Stay at home-Tagebuch Tag 40

Ja, Ihr habt gut aufgepasst. Gestern gab es keinen Tagebucheintrag und das etwa nicht, weil der Tag so schlimm war, sondern weil ich gestern einfach fix und alle war. Neben dem täglichen Homeschooling und Essenszubereiting habe ich gestern nämlich dutzende Community Masken genäht.

Bereits Montag wurde ich gefragt, ob ich für jemanden Masken nähen könnte, da diese ab kommenden Montag in der Firma vorgeschrieben wären. Da habe ich natürlich gerne zugesagt. Als dann Mittwoch die Meldung raus ging, dass ab Montag in ganz NRW Community Masken zum Einkaufen und in den öffentlichen Verkehrsmitteln vorgeschrieben wären, explodierte mein Postfach.

Und so habe ich gestern und heute je 30 Masken genäht. Der Mittlere bat mich dann, für seine zwei besten Freunde auch Masken zu nähen und so habe ich auch für die beiden Jungs uns ihre Geschwister noch welche genäht.

Nach dem heutigen Homeschooling, das wieder jeden Tag ein bisschen leichter und automatisierter abläuft, habe ich dann die restlichen Masken vernäht, mit Bändern versehen, eingetütet und sie im Anschluss mit dem Großen im Dorf verteilt.

Anschließend waren wir beide noch gemeinsam kurz bei Aldi und im Schreibwarenladen. In erster Linie wollte ich testen, wie gut der Große mit den vorgegebenen Verhaltensmaßnahmen und der Community Maske klar kommt. Und ich muss sagen: er macht das wirklich hervorragend. Er hält Abstand, fasst sich nicht ins Gesicht und fummelt auch nicht unnötig an der Maske rum. Sollte er wieder in die Verlegenheit kommen die Schule zu besuchen, ist er jedenfalls für die Busfahrt dahin gut gewappnet.

Im Schreibwarenladen hatten wir dann noch eine sehr emotionale Begegnung. Wir kauften einen neuen Füller für das große Kind und ich fragte die Besitzerin, wie es ihr und ihrem Geschäft denn so ginge. Wir redeten ein bisschen, während sie die Feder auf den Füller setzte und sie berichtete, dass wir eine der Ersten seien, die mit Maske kommen würden. Dabei wären heute auch schon Kunden da gewesen, die absichtlich hinter die Plexiglasscheibe gegriffen und sich nicht die Hände am Eingang desinfiziert hätten. Plötzlich kamen ihr die Tränen. “Wie machen das doch auch nicht um die Kunden zu ärgern. Wir machen das, damit wir alle gesund bleiben. Da müssen wir jetzt einfach alle mitmachen.”

Das sind die Momente, in denen man gerne fremde Menschen in den Arm nehmen möchte. Stattdessen sagte ich nur: “Sie machen das alles ganz wunderbar. Lassen Sie sich nicht entmutigen. Es ist richtig so!” Und das meinte ich auch genau so. Es gibt Handdesinfektionsmittel am Eingang, Abstandsmarkierungen auf dem Fußboden, ein Plakat zum Verhalten im Geschäft, Plexiglasscheiben im Kassenbereich, die Belegschaft trägt Mundschutz.

Aber wenn so ein kleiner Laden schon so massiv mit fehlender Einsicht der Kundschaft zu kämpfen hat, was mag dann erst in großen Läden los sein?

Zuhause schob ich das gekaufte Baguette und den griechischen Ofenkäse in den Backofen und deckte den Esstisch. Schon seit 3 Tagen hat hier keiner Lust auf warmes bzw. gekochtes Essen. Also gab es Baguette, Salat, Käse, Salami und Zeug. Und ja, für mich eine DrPepper, die der Mann geschickt hatte.

Im Anschluss ging es heute mal wieder mit allen drei Kindern raus aufs Feld. Der Freund des Mittleren hatte als Dankeschön für die Masken noch eine Überraschung für die Kids, die wir bei unserer Runde abholen sollten.

Unterwegs fanden wir einen bemalten Stein, die man zur Zeit hier in der Gegend häufiger finden kann. Man fotografiert den Stein, nimmt ihn ein Stück mit und legt ihn wo anders wieder aus.

Die Kinder wollen nun auch Steine bemalen und auf dem Feld auslegen. Ich finde die Idee sehr schön. Mal sehen, wann und wie wir uns ans Steinebemalen begeben werden.

Beim Freund des Mittleren bekam wir eine kleine Tüte mit Süßem überreicht, über die sich die Kinder riesig freuten. Ein kleiner Distanzplausch am Gartenzaun war auch noch drin.

Auf dem Rückweg wollte die Gräte dann nicht mehr mit dem Roller fahren. Nun ist dieses Kind nicht mehr 3 Jahre alt und eine Entscheidung, die sie trifft, muss sie dann halt auch bis zum Ende tragen. So weigerte ich mich also ihren Roller zu schieben, geschweige denn zu tragen. Aber das Grätenkind ist ja nicht dumm. Sie schmollte einfach so lange, bis der große Bruder nach gab und ihren Roller nach Hause trug.

Hat die ein Glück. Man braucht auch gar nicht erst versuchen dem Großen sein Helfersyndrom auszureden. Der kann einfach niemanden leiden sehen.

Die Kinder freuen sich auf zwei Tage ohne Schularbeiten und ich hoffe morgen ein Bisschen vom liegen gebliebenen Haushalt weg zu schaffen. Der Große will zudem morgen endlich mal den Rasen mähen. und Wäsche müssen wir auch unbedingt waschen. Also ja: morgen ist offiziell Wochenende.

Jetzt bin ich aber erstmal nur hundemüde und freue mich sehr auf mein Bett. Gute Nacht.

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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7 Gedanken zu „Stay at home-Tagebuch Tag 40

  1. Hallo,
    wow, 30 Masken sind mal eine Ansage. Ich habe heute auch ein paar genäht, aber von 30 bin ich noch weit entfernt. Finde ich toll, was du so alles schaffst.

    Grüße
    Rita

  2. Ich habe gestern ein bestelltes Buch abgeholt. Der Laden war so gut wie leer, außer mir nur noch zwei andere Kunden, die sich in anderen Ecken des Geschäfts aufhielten, und die Verkäuferin. Wurde dann gefragt, was ich möchte und dann zur Kasse gebeten. Bin – obwohl es an der Kasse leer war, den Pfeilen gefolgt, statt den kürzeren Weg zu nehmen. Dafür hat sich die Verkäuferin erst mal bedankt, weil es wohl noch genug Menschen gibt, die sich trotz Markierungen und Schildern genau da vorbei quetschen, wo andere stehen, obwohl nen Meter weiter noch mehr als ausreichend Platz ist…

    Bin übrigens ein wenig neidisch auf die Nähmaschine. Habe die Masken, die ich bisher genäht habe, komplett von Hand genäht. Mit “Futter” und allem. Da geht dann ein halber Tag pro Maske drauf. (Aber ich bin stolz drauf, die sehen nämlich für von Hand genäht gar nicht schlecht aus. Und sitzen tun sie auch!)

    Ich wünsche ein schönes und entspanntes Wochenende!

  3. Ich musste gerade sehr lachen über den Bericht, wie deine Tochter ihren großen Bruder rumgekriegt hat! Mein Sohn hat zwar kein Helfersyndrom, aber wenn seine kleine Schwester rumnörgelt, hilft er ihr auch lieber als sich das Gejammer anzuhören… Gewusst, wie! 🤷‍♀️

    Habt ein schönes entspanntes Wochenende!
    Liebe Grüße
    Susann

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