aufgeklärt, dass da der ein oder andere blöde Spruch kommen könnte. Aber er war sich sicher, dass ihm das nichts ausmachen würde. Er hätte dann schon eine passende Antwort.

Und als das Kind dann heute mit Flechtfrisur wieder aus der Schule kam, war ich mir immerhin schon mal sicher, dass er sein Vorhaben durchgezogen hat. Mich hätte es nämlich auch nicht gewundert, wenn er die Frisur kurz vor oder in der Schule wieder aufgedröselt hätte.

Natürlich berichtete er dann auch von zwei blöden Sprüchen a la „Du siehst aus wie’n Mädchen“, auf die er achselzuckend mit einem „Lebst du noch im letzten Jahrhundert, oder was? Das ist modern“ reagiert hatte. Danach sei Ruhe gewesen und die betreffenden Jungs wären einfach weg gegangen, berichtet das Kind.

Bei den Mädels kam seine Frisur richtig gut an, was ihn sichtlich stolz machte. Und ich bin wieder so ein bisschen stolz ob seiner Courage das einfach zu machen und auch dazu zu stehen.

Ein Foto reiche ich die Tage mal nach. Heute habe ich davon nämlich leider gar keins gemacht.

***

Am Nachmittag begann dann für uns offiziell die Karnevalszeit, denn im ehemaligen Kindergarten der Kinder war heute die große Karnevalsparty angesagt. Nach über 7 Jahren, die wir dort ein und ausgegangen sind, getanzt, gelacht und gefeiert haben, war es für uns selbstverständlich, dass wir auch dieses Jahr dabei sein wollten.

Das Thema lautete Künstler und so frikelte ich mir schnell irgendwas aus einem weißen Oberhemd und einem bunten Tuch zusammen. Musste für diesen Anlass ausreichen.

Der Mittlere fand einen Quidditch-Umhang vom großen Bruder in unserer Karnevalsksite, das große Kind trug Holster und Lederjacke vom Inidiana Jones-Kostüm nochmal auf und die Gräte wollte unbedingt ihren Kung Fu Anzug anziehen.

Es ist ein bisschen merkwürdig nach der langen Zeit wieder in den Kindergarten zu kommen. Aber nur ein ganz kleines bisschen. Letztendlich kennt man sich dort einfach aus und fühlt sich auch nach längerer Abwensenheit immer wieder zuhause. Nur die vielen neuen Gesichter – Eltern wie Kinder – irritieren einen zunächst doch.

Und – meine Güte – sind Kindergartenkinder klein. Wie schnell man doch den Bezug zu dieser Altersgruppe verliert, wenn man sie nicht täglich um sich hat, zeigte sich heute mal wieder deutlich.

Mimi stürzte sich direkt ins Getümmel und war verschwunden. Die Jungs und ich suchten uns erstmal ein Randplätzchen und beobachteten das bunte Treiben. Letztendlich waren sie dann aber auch schnell im bunten Treiben untergetaucht, als das Programm begann.

Wir hatten viel Spaß, die Stimmung war gewohnt gut und ich unterhielt mich mit bekannten Eltern und den Erziehern.

Zum Schluss, als eine Tanzgruppe auftrat, deren Auftritt gefühlt gar nicht enden wollte, schlich der Mittlere sich nach draußen und spielte dort lieber Fußball, während Mimi mit glänzenden Augen die Tänze bewunderte.

Drei Stunden später waren wir dann wieder zuhause. Deutlich erschöpft und müde. Diese Geräuschkulisse und die Menschenmengen auf so einer Kindergartenparty sind schon echt eine Herausforderung und hinterlassen bei mir und den Kindern immer das Gefühl, einen Langstreckenlauf absolviert zu haben. Das war es aber allemal wert.

Ich bin gespannt, ob die Kinder nächstes Jahr auch noch zu dieser Kindergartenparty wollen. Nach und nach werden sie sicher den Bezug verlieren und dann macht es auch keinen Spaß mehr.

***

Morgen findet die Karnevalsparty in der Schule statt. Das beudetet noch früher aufstehen zu müssen als sonst, um nicht nur die Brotdosen fertig zu bekommen, sondern auch 4 Personen in die Kostüme zu klöppeln und dann rechtzeitig in der Schule anzukommen.

Vermutlich ist es daher klüger, heute mal drüh ins Bett zu gehen. Ja, doch, Schlafen wäre jetzt schon schön.

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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2 Gedanken zu „Männerzöpfe & Kindergartenkarneval

  1. Die Antwort an die Schulkameraden finde ich super.?
    Mein kleiner trägt die längsten Haare hier in der Familie. Und wird oft für ein Mädchen gehalten. Aber er möchte sie so und wir finden es cool.
    Im Kindergarten kommen schon lange keine Sprüche mehr. ?

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