Stay at home-Tagebuch Tag 31

Ein Monat zuhause. Ein erstes kleines Jubiläum, das keiner von uns wirklich feiern möchte. Aber wenn wir genau hinsehen, so ist eine leicht optimistische Tendenz zu erkennen. Wir tun das nicht umsonst. Es wirkt. Es ist richtig.

Der Tag begann ein wenig verhangen und doch ziemlich kalt. Hatten wir nicht letzte Woche schon die ersten Sommer-Tage? Ach, warte, es ist ja April. Alles im Rahmen und ein schönes Beispiel, um den Kindern endlich mal das geflügelte April-Wetter zu erklären.

“Nein, Du musst eine Jacke anziehen.”
“Ziehst Du bitte die dicke Jacke aus!”

Zwischen den Sätzen lagen gerade mal 2,5 Stunden.

Statt Frühstück gab es für mich heute morgen erstmal eine Einkaufsrunde. Immerhin habe ich das Ganze so lange aufgeschoben wie es nur irgendwie ging und so lag mein letzter Einkauf schon 9 Tage zurück. Auch heute war meine Einkaufsliste nicht wahnsinnig lang. Wir haben uns auf Lebensmittel eingespielt, die man gut lagern kann. Im Moment essen wir eher TK-Gemüse und Obst, dass sich im Kühlschrank oder kühlen Keller eine Weile hält. Kartoffeln, Nudeln, Reis habe ich eh immer da und Obst, Aufschnitt und Fleisch/vegetarische Alternativen habe ich heute aufgefüllt.

Die andere Hälfte meiner Einkaufsliste waren die Wünsche der liebsten Nachbarin. So musste ich einmal für sie zu dm, bekam die meisten Lebensmittel bei Aldi und ging zum Schluss noch zu REWE, um die vegetarischen Produkte für das große Kind zu besorgen. Dort gab es dann tatsächlich auch das Mehl, das sich die Nachbarin gewünscht hatte.

Was mich am meisten beruhigte: immer mehr Menschen jeglichen Alters tragen einen Nase-Mund-Schutz. Es wird Abstand gehalten und die Hektik, die sich noch vor 4 Wochen in den Supermärkten beobachten ließ, hat sich wieder gelegt. Dieses panische Gefühl, nicht mehr alles zu bekommen was man braucht, scheint einer gewissen Zuversicht gewichen, dass wir in diesem Land doch recht gut versorgt sind.

Bei dm war die Schlange an der Kasse um mehrere Regale gewickelt. Das führte zu einiger Verwirrung, weil sich immer wieder Leute mitten in die Schlage stellen wollten.

“Das Ende ist da hinten.”
“Wo?”
“In der Babyabteilung. Hinter der Kosmetik.”

Daheim war ich dann um kurz vor Mittag. Einem Kind war gar nicht aufgefallen, dass ich nicht da war, eins telefonierte immer noch mit seinem Kumpel und eins schlief noch. Hoffentlich werde ich nie entführt. Das würden die Drei doch niemals bemerken!

Es gab also heute Mittagessenfrühstück. Ich habe nämlich erfolgreich Aufbackbrötchen und Frühstückssaft geshopped. Mehr brauchen wir gar nicht um glücklich zu sein.

Die anschließenden Schularbeiten waren heute die reinste Qual. Also für mich. Die Kinder waren nämlich übermotiviert und wollten gar nicht mehr aufhören. Gut, vielleicht liegt es auch daran, dass der Gräte heute bewusst wurde, dass die Ferien bereits in 3 Tagen enden und es dann sehr wahrscheinlich neue Arbeitsaufträge geben wird. Dasselbe beim Mittleren, der sich aber auf der Zielgeraden befindet.

Dem Grätenkind habe ich jetzt allerdings ein paar Arbeitsblätter gestrichen, weil ich sie für absolut unnötig erachte. Wieso soll ich mein Kind mit weiteren 4 DIN A 4 Arbeitsblättern zur Subtraktion im 100er Raum quälen, wenn es das nach unzähligen Arbeitsblättern zu dem Thema gut und sicher beherrscht? Das hat ja irgendwann nichts mehr mit Wiederholung zu tun, sondern wird schon eher zur Schikane. So ein bisschen muss man die Motivation auch hochhalten. Gerade jetzt, wo eh schon alles anders ist, als sie es gewohnt sind. Dann erkläre ich ihr lieber noch ein paar Rechtschreibregeln und bereite sie auf das vor, was da dieses Schuljahr noch auf sie zukommen wird.

Nach 3 Stunden waren dann alle 3 Kinder für heute soweit durch, dass ich sie erst in den Garten und danach auf ihre Zimmer scheuchen konnte. Eine weitere Stunde später habe ich dann auch schon wieder zum Nachmittagessen gerufen.

Schlau wie ich bin, habe ich heute morgen bei REWE am Sushi-Stand zugeschlagen. Wenn ich schon mal da bin, so alle 2 Wochen, können wir uns auch direkt mal gönnen. Ich muss nicht kochen, alle 3 Kinder sind selig und ich bin zum Schluss satt und glücklich. Super Konzept.

Die anschließende Feldrunde wollte heute das Grätenkind mit mir allein bestreiten. Ich war ja etwas skeptisch, weil sie eher zur Fraktion “Ist es noch weiheit?” gehört, aber tatsächlich konnte ich sie mir einer neuen Route doch weiter als 50 Meter vom Haus weg locken.

Das Buff dient an dieser Stelle übrigens nur als Mückenschutz. Bei unserer letzten Rollerrunde hatte sie so viel gequatscht, dass ihr ständig Fliegen und Mücken in den Mund geflogen waren. Aber das schlaue Grätenkind weiß sich zu helfen.

Wir fuhren eine Weile über die Felder bis wir am Weilerhof ankamen, wo wir die Pferde beobachteten und ein paar alberne Fotos von uns beiden machten.

Ich mag das ja, wenn die Leute sagen, wir sähen uns so ähnlich. Bei diesem Bildern kommt mir aber unweigerlich der Gedanke, dass es vielleicht am genetisch bedingten Gesichtskasper liegen könnte. Den hatte das Görl schon von Tag 1 an. Da könnt Ihr meine Zimmernachbarin aus dem Geburtskrankenhaus fragen. Selbst die hatte damals schon den ausgeprägten Gesichtskasper der frisch geborenen Gräte bewundert.

Inzwischen habe ich meine Kinder auch so gut konditioniert, dass sie bei etwaigen Naturkulissen rufen: “Schau mal, Mama, da kann man ein super Foto machen!” Rapsfelder lösen sowas zum Beispiel aus. Und wir haben hier sehr viel Raps im Moment.

Auf dem Rückweg schlenderten wir dann noch über den kleinen Friedhof im Dorf und bewunderten die frisch gepflegten und bepflanzten Gräber. So ein Friedhof strahlt einfach eine unvergleichliche Ruhe aus und ich könnte mich auch wunderbar mit einem Kaffee und Keksen da in den Schatten unter einen Baum setzten und die Stille genießen. Wäre dann allerdings vermutlich doch etwas unangebracht.

Letztendlich waren wir dann doch eine Stunde unterwegs und das Grätenkind hat ganz vergessen gebührend zu jammern. Tja.

Letzte Woche habe ich Euch auch von meinem teuflischen Plan berichtet, dem großen Sohn jetzt alle 2 Wochen 5 Paar Schuhe zu kaufen. Oder so ähnlich. Jedenfalls haben wir die erste Shoppingtour (aka Online-Bestellung) jetzt hinter uns gebracht und waren bereits erfolgreich.

Die Auswahl hat bereits im Vorfeld das große Kind getroffen. Es waren noch ein paar andere Modelle dabei, die überwiegend dunkelblau, blau und türkis waren, aber diese beiden Paare sind es zum Schluss geworden. Und ich schwöre, ich habe überhaupt gar keinen Einfluss genommen.

Ihr dürft aber mal raten in welchem Paar ich heute morgen einkaufen war, um die Schuhe ein bisschen einzulaufen *gnihihi* Und ja! Ich hab dazu die offizielle Genehmigung des großen Sohnes.

Den Tag verbuche ich heute auch als einen Guten. Die Sonne schien, es war angenehm warm, die Kinder waren entspannt, das Essen war lecker und die Pressemitteilung der Bundesregierung wie auch des Landesministers von NRW waren auch in Ordnung. Keine übereilten Entscheidungen und ein bisschen – wenn auch wenig – mehr Zeit, um eine Wiederöffnung der Schule schrittweise zu planen. Ich bin also vorsichtig optimistisch.

Quelle: coronazaehler.de, 15.04.2020

Und Einkaufen war ich auch.

Was mir gerade so ein bisschen fehlt ist die Planbarkeit der kommenden Tage und Wochen. In 2 Wochen hat zum Beispiel das große Kind Geburtstag. Es wird also keine Geburtstagsfeier geben, keinen Ausflug, keine Gäste. Aber dennoch soll es ein unvergesslicher Geburtstag werden und das nicht nur, weils DER Corona-Geburtstag war. Mal sehen, was ich mir da noch einfallen lassen kann.

Euch wünsche ich jetzt einen schönen Abend oder guten Start in den Tag. Je nachdem, wann ihr das hier lest. Bis später.

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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16 Gedanken zu „Stay at home-Tagebuch Tag 31

  1. Wenn dir danach ist, doch auf einen Friedhof zu setzen, dann mache es.

    Die meisten Leute wissen gar nicht, dass fast alle Friedhöfe als Park zählen, ein Buch kann man da immer lesen, das sollte keinen stören.

    Komisch geschaut haben die Menschen, wie ich mich mit einem Korn da hingesetzt habe… Eine Frau hat mich angesprochen, ich habe nur geantwortet, an dem Geburtstag meiner Mutter trinke ich immer einen Korb mit ihr, das andere Glas habe ich aufs Grab gestellt und dann war auch alles gut.

    Gruß

  2. Es tut wirklich gut immer wieder diese wunderbar positiven Berichte von Ihnen zu lesen.
    Nicht falsch verstehen, Sie dürfen gerne auch schimpfen wie ein Rohrspatz. Das muss ja auch mal sein :)
    Aber so als Abendritual ist es für mich durchaus ein Sahnehäubchen, wenn es ein so positiver Bericht ist.

  3. Dürfen Sie wirklich keine Ausflüge machen? Wir hier in Sachsen können uns jetzt zumindest in 15km Umkreis bewegen und es tut uns gut, auch mal durch einen anderen Wald (bzw. bei Ihnen dann vielleicht über ein anderes Feld) zu stiefeln/zu radeln. Etwas Picknick eingepackt und schon fühlt es sich bei dem Wetter an, wie ein kleiner Urlaubstag. Vielleicht wär das ja was? Alle mal ins Auto und einen anderen Landstrich erkunden?

    Liebe Grüße und viel Kraft! Ich les gern hier, dieses Alltagsgedöns ist am Abend doch irgendwie entspannend…

    1. Man darf sich nicht längere Zeit an einem Ort aufhalten. Also auch keine Picknicks o.ä. Bewegung geht natürlich und das tun wir auch, so oft es geht. Reisen, auch innerhalb eines Landkreises, sind auch nicht gestattet.

    2. Reisen mit Übernachtungen sind tatsächlich nicht gestattet, aber ich habe noch nichts von Ausflügen gehört und jetzt auch beim spontanen Googeln nichts gefunden. Und Picknicks sind verboten. Das Verweilen an einem Ort aber glaube ich nicht. In München wurde sogar von der Polizei vor einiger Zeit klargestellt, dass das Lesen eines Buches auf einer Bank bei Einhaltung der Abstandsregelung erlaubt ist. Und Bayern hat die Regeln ja deutlich strenger ausgelegt als wir in NRW. Insofern könntet ihr glaube ich durchaus mal woanders spazieren gehen. Vielleicht vertue ich mich auch. Dann würde ich mich freuen, wenn du mich aufklärst. 😊

      Ist das Zufall, dass die Jacke von der Gräte so unglaublich fantastisch zum Helm passt? Großartig!

      Liebe Grüße
      Katharina

  4. Sushi ist immer eine gute Idee und Gesichtskasper auch! Ich hatte aufgrund der positiven Entwicklungen ehrlichgesagt auf einen KiTa Start Ende April gehofft, zumindest für mein Vorschulkind das diese mentale Vorbereitung auf die Schule dringend bräuchte. Nun haben wir erfahren, in Bayern Schule ab 11. Mai, KiTa erheblich später. Obwohl ich es verstehe macht es mir Angst und ich hab heute Abend einen schweren Tiefpunkt. Allerdings musste ich dann gleich an euch denken, wie es dir damit geht ohne deinen Mann als Unterstützung. Bin froh dass du einen guten Tag verzeichnen kannst!

    1. Der Tiefpunkt ist sowas von normal. Aber es wird wieder besser und wir schaffen das. Und geht es nicht schlechter oder besser. Jeder lebt in seiner ganz persönlichen Situation und fühlt entsprechend Gutes oder Negatives.

  5. Huhu,
    Du bist toll!!! Ich bin voller Bewunderung für Dich, wie Du diese und vor allem Deine besondere Situation seit Wochen/Monaten meisterst. Sei bitte ganz, ganz stolz auf Dich. SUPERWOMAN!!!
    LG Stefanie

      1. Aber frau kann schon sehr unterschiedlich mit Situationen umgehen, das lässt sich (auch) hier im Internet gerade gut beobachten. Es gibt die, die jetzt viel jammern, wie eingeschränkt sie doch sind. Wie schlimm es ist, jetzt nicht in den Urlaub zu fliegen, am Meer zu sein und und und. Obwohl sie im Vergleich zu vielen Menschen im unserem Land immer noch absolut ideale Verhältnisse haben: viel Platz, Haus mit Garten, keine Geldsorgen, ausreichend Möglichkeiten zum homeschooling weil Zeit und PCs und Eltern zu Hause und ausreichend Intellekt.

        Und hier in Deinem Blog wird – bei allem Blick auf die oft nervende Corona-Realität – auch immer der schönen Seiten dieser Situation gedacht. Und täglich geschrieben. Und Du siehst hier in den Kommentaren, wie vielen LeserInnen Du damit Freude machst, die Stimmung hebst, mental unterstützt. Und bei Deinen eigenen Kindern sowieso. Das darf man schon mal positiv erwähnen, finde ich!

  6. Hi hat der Friedhof auch eine ganz eigene Stellung. Schon immer. Aktuell ist es mal wieder eine “Pilgerstätte” für tulpenliebhaber.
    https://www.tulpenbluete.de/Tulpenbluete.html
    Dieses Jahr sind die offiziellen Sonntage dazu abgesagt aber die Tulpen blühen ja trotzdem. 😁🌷
    Die Stadt hat sich aber ein toller Schild einfallen lassen
    https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=3089172967794147&id=126677314043742

    Freue mich auch jeden Abend darauf ihr Tagebuch zu lesen.
    LG

  7. Liebe Frau Drießen,
    Nutzen Sie doch für den Geburtstag die kostenlose App Actionbound. Damit können Sie ganz einfach digitale Schnitzeljagden erstellen, die dann mit Hilfe von Tablet oder Smartphone gelöst werden. Im letzten Jahr habe ich so etwas zum 8. Geburtstag meiner Tochte gemacht. Als Geschichte gab es einen Hilferuf der ???, den die Kinder mit Hilfe von Rätseln lösen mussten. Gepackt hatte ich dafür einen Koffer mit Geld, Kreide, UVStift, Magnet, Seil, Notizbuch…. Die Fragen reichten von “findet diesen Ort” bis zu “kauft Euch etwas am Kiosk, so dass nachher jeder gleichviele Teile hat”. Es gibt so viele Möglichkeiten und macht bestimmt auch den beiden anderen Spaß.
    Viele Grüße
    Michaela Königs

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