emotionale Explosion

Hallo Internet, ich falle nach Tagen der Stille direkt mit der Tür ins Haus: es sind bombastisch gute Tage für Menschen mit Angststörung, die bereits seit 5 Monaten den Alltag mit den drei Kindern alleine wuppen.

Seien Sie so gut und geben Sie mir hier, in meinem Blog, den Raum ein wenig zu jammern, ohne Whataboutism a la “Ja, aber die Alleinerziehenden haben das ja immer. Heul leise!” und so. Danke.

Seit 5 Monaten sind wir hier also alleine. Es läuft gut. Ich bin die Königin der Struktur und Organisation. Und fürs tägliche Leben brauch ich halt echt keinen Partner. Aber für mein Seelenheil, für’s Anlehnen, für’s Streiten, gemeinsam Lästern, Mut zusprechen und Lachen. Für’s nicht alleine Sein. Mir fehlt nicht nur mein Partner, mir fehlt mein bester Freud. Das schrieb ich vor ziemlich genau 6 Jahren hier schon mal und daran hat sich halt nix geändert. Auch nach fast 19 Jahren nicht. Dass den Kindern ihr Vater fehlt brauch ich an der Stelle vermutlich auch nicht erwähnen.

Die alleinige Verantwortung zu tragen war in einer normal funktionierenden Sozialstruktur mit einem funktionierenden Netzwerk und klaren Strukturen schon ein okayes Ding. Und ja, ich bekomme das auch jetzt hin, wenn eben diese Sozialstrukturen ruhen und das Netzwerk nicht abrufbar ist. Social Distancing ist das Zauberwort. Wir machen das. Ganz bewusst und freiwillig.

Nun kommen wir aber nochmal zu dem Punkt Angststörung. Hab ich hier ja auch schon erwähnt und ist kein Geheimnis. Ich hab das gut im Griff. Ich bin recht rational und kann Informationen objektiv bewerten. Es gibt aber Trigger (die ich vorher idR nicht kenne), die bei mir einen völlig panischen Film starten. Dabei funktioniert mein Kopf noch völlig normal. Ich weiß, dass das eine Panikattacke ist und das es dafür keinen Grund gibt, aber mein Körper shaked einen Liter Milch in 0,5 Sekunden zu Sahne, Herzrasen, Schweißausbruch, das ganze Programm. Atmen. Tief ein- und ausatmen. Zum Glück hab ich mein Werkzeug und weiß, wie ich damit umgehen muss. ES WAR ABER SCHÖNER OHNE PANIKATTACKEN!

Nun, Corvid-19 ist so ein Trigger. Die anhaltende Abwesenheit des Mannes neuerdings auch. Beste Kombination.

Ich bin so unfassbar froh, dass ich diese tollen Kinder habe. Ich glaube ohne die Drei würde es mir sehr viel schwerer fallen mich in diesen Momenten selbst zu regulieren. Aber ich weiß einfach, dass sie mich jetzt brauchen und dann funktioniert das auch. Wobei ich mir jetzt schon sicher bin, dass der Absturz kommt. Vermutlich, wenn der Mann wieder da sein wird. Na, der wird sich freuen.

Aber was ich an dieser Stelle noch loswerden wollte: bleibt zuhause! Trefft Euch nicht mit anderen Muttis/Papis/Kindern auf dem Spielplatz. Lasst unnötige Playdates, weil Eure Kinder sich sonst langweilen. Geht nicht zu Oma und Opa. Auch wenn ihr Euch sicher seid, dass Ihr keine anderen Sozialkontakte habt als diese, so wisst Ihr noch lange nicht, ob das für die Gegenseite auch stimmt. Ja, für Euch und Eure Kinder besteht ja kaum Gefahr, solange Ihr keine Vorerkrankungen habt. Aber für Oma, Opa, die liebste Nachbarin, meinen Vater und sonst noch ganz viele Menschen, die Euch einfach nicht egal sein sollten. Und ja, vielleicht bin ich in diesem speziellen Punkt das erste Mal wirklich militant und habe nullkommagarkeine Motivation mit jemandem zu diskutieren.

Der liebsten Nachbarin habe ich ins Gewissen geredet das Haus nicht mehr zu verlassen und sich von mir die Einkäufe erledigen zu lassen. Meinen Vater habe ich angerufen und versucht ebenfalls bewusst zu machen, dass er nicht aus dem Haus gehen soll, wenn es nicht unbedingt notwendig ist. Wir werden diese Infektionskette eh nicht mehr unterbrechen oder aufhalten können, aber wir können sie verlangsamen, wenn wir JETZT aktiv (bzw. ja irgendwie inaktiv) werden, nicht erst, wenn der Shutdown kommt.

Sicherlich wird das ganze nicht in 2 oder 5 Wochen überstanden sein, machen wir uns nix vor. Nehmt die Situation JETZT an, handelt entsprechend, denkt an Eure Mitmenschen und nicht nur an Euch selber. STAY THE FUCK HOME! soweit möglich, damit wir alle gemeinsam so gut wie es eben geht dadurch kommen.

Und an dieser Stelle auch ein riesen großes Dankeschön an alle die, die trotzdem täglich da raus müssen, um unsere Versorgung sicher zu stellen. Kranken- und Altenpfleger, sämtliche Mitarbeiter im Lebensmitteleinzelhandel, Logistiker, Lastkraftfahrer, Postboten, Müllentsorger, Erzieher und Pädagogen die nun die Notbetreuung stemmen und ganze viele andere, die ich hier jetzt gar nicht alle aufzählen kann. Es scheint, es brauch erst eine Krise, damit die relevanten Berufe in diesem Land Wertschätzung erfahren.

Ich, als Blogger, Autor und joar, auch Influencer, stehe ganz hinten in dieser Kette. Auf mich könnte man im Großen und Ganzen ganz prima verzichten. Deshalb tue ich jetzt genau das, was in irgendeiner Weise sinnvoll ist. Zuhause bleiben, die älteren Nachbarn unterstützen und Unterhaltungs-Content produzieren, der vielleicht in dieser schwierigen Zeit dem Einen oder Anderen ein paar Minuten raus holt und Freude macht.

Der Große sagte heute beim Essen, wir könnten ja ein paar Video machen mit Sache, die man basteln kann, oder so. Ich fand die Idee wirklich süß und ja, vielleicht machen wir das sogar. Derweil halte ich den Alltag für und so weit es möglich ist aufrecht und dokumentiere weiterhin Curly Girl Fotos auf Instagram, weil mir das gerade Spaß macht und es mich ablenkt.

Sie sehen, das hier ist definitiv kein Unterhaltsungs-Content. Das hier ist einfach eine emotionale Explosion, nach der es mir jetzt schon deutlich besser geht.

Passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund!

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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13 Gedanken zu „emotionale Explosion

  1. Word!

    Danke für den Kommentar der alles zusammen fasst. Ich bin Risikopatientin und mitten in der Chemo. Ich bleibe schon seit Monaten mehr oder weniger zu Hause. Und jetzt muss ich Angst haben, dass meine Chemo nicht weiter laufen kann. Ich habe dem Krebs nicht eins auf die Mütze gegeben um eventuell an so einem Virus zu sterben. Nicht mit 38! What ever!

    Du machst das alles super Pia! Und Du wundervolle, empathische Kinder. Ich wünsche Dir, dass Dein Partner, Dein bester Freund bald wieder bei Dir/euch ist.
    Stay strong! Alles wird gut werden!!

  2. Mittlerweile nehme ich Nachrichten nur noch sehr dosiert zu mir, versuche jedes WhatsApp-Bildchen oder Video zum Virus zu ignorieren, ob Panik- oder Lustigmache. Das hilft niemanden und stresst, triggert nur noch mehr. Vielleicht erfahren jetzt all diese Berufe vom Pfleger bis zur Verkäuferin im Lebensmittelgeschäft eine dauerhafte Wertschätzung. Ich wünsche es mir.

    Gleichzeitig würde ich mich gerne sinnvoll einbringen, mache mir jedoch Gedanken um die Zukunft. Als Touristiker, der ich mit Leib und Seele bin, ist es gerade nicht einfach. Und sicher. In einer Branche zu arbeiten, in der keiner weiß, was morgen wird. Nervenkitzel pur, im schlechtesten Sinne.

    In meinen Bereich (Veranstalter in einem Großkonzern) sicher noch etwas besser, als in einem kleinen Reisebüro. Dort werden es viele nicht überleben.

    Meine Bitte, wenn ihr von Dienstleistern Infos möchtet, denkt daran, es sitzen Menschen dort, die auch ein Leben haben, sich darum kümmern müssen, wie sie ihre Miete und andere Rechnungen bezahlen müssen und aktuell mit den Rücken zur Wand stehen. Wenn die euch keine aktiven Infos geben können, dann gibt es auch keine neuen Infos. Die meisten Dienstleister werden aktiv auf euch zukommen, wenn es etwas gibt, was man wissen muss.

    Wir müssen alle zusammenhalten.

    findo

  3. Ja, Ja, und Ja!!! Das ist das einzige, das wir zur Zeit machen können um uns und vor allem andere, die es nötig haben, zu schützen. Liebe Grüße aus Österreich (wo seit heute Ausgangssperren gelten)

  4. Ja, jammern ist erlaubt! Zumal man als Soldaten-Frau sowieso zwischen allen Stühlen sitzt – verheiratet und de facto oft trotzdem alleinerziehend. Verstehen eigentlich nur Leute, die in der gleichen Situation sind. Funktioniert alles irgendwie, solange nichts anderes dazwischen funkt. Aber sobald noch ein Tropfen dazu kommt (in diesem Fall Corona) merkt man dann, wie anstrengend das ist. Da hilft nur eins: dankbar sein, dass du drei Kinder hast, also keins alleine ist, wenn es nicht will, die Kinder schon groß genug sind, sich alleine zu beschäftigen und ihr einen Garten habt. Das Geld, das es durch den Auslandseinsatz mehr gibt, nutzen, und jede Menge Bücher und Spiele bestellen und ggf. den R*-Lieferservice buchen und sich das Leben insgesamt so einfach wie möglich machen. Ach ja, den halben Bastelladen für die Gräte bestellen hilft wahrscheinlich auch. Und ja, du wirst wahrscheinlich zusammenklappen, wenn dein Mann wieder da ist. Aber das ist dann halt so, machste nix… Wünsch dir ganz viel Kraft und dass die Leitungen ins Einsatzland intakt bleiben (kümmert sich dann meiner drum). Skypen ist zwar nicht das Gleiche, wie in echt, aber es hilft!

  5. Liebe Pia,
    Tausend Dank, dass Du wieder schreibst! Und Danke, dass Du kein Blatt vor den Mund nimmst!
    Weil keiner so richtig Abstand gehalten hat, hatte ich letzte Woche eine Panikattacke. Seitdem bleib ich daheim. Inzwischen sowieso.

    Ich gönne euch so sehr, dass ihr einen Garten habt, wo ihr auch mal im Freien sein könnt :-)
    Was macht eigentlich Titus?

    Seit Deinem CurlyGirl-Experiment, überlege ich, ob ich nicht vielleicht auch Wellen habe. Momentan wär ja Zeit zum Ausprobieren 😅

    Keep calm and carry on 😊
    Elfi

  6. Man kann sich besser in seinem Blog Luft machen, als Leute auf der Straße anzuschreien. Ist auch grad alles ziemlich ungewohnt und wenn man kein Enddatum weiß, macht es das nicht besser.

    Tolle Locken by the way!

    Sonnige Grüße!

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