Von Oben

hoffnungsvollDie letzten drei Jahre waren durchgehend von Höhen und Tiefen geprägt. Drei Jahre, in denen wir nicht verhütet haben, in denen immer wieder neue mögliche Gründe für den unerfüllten Kinderwunsch auf den Tisch gebracht wurden und drei Jahre, in denen wir auf diverse Dinge hin untersucht und behandelt worden sind.

Zu Beginn hieß es noch, dass ein Jahr Wartezeit völlig normal sei. Die meisten Paare würden innerhalb der ersten 12 Monate nach Absetzen der Pille schwanger. Wir wurden es nicht.

Inzwischen führte ich Zyklusblätter, die mir jeden Monat bilderbuchmäßige Zykluskurven zeigten, mit einem bomben Eisprung und einer ach so tollen Hochlage. Sie endeten alle in einem Blutbad (ächäm.)

Meine Frauenärztin diagnostizierte mir dann recht schnell eine Gelbkörperschwäche, welche dafür verantwortlich sei, dass sich ein befruchtetes Ei nicht einnisten könnte. Ich nahm drei nervenaufreibende Zyklen lang Utrogest. Nervenaufreibend, weil das Medikament dazu führte, dass ich ein ums andere Mal überfällig war. Also einen Test machen – aha, ja, schon wieder negativ – Utrogest absetzen und bluten. Ein erneuter Hormontest bewies: Der Gelbkörperwert war inzwischen wieder auf normal Level. Einfach so.

Zwei Jahre vergingen. Zeitweise wollte ich alles hinschmeißen, nie Kinder bekommen … der Satz, mit dem meine Frauenärztin mich jedes mal beruhigte: „Wissen Sie, Sie sind ja noch so jung … da können wir ja noch eine Menge machen.“ ich hätte sie würgen können, auch wenn sie so wahnsinnig bemüht war.

Zwischenzeitlich waren meine Testosteronwerte so immens hoch, dass mich meine Ärztin anrief und fragte, ob wich wirklich regelmäßig meine Periode bekommen würde. Mit den Ergebnissen dürfte ich gar keine Regelblutung haben. Ich versicherte ihr erneut – wie auch schon dutzende Male zuvor – dass ich einen SEHR regelmäßigen Zyklus von 28 Tagen hätte. Glauben wollte sie es wohl nicht.

Bei diversen Folikelschauen (auch ein selten dämliches Wort, aber wie nennt man es sonst?) war sie stets beeindruckt, dass meine Eier so groß seien, so toll springen würden und die Schleimhaut – wow – die sei echt toll.

Ich will nicht von den dutzende anderen Untersuchungen anfangen, die wir über uns ergehen ließen und die uns nur näher zur Erkenntnis brachte: uns fehlt nix. Außer einer Schwangerschaft.

Ich habe mich oft mit dem Gedanken beruhigt, dass irgendjemand „da oben“ ein Auge auf uns wirft und wenn der richtige Zeitpunkt da ist, dann würde es einfach passieren. Und nach all den Monaten, Jahren, Diagnosen, Behandlungen und Tränen ist die einzige Erklärung, warum es ausgerechnet JETZT klappt, die, dass „da oben“ jemand sitzt und genau JETZT für den richtigen Zeitpunkt hält.

Rückblickend waren das 3 Scheiß Jahre!

Aber wer blickt in so einer Situation schon zurück?

Wir jedenfalls nicht.

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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18 Gedanken zu „Von Oben

  1. Hallo liebe Mama Miez,
    ich weiß sehr gut, was du meinst. Ich habe über 5 Jahre auf meine große Tochter warten müssen und mit Beginn der Schwangerschaft ging es wirklich nur noch nach vorne. All das, was vorher mein Leben bestimmte, fiel plötzlich weg und vermisst habe ich das Arztbesuchen, Messen, Zählen, Auswerten etc. bestimmt nicht. *g*
    Ich gratuliere ganz herzlich zur Schwangerschaft und wünsche alles Gute für die nächste aufregende Zeit!
    Kati

  2. Tja, das kenne ich nur zu gut. Bei uns kommt noch dazu, dass wir beim ersten Kind Keinerlei Schwierigkeiten haben und dann kommt dieses: Ihrer Sohn ist der beste Beweis, dass es klappen kann. Tja, auch das bringt uns nicht viel weiter. Wenn es damals einfachso geklappt hat, wieso jetzt nicht?? Es muss doch eine Erklärung geben, oder?
    Im Prinzip ist mir tatsächlich egal, ob es jetzt oder später klappt. Nur 2 Einzelkinder wollte ich nicht haben und langsam läuft uns die Zeit davon. Jetzt ist aber entscheiden, wenn bis zur Max Einschulung (noch 2 Jahren) kein weiteres Kind in Sicht ist, dann lassen wir es sein. Max ist doch toll :-)

  3. Ich war während unsrer Übungsphase ja wirklich sehr ungeduldig, dabei hat es schon im 9. ÜZ geklappt. Kein Vergleich zu dem, was ihr durchmachen musstet. Meine Güte komme ich mir rückblickend lächerlich vor… -.-
    Jetzt ist der Test po-si-tiv, nur das zählt :)

  4. Mama Schwaner: Den lass ich mir auf ein Kissen sticken. Der Spruch passt wirklich perfekt.

    Frau Limette: so in Etwa stell ich mir das auch mit der Geburt vor. Wenn man das heiß ersehnte in den Händen hält ist der ganze vorangegangene Stress vergessen.

    Natalia: Ihr werdet für Max sicher noch ein Geschwisterchen basteln. Große Brüder sind doch sowas tolles (mein großer Bruder ist 13 Jahre älter als ich.)

    agichan: Ich hab am Anfang auch gedacht: na, zwei Monate, maximal vier … es wurden verdammt lange vier Monate ;) Ich denke dennoch, dass es sich gleich anfühlt. Ob es neun oder 19 Monate sind. Der Wunsch ist doch derselbe, oder?

    mujerfuriosa: Danke nochmals :D

  5. Ach schön! Alles, alles Gute für die nächsten Wochen. Der Start war bei uns auch arg holperig und dennoch ist alles irgendwann gut geworden. Ich glaube auch: Nichts im Leben geschieht ohne Grund.

    (Ich musste die Utrogest übrigens die gesamten ersten drei Monate der Schwangerschaft nehmen, um sicher zu gehen. Ein drittes Sternenkind sollte es nicht geben.)

  6. Kaleema: Ein Sternenkind ist mir zum Glück bisher erspart geblieben. Es gab aber eine Zeit, da wäre es für mich zumindest der Beweis gewesen, dass ich schwanger werden kann. Aber wir wollen nicht zurück blicken!

  7. ui, da gratuliere ich aber ganz herzlich !!

    bei uns hat es 3 Monate gedauert … und die waren für mich schon nervenaufreibend … kaum auszudenken was Du durchmachen musstest !!!

    ich wünsche Dir eine wunderschöne Kugelzeit !!!

  8. Manches mal müssen die Dinge reifen, bevor sie eintreffen. Und es ist auch gut von der Natur, dass sie uns nicht jeden Wunsch sofort erfüllt – wie gute Eltern eben so sind. ;-) Trotzdem füllt man sich dann, wenn man warten muss, wie ein ungeliebtes Kind – warum die anderen und nicht ich.

    deshalb ist es nun umso schöner zur Schwangerschaft gratulieren zu können. Alles Liebe und gutes Gelingen.

  9. Ganz ehrlich? Das war der Gedanke, an den ich mich auch immer geklammert habe. Du kannst schwanger werden. Trotzdem, ich hatte immer Angst, es würde wieder schief gehen.

    Schau‘ nach vorne, es warten unglaubliche Abenteuer!

  10. bei uns waren es „nur“ etwas über zwei jahre bis ich das erste mal schwanger wurde und leider eine fg hatte, aber im grunde hab ich die super verkraftet, einfach weil ich von da an wußte, es kann klappen und dann hat´s direkt im anschluß wieder geklappt. :-)

    es ist wirklich unglaublich, wieviele menschen (auch in meinem bekanntenkreis) einen unerfüllten kinderwunsch haben. man macht sich einfach keine gedanken vorher darüber.

    aber bei euch ist es jetzt absehbar, bis ihr einen krümel in den armen halten könnt. ich freu mich für euch!! und drücke die daumen für eine problemlose schwangerschaft!!!

  11. Oh gott…wir sind bei üZ 24 ….erste tochter 6 monate….hetzt zwei jahre nix. Alles probiert. Tee globulis heilpraktiker hirmone zyklusmonitoring spermiogramm ..,.nix hilft….bin jetzt kurz vor aufgeben,
    Der arzt meinte jetzt eine bauchspiegelung waere noch wichtig….aber ich weiss es nicht mehr. Meine nerven liegen blank und unsere maus ist schon 5

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