Man sagt, …

Man sagt ja, dass wenn die Frauen von ihrem Exkurs ins schnöde Mutter- und Hausfrauendasein zurück ins Berufsleben kehren, sie dann das Windelbloggen dran geben und stattdessen wieder anfangen selbstreferenzielle Ego-Beiträge zu verfassen. Sagt man. Da die Windelbeiträge hier aber nur rar gesät waren, ist davon auszugehen, dass die Hausherrin des Daily Mes eventuell dann ab Juli einfach wieder mehr bloggt. Über sich und über die Menschen, die sie draußen trifft.

Weil, draußen war ich ja jetzt lange nicht. Ich habe ja zwei Jahre lang ausschließlich Windeln gewechselt, die Brust verfüttert, Kotze weggewischt, Kinderlieder gesungen (bei Gelegenheit muss ich ihnen mal erzählen, was mit der eigenen geistigen Beweglichkeit passiert, wenn man trölfhundertmal am Tag „Was müssen das für Bäume sein …“ singt.), Wimmelbücher gelesen, kleine Sandburgen im Sandkasten gebaut, die der große Beebie dann mit einem beherzten RUMPF! platt gekloppt hat … ich kann wahrscheinlich gar nicht mehr mit sich hauptsächlich aufrecht bewegenden Primaten. Was redet man mit denen? Wetter?

Auch muss ich mich stark zügeln, niemandem die Essenreste mit angefeuchtetem Daumen aus dem Mundwinkel zu wischen, Taschentücher mit „Schnup mal kräftig“ unaufgefordert in Gesichter zu drücken oder riechende Mitmenschen mit eindringlichem Blick nachdrücklich zu fragen, ob sie AA gemacht haben … das wird … nun, sagen wir … eine Umstellung.

Und trotz all der neuen alten Dinge, die da auf mich zukommen und auf die ich mich schon sehr freue, ist für mich das größte Abenteuer daran, dass ich meine Beebies schon so früh in Fremdbetreuung geben muss. Das wurmt mich. Jeden Tag. Ich hätte gerne noch mindestens ein Jahr Windeln wechselnd, Kotze wegwischend, Wimmelbuch lesend, Kinderlieder singend mit ihnen zu Hause verbracht. Auch auf die Gefahr hin, dass mich das weitere 2.000.000 Gehirnzellen, die auf Business getrimmt waren, gekostet hätte.

Diese sprichwörtliche Medaille mit den zwei Seiten … hätte ich sie für einen gute Kaffee ausgegebene. So muss ich sie eben noch eine Weile mit mir herum schleppen und darauf warten, bis sich mein Herz eingependelt hat, ich meine Jungs ohne Schuldgefühle morgens in die Krippe bringen und dann mit ungetrübtem Spaß an meinem Schreibtisch sitze kann.

Aber worauf ich jetzt eigentlich hinaus wollte: ich hab den Job. Yeah!

Ich habe schon gewusst, warum ich die Kategorie Agenturleben damals nicht abgeschafft, sondern nur stillgelegt habe. Yeah Baby, yeah

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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6 Gedanken zu „Man sagt, …

  1. Herzlichen Glückwunsch und alles Gute für dich und deine Jungs! Ich fand schnell, dass die Kita eine wunderbare Erfindung ist.
    Und die Kleinen finden es (wenn der Abschied erst mal überstanden ist) ja meistens auch toll … Ich drücke die Daumen, dass es nicht lange dauert, bis du es genießen kannst.

  2. ich wünsche dir viel Spass im Job, und die Zeit mit deinen Kindern wird dann aus eigener Erfahrung intensiver wahrgenommen….

    Hart wird es erst, wenn die Kinder dir mal sagen:
    Was machst du denn schon hier, es ist noch nicht mal drei…. Seit dem gehe ich eher einmal in die Stadt und trinke da noch einen Kaffee denn meinen Sohn eher abzuholen.

  3. wie macros sagt: ich höre hier mittlerweile auch schon immer genöle, wenn ich mal früher komme……:) und bei uns ist es ja wie bei euch: beide sind zusammen in einer gruppe und da sie sich haben, interessieren sie sich ganz schnell auch nicht mehr dafür wo eigentlich muddern weilt:)

    ansonsten wünsche ich einen wunderbaren einstieg und hoffentlich nicht allzuviel spagatschmerzen.

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