Bis einer heult! • Wir machen erst Mal so weiter ...
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2. Juni 2006 | Pia Drießen

Wir machen erst Mal so weiter …

Der heutige Tag begann für mich mit einem Termin bei einem Kunden, genauer gesagt einem öffentlichen Kunden. Man könnte auch sagen, einem bürokratischen Kunden.
Das sind die Kunden, die bei jedem Meeting neue Teilnehmer auffahren und bei denen man sich denkt, ob die nicht noch die nette Praktikantin aus der Kinderbetreuung einbringen wollen.

Ich will mich nicht beschweren, denn meine direkten Ansprechpartner, zwei an der Zahl, sind kompetent und sehr nett. Der eine vielleicht ein wenig langsamer als der andere, aber nett.

Heute dann, bei diesem dritten gemeinsamen Termin, tauchen, wie zu erwarten, neue uns unbekannte Gesichter auf. Man stellt sich vor, fragt, ob man die Seite schon Mal gesehen hat, bekommt ein ‚Nein´, man nimmt Platz, man ruft die betreffenden Seiten auf und legt los.

Natürlich haben die Neuen in der Runde direkt an der Startseite tausend Dinge auszusetzen. Alles neu, alles anders, bitte.

Ich wusste bereits beim Betreten des Raumes und der Feststellung, dass x neue Teilnehmer zugegen sind, dass so was passieren wird. Ich bin daher freundlich, schöpfe aus meiner Erfahrung und verhandle zwischen Partei A (die alle Meetings mit gemacht haben und zufrieden sind) und Partei B (die neuen, die alles anders wollen.)

Wir kommen auf einem Nennen, setzen neue Redaktionstermine, Präsentationstermine und wagen uns sogar schon an eine Deadline zum Onlinestellen der Seite. Ich bin zufrieden.

„Ich hab da noch mal zwei technische Fragen.“ Kein Problem, für so was sind wir immer gut gewappnet. Wir erfahren was über ein CMS, in welches die Seite integriert werden soll, über ASP-Server und unerwünschte Domainnamen, weil die Seite ja unter Domain soundso.de/soundso laufen soll.

Moment, davon wussten wir hier nix. Wie ASP? Das Angebot basiert deutlich auf PHP. Diverse Seiten sind sogar nur statisch, stand auch alles im Angebot. Pflegbar war explizit nicht gewünscht. Ja, wir haben eine Auftragsbestätigung erhalten. Ob wir die Seite nicht schnell umfrickeln könnten, es muss doch eine Übersetzung von PHP zu ASP geben. Nein, Fremdfirmen dürfen sowieso gar nicht ans CMS, dass machen wir hier alles selber. Sie machen ja nur das Layout …

Der finale Satz lautet aber: „Da müssen wir dann mal prüfen, ob die Firma von Frau Pia laut Auftrag gearbeitet hat!“

Meine Ansprechpartner, also Partei A plus ein paar bekannte Gesichter, schauen betreten unter sich und es wird beschlossen, erst Mal so weiter zu arbeiten.

Ich sehe eine wenig wie der Joker aus Batman aus. Das passiert immer dann, wenn ich sehr freundlich bleiben muss, obwohl mir mein inneres Selbst laut zu schreit: „Los! Platzen! Jetzt!“

Ich werde jetzt versuchen mir dieses Grinsen mit Kaffee aus dem Gesicht zu saufen und mit viel Nikotin wegzurauchen.

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Emilys Everyday Life / Jun 2 2006

    Was auch immer ganz gut hilft ist laut schreien, oder geht das grad nicht?
    Einfach kurz im Schrank verschwinden oder so… :pfeif:
    Wär es schon etwas später würde ich dazu tendieren Alkohol zu empfehelen, aber naja… :grin:

  2. dasmo / Jun 2 2006

    du arme. ich kenne das, hatte ich die letzten 8 wochen am stück, ende vom lied: die beiden partner haben sich getrennt, der eine partner bleibt mit dem prohjekt bei uns und wird dürften endlich das machen, was vor 8 wochen besprochen haben und abgesegnet wurde.

    Grüße
    Mo

  3. AlexZ / Jun 2 2006

    Kaffee ist dafür definitiv nicht geeignet. Gibt nur zittrige Finger…

  4. Anne / Jun 2 2006

    Kenn ich. Leider. Ich hab da mein vollkommen emotionsentleertes Gesicht drauf, mit dem ich dann mehr oder weniger ausdrücken möchte, dass mir ab diesem Moment so ziemlich alles egal ist und ich es ab hier nicht mehr zu meinem Problem zähle.
    :notfunny:

  5. Tigerente / Jun 2 2006

    Ich habe mir mal erlaubt stellvertretend für Sie Frau Pia kräftig rumzurüllen und durch die Wohnung zu hüfen :grin::pfeif:

  6. kuschti / Jun 2 2006

    Ojeoje..Pia..

    Ich lese schon länger Deinen Blog und bin auch begeisterter Podcasthörer.
    Aber heute, bei diesem Beitrag, musste ich gleich denken wie ähnlich es uns doch allen manchmal geht.

    Ich hatte das selbe bei den letzten zwei Webprojekten (mit CMS *g*) und den entsprechenden Kunden..der einte wollte sogar nach abnahme eines Designs, diese inmitten der Umsetzung noch 2 mal ändern). Der andere war eine komplette Funktion über den Haufen.

    Rauchen Hilft :grin:
    Und am Abend ein Bier, oder laut Musik hören.

    Liebe Grüsse aus der Schweiz
    Kuschti

  7. Holger Ehrlich / Jun 2 2006

    Wie ich aus ähnlich leidvoller Erfahrung immer zu sagen pflege: DER JOB WÄRE NUR HALB SO SCHLIMM, WENN DIE KUNDEN NICHT WÄREN!!! Dummerweise wollen wir aber deren Kohle…

  8. whoknows / Jun 2 2006

    Jaja, typisch Beamte…. Ich habe in beratender Funktion den Relaunch einer städtischen Seite begleitet. Ich kenne das Prozedere und ich kann nur sagen: „Augen zu und durch“. Und ebenso wie bei Dir wußten die beiden Zuständigen was sie wollten, aber wer noch alles Ja und Amen sagen muss, wenn es sich um öffentliche Gelder handelt …. Kein Wunder, dass jede noch so popelige Entscheidung ewig dauert.

  9. dfusion / Jun 2 2006

    *grummel*

    Sowas liebe ich ja…

  10. larousse / Jun 2 2006

    oja, willkommen im Club – wieso sind Kunden bloß alle und überall SO gleich…
    @ H.E. stimmt, wenn die Kunden nicht wären, HÄTTE MAN SOGAR ZEIT, IHRE PROJEKTE ZEITPLANMÄSSIG UMZUSETZEN!
    Schade, schade…

  11. thomas / Jun 2 2006

    ohje… ich kenn das zu gut und versuche schon beim lesen der ausschreibung zu ahnen, was da noch kommt. bei vielen katastrophenjobs kann man schon zwischen den zeilen lesen, wie sie ausgehen.:box:
    leider ist die konsequenz, dass man seine zeit mit „kundenaufklärung“ und dem schreiben von aktennotizen und gesprächsprotokollen verbringt, um sich rechtlich abzusichern.:mad:
    man könnte die lust an der arbeit verlieren – aber jetzt ist ja erstmal wochende…

  12. marcc / Jun 2 2006

    Natürlich haben die Neuen in der Runde direkt an der Startseite tausend Dinge auszusetzen. Alles neu, alles anders, bitte.

    Klar, einfach so gut finden geht aus menschlicher Eitelkeit und Machtdemonstrationsgründen natürlich nicht. Und wenn man nicht kritisiert, hätte man womöglich keine auch Aufgabe.
    :nein:

  13. Zappelfillip / Jun 3 2006

    Ich muss zugeben, ich bin erstaunt, dass Du hier so offen gegen Kunden schießt. Es besteht ja immerhin die Gefahr, dass mal einer von denen über dein Blog stolpert. Ganz unbekannt bist du im Netz ja nun nicht mehr. Und spätestens Dein Gesicht dürfte dann erkannt werden. Dann nützt auch jedes gezwungene Lächeln im Meeting nichts, wenn man dann doch hier die gedachte Wahrheit lesen kann. Ob das Deinem Cheffe gefällt (falls Du nicht sowieso Dein eigener bist :roll: )? Also versteh‘ mich nicht falsch, ich find das schon okay. Allerdings habe ich in meiner Praktikanten-BMW-Zeit ordentlich eine auf den Deckel bekommen, weil ich zu viel und wohl zu negativ aus Sicht von BMW geschrieben habe. Ich will ja nur Dein Bestes ;)

    Liebe Grüße
    Tom

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