tollwütiges Eichhorn spricht

Hallo Menschen im Internet! Die vergangene Woche hat mich das Internet – vornehmlich Twitter – so sehr geärgert, dass ich ein bisschen Abstand brauchte. Internet ist immer so lange toll und bereichernd und positiv, wie es einem nicht aufs Gemüt schlägt. Dann sollte man einfach mal für ein paar Tage aussteigen und so tun, als wäre man da gar nicht involviert. Etwas schwierig für Menschen, die im und mit dem Internet arbeiten, aber geht. Zudem hatte das große Kind seit Mittwoch schulfrei und so haben wir die Auszeit gemeinsam genossen.

Der ein oder andere wird auch mitbekommen haben, dass wir im Rheinland seit Donnerstag im karnevalistischen Ausnahmezustand sind. Heißt im Klartext: Karneval in der Schule der jüngeren Kinder am Donnerstag und seitdem Einschließen in den eigenen vier Wänden und die freien Tage genießen. So richtig Lust auf Karneval hat hier diese Jahr irgendwie keiner. Ja, nicht mal die Kinder.

Natürlich haben wir trotzdem alle Kostüme, da ja auch am Dienstag der Karnevalszug an unserer Haustür vorbei zieht und solche Karneveals-Griches sind wir dann doch nicht, dass wir den ignorieren würden.

Da der große Sohn dieses Jahr gar keine Idee hatte, als was er sich zu Karneval kostümieren möchte, sind wir Mittwoch zu Knauber gefahren und haben uns in der Karnevals-Abteilung mal umgeschaut. Und tatsächlich wurden wir relativ schnell fündig und das nicht nur für ihn.

Der große Sohn stellt eine Mischung aus Zeitreisendem und Steampunk dar. Ich finde es steht ihm einfach ganz hervorragend und er fühlt sich darin vor allem wohl.

Das Eichhörnchenkostüm ist zwar jetzt nicht das schmeichelhafteste, aber darum geht es mir zum Glück inzwischen auch nicht mehr. Ich finde es vor allem unheimlich putzig.

Heute wollten wir dann tatsächlich einen Karnevalszug besuchen, aber das Wetter ist so bescheiden, inklusive erneuter Sturmwarnungen, dass wir uns doch dazu entschieden haben zuhause zu bleiben. Allerdings hoffen wir jetzt schon, dass wir am Dienstag ein noch ein bisschen Karnevalsstimmung mitnehmen können, bevor Mittwoch die Schule wieder los geht.

***

Um aber nochmal auf das Eingangsthema zurück zu kommen: Social Media nervt mich aktuell zunehmen. Seit geraumer Zeit nutze ich daher zum Beispiel Facebook gar nicht mehr privat, sondern nur noch für’s Blog. Twitter ist gerade der nächste Social Media Dienst, von dem ich mich immer weiter distanziere. Es ist und war total schön in seiner kleinen, selbst zusammen gestellten Bubble unterwegs zu sein, aber seitdem Twitter einem ständig Tweets anzeigt, die andere Leute, denen man folgt, geliked haben, fällt es mir zunehmend schwer nicht am Verstand mancher Menschen zu zweifeln. Da benehmen sich Menschen wirklich wie die Axt im Walde, äußern sich herablassend oder sogar rassistisch und verbeißen und blocken jeden, der sich wagt das sachlich zu kritisieren und wird dafür noch beklatscht und gefeiert. Dabei kann man auf Twitter soviel lernen und sein eigenes Verhalten reflektieren.

Ich, zum Beispiel, habe auf Twitter gelernt, dass Begriffe wie Meltdown, Overload und Shutdown Fachbegriffe aus dem Autismusbereich sind und ich sie in einen völlig falschem Kontext setze, wenn ich sie z.B. im Blog für einen emotionalen Zustand nutze. Wenn man darauf hingewiesen wird kann man eingeschnappt sein, sich um Kopf und Kragen diskutieren, dass man es ja aber so nicht meint und die Kritiker weg blocken, oder man informiert sich nochmal eingehend darüber, erkennt seinen Faux pas und korrigiert den. Dasselbe sollte für Alltagsrassismen gelten, die wir alle oft völlig unbewusst noch verwenden, einfach weil wir es mal so gelernt haben. Da bricht keinem ein Zacken aus der Krone sich mal selber zu reflektieren und zu überlegen: was geht mir jetzt verloren, wenn ich von meiner Position zurück weiche und eingestehe, dass ich etwas falsch gemacht habe, wenn vielleicht auch unbewusst oder unbeabsichtigt.

Noch schlimmer finde ich allerdings eine Followerschaft, die dann wie ein Rudel ausgehungerter Wölfe über den Kritiker herfallen, um den Kritisierten in Schutz zunehmen. Und genau an dem Punkt habe ich als stiller Beobachter letzte Woche die Schnauze gestrichen voll gehabt. Da sind Menschen drunter, die ich wirklich mag und schätze. Und wenn die dann völlig blind einfach jemandem hinterher hecheln, als wäre derjenige eine unfehlbare Lichtgestalt, verliere ich eben jeden Spaß an Social Media.

Jeder Mensch darf Fehler machen. Wir lernen vermutlich aus Nichts mehr, als aus Fehlern. Kritik, die mir sachlich entgegen gebracht wird, kann ich wunderbar annehmen und eben reflektieren. Kritik, die auf einer emotional herablassenden oder sogar beleidigenden Eben daher kommt, schenke allerdings auch ich nicht viel Beachtung. Der Ton macht die Musik. Immer.

So, habe fertig. Wünsche Ihnen allen einen bezaubernden Sonntag, besseres Wetter, als wir es haben und vor alle ganz viel Harmonie.

Mic drop.

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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Ein Gedanke zu „tollwütiges Eichhorn spricht

  1. Manchmal habe ich das Gefühl, dass über jeden Vogelschiss diskutiert werden muss und zwar so lange, bis die anderen aufgeben und man so im Glauben gelassen wird, dass man Recht hat. (Dass das Aufgeben nur darin begründet ist, dass man keinen Nerv mehr hat, sich mit (Teilzeit-)Idioten rumzuschlagen, kann natürlich nicht sein.) Egal, wie viele sachliche (und teilweise wissenschaftlich belegbare) Gegenargumente man da aufbringt – es ist ja doch nicht die eigene Meinung und nur die hat Recht. Oder so.
    Ich kann es also mehr als gut verstehen und frage mich, welches Panorama einige Menschen an sich vorbei ziehen haben.

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