In geheimer Mission: Turbofisch

Wie Ihr Euch denken könnt, haben auch wir das lange Wochenende genossen. Wir haben es uns Zuhause gemütlich gemacht und ein paar Haushaltsdinge erledigt. Die Kinder waren draußen unterwegs, haben Playmobil gespielt oder gezockt. Das waren wirklich sehr entspannte 4 Tage. Aber ich wollte Euch noch erzählen, was wir am Freitag tolles erlebt haben.

Nachdem der Mann um kurz vor 6 Uhr das Haus verlassen hatte, lotste ich alle drei Kinder schnellstmöglich durchs Badezimmer, ließ alle Drei ein schnelles Müsli frühstücken und brachte Mimi um 6:30 Uhr zu Steffi, die sie mit in den Kindergarten nehmen würde. Die Jungs und ich waren in geheimer Mission unterwegs. Für diesen Tag hatte ich sie extra vom Unterricht befreien lassen. Alex wusste im Vorfeld schon, was wir vor hatten, da er ein Telefonat mit den Initiatoren mitbekommen hatte. Max erzählte ich erst kurz nach dem Aufstehen, warum er an diesem Freitag nicht in die Schule gehen musste. Er fragte immer wieder, ob das denn wirklich okay sei. Er hatte scheinbar große Sorge, dass er tatsächlich Ärger bekommen würde, wenn er einen Tag in der Schule fehlt. Aber wir konnten ihn schließlich doch noch beruhigen.

Allerdings wurde diese Ruhe dann ganz schnell von großer Aufregung abgelöst. Um 6:45 Uhr fuhr das Auto vor, das uns Drei nach Hilden bringen würde. Die Jungs schnatterten auf der Rückbank über die skurrilsten Dinge und ließen den Fahrer mehrmals sehr laut auflachen. Wenn man keine Kinder hat, dann sind Gespräche unter 7- bzw. 8-Jährigen vermutlich sowas wie Stand-up Comedy.

Etwa eine Stunde später kamen wir dann in Hilden an, wurden durch die Bundeswehr-Liegenschaft manövriert und mussten uns kurz vor unserm Ziel auch noch in den Fußraum ducken, um nicht entdeckt zu werden. Die nächste halbe Stunde verbrachten wie gut versteckt in der Poststelle des Regiments.

Um Kurz nach 8 Uhr wurden wir dann von einem Kameraden meines Mannes, der diese Überraschung überhaupt erst möglich gemacht hatte, in Empfang genommen und näher ans Geschehen heran gebracht. Im ersten Geschoss hörten wir den Regiments-Stab antreten, während wir am unteren Ende der Treppe warteten. Zunächst wurde ein Kamerad meines Mannes in den Ruhestand verabschiedet. Natürlich hatte der Kommandeur viele nette Worte und Erinnerungen loszuwerden und so warteten wir weiterhin ganz still und leise, damit wir uns nicht verrieten. Das zackige „Still gestanden“ gepaart mit einem geräuschvollem Rumms, das durch die hohen Flure hallte, kommentierten die Jungs mit großen Augen und breitem Grinsen.

Dann hörten wir, wie der Papa nach vorne gebeten wurde. Das war schließlich unser Zeichen und wir schlichen leise die Treppe nach oben, bis wir das „Wir haben für Sie noch eine Überraschung!“ vernahmen und aus unserer Deckung treten konnten. Der Papa machte große Augen und grinste uns sehr breit an. „Damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet!“ Tja, mein Schatz, auch ich kann Geheimnisse!

In den folgenden Minuten durften wir den netten Worten, die der Kommandeur zu sagen hatte, lauschen und schlussendlich der Beförderung des Papas beiwohnen. Das war ein ganz großer Moment, denn es ist nicht unbedingt üblich, dass die Familie bei einer Beförderung anwesend ist.

Das Highlight war jedoch, dass die Jungs höchstpersönlich dem Papa die neuen Dienstgradschlaufen aufstecken durften. Eine große Ehre, da dies normalerweise der Kommandeur übernimmt. Ich gebe zu, ich musste ein bisschen kniepern. Auch weil der Mann sich dafür natürlich abknien musste und das Ganze dadurch so einen Hauch von Ritterschlag bekam *gnihihi*

Im Anschluss durften die Jungs dem Papa dann ganz feste auf die Schultern schlagen. Es war schon ziemlich niedlich, wie sie zuerst mich und dann ihn mit einem Dürfen wir echt? in den Augen ansahen. Ihr Schlag war trotzdem eher verhalten.

Ich hab eine Weile mit mir gerungen, ob ich Euch diese Geschichte hier erzählen soll. Ich weiß ja um die kontroversen Meinungen zum Beruf meines Mannes. Aber für uns gehört es nun mal dazu und da wir auf Instagram so viele positives Feedback zu der kurzen Version der Geschichte bekommen haben, will ich sie hier gerne mit Euch in der langen Version teilen.

Der Mann hat nun einen Fisch mit Turboflosse auf der Schulter. Allein das finden die Kinder schon ziemlich cool. Und ich bin nicht weniger stolz auf meinen Mann, der damit auch seinen Enddienstgrad erreicht hat. <><<<

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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39 Gedanken zu „In geheimer Mission: Turbofisch

  1. Da musste ich mir beim lesen die Tränen wegblinzeln ?.
    Welche Ehre, dass ihr dabei sein durftet.
    Schön?.
    Gratulation an den Mann. Er war sicherlich sehr gerührt, dass seine Söhne ihm den Fisch verliehen bzw. angesteckt haben ?.
    Liebe Grüße von Manuela

  2. Herzlichen Glückwunsch an Deinen Mann – ich bin ja zum einen selbst Soldatenkind und weiss daher, wie toll man es als Kind findet, wenn man mal im Dienstalltag dabei sein darf und zum anderen bin ich selber seit 31 Jahren bei dem Verein, von daher kenne ich den Bundeswehralltag ganz gut ;)
    LG Maike

  3. Ach wie toll. Ich könnt beim Blick auf das Foto auch sofort losheulen. Und by the way, ich finde es turbofantasfisch, was der Herr D. da macht.
    Herzlichste Glückwünsche nochmal.

  4. Auch hier von mir nochmal herzlichste Glückwünsche! Ich hatte bereits den livestream voller Begeisterung verfolgt und finde es sehr schön, dass du dich auch dazu entschieden hast dieses so besondere Erlebnis ebenfalls im Blog zu teilen!
    Toll, dass ihr als Familie dabei sein konntet. Für alle ein ganz besonderer Moment?

    1. Weil so eine Beförderung immer mit viel Warten und Rumstehen verbunden ist. Zudem versteht sie die Bedeutung noch gar nicht. Für sie war es definitiv die bessere Alternative, in den Kindergarten zu gehen.

      1. ok, prima wenn es für sie passt, ich hab über meine drei nachgedacht und festgestellt dass mein jüngster sehr gekränkt wäre, wenn die zwei großen begeistert berichten würden und er wäre nicht dabei gewesen…

  5. Herzlichen Glückwunsch an deinen Mann?Das war bestimmt ein tolles Erlebnis für eure Jungs??Darf man fragen welchen Dienstgrad dein Mann jetzt hat?

  6. Herzlichen Glückwunsch, ich finde es großartig, dass ihr dabei sein durftet, für euch alle bestimmt ein bewegender Augenblick.

    Ich finde es schön, dass du das mit uns teilst, obwohl der Beruf deines Mannes so umstritten ist. Seien wir mal ehrlich, dass ist ein wichtiger Job, den irgendwer ja machen muss und die Kritiker selber wohl nicht machen wollen – ich übrigens auch nicht.

    Ein Schulkamerad, der Berufssoldat geworden ist, meinte mal zu mir, ihm wäre schon klar, dass wir ihn alle für einen Kindervergewaltiger hielten, weil er Soldat wäre. Ein Vorurteil was mir bis heute nicht bekannt ist. Finde ich sehr traurig.

  7. Sehr süße Geschichte!! Wunderschön. Da musste ich mir doch auch glatt zwei/drei heimliche Tränchen im Büro verdrücken :-) Aber warum eigentlich? Keine Ahnung. Wie schön, dass Ihr dabei sein durftet und dass die Jungs sogar die Schlaufen anlegen durften. Toll zu hören, dass die BW da mal ganz unkonventionell war.

    Ich bin auch Soldatentochter und war immer sehr gerne bei meinem Papa auf dem Fliegerhorst. In den ganzen Werkstätten, auf dem Flugplatz (habe trotzdem eine Heidenangst vor dem Fliegen!!) und dann auch bei seinen Abschiedsfeierlichkeiten in den Ruhestand. Eine starke Truppe – wie man so schön sagt. Sie hat meine Technikneugier geweckt. Heute bin ich Ingenieurin und denke, dass ich es ohne diese Kindheit wohl nicht geworden wäre. Ich kann allen Familien nur raten, bei einem Tag der offenen Tür doch einmal einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Die BW bietet interessante Aufgabengebiete ;-)

    Lasst uns alle die Daumen drücken für friedliche Zeiten. Dann kann die Bundeswehr ein prima Arbeitgeber sein.

  8. Herzlichen Glückwunsch.
    Ich habe größten Respekt vor dem Beruf Deines Mannes.
    Denn als Familie den Papa für längere Zeit bei Einsätzen entbehren zu müssen ist bestimmt nicht immer einfach. Zumal es nicht selbstverständlich ist, daß er sicher und gesund wieder zurückkehrt.

    Deshalb freue ich mich umso mehr, daß Ihr bei der Beförderung dabei sein konntet, denn die gilt auch Dir und Deinen Kindern.

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