Stay at home-Tagebuch Tag 34

Ich fand das Ritual so entspannend: nach dem Essen eine gemütliche Runde über die Felder, dann an den PC gesetzt und unseren Tag verbloggt. Und dann muss ich eine Idee haben, diese spontan umsetzen und damit mein Ritual zerstören. Ich bin echt nicht Schlaubi Schlumpf.

Folglich sitze ich hier und jetzt noch gänzlich unentspannt und schreibe unseren Tagebucheintrag.

Aber erstmal startet der Tag in gewohnter Weise:

Sonne im Gesicht, erstmal strecken und recken,
Nachrichten im Bett checken,
aus dem Bett wälzen, Badezimmer, Kinder wecken,
Küche, Kaffee, Frühstücktisch decken.

Yo!

Der Deutschlehrer des Großen wäre ob meiner Reimformung sicherlich sehr entsetzt, aber das war auch tatsächlich nicht gewollt und wurde erst nachträglich in passende Absätze gebracht. Bekomme ich dafür wenigstens noch einen Punkt? Ein berühmter Gangster Rapper wollte ich eh nicht mehr werden.

Im Grunde könnte ich unseren Tagesablauf aber auch nur noch in Schlagwörtern verbloggen und Ihr sucht Euch dann die passenden Sätze aus den vorherigen 33 Tagebucheinträgen zusammen. Ergäbe im Zweifel auch jedesmal einen neuen Text.

Aber tatsächlich muss man sich langsam fragen: wie lange dauert so ein Corona-Tagebuch wohl an? Als man noch von 5 Wochen ausging, war das ne super Idee zur Dokumentation. Inzwischen muss man sich fragen: ist das unser neuer Alltag? Ist das irgendwann wirklich final vorbei? Wird es einen offiziellen Schlussstrich geben? Wann kann ich wieder individuelle Überschriften verwenden? Mag das immer Gleiche irgendwann noch jemand lesen?

Ganz schön viele Frage, auf die es einfach keine Antworten gibt. Ich mache also so lange weiter, wie ich Spaß daran habe. So war das mit dem Bloggen ja immer.

Was heute anders war, als gestern oder vorgestern: der große Sohn und ich haben im Vorgarten ein bisschen Ordnung geschafft, ich habe die Haustür und die Treppe davon geputzt und die Gräte hat 4 volle Mülleimer aus ihrem Zimmer entsorgt. So viele Bastelabfälle kann ein Mensch alleine gar nicht produzieren, dachte ich. Gräte kann!

Im Anschluss habe ich meine tägliche Frisur dokumentiert und dabei einen kleinen Gesichtskasperanfall erlitten. Falls Ihr Euch also fragt, welchen Gesichtsausdruck Ihr Euch vorstellen müsst, wenn ich Euch mit Emojis antworte, bitteschön:

Am Nachmittag war ich wieder mal auf den üblichen Distanz-Kaffee bei der liebsten Nachbarin, die heute Vormittag einen 11km Marsch rund um die umliegend Dörfer absolviert hat. Und ich Sofakartoffel lege im Schnitt gerade mal so 5km hin. Ich bin eine Wurst. Aber mit Kaffee und Keksen.

Zum Nachmittagsessen gab es heute wieder kleine stinkende Bäume in Käse-Sahne-Sauce an Nudeln. Als ich den Mittleren zum Tischdecken rief, machte der schon auf der obersten Treppenstufe Würgegeräusche. Nichts erkennt der so zuverlässig am Geruch wie Brokkoli.

Das halbe Glas grünes Pesto, das dann in seinem Teller verschwand, roch nicht weniger stark, meint die Gräte. Mehr Würgegeräusche für Alle! Trotzdem fand jeder sein Essen sehr lecker und kein stinkendes grünes Bäumchen blieb übrig.

So, und nun wartet Ihr alle auf die tägliche Feldrunde, aber wie ich eingangs schon schrieb: ich bin nicht Schlaubi Schlumpf. Gestern habe ich die Kinder gefragt, ob sie nicht Lust auf eine kleine Nachtwanderung haben. Die Begeisterung war groß und die Feldrunde hat super viel Spaß gemacht. Fledermäuse, schwarze Katzen und raschelnde Büsche inklusive. Im letzten Tagebucheintrag hab ich noch einen Nachtrag mit Fotos dazu ergänzt.

Dreimal dürft Ihr raten! Genau. “Mama, wir wollen heute wieder im Dunkeln gehen. Das ist so viel cooler!”

Quelle: coronazaehler.de, 18.04.2020

Also muss ich mit meiner Feldentspannung jetzt warten bis es dunkel wird. Das ist so in 1,5 bis 2 Stunden, wenn ich Glück habe. Ob ich die dabei entstehenden Fotos dann noch als Nachtrag einreiche oder morgen einfach mit verblogge, entscheide ich später. Da es später auch noch regnen soll, wird das bestimmt wieder ein ganz aufregendes Abenteuer. Manchmal wäre ich wirklich lieber eine total spaßbefreite Spießermutti (das war jetzt so ein total umständliches Eigenlob, merkter, ne?)

So, und da ich jetzt noch 1,5 Stunden bis zum Abmarsch Zeit habe, überlege ich mir die nächsten 60 Minuten, was ich mit den restlichen 15 Minuten mache, bevor ich anfange die Kinder in ihre Schuhe und Jacken zu quatschen. Ich bin so gut organisiert. Gibt es eigentlich einen Organisatori Schlumpf?

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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6 Gedanken zu „Stay at home-Tagebuch Tag 34

  1. Man könnte auch zwei Runden machen, oder? Dann hätte man Sonne. Und coole Nacht. Und mehr Kilometer. Und noch mehr Abwechslung in der Alltagsroutine :-) Mein Sohn hat schon überlegt, dass wir im Sommer dann immer nachts schwimmen gehen könnten. “Dann ist es nicht so voll am See, Mama. Wir stehen einfach um drei auf und sind wieder zu Hause, wenn es hell wird.”

    Ich finde ja, dass man von Woche zu Woche kreativer wird. Mein Frühsport wird immer abwechslungsreicher, ich probiere jeden Tag irgendeinen online-Sport und habe schon phänomenale Dinge entdeckt. Auch das Koche klappt immer besser. Wir haben gerade beim Frühstück gemerkt, dass wir jetzt fünf Wochen rum haben – so langsam habe ich mal alles abgearbeitet, was ich schon lange hätte tun sollen. Alle Fenster geputzt. Garten so gut wie fertig. Schränke aufgeräumt. Balkon frühlingsfit gemacht. Alle fleckigen Stellen an den Tapeten übergestrichen. Ich schätze mal, bis Weihnachten bin ich dann mit allem durch, was noch auf der Liste ist – dann könnte das Ganze wieder hochgefahren werden. So langsam – damit man wieder reinkommt. Hätte ich nicht noch dieses lästige home-office… das bringt mich manchmal ein bisschen aus dem Takt. Aber allein, dass jeden Tag zwei Stunden Fahrerei wegfallen, macht viel aus.

  2. Hallo Pia!
    Ich freue mich sehr, jeden Abend hier den Tagesquarantäntebericht zu lesen. Mich langweilt es hier so gar nicht und ich würde auch noch fünf (und mehr) weitere Wochen hier mit viel Freude meinen Tag ausklingen lassen.
    Wie geht es denn mit den Kindern weiter? Hat NRW feste Zeiten schon, wann es wieder los geht für die einzelnen Klassenstufen?
    Ich wünsche den Kindern noch viel Durchhaltevermögen (sie machen das großartig, wie ich so aus der Ferne beurteilen kann) für die nächste Zeit!
    Ich freue mich jedenfalls, hier wieder viel zu lesen zu bekommen.
    Ach ja! Ich muss mich noch für die DogMan Empfehlung bedanken. Mein Zweitklässler liebt die Comics nun auch und wünscht sich zum Geburtstag im Mai nun Teil 3 und 4. Auch die anderen Buchempfehlungen lese ich hier übrigens super gerne.
    Viele Grüße

  3. Hi Pia,
    ich lese hier täglich mit. Dein Tagebuch gehört zu meinen Coronatagen mit meinen Mädels dazu. Es ist einfach entspannend und beruhigend zugleich. Danke für die täglich gleichen Worte in diesem ungewissen Chaos. :)
    Liebe Grüße,
    Franzi

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