Schlaf der Gerechten

oder auch Als ich mal Schwimmen ging.

Das gestrige Schwimmen war ein voller Erfolg, möchte ich meinen. Um 5:45 Uhr aufgestanden, geduscht, Tasche geschnappt und um 7:30 Uhr pünktlich bei meiner Schwester gewesen. Unsere Mutter eingesammelt und das Nichtenkind an der Schule abgesetzt. Dann weiter zum Schwimmbad.

Ich kam mir ein bisschen blöd vor, als ich eine Karte für Sportschwimmen löste und zu allem Übel dann noch beinahe mit meinem dicken Baum im Drehkreuz stecken blieb (kein Scherz!). Meine Schwester schob mich dann auch lachend in eine Behindertenkabine, was sich aber als absolut sinnvoll erwies, immerhin gab’s hier überall Griffe, um sich festzuhalten, eine große Sitzbank und genug Platz um sich zu drehen und zu wenden.

Meine Mutter zog ihre Bahnen dann im Bewegungsbecken (das meine Schwester liebevoll Rentnerbecken nannte), weil dieses viel Wärmer geheizt ist, als das Sportbecken, welches ich sogar noch als zu warm empfand. Ich zog also so meine Bahnen und blieb dabei aber am Beckenrand. Ich bin eine gute Schwimmerin, aber irgendwie war mir die Situation mit diesem dicken Bauch und dem Wissen um häufige Beinkrämpfe (Magnesium hilft) in letzter Zeit doch ein bisschen zu heikel.

Nach einer knappen dreiviertel Stunde kam dann eine laut johlende Schulklasse, ich tippe auf Siebtklässler, die binnen Sekunden aus dem Sportbecken ein Wellenbad machten. Alles verkraftbar, nur leider sperrte der Bademeister dann auch noch beide äußeren Bahnen ab, so dass wir nur noch in der Mitte des Beckens schwimmen konnten, was mir aus oben genannten Gründen ein wenig suspekt war.

Ich versuchte also mich gekonnt schwungvoll aus dem Becken zu hieven, knallte aber mit der Hüfte gegen den Beckenrand und ließ mich wieder ins Becken plumpsen. Im Nachhinein bin ich froh, dass es die Hüfte und nicht der Bauch war. Das wiederum bekam der Bademeister mit, hielt die johlende Meute an und ich konnte unter Beobachtung von 30 Kinderaugenpaaren zum Beckenrand paddeln, um dort meinen schwangeren Körper über die Leiter aus dem Becken zu bewegen. Ich war nur froh, dass der dicke Bauch quasi als wortlose Entschuldigung für meine fehlende sportliche Leistung beim Beckenenrandrausschwung herhielt.

Im RentnerBewegungsbecken schwamm ich dann direkt in diesen Bewegungsstrudel (Sie kennen das sicher), wo ich mich gute zehn Minuten im Hopser-Schritt vom Strudel treiben ließ. Ich hatte das Gefühl, dass das anstrengender war, als zehn Minuten schwimmen und auch wenn es ziemlich lustig aussah (meine Mutter und meine Schwester lachten sich kaputt, weil mein Kopf immer wieder in drei Meter Abständen auftauchte, um dann wieder zu verschwinden. „Wie ein junges Reh“ sei ich gehüpft.), so verließ ich nach dieser Zeit das Becken mit matschigen Wackelpuddingbeinen.

Anschließen gingen wir zu dritt noch frühstücken, schlenderten über einen Kölner Wochenmarkt und bestaunten die Auslage von Coco – dem Kinderladen (der mich ein wenig an diverse dawanda-Angebote erinnerte).

Ich war schließlich gegen 16 Uhr zu Hause, wo ich dem Miezmann kurz Bericht erstattete und dann verkündete, ich würde mich ein bisschen hinlegen. Er soll mich in eineinhalb Stunden wecken (was er auch tat). Wir kochten gemeinsam eine Kleinigkeit, schauten einen Film und um 22 Uhr drehte ich mich auf dem Sofa liegend um und schlief erneut bis 0:30 Uhr. Dann gingen wir ins Bett, wo wir noch ein halbes Stündchen quatschten, bis ich erneut einschlief.

Heute Morgen weckte mich der Miezmann um 10 Uhr. Ich habe also in den vergangenen 24 Stunden gut und gerne 13 Stunden geschlafen. 13 Stunden!!! Jeder, der mal schwanger war, wird mir die Begeisterung und Erholung nachempfinden können, die 13 Stunden Schlaf ausmachen.

(Im Übrigen glaube ich, dass durch das Schwimmen der verkeilte Nerv entklemmt wurde. Jedenfalls kann ich seit gestern Abend wieder schmerzfrei auf dem Rücken liegen. Und wie ich beim Versuch des Rückenschwimmens fast abgesoffen wäre, erzähle ich Ihnen ein andermal.)

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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6 Gedanken zu „Schlaf der Gerechten

  1. Sorry, zum Schluss musste ich lachen. Weia, was man für ein anderes Körpergefühl bekommt nur – es hat einige Erinnerungen in mir wieder hervor gerufen. Dafür danke ich Dir! :-)
    Im Kinderbecken einfach nur hin- und herlaufen, das habe ich zum Schluss am Liebsten gemacht.

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