Stay at home-Tagebuch Tag 29

Ostermontag. Ein Feiertag. Hätte ich dieses Jahr fast vergessen, aber ich wollte ohnehin nirgends hin. Ahahaha. Wohin auch? Badumm. Tusch.

Unser Frühstück war heute in alter Manier wieder ein Spätstück mit Croissants und gekochten Eiern. Und tatsächlich saßen heute wieder Bobo, Maus und Mausi Bausi mit am Tisch. Lacht nur. In Sachen Namensgebung waren meine Kinder schon immer mega kreativ. Nicht.

Da das Wetter den ganzen Vormittag eher Bäh war, verzogen sich die Kinder nach dem Frühstück direkt in ihre Zimmer und ich hab ein bisschen Zeug mit meinen Haaren gemacht. So ein Dauer-Experiment ist für diese Zeit wirklich ideal geeignet. Ich hätte natürlich auch Japanisch oder so lernen können, aber ich bin ehrlich: Haare liegen mir mehr.

Der Tag verlief sehr ruhig und entspannt. Am Nachmittag hab ich einen Social Distancing Kaffee mit der liebsten Nachbarin getrunken. Also beide eine Tasse Kaffee in der Hand, in ihrem Hof, mit sehr großzügigen 2-Meter-Abstand.

Zum Essen gab es heute Kartoffel-Spinat-Auflauf. Einfach, weil ich ein bisschen Abwechslung rein bringen wollte und wir erst vor 2 Wochen Kartoffeln und Spinat hatten. Also die Kartoffel und den Spinat in eine Auflaufform geschichtet, 4 Eier drauf geschlagen und alles ab in den Ofen. Hat super geschmeckt. Die Ekel-Fraktion hatte Butter-Spätzle.

Ist im Übrigen auch ein Gericht, dass man super vorbereiten kann. Einfach im Kühlschrank aufbewahren und dann die Eier drauf kloppen, bevor man es in den Ofen schiebt.

Die anschließende Feldrunde habe ich heute wieder allein mit dem Mittleren bestritten. Zu Beginn war es so windig und kalt, dass ich nicht geglaubt habe, dass wir wirklich weit fahren. Aber wie das immer so ist: mit der Bewegung kommt die Wärme.

Nach einer Weile ließ auch der Wind nach und wir kamen richtig ins Schwitzen. Der Mittlere erzählte mir, dass er nicht glaub größer als 1,50 Meter zu werden. Dem habe ich aber mal mit Nachdruck widersprochen. Ich bin mir sehr sicher, dass er mindestens größer als ich, also 1,63 m, wird.

Wir wurden ein bisschen albern, als ich ihm erklärte, dass er vielleicht eines morgens aufwacht und unbändigen Heißhunger auf Brokkoli haben wird, deshalb 5 Brokkoli-Köpfe auf einmal isst und am nächsten dann plötzlich Tag 1,80m groß ist. “NIEMALS!”

Heute rollerten wir dann mal Richtung Osten. Auf unserem Weg durchquerten wir auch einen großen Golfplatz, auf dem sich munter die Golfer in 2er-Grüppchen tummelten. Der Mittlere wunderte sich.

“Ich dachte es ist alles zu und man darf nirgends hin gehen.”
“Na ja, aber Golf spielt man ja an der frischen Luft mit großem Abstand.”
“Trotzdem. Ich finde das unfair. Ich spiele ja kein Golf!”

An einem Loch hielten wir an und beobachteten eine Weile ein Reiher-Pärchen, das dort Pause machte. Der Mittlere nutzte die Gelegenheit einen perfekt gepflegten Grashügel runter zu kullern. Einmal, zweimal, dreimal. Dann war ihm so schwindelig, dass er lachend im Gras liegen blieb.

Da die Sonne das Gras inzwischen getrocknet hatte, hab ich mich einfach daneben gelegt und so haben wir eine Weile mitten auf dem Golfplatz auf der Wiese gelegen und in den Himmel geguckt. Das sind so kleine Glücksmomente, die man unbedingt konservieren muss.

Insgesamt rollerten wir heute 7 Kilometer über die Felder und der Mittlere redete und lachte und strahlte, dass mir das Herz aufging. Dieses Kind verbreitet soviel Fröhlichkeit und Unbeschwertheit, wenn man es nur lässt. Darum hab ich ihm auch gesagt, dass ich unsere Touren sehr genieße. Er ist ein toller Gesprächspartner und mault nicht nach 50 Metern rum, wie weit es denn jetzt noch wäre. Gut, das macht der große Bruder auch nicht, aber da haben die Gespräche eine ganz andere Ebene. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass der Mittlere einen eher selten in seine Gedanken eintauchen lässt.

Wieder zuhause mussten wir erstmal jeder eine Flasche eiskaltes Malzbier trinken, die Fotos vom Golfplatz angucken und darüber reden, welche Stellen uns heute am besten gefallen haben.

Quelle: coronazaehler.de, 13.04.2020

Vermutlich könnt Ihr schon gar nicht mehr hören wie toll ich diese abendlichen Feldrunden finde. Ich erzähle es trotzdem noch mal. Ich lieb sie einfach sehr und bisher ist jeder Tag mit einer abendlichen Feldrunde als guter Tag geendet.

Heute gibt es, wie bereits angekündigt, das vorerst letzte Video unseres zaubernden Schulleiters. Mal sehen wie es weiter geht und ob dann vielleicht noch neue oder andere Ideen es in Videos schaffen. Für diesen Moment ist es aber erstmal das Letzte.

An der Stelle möchte ich Euch auch allen für die netten Worte und das tolle Feedback zu den Videos danken. Ich halte es nicht für selbstverständlich, dass er sich solche Mühe gegeben hat, den Kindern zuhause irgendwie ein bisschen Unterhaltung und Nähe zur Schule zu ermöglichen. Und Eure Stimmen zeigen mir, dass es das tatsächlich nicht war.

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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2 Gedanken zu „Stay at home-Tagebuch Tag 29

  1. Bis ich ca 15 Jahre alt war, bin ich kaum gewachsen, Stimmbruch, Pubertät dann erst wirklich. Heute bin ich 1,70m groß. Ich war bis zur 9. Klasse der Kleinste, erst dann gab es einen noch kleineren als mich. Sag den Mittleren das. Mancher schießt erst spät in die Höhe. Und auf meinen Ausweis habe ich 1cm mehr angegeben, damit ich größer bin als mein Vater.

    1. Er ist bei dem Thema zum Glück sehr entspannt und wenn wir Witzchen reißen, dann gehen sie immer von ihm aus. Ich glaube nicht, dass er sich ernsthafte Sorgen um seine Endgröße machen müsste. Wird schon.

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