„Da is‘ der Papa!“

Der Flieger landet um 19:50 Uhr

Die Nachricht erhielt ich um 19:40 Uhr, als der Flieger bereits gelandet war. Da mein Mann mich auf einem Zwischenstopp aber bereits informiert hatte, dass er früher landen würde, entschied ich mich die Kinder bei Laune und wach zu halten, um mit ihnen gemeinsam zum Flughafen zu fahren.

Das Löwenmaul machte es mir da am schwersten, legte sich aufs Sofa und schielte irgendwann nur noch mit einem Auge auf das Fernsehprogramm, das ich ihnen zur Ablenkung angemacht hatte. Als die Nachricht kam blies ich zum Sturm. Schuhe an, Jacken an, go go go!

Ich hatte den Kindern zuvor erzählt, wir würden einen Besuch vom Flughafen abholen, den sie nicht kennen würden. Der Quietschbeu fragte sich daraufhin sehr ausdauern, ob der Besuch wohl Gummibärchen mitbringen würde und ob er in seinem Zimmer schlafen könne. 

Auf der Fahrt zum Flughafen versuchten der Quietschbeu und ich weiterhin das Löwenmaul wachzuhalten. Für das Meedchen hätte ich zur Not einen Buggy dabei gehabt, aber den Herrn Löwenmaul wollte ich nicht tragen müssen. Wir animierten ihn also sein selbstgedichtetes Supahelden-Lied zu singen, nachdem der Quietschbeu zum 10 mal „Nicht einschlafen!“ gesagt hatte und das Löwenmaul daraufhin ziemlich entnervt zurück blaffte: „Bissu beklopp? Ich schlaf nich ein, Mann!“ Er intoniert daraufhin sogar 2 neue Strophen, in denen der Supaheld Tanne’bäume aß und der Allastärkste war.

Der Mann informierte mich, dass er das Flugzeug nun verlassen haben. T-2 Minuten.

Am Flughafen angekommen hielt ich ein paar Meter vom Haupteingang entfernt, damit die Jungs den Papa nicht sofort entdecken würden. Ich ließ sie aus dem Auto steigen und platzierte alle drei Kinder auf dem breiten Gehweg. Dann rief ich zum Abmarsch auf. Bereits 2 Meter weiter flüsterte das Löwenmaul: „Da is‘ der Papa!“ Der Quietschbeu entgegnete nur: „Neee, der sieht nur so aus.“ Doch das Löwenmäulchen ließ sich nicht beirren und rannte los, dicht gefolgt vom Meedchen, die auch schon zu begriffen haben schien, wer da im Dunkeln auf sie zukam. 10 Meter. Der Quietschbeu stand wie angewurzelt neben mir und murmelte: „Neee …“

Erst als der Papa in die Hocke ging und das Löwenmäulchen auffing machte es beim Quietschbeu ziemlich laut KLICK. Er flüsterte noch einmal „Papa?“ sofort gefolgt von einem lauten „PAPA!!!“ Dann rannte auch er los und fiel seinem Papa überglücklich um den Hals. Das Meedchen kam kurz nach ihm an, kicherte auf dem Weg zu ihm immer wieder, blieb aber mit einem halben Meter Entfernung vor ihm stehen, um ihn glucksend, aber zögerlicher, anzulachen. 

Als wir eine halbe Stunde später zuhause ankamen, waren die Kinder völlig aufgekratzt und an einschlafen nicht mehr zu denken. Insbesondere das Meedchen wich ihrem Papa nicht mehr von der Seite, verfolgte ihn auf Schritt und Tritt und zeigte ihm immer wieder ganz stolz die Pony-Umhängetasche, die er ihr mitgebracht hatte.

Für mich war allein die Heimfahrt ein wahres Highlight, weil das seit 3,5 Monaten andauernde „Mama? Mama? Mama?“ nahtlos von einem „Papa? Papa? Papa?“ abgelöst wurde. Yay!

Die Kinder sind glücklich. Ich bin glücklich. Keiner von ihnen fremdelte. Stattdessen bin ich sogar eher abgeschrieben, was ich sehr genieße! Einzig Ermahnungen des Papas werden noch sehr skeptisch entgegen genommen. Da wird dann gerne die Mama nochmal befragt, wie die das denn sieht. Besonders das Miezmeedchen ist da sehr … nun ja … empfindlich? Gestern sagte der Miezmann bei Essen zu ihr, die solle nicht so stopfen, woraufhin sie erst mit vollen Backen schmollte und dann in Tränen ausbrach. 2 Minuten später wieder strahlendes Gekicher. 

Überraschenderweise war es schon am nächsten Morgen so, als wäre er nie weggewesen. Das habe ich anders erwartet. 

Ich werde meinen Vorsatz des täglichen Bloggens bewusst und gewollt wohl bis zur erneuten Abreise meines Mannes brechen. Ich denke, dass können Sie verschmerzen :D

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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31 Gedanken zu „„Da is‘ der Papa!“

  1. Da geht einem das Herz auf. Ich kann mir vorstellen wie angesagt der Papa ist und er wird happy sein, dass sie nicht fremdeln. Dir wünsche ich etwas Erholung in der Zeit und genieße die Momente mit deinem Mann!
    Eine wunderschöne Zeit euch Allen!

    LG Nad

  2. Ach, wie ist das schön. :) Habe auch das freigegebene Foto auf Instagram gesehen, mit dem Papa und den drei Kindern – herzerwärmend. Und es hat mich sehr daran erinnert, wie es war, wenn mein Vater (der als ziviler Angestellter bei der Bundeswehr beschäftigt ist) früher von Übungen, Fortbildungen etc. zurückkam – auch in Uniform und fast immer hat er uns etwas mitgebracht. Auch wenn er dann maximal 2 oder 3 Wochen weggewesen war, in der Hinsicht ist das natürlich nicht zu vergleichen (für mich war’s trotzdem immer ewig lang).

    Ich wünsche eine ganz tolle Zeit mit dem Papa – genießt sie! :)

  3. Oh man, da kommen einem die Tränen und man kann so richtig mitfühlen, wie es abgelaufen ist….sehr schön geschrieben!
    Ich wünsche euch eine super schöne Zeit zusammen!!!

  4. Ich hab schon Deine Tweets ganz gespannt verfolgt und hatte jedes Mal Gänsehaut. Und wie die Kinder auf den Miezmann am Flughafen zukamen – woha. Wie gut, dass ich alleine war… ;)
    Genießt die Zeit in vollen Zügen, ich wünsche Euch, dass sie nur ganz langsam dahinschleicht und Ihr diese Momente als kleine Kraftreserven speichern könnt. ?

    Liebe Grüße,
    die Alltagsheldin

    Ach, P.S.: Das Bloggen, pfft – das kannste später immer noch. ?

  5. ich musste jetzt ein bißchen weinen. schön, dass alle kinder so gut reagiert haben – und eine schöne zeit für die ganze familie! wir warten hier gerade auf die ja glücklicherweise wöchentliche anreise des papas, der heute mit dem „snellen zuch tommt“.
    viele grüße!

  6. Wie schön! Ich freue mich von ganzem Herzen für Sie, die Kinder und den Miezmann. Genießen Sie die gemeinsame Zeit und tanken Sie Kraft für den zweiten Teil der Etappe! Sie werden das mit Bravour meistern!

    Herzliche Grüße
    Anja

  7. Das hört sich ganz nach einer fantastischen Rückkehr an… Ich hoffe ihr genießt die schönen Tage und der nächste Abschied fällt nicht allzu schwer. Mein Vater war beruflich auch oft auf Reisen, teilweise auch Wochen und Monate. Ich erinner mich sehr gut daran wie sehr ich mich immer gefreut habe wenn wir ihn vom Flughafen abgeholt haben. Mein Mann ist zum Glück so gut wie nie unterwegs. Und wenn höchstens mal eine Übernachtung. Dafür muss er oft Samstags aufgrund seiner Selbständigkeit ran. Ein schönes Wochenende & viele Grüße aus Troisdorf !!

  8. Hach. Hach. HACH! Zumindest gibt es auch einen positiven Aspekt der Trennung. Das Wiedersehen ist herzerwärmend :). Ich habe so mitgefiebert und an Sie gedacht. Unbekannterweise. Und trotzdem ein wenig Herzklopfen gehabt. Und ich freu mich. Ich wünsche Ihnen gaaaanz tolle Urlaubstage. HACH!!

  9. ?????????
    Genieße die Zeit intensiv und breche den Vorsatz mit gutem Gewissen – es gibt meiner Ansicht nach keinen besseren Grund dafür ;-)
    Eine wunderwunderschöne Zeit wünsche ich euch ?

  10. waaaaahhhhhh ich mag meinen Hormonhaushalt seit 3 Monaten gar nicht mehr. Ich habe angefangen zu lesen und was war? DANKE FRAU MAMAMIETZ. Ich heule wie ein Schlosshund vor mich hin. Gerade so, als ob ich eins der quietschendenMaulmietzchen wäre :-9 Hach man, schnief, …naja und so, du weißt schon :-)

    lG

    ela

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