IKEA-Hack, Zahnschmerzen und Kamikaze

Das Internet ist voll gut, wenn man sich daraus zum Beispiel so tolle Tipp wie folgenden holen kann: In den zu klein gewordenen Buggy für das Gipsbeinkind einfach ein Tablett unter die Sitzfläche (bzw. auf die Sitzfläche unter ein Kissen) schieben und schon hat man eine prima Gipsbeinstütze. Den Tipp gab mir Katrin gestern via Twitter. Und weil ich auch noch das perfekte IKEA-Tablett dafür im Haus habe, haben wir heute quasi einen astreinen IKEA-Hack angewandt. Max findet das jedenfalls sehr cool.

So konnten wir die Geschwister heute Morgen dann doch gemeinsam zu Fuß bzw. zu Buggy in die Schule und den Kindergarten bringen. Ich bekomme nämlich langsam echt einen Rumsitz-Koller. Max kann das nicht ganz nachvollziehen, sitzt er doch ganz gerne mal einfach rum.

Dazu hatte er dann auch ausreichend Gelegenheit, als wir heute Vormittag bei Jürgen waren, um dort einen Satz Trikots für den Kita-Cup am Wochenende fertig zu stellen. Während Jürgen und ich die geplotteten Logos aushoben, durfte Max den Film HOP – Osterhase oder Superstar* schauen.

Nach 3 Stunden fuhren wir dann wieder Richtung Heimat und machten einen Schlenker bei McDonalds vorbei. Max aß McNuggets, ich einen kleinen Beilagensalat und weiter ging es. Wir brachten schnell die Trikots in den Kindergarten und gurkten dann zur Schule, um Alex einzusammeln.

Dieser hatte gestern Abend und heute Morgen beim Essen über Zahnschmerzen geklagt, weshalb ich ihm sofort einen Termin beim Zahnarzt für heute Nachmittag gemacht habe. Da uns eine längere Wartezeit prophezeit wurde, hatte ich Mimi vorsorglich bei Steffi untergebracht. Tatsächlich ging das dann aber doch alles recht fix.

Man glaubt gar nicht wie unfassbar schwer mir das Betreten einer Zahnarztpraxis fällt. Zwar wurde meine Dentophobie damals recht erfolgreich behandelt, aber durch sehr unschöne Erlebnisse in der Schwangerschaft (Zahn ohne Betäubung ziehen und solche Späße) ist das alles wieder da. Umso stolzer bin ich aber auf mich, dass ich vor meinen Kindern ganz offensichtlich meine Angst sehr erfolgreich unterdrücken oder überspielen kann. So cool und locker, wie der sonst recht ängstliche Alex heute auf dem spacingen Zahnarztstuhl Platz nahm, habe ich in meinem ganzen Leben auf einem Zahnarztstuhl gesessen.

Auch gab es nur gute Nachrichten. Die Zähne sind alle tip top. Der Schmerz rührt von einem letzten, sich noch im Wachstum befindenden Backenzahn her. Sobald dieser aber ganz draußen ist, soll der Schmerz weg sein. Alex soll jetzt einfach einmal die Woche mit Elmex Gelée putzen und in 2 Wochen bekommt er zudem die Zähne versiegelt.

Beruhigt und erleichtert fuhren wir dann nach Hause, schmissen Jacken und Ranzen in den Flur und luden Max erneut in den Buggy. Zu Fuß ging es dann zu Steffi. Auf unserem Weg müssen wir auch einen kleinen schmalen Fußweg mit einigen Treppen nehmen. Ich hob Max also aus dem Buggy und trug zuerst den Buggy die Stufen hinunter. Als ich wieder nach oben kam, um Max zu holen, war dieser an einem recht hohen Zaun entlang geklettert und stand grinsend in luftiger Höhe auf einer schmalen Mauer.

MAX!!!“ Er grinste noch breiter, zuckte mit den Achseln und rief „Was denn? Ich kann es doch! Mach ein Foto.“ Seine Selbstsicherheit brachte mich ebenfalls zum Grinsen und so machte ich schnell das Foto, bevor ich ihn dann von der Mauer pflückte und wieder in den Buggy setzte.

Überhaupt ist er kaum noch von irgendwas auf- oder abzuhalten. Nur das mit dem Treppenlaufen ist und bleibt ein fast unlösbares Problem. Runter geht zur Not auf dem Po, aber hoch ist einfach nicht drin. Auch nicht mit nur einer Krücke und einer Hand am Geländer. Dafür sind die Stufen zu hoch und Max zu klein. Da ist mir einfach das Risiko zu hoch, dass er zum Schluss einen Satz neuer Zähne braucht.

So langsam kann ich nämlich keine Arztpraxen und Wartezimmer mehr sehen. Ich fürchte nur, dass wir morgen erneut in einem sitzen werden. Buuhuuuhuuu. Und Laufen war ich seit Montag auch nicht mehr. Gmpf.

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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13 Gedanken zu „IKEA-Hack, Zahnschmerzen und Kamikaze

  1. Würde den nicht auf dem Po sitzend auch hoch klappen? Hände nach hinten und dann Stufe für Stufe? So ist mein Papa die ersten Male die Treppe mit Gips Fuss hoch….
    Weiter gute Besserung für Max, und gedrückt Daumen für so schnell kein Arzt mehr sehen für euch alle!!!

  2. Können die Lehrer ihm da nicht helfen?
    Meine Tochter hat auch gerade einen Jungen mit Gips in der Klasse, morgens wird er von den Eltern gebracht, in der Pause bleibt er mit 1 – 2 Klassenkameraden im Klassenzimmer.
    Max zur Toilette zu begleiten dürfte eigentlich doch kein Problem sein, oder?

  3. Gute und schnelle Besserung. Meine Freundin hatte das Problem auch gehabt allerdings 6 lange Wochen mit einem drei jährigem im Gips. Ganz furchtbar. Sie war danach such fix und fertig. Und danach musste der kleine wieder neu laufen lernen Bzw die Belastbarkeit des wieder gesunden Beines lernen.
    Viel Kraft und gute Nerven wünsche ich euch ?

  4. Hallo Pia,
    auch auf die Gefahr hin, dass ihr schon längst auf die Idee gekommen seid (dann Kommentar bitte einfach ignorieren/löschen) zum Thema Stufen hoch mit Gipsbein. Man kann auch auf dem Po die Treppen hoch rutschen. Mit dem Rücken zur Treppe setzen auf die unterste Stufe setzen; gesundes Bein hoch drücken und mit beiden Händen nach hinten auf die nächste Stufe greifen und sich somit hoch drücken/ziehen.
    Sorry, wenn dieser Kommentar unter die Kategorie „ungefragte Tipps“ fällt, wie gesagt, lösch ihn einfach ;)

  5. Als ich nenne Fuß gebrochen hatte, bin ich auch oft auf allen Vielen gekrabbelt – mit meiner Tochter (damals gerade 1) beim und Aufräumen und wenn sie mir grinsend mal wieder eine oder beide Krücken geklaut hatte..

  6. Liebe Pia
    ich habe deine Seite erst vor kurzem entdeckt.
    Du schreibst einfach toll und wie du deinen Alltag zur Zeit meisterst …. bravourös.
    Du bist der erste Mensch , der zu gibt eine Dontophobie zu haben.
    Wie hast du die vor der Schwangerschaft behandelt ?
    Grüßle Tina

    1. Ich hatte einen ZA mit Zusatzausbildung „Angstpatienten“. Meine erste Behandlung erfolgte unter Vollnarkose. Danach mit Psychopharmaka, die von Mal zu Mal reduziert wurden, bis es ohne ging.

  7. Gute Besserung!

    Er verpasst aber doch nur ein Woche Unterricht, oder? Ihr habt auch sicher nur noch nächste Woche und dann sind Osterferien :-) Mir wäre das mit der Treppe auch zu heikel.

    Wenn er sonst in Sachen schule fit ist, würde ich ihm die Woche „gönnen“

    Mateo war jetzt Dank eitriger Angina auch recht lange zu Hause.

  8. Kinder sind echt das Größte :D
    Die sind durch kaum was aufzuhalten und es ist immer wieder legendär, wie schnell vermeintliche Beeinträchtigungen wie ein Gips dann eigentlich doch kein Hindernis sind.
    Selber mehrmals erlebt :D

    Was die Treppe angeht:
    Ginge es nicht, dass er sich auf die unterste Stufe setzt, sich mit dem gesunden Bein auf die nächst höhere Stufe hievt und das kranke Bein nachzieht?
    Also quasi der umgekehrte Bewegungsablauf von „auf dem Popo runterrutschen“?

    Gute Besserung weiterhin!

    Silke

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