Fürsorge und Supersparkraft

Geben Sie es zu, Sie haben doch meinem Bericht von Marvin, dem neuen Mitbewohner des Mittleren, nicht einen Funken Glauben geschenkt. Also der Tatsache, dass das Kind jeden in Marvins unmittelbarer Nähe um Ruhe bittet, den Kaktus zur Nacht streichelt und eine „Gute Nacht“ wünscht und mich besorgt fragt, ob das okay ist, wenn Marvin den ganzen Vormittag alleine bleibt.

Es ist aber alles wahr!

Heute Morgen fragt mich das Kind, ob es nicht lieber sein Fenster auf Kipp lassen soll, damit Marvin auch genug frische Luft bekommt und ob er die Tür besser auf oder zu machen soll. Auch erklärt er mir, dass Marvin mit seinem Namen sehr einverstanden ist. Er hat verschiedene Namen ausprobiert, aber bei Marvin hat er was gemerkt. Das gefällt dem Kaktus.

Als das Mittelkind dann heute aus der Schule kam, ging es erst Mal hoch, um Marvin zu begrüßen. Ganz aufgeregt rief er mich dann herbei: „Mama, komm schnell. Marvin hat eine neue Blüte bekommen!!!“ Und tatsächlich ist eine gestern noch ganz kleine und mickrige Blüte aufgegangen wie eine Trompete.

Es war also nicht verwunderlich, dass er – der Kind – heute auch unbedingt seine Hausaufgaben mit Marvin machen wollte. Was ich total super finde, weil ich dem Kind schon länger versuche sein Zimmer als guten Ort für ruhige Hausaufgaben nahe zu bringen.

Die Gang: Marvin, Titus und das Mittelkind

Das einzige Problem, das so ein überfürsorglicher kleiner Mensch für einen Marvin-Kaktus darstellen könnte: er möchte ihr gerne ununterbrochen füttern. Und wir alle wissen ja, Kakteen sind sehr genügsame Pflänzchen. Also haben wir uns einen Verpflegungsplan für Marvin überlegt: einmal die Woche – montags – bekommt Marvin einen Becher Wasser. Streicheleinheiten und frische Luft dafür aber mindestens einmal am Tag. Alle zwei Wochen werden die Blätter feucht abgewischt. So sollte es Marvin beim Mittelkind lange gut gehen.

Vermutlich ist es nach dieser Schilderung auch nicht verwunderlich, dass sich genau dieses Kind seit jeher einen Hund wünscht. Und ich bin mir sicher, er wäre der beste Hundemensch auf der Welt. Trotzdem muss er bis dahin noch ein, zwei Jährchen Geduld aufbringen. So ein Tier ist doch ein bisschen mehr Verantwortung, als ein Marvin.

***

Das große Kind hat jüngst auf einer kleinen Feier beim Kellnern geholfen und dafür 10 Euro bekommen. Die wollte er heute dann auf sein Konto einzahlen und somit das erste Mal auch am Schalter mit den Bankmitarbeitern agieren. Tatsächlich fragte er mich drei Mal, ob er das jetzt wirklich alleine machen darf. Es ist sein Konto, sein Geld, also muss er auch alleine die Einzahlung vornehmen. Ja!

Es ist so toll diesen kleinen Menschen wachsen zu sehen und aus sicherer Entfernung zu beobachten, wie er die freundliche Bankmitarbeiterin alles fragt, was man eben so wissen muss. Was sie genau für die Einzahlung von ihm braucht, wo und wie er unterschreiben muss („Guck mal, Mama. Das ist jetzt meine richtige Unterschrift. Sieht die gut aus?“ – „Perfekt!“) und ob er sich jetzt direkt einen Kontoauszug ziehen darf, auf dem die 10 Euro dann schon drauf stehen.

Die freundliche Dame von der Bank lächelte mir zum Abschied zu und wünschte uns noch einen schönen Tag. Das Kind zog stolz wie Oskar einen neuen Kontoauszug und stellte erstaunt fest, dass der Haben-Betrag auf dem Auszug ja schon wieder mehr geworden sein, im Vergleich zum letzten Monat.

„Ja, Kind, das nennt man sparen. Das passiert, wenn man sein Geld nicht sofort in den nächsten Kiosk oder zur Tankstelle trägt.“

Dafür erntete ich eine hochgezogene Augenbraue und ein entrüstetes „Mama!“

Wo ich Recht hab, hab ich halt Recht.

So. Tolle. Jungs. <3

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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