Couldn’t be prouder. Mom-Edition.

Ich hatte es die Tage schon mal kurz in einer Instagram-Story angesprochen und mit einem kurzen Clip hinterlegt: Das große Kind spielt seit etwa einem halben Jahr Klavier. 5 Monate davon reines Selbststudium mit Hilfe von YouTube und seit einem Monat nun mit einem Klavierlehrer.

Dafür hat er ziemlich gekämpft, denn sind wir ehrlich: Klavierspielen ist ein kostspieliges Hobby. Das kann man nicht auf irgendeinem Keyboard lernen. Da braucht es schon mindestens ein gutes E-Piano, welches man auch nicht mal eben so für mehrere Hundert Euro kauft, wenn man vorher noch gar nicht weiß, ob das Kind das Interesse überhaupt beibehält. Klavierunterricht ist zudem auch nicht günstig, da er idR im Einzelunterricht erteilt wird.

Aber der Sohn ließ nicht locker, übte auf einem mini kleinen Keyboard, das der Mann vor Jahren mal für Soundeffekte angeschafft hatte. Und sparte, sparte, sparte.

Kurz nach seinem 13. Geburtstag war es dann so weit und er bekam das heiß ersehnte E-Piano. Fortan spielte er ununterbrochen. In jeder wachen Minute, mit jeder Stimmung, immer weiter. Sobald er ein richtiges Klavier sieht – bei Freunden, in der Kirche, in der Schule – ist er nicht mehr zu halten und spielt. In Freistunden geht er in die schuleigene Kapelle und spielt. Nachmittags fährt er in die Kirche unserer Gemeinde und spielt.

Da er mit seinem Selbststudium aber nicht das Lerntempo bedienen kann, dass er normalerweise an sich selber als Anforderung stellt, musst ein Klavierlehrer her. Durch Kontakte haben wir einen super Lehrer gefunden, der das Kind abholt wo es ist und nicht wieder bei Adam und Eva beginnt und zu dem er sehr gerne geht.

Als er auf dem vergangenen Weihnachtsbasar der Schule auf dem Klavier spielte kam eine ehemalige Lehrerin von ihm vorbei, die noch mitbekommen hatte, dass er unbedingt Klavierspielen lernen wollte. „Macht er ihnen nicht manchmal Angst?“ fragte sie scherzhaft, als sie mitbekam, wie sein Spiel inzwischen klingt.

Angst? Nein. Ich bewundere ihn. Ganz aufrichtig und aus ganzem Herzen habe ich für diese Leidenschaft und Leistung einfach nur Bewunderung. Und ein bisschen Ehrfurcht. Wenn auf irgendwelchen kitschigen Postkarten „Du kannst alles schaffen, was du willst!“ steht, habe ich bisher nur mit den Augen gerollt. Dafür bin ich zu sehr Realist. Dieses Kind lässt mich allerdings tatsächlich daran glauben. Der schafft was er will. Vielleicht sollte ich Angst davor haben, was er in Zukunft noch alles können wollen wird?

(Wenn Du nachfolgend eingebettetes Video nicht sehen kannst, hast Du vermutlich einen Datenschutz-Cookie nicht akzeptiert. Das ist okay. Du kannst das Video dann auch direkt auf Instagram ansehen.)

Der schönste Mutter-Sohn-Klavier-Moment war übrigens, als wir uns mal richtig heftig stritten (kommt vor, ja!), er die Treppe hoch stampfte, die Tür knallte und dann laut und leidenschaftlich Für Elise spielte. Ein besseres Ventil kann man sich ja quasi gar nicht wünschen.

Möglicherweise trieft dieser Text vor Mutter-Stolz und Bewunderung. Man möge es mir nachsehen. Ich bin einfach von diesem Ehrgeiz und der Hartnäckigkeit zutiefst beeindruckt und hätte ihm sehr gerne diesen Wunsch schon viel früher erfüllt. Doch dann kam zuerst Corona (ja, so lange wünschte er sich das schon) und dann waren die Anschaffung eines E-Pianos und die Klavierlehrerstunden wirtschaftlich nicht drin. Umso glücklicher sind wir, dass er jetzt mit kompetenter Unterstützung in seinem doch recht hohen Tempo weiterlernen kann. Denn wenn dieses Kind eines neben ehrgeizig ist, dann ungeduldig. Woher er das nun wieder hat. Man weiß es nicht.

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Mediengestalterin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter und Instagram.
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8 Gedanken zu „Couldn’t be prouder. Mom-Edition.

  1. Oh WOW.
    Mir fehlen (fast) die Worte. Unglaublich. Wahnsinnsleistung. Toll, dass er einfach nicht aufgibt für seine Träume. Möge ihm diese Eigenschaft (und sein Talent) nie verloren gehen.

    Btw: zurecht bist du darauf stolz!

  2. Unfassbar, wie gut er schon spielt. Ich bin keine Fachfrau, vermute aber, dass andere für diese Fingerfertigkeit sehr viel länger brauchen. Dazu muss auf einem richtigen Klavier natürlich auch zum richtigen Zeitpunkt das Pedal zusätzlich mit dem Fuß getreten werden. (Auf dem Keyboard braucht man sowas nicht.)

    Ich bin in diesen Blog 2009 eingestiegen. Kurz vor der Geburt der Kleinen.
    Und jetzt ist das „große Kind“ aber wirklich schon groß. Ein Teen.
    Seine Entwicklung ist unglaublich.
    Und da können Sie auch zu Recht stolz sein. Sie hatten immer Geduld und Verständnis für alle 3 Kinder. Haben gefördert, wo es Ihnen möglich war.
    Das hat viel Kraft gekostet.

  3. Gänsehaut…
    Ich spiele selber seit meinem 8. Lebensjahr Klavier und es war für meine Eltern finanziell auch schwer schaffbar. Doch sie haben es mir ermöglicht. Dafür bin ich ihnen heute mit 40 Jahren immer noch sehr dankbar.
    Unterstützt eure Kinder, ermutigt sie und seid weiter stolz auf sie!
    Gerade bei diesem Talent!! Chapeau

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