spüren – fühlen – empfinden

Ich klopf ihm freundschaftlich auf die Schulter, grinse ein wenig schief und frage, wie es ihm geht. Er nickt, nicht wirklich überzeugend, und grinst schief zurück. „Gut, soweit.“ Ich glaube ihm nicht. Ich weiß, dass er lügt. Entgegen meiner angeborenen natürlichen Neugier frage ich nicht weiter nach. Ich will ihn nicht bedrängen, ich will nicht, dass er sich komplett verschließt. Ich möchte viel eher, dass er selber der ist, der den Zeitpunkt bestimmt, an dem er seine Sorgen in Worte fassen kann.

Zwischen uns liegt eine Distanz, eine Zeit, ein Raum. Der freundschaftliche Schulterschlag war nicht real, aber gespürt. Das Zwinkern, das schiefe Grinsen; nicht real, aber gefühlt.

Es ist real, auch wenn es ungreifbar ist. Er dort, ich hier. Wir reden. Über alles Mögliche, wie so oft. Ein Bierchen wäre mal schön, vielleicht hier, vielleicht aber auch dort. Mal raus kommen, mal was anderes sehen.

Und plötzlich ist da wieder dieses schiefe Grinsen, das freundschaftliche Anstupsen. Wir reden. Er redet. Da wären die Probleme, die man selber gut kennt. Verständnis, aufmunternde Worte, ein erneutes Anstupsen.

„Wahre Liebe verkraftet alles. Blabla“, sagt er und ich sehe, wie er den Kopf resigniert und kraftlos auf einer Hand abstützt. Er seufzt jetzt sicher.

„Tut sie auch. Nur manchmal sind die Tiefen eben tiefer.“ Ich weiß, er lacht jetzt, leise und trocken. Aber ich glaube, er weiß, was ich meine.

Ein freundschaftliches Schulterklopfen, eine kleine Umarmung, ein schiefes Grinsen und ein Zwinkern.

Nicht real, aber empfunden.

[Aus der Kategorie: gewidmet.]

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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12 Gedanken zu „spüren – fühlen – empfinden

  1. Vielleicht solltest Du das mit dem Schreiben nicht für die Schublade oder eine kleine Fangemeinde machen, sondern für die breite Öffentlichkeit. Es steckt so viel mehr in Dir. Ich bin beeindruckt, wo nimmst Du das her?

  2. Pingback: liebe « jojo1979

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