Der Klick-Moment

Nach der Winterpause hat der Große heute wieder den Schwimmunterricht aufgenommen. Wer hier schon eine Weile mit liest, der weiß um Alex‘ Kryptonit: Wasser. Doch Dank seiner Schwimmlehrerin Katja hat er die größte Angst inzwischen besiegt und bewegt sich nun auch im tiefen Wasser ohne Panik zu bekommen. Ich glaube, eigentlich kann er schon schwimmen. Er muss nur diesen letzten Funken Selbstvertrauen fassen, um nun auch den letzten 3 Blöcken des Schwimmgürtels Lebewohl zu sagen.

Heute bekam er dann Verstärkung von einem Jungen in seinem Alter, dem es ganz genauso geht, wie Alex vor einem halben Jahr, als er mit den privaten Schwimmstunden angefangen  hat. So konnte er heute mal im direkten Vergleich sehen, wie weit er seitdem schon gekommen ist, was ihm sichtlich Auftrieb und neue Motivation schenkte. Ich bin zuversichtlich. Es wird sicher bald Klick machen und die letzte Hürde an Angst wird gebrochen.

Eben solch eine Hürde hat Mimi heute genommen. Ganz unerwartet, ohne große Anstrengung, dafür aber mit verdammt viel Mut. Schon seit über einem Jahr haben wir immer wieder versucht Mimi ans Fahrradfahren zu bringen. Doch sie hatte einfach viel zu viel Angst, saß wie versteinert auf dem Rad und ist nicht einen Millimeter gefahren. Wir haben sie dabei nie gedrängt oder gezwungen. Es war stets ihr eigener Wunsch das Radfahren zu lernen, doch sobald sie auf dem Fahrradsattel saß, war es mit dem Wunsch vorbei und die Angst gewann die Oberhand.

Als wir letzte Woche zum Kindergarten liefen, überholte und kurz vor unserem Ziel ein gerade 3-jähriger Junge aus ihrer Gruppe lachend auf seinem Fahrrad. Das hat Mimi schwer getroffen und sie hat sich da wirklich nachhaltig Gedanken drum gemacht. Wieso kann der schon Fahrrad fahren? Und ihre beste Freundin Lexi auch, dabei ist die doch ein halbes Jahr jünger als sie? Jeden Tag berichtete sie mir von einem anderen Kind, das schon Fahrrad fahren kann. Aber auf meine Frage, ob sie es denn auch nochmal versuchen wollte, reagierte sie immer wieder mit Ignoranz.

Als das Wetter heute so wunderbar sonnig und warm war, schlug ich erneut vor, dass wir ja auf der Seitenstraße Fahrrad fahren könnten. Ganz ohne Üben oder Lernen. „Aber Mama, ich kann doch gar nicht Fahrradfahren?“ erwiderte Mimi kleinlaut. „Wer sagt das?

Meine Antwort irritierte sie sichtlich, aber sie sagte nichts weiter dazu, als ich ihr Fahrrad aus der Garage holte, sondern griff einfach nach ihrem Helm und zog ihn an. Auf der Seitenstraße hielt ich Mimi das Rad hin und ließ sie aufsteigen. „Du musst einen Fuß immer auf das Pedal stellen, das oben ist. Dann stößt Du Dich mit dem anderen Fuß ab, wie beim Laufrad, und trittst das Pedal nach unten. Und wenn das Fahrrad rollt, dann stellst du den anderen Fuß auf das andere Pedal und trittst wie beim Dreirad.

Lange Rede, kurzer Sinn: Es hat Klick gemacht. Mimi fährt jetzt Fahrrad! Wir fuhren zweimal die Straße hoch und wieder runter, damit sie das Anfahren und Bremsen kurz ausprobieren konnte. Dann fuhren wir direkt los zu ihrer Freundin Lexi, der sie natürlich direkt vorführen wollte, dass sie nun eben auch Fahrrad fahren kann. Mit 4 Jahren, 9 Monaten, 2 Woche und 3 Tagen.

Es ist so: jeder erwähnt immer ganz stolz, wenn sein Kind etwas besonders früh kann: Laufen, Sprechen, Schreiben, Lesen, Schwimmen, Radfahren und so weiter. Aber kaum jemand sagt voller Stolz: „Mein Kind kann jetzt Fahrrad fahren!“ wenn es fast 5 Jahre alt ist. Und das macht mich schon ein bisschen traurig. Für Mimi hat es eben diese Zeit gebraucht, bis sie den Mut dazu gefasst hatte. Und für Alex wird es vermutlich auch noch ein bisschen dauert, bis er genug Mut gefunden hat, um einfach los zuschwimmen.

Es ist furchtbar leicht sich über die Fähigkeiten seiner Kinder zu freuen, wenn sie etwas früh und scheinbar mühelos lernen. Bei Alex war es das Schreiben, bei Max war es das Sprechen, bei Mimi generell alles motorische. Aber ich freue mich immer ganz besonders, wenn sie etwas lernen, für das sie länger gebraucht haben, was sie Ehrgeiz, Hartnäckigkeit oder eben ganz viel Mut gekostet hat.

Als Max plötzlich las, da habe ich das soviel mehr gefeiert, als bei Alex, der das einfach mal so nebenbei konnte. Und als Mimi heute einfach losfuhr, da hab ich mitten auf der Straße vor Freude gejubelt und geschrien. Und eins sagt ich Euch: an dem Tag, an dem Alex sein Seepferdchen macht, werde ich Rotz und Wasser heulen. Vor Stolz und vor ganz harter Liebe für dieses Kind, das einfach nicht aufgibt.

Am Ende dieses Tages fährt Mimi Fahrrad. Einfach so. Hoch die Tassen!

***

Mimis Jacke ist ein Parka* aus der aktuellen Boden Kollektion, ebenso wie Alex‘ Hemd*. Der Fahrradhelm ist ein Little Nutty von Nutcase* und das Fahrrad ist ein Nixe 12″ von S’COOL*. (*Affiliate-Links).

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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33 Gedanken zu „Der Klick-Moment

  1. Ich konnte erst mit 8 Jahren ohne Stützräder fahren… meine Maus ist längst 5, aber den Dreh mit dem Velo hat sie noch nicht raus… ich zwinge sie auch nicht, irgendwann wird’s auch bei ihr „Klick“ machen ;)

  2. super, das ist wieder ein wichtiger Meilenstein der kleinen Maus.
    Ich kann dich so gut verstehen, wie stolz du bist, hat auch unsere Maus erst mit knapp 6 Jahren Fahrradfahren gelernt. Davor war auch nicht daran zu denken und von allen Seiten kam: x kann es seit sie 4 ist, y fährt schon lange Rad und xy ist quasi mit dem Fahrrad zur Welt gekommen.Die Leute können so „doof“ sein.
    Mich hat es jedenfalls mit sehr viel Stolz erfüllt, dass sie trotz so langer Zeit der Angst es nie aufgegeben hat.

  3. ach, ihr <3 meine jungs konnten auch erst mit 5 fahrradfahren. j1 hatte sogar nie ein laufrad, das ist uns damals durch die lappen. aber j3 hat eins und letztes jahr an auffahrt setzten wir ihn auf ein velo und fuhr los wie wenn er nie was anderes gemacht hätte. jetzt ist sein velo kaputt und solange es nicht sommer wird, interessiert das keinen. j2 hingegen, unsere draufgängerin, die macht fast alles per velo. allgemein sind hier aber die kickis beliebter, fast alle kinder machen alles was mit schule zu tun hat mit dem kicki, velo eher weniger.

  4. und ach ja: j3 ist jetzt fünf und das einzige meiner kinder, das noch nicht schwimmen kann. er geht zwar gerne in den schwimmkurs, aber kopf unter wasser ist eher schwierig. muss er aber durch, weil ich schwimmen das wichtigste überhaupt finde. wohingegen j2 eine derartige wasserratte ist, dass sie das vorletzte abzeichen überspringen konnte. jetzt hat sie das krokodil und ist am nächsten dran.

    wir haben hier ein kleines schulhallenbad, wo sie ab acht alleine gehen dürfen. da findet man meine ältesten, wenn sie nirgends sind… :-D j1 kam soeben vom hallenbadbesuch mit freunden zurück. wird hier «ausgang für kinder» genannt und ich finds sehr, sehr cool.

  5. Recht hast du und deswegen! K1 ist mit 4 Jahren, 3 Monaten, 2 Wochen und 4 Tagen nachts trocken. Yeah! Und K2 schläft mit 2 Jahren, 9 Monaten, 1 Woche und 3 Tagen ohne mich ein und braucht weniger als 2 Stunden Körperkontakt in der Nacht. EINE Nacht hat das Kind jetzt sogar schon vollständig ohne uns m eigenen (Geschwister-)Hochbett geschafft! Sie werden so schnell groß!

  6. Ich habe mein Seepferdchen erst in der vierten Klasse gemacht, auf einem Klassenausflug ins Schwimmbad.
    Dafür konnte ich schon im Kindergarten lesen und zwar so gut, dass ich anderen Kindern vorgelesen habe. (Zum Unmut einer anderen Mutter.)
    Es gibt Dinge, bei denen es früher klick macht. Und Dinge, bei denen es später klick macht. Ich denke, das ist alles ganz normal, aber natürlich umso schöner, wenn es dann klappt. :)

  7. Ich glaube, ich war auch 6 oder so, als ich Fahrradfahren gelernt habe. Zuvor hatte ich mich bei einem Versuch auf einer Schotterstraße ganz mies abgepackt und hatte Schürfwunden voller Split. Die Narben habe ich heute noch (und mag Fahrradfahren noch immer nicht sonderlich gern).
    Ein Hoch auf Mimi, die sich die Zeit nahm, die sie brauchte.

  8. Finde es schon schräg zu lesen, dass es manche spät finden, mit 5 oder so erst Fahrrad zu fahren. Als es noch keine Laufräder gab, konnten es viele erst später. Furchtbar, wenn so ein Druck von den Muttis aufgebaut wird. Am besten Mauer hochziehen und abprallen lassen. Wir sind doch alle anders und doch auch gleich. Gibt doch Wichtigeres / Schlimmeres.

  9. Toll das es bei Mimi so leicht geklappt hat. Ich finde das gar nicht spät. mein Bruder war glaub sieben. Er ist überall mit deinem Tretttraktor hin gefahren ? das hat ihm gerichtet.
    Und egal was es ist, man ist doch immer stolz wenn das eigene bin etwas neues kann. Um so mehr wenn es sich dafür anstrengen musste.
    Und mit Alex wird das auch noch klick machen machen. Der Sohn von meinem Mann hatte früher auch angst vorm Wasser, und heute bekommt man ihn nicht mehr raus. Ich glaub er war in der dritten Klasse als er das sprechen machte!
    Jedenfalls ist es eben so wie du sagst, es wird immer von den besonders frühen berichtete und setzt damit die normal schnellen unter Druck.

    Toll das du den Kindern die Zeit lässt die sie brauchen.

  10. Mein Sohn könnte (mit Stützen) fahren aber er will einfach nicht Fahrrad fahren. Haben uns gebraucht Laufrad, Roller etc geholt aber alles was er je wollt waren Rutschautos.
    Er hat scheinbar echt kein Interesse…manchmal denk ich er ist zu „faul“ weil er merkt er muss ordentlich treten und es ist ihm zu anstrengend.
    Irgendwann fahren sie alle ;)

  11. Jeder kann etwas anderes besser und schneller als ein anderer. Hauptsache ist doch, dass die Kinder (groß wie klein) glücklich sind :-)
    Euch (und allen anderen) einen sonnigen Tag, der wie geschaffen ist fürs Fahrradfahren, aber auch fürs Lesen, Malen und Träumen!

  12. Huhu

    also, ich kann dir sagen, ich habe im letzten Dezember echt geheult, als nach fast 3 Jahren und einem Wechsel von einem Schwimmkurs zum einem anderen endlich der Sohn das Seepferdchen machte.

    Dazu noch völlig überraschend, ich war auch, wie Du, die ganze Zeit überzeugt, er kann schwimmen, das letzte Stück fehlt ihm und im Dezember fragte die Schwimmlehrerin nebenbei, ob er mal Seepferdchen versuchen wolle. Und zack – geschafft….

    Jetzt möchte er noch Bronze machen, und danach einen Schnorchelkurs …. so kann es gehen, erst geht nichts, und dann alles….

    LG
    Anke

  13. Ganz toll ? Mein Sohn konnte sowohl Rad fahren als auch schwimmen relativ spät. Und dann aber auch einfach so mit einem klick. Das ist einfach toll :-) Manchmal brauchen sie halt die Zeit. Dann ist das so.

  14. Wie toll und wie schön!

    Es ist ja wirklich so, jedes Kind braucht seine Zeit, seinen Mut und Selbstbewusstsein. Unser Kleinster ist einer der „langsameren“, aber er lernt alles nur eben in seinem Tempo.

    Und wenn er es dann kann ist er sooooo stolz darauf, man merkt richtig wieviel Energie, Kraft und Mut das gekostet hat. Das sind für mich dann echte Meilensteine. Viel mehr als die Sachen die „einfach zufliegen“.

  15. Genau richtig so :-) Ist es nicht egal wann ein Kind etwas kann? Es zählt doch der Wille nicht aufzugeben und es trotzdem weiter zu versuchen, egal wann es letztendlich Klick macht. Diese ewigen Vergleiche sind nur belastend für Eltern und Kinder.

  16. Mein Größter hat mit fünf Jahren mit einem Schwimmkurs begonnen. Nach zehn Stunden sagte die Schwimmlehrerin zu mir, dass sie nicht sehen würde, dass er irgendwann schwimmen könne :)
    Nun ja, frei nach Loriot: Mein Sohn ist 16, er sitzt und isst und schwimmt :)

    Und aufs Fahrrad habe ich meine drei erst gelassen, als sie fünf Jahre alt waren. Ich hatte einfach Höllenrespekt vor der Geschwindigkeit, besonders wenn man mit Kinderwagen noch hinterher dackeln muss (oder rasen, weil die Kreuzung bedrohlich naht und kein Bremsmanöver zu erkennen ist)

    Du machst das toll: Jeder in seinem Tempo und wenn erst mal der Knoten geplatzt ist, geht es fast wie von selbst.

  17. Ich gebe dir vollkommen Recht: jedes Kind ist anders und man sollte sich über jeden Schritt freuen. Mein Ben ist 7 und kann auch noch nicht richtig schwimmen. Aber das kommt sicherlich noch. Er lernt es jetzt in der Schule, dort gibt es Kinder die schon das Seepferdchen oder Bronze Abzeichen haben, andere nicht.
    Dafür konnte er andere Dinge früher. Ich freue mich über jeden Fortschritt gleich :-)

    LG

    Lia

  18. Gratulation an Mimi!!! Und das ganz ohne Stützräder!

    Meine Maus ist auch so ein kleiner Schisser. Letztes Frühjahr hatte sie so eine Angst vorm Laufrad fahren. Aber immer wieder haben wir ihr dieses schöngeredet, weil ihr das Puky leider langsam zu klein wurde (mit den Knien hinter den Ohren fährt es sich halt schlecht). Jedes Mal war sie etwas enttäuscht, wenn sie doch eher hinterher gelaufen, als gefahren ist. Und als sie dann mal nur mit einer Freundin im Park unterwegs war – zack auf einmal ging das viel besser. Und noch ein paar Wochen später konnte man die Beine hochschmeißen und sich einfach treiben lassen. Mittlerweiel liebt sie das Laufrad.
    Dann habe ich versucht ihr das Dreirad fahren beizubringen – keine Chance. Sie hat den Dreh mit den Pedalen einfach nicht raus. gegen Herbst/Winter wurde allerdings der Wunsch nach einem Fahrrad immer größer… Wir haben sogar im Kaufhaus mal Probe sitzen gemacht.

    Doch nun vor knapp 2 Wochen, beichtete sie mir, sie will kein Fahrrad, sie will lieber weiterhin beim Papa hinten drauf sitzen und Laufrad fahren. Als ich sie dann fragt, ob wir dann wenigstens mal wieder eine etwas größere Strecke als nur um den Block fahren wollen, also ich mit Rad und sie mit Laufrad, verneinte sie das allerdings auch.
    Das 1x als wir es letztes Jahr im Sommer gemacht haben, hat ihr scheinbar gereicht…

    Naja ich habe ihr gesagt, dass das gar kein Problem sei, noch kann man das Laufrad ein klein wenig höher stellen und dann gucken wir eben Richtung Weihnachten, ob sie denn da ein Fahrrad haben möchte.
    Wie schon alle vor mir gesagt haben, man kann die Mäse eben nciht zwingen. Auch wenn sie immer ganz neidisch den anderen Kids in ihrem Alter hinterher guckt, die es bereits können…. (sie wird diesen Monat übrigens 4J.)

  19. Hachz!!! <3 So schön geschrieben! Und Recht hast Du! :)
    Mein Großer tut sich mit seinen 4 Jahren und 3 Monaten auch noch sehr schwer. Die Angst ist wohl auch noch zu groß. Aber es wird schon werden. Wir haben zwischenzeitlich vom Fahrrad die Pedale abgebaut, so dass er es einfach als Laufrad benutzt hat. So kann er sich auch gut an die neuen Größenverhältnisse, Gewicht etc. im Vergleich zum Laufrad gewöhnen.

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