Meine verborgenen Talente

Hallo Internet, heute erzähle ich Ihnen, wie das hier heute ein ganz normaler Tag hätte werden können und ich zum Schluss auf Knien durch die Küche gerutscht bin.

Aber von vorne. Man soll das Schöne ja nicht außer Acht lassen. Folglich startete der Tag mit drei gute gelaunten Kindern, die wie das blühende Leben aus ihren Betten sprangen und fröhlich pfeifend die Morgenroutine beschwingt vollzogen.

Äh. Nein. Nochmal.

Alle drei Kinder erwachten heute morgen gesund, grunzten statt zu schreien und waren pünktlich aus dem Haus. Mehr erwarte ich nicht von so einem Morgen, also kann man den getrost als schön bezeichnen. So richtig schön war dann der morgendliche Gang zur Schule an der frischen Luft. Ich mag das wirklich sehr und mache das in erster Linie für mich. Danach bin ich wach und hungrig, was mich wiederum zum besten Bäcker im Ort führt.

Dann natürlich weiter zur liebsten Nachbarin, die schon am gedeckten Tisch mit frischen Kaffee wartet. Lecker Kartoffelbrötchen mit geräuchertem Kochschinken und perfektem 5-Minuten-Ei. Himmlisch.

Den Vormittag habe ich damit gebracht eine simple Webseite zu programmieren. Es ist wirklich Jahre her, dass ich eine Webseite in HTML geschrieben habe. So richtiges Programmieren ist das ja nicht, aber es ist eben doch was anderes, als ein WordPress hochzuladen und son bisschen am Layout zu schrauben. Immerhin sind meine CSS-Skills noch gut im Futter.

Um kurz nach 12.30 Uhr, als ich eigentlich den Mittleren erwartete, klingelte es dann an der Tür und die Gräte stand im Rahmen. Öhhhhm? Aber des Rätseln Lösung ließ sich schnell finden. Die OGS hat heute eine Fortbildung und ich hatte angegeben, dass sie an diesem Tag nicht in die Notbetreuung müsse. Sehen Sie wie gut ich solche Dinge im Blick habe? Vorzeigemutter, ey.

Kurz darauf trudelte auch der Mittlere ein und ich begann mit den Vorbereitungen für das Mittagessen. Als der Große seine obligatorische “Bin in Bus” Nachricht schicktet, stellte ich die Kartoffeln an und heizte den Backofen vor. Timing ist alles und mittlerweile habe ich das wirklich perfektioniert.

Wäre mir da heute nicht plötzlich Wasser über die Füße gelaufen, wäre das ein glatter Homerun geworden. Aber so musste ich mit Entsetzen (und auch ein bisschen Gekreische) feststellen, dass Wasser aus der Spülmaschine läuft. Zeitgleich ertönte ein Warnsignal.

Ich reiße also panisch die Spülmaschine aus, die mir schon ein fröhlich blinkendes E15 entgegen blinkt. Na prima. Schnell gegoogelt, das Essen in den Backofen geschoben und dann schon herausgefunden, dass E15 für “Wasser in der Bodenwanne” steht. Grunz!

Obwohl ich die Maschine ausgestellt habe, versucht sie immer wieder Wasser zu ziehen und lässt die Pumpe laufen. Also hole ich schnell denn Akku-Schrauber aus dem Keller, schraube die Maschine los, ziehe sie aus der Küchenzeile und ziehe den Stecker. Nebenbei habe ich natürlich auch noch das ausgelaufene Wasser aufgewischt.

Während ich den Salat anrichte lese ich mit einem Auge eine Anleitung zur Behebung des E15 Fehlers, hole Teller aus dem Schrank, lasse die Gräte den Tisch decken und gieße die Kartoffeln ab.

Pünktlich um 14 Uhr klingelt der große Sohn, das Essen steht fertig auf den Tisch und ich habe einen Plan, um die Spülmaschine wieder ans Laufen zu bekommen. Läuft.

Zum Mittagessen gibt es heute Kartoffeln, Knusperstäbchen mit Spinatfüllung von Iglo (voll lecker) und Salat. Die Gräte und der Mittlere essen statt Knusperstäbchen Chicken Nuggets.

Nach dem Essen stapeln wir das dreckige Geschirr auf dem Herd, der Große begibt sich an seine Hausaufgaben und die Gräte macht sich auf dem Weg zur Schule um ihre Freundin abzuholen, die bis 15 Uhr in der OGS ist.

Ich schraube derweil die Bodenwanne der Spülmaschine auf, lasse das eingelaufene Wasser ab und befestige dann den oberen Wassersprüharm wieder korrekt. Der war nämlich abgefallen (wie auch immer) und so war das Wasser in die Bodenwanne gelaufen und über das Überlaufventil dann eben ausgelaufen. Außerdem reinige ich direkt alle Dichtungen und kontrolliere den korrekten Sitz der Dichtungsmutter am Salzbehälter. Dann setze ich alle nach und nach wieder korrekt zusammen, hole drei Mal tief Luft (Eventuell habe ich mich auch bekreuzigt. Man soll sich ja gut stellen, mit dem Gott der Haushaltsgeräte) und stecke die Maschine wieder ein.

Mit einem freundlichen Piepen erwacht die Spülmaschine wieder zu Leben. Der Fehler ist schon mal aus dem Display verschwunden. Also schiebe ich die Maschine wieder in die Küchenzeile und starte das Kurzprogramm für einen Test.

Die nächsten 30 Minuten sitze ich also wie gebannt vor der rödelnden Maschine und lausche auf jedes Geräusch ganz genau. Alles fein. Tatsächlich hatte die Maschine nämlich die letzten 2 Spülgänge vor ihren Exitus bereits merkwürdige Geräusche gemacht, die nun aber wieder verschwunden sind.

Das schönste Bild des Tages war also definitiv das:

Ich habe unsere Spülmaschine erfolgreich reanimiert … äh … repariert. Und das war schon das zweite Mal. Was man nicht alles kann oder lernt, wenn einem das Abspülen von Hand droht.

In mir schlummert ein verkappter Weißwaren-Installateur. Skill Mode 100.

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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11 Gedanken zu „Meine verborgenen Talente

  1. Demnächst treten Sie in der Spülmaschinenwerbung in einem Blaumann (oder muss dann Blaufrau heissen?)auf, seriös mit einem Schrauberdreher gegen einen verkalktes Bauteil klopfend und bestimmte Tabs empfehlend. Meine geistiges Auge hat es mir genau gesagt! :D

  2. Wer in schöner Regelmäßigkeit kopfüber hängend eine Waschmaschine repariert, weiss wie anstrengend das ist.
    In diesem Sinne: sehr gut gemacht 👍

  3. ach du liebes Lieschen!!!! Ich hätte wie so ein Doofi davor gestanden und…..joa nix…ich glaube, ich hätte das NIEMALS so professionell hinbekommen wie Sie, absolute Hochachtung meinerseits (stellen Sie sich eine tiefe Verbeugung und klatschende Hände vor).

    Auf dass der heutige Tag etwas ruhiger verläuft.

    Viele Grüße
    Dorothe

  4. Es ist amtlich – und wer es bis jetzt noch nicht gemerkt hat, kann es nicht mehr übersehen: Pia ist einfach eine coole Socke! Und da es während der Spülmaschinenreparatur noch ein ordentliches Mittagessen gab, würde ich sogar zur coolen Socke mit Sternchen tendieren…

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