Pia … ich heiße Pia!

Im zarten Alter von fünf Jahre beschloss ich eines Sonntagmorgens – das sind meist die Morgende, an denen der Rest der Familie länger schläft – mir doch in schickes Pony zu schneiden. Ich hatte das vorher auch alles ausführlich an meinen Barbies ausgetestet, immerhin will man ja nicht unvorbereitet ans Werk gehen.

Am darauf folgenden Dienstag musste ich dann zum Frisör. Wir erinnern uns, damals, als Pia fünf Jahre alt war, hatten die Frisöre montags Ruhetag. Ich weiß nicht wie lange ich an einen Zusammenhang zwischen Beerdigungen von Mantafahrern und Ruhetagen beim Frisör geglaubt habe, ich weiß nur, dass mein Bruder mir diese Weisheit nahe brachte.

Ich bin schon als Kind recht gerne zum Frisör gegangen, denn nichts ist schöner, als das Krabbeln der Kopfhaut. Ich saß also einige Zeit auf diesem Stühlchen, das so weit es nur ging hochgepumpt war, hatte die Augen geschlossen, damit keine Haare hinein fallen konnten und wartete artig darauf, dass die Frisöse fertig wurde.

Sagen wir es so: als meine Mutter mit mir später nach Hause kam, bekam meine Schwester einen einstündigen und nicht übertriebenen Lachkrampf! Sie lachte Tränen, japste nach Luft, zeigte mit dem Finger auf mich und begann wieder von vorne – Gackern, Tränen, Japsen, Zeigen.

Ich hatte einen so genannten Mecki verpasst bekommen und schlagartig wurde mir bewusst, warum der Igel aus der Hörzu Mecki hieß … er trug die selbe Frisur.

Diese ultrakurze Haarpracht hatte ich auch noch bei meiner Einschulung. Hätte man auf dem Einschulungsfoto der gesamten Klasse noch, auf Grund des karierten Kleidchens mit Tischdeckenkragen, darauf schließen können, dass ich ein Mädchen bin, so waren sich die meisten Menschen spätestens beim Einzelfoto – an einem Tisch sitzend und zahnbelückt in die Kamera grinsend – sicher, dass ich ein Junge war.

Das schlimmste Erlebnis, traumatisch für mich wie auch für meine Schwester, hatten wir in Kassel, in einem Aldi Nord, als ich circa 6 Jahre gewesen sein mag und meine Schwester dementsprechend 16 oder schon 17. Dort sprach uns am Ahaoi-Brause-Regal ein Mann an, strahlte mich breit an und rief meiner Schwester entzückt zu:

„Sie haben aber einen hübschen Sohn!“

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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22 Gedanken zu „Pia … ich heiße Pia!

  1. Als meine Tochter zwei Jahre alt war, hat sie mich nach einem Friseurbesuch (also ich war beim Friseur, nicht sie) ausgelacht.

    Kinder können so grausam sein:cry:

  2. Oh Gott, ich habe genau diese Erfahrung auch gemacht und habe einen Heulkrampf bekommen, als jemand im Zeitschriftenladen zu der Dame neben mir sagte: „Ach lassense doch den kleinen Jungen mal vor!“
    Das war sooo furchtbar. Aber ich gehe grundsätzlich nicht gerne zum Friseur, da die mir grundsätzlich nicht nur die Spitzen, sondern mindestens 20cm Haar abschneiden und ich dann ausseh wie ein explodierter Staubsauger durch die Naturlocken. Daher habe ich Jahrelang mit die Haare einfach selbst abgeschnitten.

    Kurz vorm Abiball, hat mir eine Friseuse, die mir meine Mutter wärmstens empfohlen hat (ich hatte daher dann natürlich Vertrauen in sie) dann wieder einen „Wischmop“ verpasst – ich hätte sie am liebsten gelyncht. Sie hat mir dann so eine „tolle“ Hochsteckfrisur verpasst und es sah echt doof aus.

    Mittlerweile habe ich in München eine wirklich gute Friseuse gefunden, die wirklich nur Spitzen schneidet und ganz tolle blonde Strähnchen in mein Haar zaubert. :)

  3. Liebe Pia, wir sind ungefähr gleich alt und wenn ich mich richtig zurück erinner, passte der Kurzhaarschnitt doch super in diese Zeit :grin:
    Innerhalb einer Woche hatte die hälfte der Mädchen (es war wohl ungefähr die zweite Klasse) einen Kurzhaarschnitt!!!
    Nur die blöden Mädchen züchteten weiterhin ihre klangen Zöpfe… Gut, ich geb´s ja zu, nach kurzer Zet war ich´s satt und wollte meine langen Haare zurück :wink:
    Das ist übrigens auch heute noch so!
    Lass ich sie schneiden, will ich sie ne Woche später wieder lang haben…:notfunny:

  4. Meine Ex-Freundin (27) hat im Treppenhaus von ihrer Nachbarin (ca. 130) auch gesagt bekommen, dass sie einen netten Sohn hätte… (es handelte sich allerdings um eine Freundin (29) !!!)… sowas schmerzt dann doch :grin:

  5. Ich wurde als Kind aufgrund meiner langen, lockigen Haare immer gefragt ob ich ein Mädchen sei :mad:.
    Heute versuche ich sie immer kurz zu haben, obwohl grade im Winter eine dicke Wolle (durch die Locken) auf meinem Kopf wächst.

    Übrigens ich hasse meine Locken :kotz: :ja:.

  6. ich muss mir trotz langen haar, ausreichend weiblicher formung immer anhören, ob ich ein junge bin oder ein mädchen. also is ihre geschichte nicht so drastisch, aber lustig :grin:

  7. Ich hatte mit ungefähr sechs oder sieben Stirnfransen. Die hab ich mir eines Tages auch abgeschnitten, weil ich keine Fransen mehr haben wollte.. Sah wohl ziemlich schrecklich aus (leider existieren keine Fotos davon..), jedenfalls hat mich meine Mutter auch zur Frisörin geschickt, die mir einen Kurzhaarschnitt verpasst hat.
    Auf dem Weg nach Hause hab ich mir an den Haaren gezogen, weil ich wollte, dass sie schneller nachwachsen..
    Natürlich wurde ich im kurz darauf folgenden Trainingslager auch für einen Jungen gehalten :wink:

  8. Liebe Pia ich kann sehr gut das nachempfinden, was Du erlebt hast. Im zarten Alter von 10 war ich mit meinen Eltern in einem Haus in Schweden. Da meine Haare nach 3 Wochen Urlaub dann wirklich geschnitten werden mußten, nahm meine Mutter kurzerhand die Küchenschere und legte los :eek: – das Resultat war grauenhaft und führte zu so machen Hänseleinen auf dem Schulhof. Von da an bin ich immer zum Friseur gegangen…. ach, immer diese Kindheitstraumata :ja:

  9. Mein Schlüsselerlebnis war beim Bäcker. Alle drängelten sich vor, bis die Verkäuferin sagte: „Jetzt lassense den kleinen Jungen doch auch mal.“ Als ich dann vor lauter Schreck auch nicht mehr wusste, wie man Croissants ausspricht, bin ich geflohen und habe jahrelang keinen Friseur mehr beehrt. Noch heute bin ich schwer traumatisiert und drohe jeder Frisöse noch vor dem ersten Schnitt mit juristischen Konsequenzen, wenn sie nicht exakt das schneidet, was ich will.

  10. Kindtheitstrauma Friseur?

    Das kenne ich auch!

    Meine Mutter war meine Stylingberaterin, sie hatte mir die richtigen Tipps gegeben, als ich total unentschlossen nur mit einem leichten Nachnitt vom Friseur kam….

    Am nächsten Tag ging sie mit mir hin. Während ich dann auf dem Stuhl sass und den Umhang umgelegt bekam, gab sie die Instruktionen:

    „Machen sie es so kurz wie möglich!!!“ Sie griff mir in die Seiten- und Nackenhaare
    „Das hier soll alles ab! Schneiden sie es so kurz wie es geht!“

    Es endete mit bis zum Oberkopf maschinenkurz rasierten Haaren, ohne Aufsatz, dabei wurden die Seiten auch millimeterkurz anrasiert.
    Die Maschine wurde warm dabei, das spürte man auf der Kopfhaut, auch diese Brummen, der Maschine. Die Haare auf dem Oberkopf standen von alleine hoch, weil sie so kurz waren.

    In der Pubertät waren die Haare dann länger.

    Als ich Jahre später dann die ersten Haarschnitte mit ausrasiertem Nacken bekam, oder reine Maschinenschnitte, bin ich zuerst fast gestorben.
    Das Brummen der Maschine am Kopf zu hören und zu Spüren löste wirklich keine Freude aus…..

    Aber heute habe ich wieder die millimeterkurzen Maschinenschnitte.

  11. Zitat:
    Lustige Geschichte! Solche Sachen erlebe ich nie

    Wenn ich jetzt noch wüsste, was Mecki ist, war wohl vor meiner Zeit…? *grübel* … *suchengeh*
    Zitat-Ende

    Ein „Mecki“ war ein Maschinenschnitt mit einem Aufsteckkamm, der die noch verbliebene Länge der Haare bestimmte.
    Mecki, weil die Haare dann wie beim Igel hochstanden und nicht mehr kämmbar waren.

    Die Prozedur hatte etwas wie beim Formel-1 Boxenstop:
    -Rauf auf den Friseurstuhl
    -Papierkragen und Umhang Umlegen lassen
    – „Mecki“ sagen….
    – Dann nahm die Friseurin die Maschine, steckte den Aufsatzkamm drauf und wenn sie gut war, im Sinne von erfahren und schnell, dann lagen die Haare in einer Minute auf dem Umhang. Weil man als Kind noch nicht wusste, wie man den Kopf halten sollte, wurde er dann während des Schneidens gleich in die geeigneten Positionen gedrückt und erst wieder losgelassen, als alle Haare auf dem Umhang lagen.
    Dann wurde der Aufsteckkamm abgenommen, die Konturen geschnitten und der Umhang abgenommmen.
    Länger als zwei oder drei Minuten dauerte das meistens nicht……

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