Ein fröhliches Kind

Der Tag war irgendwie komisch. Ich bin schon mit total dumpfen Bauchgefühl aus dem Bett gekrabbelt und konnte mich auch unter der heißen Dusche nur so semi gut entspannen. Irgendwas lag in der Luft.

Dafür hatte Alex scheinbar einen perfekten Start in den Tag. Ohne große Worte kam er irgendwann ins Bad, putzte sich die Zähne und war, als ich später nach unten kam, angezogen und bereitete sich selber sein Frühstück zu. Ich glaube, dass habe ich noch nie nie nie erlebt. Normalerweise ist es schon immer eine Qual, ihn überhaupt aus dem Bett zu bekommen. Dann das leidige Thema Zähneputzen (Wie lange? Mit welcher Zahnpasta?) und dann trödelt er noch ewig beim Anziehen herum, bis er es dann an den Frühstückstisch schafft, an dem er dann wiederum nicht mehr so viel Zeit wie Hunger hat. Ach.

Aber heute wie gesagt ein völlig gegensätzliches Bild. Vermutlich bin ich ein bisschen naiv, wenn ich das hier jetzt aufschreibe und es somit für Murphy und alle andere lesbar mache. Ebenso vermutlich wird das nie nie nie wieder vorkommen und ich habe diesen einen Tag, der wie eine Speerspitze aus all den anderen morgenmuffeligen Tagen meines Sohnes heraus sticht, nicht ausreichend gewürdigt. Vielleicht wäre eine Laola angebracht gewesen, Konfetti oder wenigstens Luftballons.

Apropos darüber freuen: ich habe Alex natürlich am Abend gesagt, dass ich den Morgen mit ihm total schön fand. Gar keine Hetzerei, kein Streit, keine Hektik und keine Nölerei. Und ja, er hat das ebenso empfunden. Was nun nicht bedeutet, dass ich erwarte, dass das morgen direkt so weiter geht. Ich hoffe trotzdem, dass das es bemerkt und sich darüber gefreut haben ausgereicht hat, um ihn ein wenig zum Umdenken zu bewegen.

Generell war Alex heute einfach unfassbar ruhig, redselig, ausgeglichen, fröhlich, geduldig. Alles, was diesem kleinen Testosteronbolzen die letzten Wochen abging. Alles, was mir an ihm wirklich sehr gefehlt hat. Und sollte es zum Schluss vorerst bei diesem einen Tag in einer ganzen Reihe von anstrengenden Tagen bleiben, dann macht es mich dennoch unendlich glücklich, weil ich so weiß, dass da drinnen immer noch das fröhliche Kind schlummert, das ist so oft vermisse.

Heute Abend saß er neben mit auf dem Sofa, an mich gekuschelt und sah mich eindringlich von der Seite an. „Was ist?“ frage ich ihn und er antwortet lächelnd: „Du bist so hübsch. Wie eine Prinzessin.“ „Aber eine sehr müde Prinzessin …“ Er lacht laut und guckt mich dann wieder an. „Komm, ich mach ein Foto von Dir und dann kannst Du selber gucken.

Er nimmt mein Handy, macht ein Foto und strahlt. „Schau, wie eine Prinzessin!

Ich bin mir unsicher, ob er sich nur auf meine Haarlänge bezieht (irgendwo zwischen Elsa und Rapunzel) oder woran er es festmacht. Aber es schmeichelt mir und macht ein fluffig warmes Gefühl ums Herz.

Im Bett verschwand er dann heute auch ganz ohne Verhandlungen, Meckern, Zeiträubern … es war ein durch und durch perfekter Tag zwischen uns und ich wünsche ihm und mir und uns, dass wir davon noch ganz viele mehr haben.

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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11 Gedanken zu „Ein fröhliches Kind

  1. Er sieht dich ohne Druck weil du immer seine Heldin bist. Egal wie müde du bist, der Tag gelaufen ist, ob es geschneit oder geregnet hat, alles egal. Er sieht dich so wie du bist, mit all seiner Liebe und dafür musst du nicht „perfekt“ sein. Ich denke ein schöneres Kompliment, eine ehrlichere Wertschätzung und Liebe gibt es nicht ?

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