Alltags-Tagebuch 05-06-2020

Heute Morgen wurde ich vom Brummen meines Handys geweckt. Im Grunde Nichts, was mich wirklich aus dem Schlaf reißen könnte, aber nachdem es in kurzen Abständen immer wieder vibrierte, habe ich dann doch mal nachgeschaut. Da begrüßten mich viele kleine Nachrichten mit Links zu Presseberichten über die neuen Pläne des Ministeriums für Schule und Bildung in NRW.

Irgendwie war da schon klar: das wird ein eher stressiger Tag. Die Nachrichten wurden auch erstmal nicht weniger und manche Eltern wollten bereits um 9 Uhr eine Stellungnahme von der Schule, die selber noch gar keine offiziellen Infos vom MSB bekommen hatte.

Es ist mir nach wie vor ein Rätsel was das Ministerium mit dieser Informationspolitik (Öffentlichkeit vor Schule) bezweckt. Ist doch irgendwo logisch, dass sich Eltern dann direkt an ihre Schule wenden um weitere Infos zu erhalten. Dass die dann selber noch nichts zum Sachverhalt sagen können ist ein weiterer Sargnagel im Schule-Elternschaft-Vertrauensbingo. Meine Meinung!

Aber nun gut. Der erste Kaffee war heute also mehr als nötig und während des Frühstücks planten die Kinder, welche Schularbeiten sie heute noch erledigen wollten. Immerhin schien ich heute nicht den Antreiber geben zu müssen.

Wenig später – die Kinder saßen an den Schulaufgaben – kam die Nachricht von der Schule, dass kurzfristig eine Krisenteamsitzung angesetzt sei. Die Jungs waren mit ihren Aufgaben bereits fertig und die Gräte bearbeitete Zusatzaufgaben. Kein Problem also: Bin gleich da.

2 Stunden später war ich dann wieder auf dem Heimweg. Da der Mann ja bekanntlich unter der Woche das Auto hat, durfte ich zu Fuß durch strömenden Regen laufen. Ich mag das ja. Meine pinke Regenjacke auch. Guckt:

Zuhause schälte ich mich gerade aus der tropfenden Regenjacke und hängte meinen Rucksack an die Garderobe, als ein rauen “Hallo Frau” aus dem Wohnzimmer tönte. Ich hab mich zu Tode erschrocken. “Was machst du denn hier?” Der Mann sah mich verdutzt an: “Es ist Freitag?”

Ach, stimmt, da war ja was. Freitag. Da hat der Mann ab Mittag frei. Kann ja auch keiner verlangen, dass man sich in diesen Tagen, ohne regulären Schulbetrieb, die Wochentage merkt, ne?

Die Gräte zeigte mir kurz ihre erledigten Hausaufgaben, ich hielt einen kurzen Schnack mit dem Mann, pöbelte ein bisschen gegen unsere Landesregierung und ging anschließend endlich mal wieder bei der liebsten Nachbarin Kaffee trinken. Die begrüßte mich schon mir ironischem Untertön: “Oh, welch hoher Besuch!”

Ich leistete heute also den Online- und Digital-Support, den ich die vergangene Woche vernachlässigt hatte, trank Kaffee, knabberte Kekse und hielt einen Schwatz über alles, was aktuell so los ist. Eine sehr beruhigende und entspannende Stunde. Zum Abschied bekam ich einen großen Stein überreicht, den sie am Rhein gefunden hatte und den ich nun für sie bitte anmalen soll.

Ja, auch ich male seit einigen Wochen Steine an. Gezeigt hab ich die hier, glaube ich, noch gar nicht. Vielleicht die Tage mal.

Wieder daheim erhielt ich von der Apotheke eine Nachricht, dass mein bestelltes Zeug bereit liegen würde. Für die Heuschnupfen geplagten Familienmitglieder musste dringend Linderung beschafft werden und zudem ist der Mittlere in einer der letzten Nächte von einer Mücke nahezu leer gesaugt worden. Ich schnappte mir also den Großen und fuhr noch schnell das Zeug von der Apotheke abholen und eine Kleinigkeit einkaufen.

Salat, Hühnerfilet, Baguette, Lachs-Sushi für den Mittlere und die Gräte und endlich dieses vegane Schoko-Nuss-Aufstrich-Zeug, nach dem der Große schon so lange geiert.

Zuhause gab es dann Baguette mit Kram und eben Sushi.

Unnötig zu erwähnen, dass den ganzen Tag über immer wieder Nachrichten in Sachen Schule hin und her geschickt wurden, Dinge besprochen und weitere Elterninfos raus gegeben werden mussten. Der Mann fragte mich neulich scherzhaft, wem ich eigentlich meinen Stundenzettel geben würde und wer das dann bezahlt. Lolomat Eintausend. Ehrenamt, ne? Da bekommst du höchstens einen auf den Deckel, wenn du nicht so tanzt, wie bestellt. Aber, ach, ich hab’s mir ja selber ausgesucht und mache es tatsächlich – immer noch – gerne.

So. Wochenende. Ihr wisst Bescheid.

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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7 Gedanken zu „Alltags-Tagebuch 05-06-2020

  1. Ehrliche Verständnisfrage: Du bist als Mitglied der Schulpflegschaft in einem Gremium „Krisenteam“, welches ad hoc bei so Angelegenheiten zusammentrifft? Du hattest schon mal vor einigen Wochen von diesem Team berichtet. Das kenne ich von hier gar nicht. Klar, es gibt die Schulpflegschaft. Aber ein Gremium in den Eltern und Lehrer für so Zwecke sich austauschen, kenne ich gar nicht. Finde ich aber spannend. Kannst/ darfst du darüber mal mehr schreiben ohne zu viel Privatsphäre aufgeben zu müssen? Danke für deinen Einsatz auf jeden Fall. Das kann man als Eltern gerade dieser Tage nicht oft genug an seine Pflegschaften zurück melden. Ich gebe dem Mann recht… Wenn man die Stunden auswertet und angemessen vergüten würde, wäre es recht lukrativ.

    1. Ein Krisenteam gibt es wohl an jeder Schule. In NRW werden Schulen zumindest in Sachen Krisenmanagement von Schulpsychologen*innen geschult und weitergebildet. An unserer Schule ist es so, dass der/die Schulpflegschaftsvorsitzende automatisch in diesem Krisenteam ist und als Schnittstelle zu den Eltern dient. Krise ist hierbei nicht klar definiert. Das kann ein Unfall auf einer Klassenfahrt sein, der plötzliche Tod eines Angehörigen der Schulgemeinschaft oder eben eine Pandemie, wie wir jetzt wissen. Dem Team gehöre ich seit 2015 an. Vor Corona sind wir zwar geschult worden, aber in der Form zuvor noch nicht aktiv gewesen. Dass ein Vertreter der Elternschaft dabei ist, ist wie gesagt eine Schulentscheidung. An der Nachbarschule, mit der wir gemeinsam die Fortbildungen haben, ist das z.B. nicht so.

    2. In Hessen gibt es die Ehrenamtscard, die man verliehen bei, wenn man mindestens 5 Stunden in der Woche ehrenamtlich tätig ist. Gibt dann verschiedene Vergünstigung aller Art.

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