Katerflausch, Gemüsepommes & spooky Erinnerungen

Ich erzähle Ihnen hier ja gerne, dass Kater Titus mit mir die Kinder ins Bett bringt und morgens auch weckt. Das Katerchen ist dieses Ritual inzwischen so gewohnt, dass er sogar das Tempo vorgibt.

Als ich heute morgen das dunkle Zimmer des großen Kindes betrat, stürmte das Katertier direkt an mir vorbei, sprang aufs Bett und legte sich auf das Kind, um dieses dann mit flauschigen Kopfnüssen wach zu machen. Ich warte also so ein Minütchen bis sich das Kind regt, streichle es und wünsche einen guten Morgen. Das Katertier schnurrt laut und reibt seinen Kopf immer weiter am Kind, bis dieses entnervt aufgibt, die Augen öffnet und erstmal das Katertier krault und dann mich begrüßt.

Wir reden kurz über den Ablauf (der jeden Morgen der selbe ist, aber sicher ist sicher) und dann gehe ich in das Zimmer des Mittleren.

Titus schießt wie eine Rakete an mir vorbei und als ich das kleine Licht im Zimmer des Mittleren anschalte, liegt das Katertier bereits mitten im Bett und kopfnusst das nächste Kind wach, welches ihn erstmal total intuitiv in eine Klammerumarmung zieht. Und das mag das Katertier nur bei diesem Kind.

Ich lege dem Kind seine Anziehsachen aufs Bett, weil es sich gerne unter der Bettdecke anzieht, da die Gefahr eines plötzlichen Erfrierungstodes besonders am Morgen groß ist. Sagt das Kind. Titus wartet so lange, bis ich den Raum verlasse und rennt dann in einem Affenzahn ins nächste Zimmer um dort die kleine Gräte wach zu kuscheln.

Das schafft er sogar so schnell, dass ich bereits ein leises „Mein Titus“ flöten höre, als ich das Zimmer betrete.

Ich sag mal so, die Kinder stehen jetzt trotzdem nicht mit Elan und bombastischer Stimmung auf, aber unser pelziges Familienmitglied macht zumindest das Wachwerden ein wenig angenehmer. Und flauschiger als ich ist er auch.

***

Um 11:45 Uhr schaue ich das erste Mal aus dem Fenster und wundere mich, wo das Mittelkind bleibt. Ich habe mir einen perfekten Zeitplan zurecht gelegt.

Kind kommt nach Hause -> 15 Minuten reden und kuscheln -> Hausaufgaben -> Mittagessen kochen -> nächstes Kind kommt nach Hause.

Als er um 12 Uhr immer noch nicht da ist und ich meinen perfekten Zeitplan dahin siechen sehe, riskiere ich mal einen Blick auf den neuen Stundenplan und muss erkennen, dass er heute bis 13:15 Uhr Schule hat. Wie der große Bruder. Also alles zurück auf Anfang. Dann mache ich halt direkt das Essen -> Kinder kommen -> wir essen -> Hausaufgaben -> Freizeit.

Heute soll es Gemüsepommes geben. Das war so eine spontane Eingebung als ich auf den Stundenplan guckte und der muss man dann auch Folge leisten.

Ich heize also den Backofen auf 220 Grad vor und schnippel Möhren, Zucchini und Kartoffeln in Pommesstifte, kippe alles in eine Schüssel und würze mit Salz, Knoblauchgranulat, Paprika edelsüß, gerebeltem Rosmarin und etwas Thymian. Dann kommt großzügig Olivenöl an das Gemüse und wird ordentlich vermengt.

Im Anschluss kippe ich noch 2 Esslöffel Mehl über die Pommes und reibe Unmengen von Parmesan in die Schüssel. Nochmal vermengen.

Alles hübsch nebeneinander auf ein Backblech geben. Dabei muss jede Pommes einzeln liegen, damit sie auch wirklich knusprig werden. Okay, so frittierknusprig werden die Gemüsepommes natürlich nicht. Aber wenn man sie kreuz und quer schichtet werde sie eher matschig, als im direkten Kontakt mit dem Backblech.

Nochmal Parmesan drüber reiben (Parmesan geht einfach immer!) und nochmal salzen. Dann geht es auch schon für 25 Minuten ab in den Backofen.

Kurz vorm Klingeln der Backofenuhr ruft das große Kind an und teilt mir mit, dass er etwas verspätet wäre, weil seine Teeflasche im Ranzen ausgelaufen ist und er das größte Unheil schon mal mit Tüchern trocken gelegt hätte.

Ich stehe also mit Lappen und Wasser bewaffnet an der Tür und warte auf die Heimkehr der Söhne. Persischer Granatapfeltee mit Honig klebt nämlich wie Sau, wie Sie sich vorstellen können. Umso erfreuter stelle ich dann fest, dass der Sohn bereits ganze Arbeit geleistet hat, alle Hefte und Bücher rechtzeitig gerettet wurden und einmal feucht auswischen den Ranzen wieder in einen astreinen Zustand versetzen.

Also können wir doch ohne größere Zeitverzögerung endlich zum Mittagessen schreiten.

Ich sag es Ihnen: das ist so unbeschreiblich lecker. Und ja, man wird davon wirklich satt! Das Mittelkind aß heute übrigens seine wöchentlichen Nudeln mit Pesto, da ich nicht mal einen Funken Hoffnung hatte, dass er die Gemüsepommes probieren würde. Und natürlich habe ich Recht behalten.

Was sich übrigens auch noch gut für Gemüsepommes eignet sind Rote Beete, Kohlrabi und natürlich Süßkartoffeln. Hatte ich nur leider gerade alles nicht im Haus. Aber so war es auch ganz ausgezeichnet.

***

Heute Abend hatte ich dann eine Begegnung der anderen Art auf Twitter. Ich scrolle so über meine Timeline und überfliege ein paar Tweets, als mir ein Foto ins Auge springt. Es ist jetzt kein besonders schönes Foto und auch das Motiv ist jetzt nichts wo man unbedingt zweimal hinguckt. Und trotzdem stocke ich kurz und klicke das (rechte) Foto dann größer.

Und sofort bin ich wieder 5 Jahre alt und hänge mit dem Kopf zwischen solchen Gitterstäben. Ich erinnere mich daran, dass es ein sehr heißer Tag war und alle Fenster im Haus meines Freundes geöffnet waren. Ich erinnere mich, dass wir immer durch die Stäbe des Souterrain-Zimmers nach draußen in den Garten geklettert sind. Bis zu diesem Tag, an dem ich einfach mit dem Kopf stecken blieb und nicht mehr vor oder zurück kam.

Ich weiß noch genau wie sich die Panik anfühlte, die ich bekam, weil mein Freund einfach abhaute und mich da alleine eingeklemmt zurück ließ. Dass er seine Eltern holte wurde mir erst eine gefühlte Ewigkeit später bewusst.

Seine Mutter kühlte meinen Kopf mit kalten Tüchern und man überlegte, die Feuerwehr zu rufen. Letztendlich war es aber eine Flasche Sonnenblumenöl, die mich wieder befreite.

Von meinen Erinnerungen total überrollt schreibe ich der Tweetverfasserin kurz eine DM und erzähle ihr von meinem Erlebnis, das ihr Bild in mir wieder hochgespült hat. Ich kann ihr sogar noch sagen, in welcher Straße das Haus von damals stand und schließe mit einem:

„Ich war nur gerade so krass getriggert, dass ich es mit dir teilen wollte.“

Nun, long story short: Es IST genau das Haus von damals. Das Haus, in dem ich mit meinem Sandkastenfreund unzählige Stunden Zeit verbracht, gespielt, gegessen, gebadet und auch übernachtet habe.

Wie spooky ist das bitte?

Ein Foto eines Fenstergitters in einem leeren Raum. 33 Jahre ist das her. Vor 31 Jahren war ich wohl das letzte Mal dort. Ich hab nachgerechnet. Und ich erkenne das immer noch sofort beim drüber scrollen?!?!

Und jetzt hab ich ein bisschen Angst vor meinem eigenen Gedächtnis und werde heute Nacht vermutlich von damals, dem Fenstergitter und der Schaukel im Garten träumen. Die steht übrigens auch noch, habe ich eben erfahren. Spooky, sagte ich schon, oder?

Es wurde keine Werbung für erkennbare oder genannte Marken beauftragt.

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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8 Gedanken zu „Katerflausch, Gemüsepommes & spooky Erinnerungen

  1. Ich mache gern mal Ofengemüse, also mehr so alles kreuz und quer. Aber als Pommes könnte man das sicher viel besser in Kräuterquark tunken..
    Wozu eigentlich das Mehl? Eine Art Panade?

    Und jetzt hab ich Hunger ?

  2. Guten Morgen.

    Oh man. An bestimmte Sachen kann sich das Gehirn einfach erinnern. Unglaublich.

    Man sagt ja immer, klein ist die Welt. :)

    Die Pommes sehen echt lecker aus. Werde ich bestimmt demnächst mal nachmachen.

    Lieben Gruß

  3. Danke für die Idee mit dem Parmesan! Ich hab das sonst ähnlich gemacht, nur noch mit frisch geriebener Muskatnuss. Aber der Parmesan gibt dem Ganzen noch den extra Kick! Sehr cool. ??

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