Just Married!

Heiraten ist etwas, das man nach dem dritten Glas Wein, auf dem Sofa sitzend, jedem ausreden würde; den Kopf schüttelt und Phrasen á la „Was ändert das denn?“ dreschend den Du-Du-Du-Finger hebt.

Wenn man dann erfährt, dass nun tatsächlich geheiratet wird, wird einem ein wenig schwer ums Herz. Klappt das? Wird es ihm gut gehen? Wird es ihr gut gehen? Man entwickelt Beschützerinstikt für einen 13 Jahre älteren Bruder – wie albern!

Wenn ihr dann beim Ja-Wort leicht die Stimme einbricht, weil sie so furchtbar aufgeregt ist und er mit lauter, klarer und deutlicher Stimme ein Ja schmettert … dann heulen wir alle, die wir vorher gesagt haben, wir würden nicht heulen.

Ich umarme meine 14jährige Nichte, die sich bei der Standesbeamtin wahrheitsgemäß als die Tochter des Bräutigams vorgestellt hat, und bewundere, wie groß sie geworden ist, wie erwachsen sie ausschaut und wie gerührt sie zu mir sagt, dass sie ganz doll froh ist, dass der Papa jetzt wieder geheiratet hat.

Ich drücke auch meine neue Schwägerin – ein Jahr jünger als ich – und flüstere ihr zu, dass sie ihn hoffentlich „in den Griff“ bekommt. Ich wünsch es ihr – ich wünsch es ihm!

Ich drücke meinen Bruder, den großen, den einzigen den ich habe! Ich wünsch ihm alles, alles Gute … und das es diesmal die fehlende Hälfte seines gebrochenen Seelenballs ist …

… und warum erzählen Standesbeamte eigentlich immer die selbe Geschichte?

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9 Heulsusen

  1. Was eine Heirat aendert? Man faellt in andere Steuerklassen zum Beispiel.
    Herzliche Glueckwuensche an deinen Bruder uebrigens, ich finde es toll, dass es noch Leute gibt, die heiraten :grin:

  2. : und warum erzählen Standesbeamte eigentlich
    : immer die selbe Geschichte?

    ich glaube, es gibt nur die eine :neutral:

    In dem jahr, als wir geheirtate haben, haben auch noch zwei befreundete Paare geheiratet – da bedeutet, ich habe in einem jahr dreimal die Geschichte und viermal das deutsche Namensrecht vorgelesen bekommen.
    falls also jemand Fragen dazu hat… :smile:

  3. So wie ich die Erzählungen, äh… Leidklagen eine Standesbeamtin deute, ist nie einer zufrieden. Die einen hätten gerne einen Termin an einem ganz bestimmten Tag, die einen in einem bestimmten Raum. Dann soll der Beamte ordentlich angezogen sein, das ganze zügig durchführen, aber nicht zu schnell, pfiffig aber nicht zu frech und nicht zu getragen sein etc. Dann wird gemault, weil man schon so lange wartet, vergisst aber selber, dass man selber das Zeitbudget überzieht, weil nunmal Oma, Opa, die Eltern, die Tanten und andere wichtige Freunde und Verwandte auf ihre Stühle geschleußt werden müssen, bevor es los gehen kann.
     
    Früher oder später wird man als Beamter feststellen, dass man es keinem recht machen kann und somit fährt man halt seinen Stiefel. Und hält die Klappe. Denn bei rummaulende Beamten hält sich heutzutage – bei dem bombensicheren Job – das Mitleid in Grenzen.
     
    Rechne ich richtig und Deine Nichte hat nun eine 10 Jahre ältere Schwester, ähh… Stiefmutter. ;-)

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