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23 Kommentare

  1. Gaby

    Ich hätte als Kind vermutlich den ganzen Nachmittag völlig fassungslos in meinem Zimmer gesessen und geweint! Wenn ihr euch das nächste Mal seht und Du ja schon die Telefonnummer von der Adressliste hast: lass doch den Jungen einfach zu Hause anrufen und fragen, ob er bei euch spielen kann. Seine Eltern scheinen ja nicht so überbesorgt zu sein, und ER kann ja mit ihnen reden. Vielleicht ist dann ja auch jemand in der Nähe, der Deutsch kann – oder seine Mutter spricht wenigstens so viel, dass sie Dir dann zwei, drei Sätze sagen kann.

  2. Tante pruselius

    Ich denke es wird deutlich, wie wenig integriert Migranten sind, wenn wir versuchen unsere Prinzipien und Regeln auf sie abzubilden. Zwei Parallelwelten, in der keiner die Spielregeln der anderen kennt. Da macht die vermeintlich korrekte Organisation und Behuetung der Eltern mehr kaputt, als dass sie den Kindern hilft.
    Im Ernst, wenn eine nicht deutsch sprechende Familie dir einen Zettel geschrieben haette, dass dein Sohn mit zu Ihnen geht, obwohl du die Familie noch nicht einmal gesehen hast. Wuerdest du das deinem Kind erlauben? Gaebe es da nicht das komische Gefuehl im Bauch?

    Nebenbei sorgt mich der Gedanke, im Internet zu veroeffentlichen, dass es in deiner Stadt ein Kind gibt, dass regelmaessig in der Daemmerung allein nach hause geht.

    • Wir haben deutlich mehr als 500 Einwohner und es sind viele Kinder alleine unterwegs. Meine Sorge gilt der Tatsache, dass seine Mutter nicht weiß, wo er ist. Alles andere finde ich etwas übertrieben.

  3. lila laune

    Nein, sag bitte deinem Sohn, dass es nicht gegen ihn persoenlich gerichtet ist. Ich arbeite an einer Grundschule mit hohem Migrationsanteil. Auch ich bin oft sehr betroffen. Das Problem ist eher die Isolation der Muetter, die die deutsche Sprache leider noch immer nicht beherrschen und aus diesem Grunde nicht in der Lage sind, ihren Kindern, Werte zu vermitteln, die dringend noetig sind, um sich in diesem Schulsystemzurechtzufinden. Es ist oft zum Verzweifeln und mir tut es fuer diese Kinder sehr leid. Aber so wie dieser Kadem die Werte der Verlaesslichkeit nicht kennt, so wenig muss dein Sohn sich betroffen fuehlen, dass Kadem nicht gekommen ist. Er lebt in einer anderen Welt, genannt Parallelwelt.

    • spoonman

      „Aber so wie dieser Kadem die Werte der Verlässlichkeit nicht kennt … Er lebt in einer Parallelwelt“ – Äh, ja, das ist ja jetzt messerscharf analysiert und überhaupt nicht verallgemeinert ;)

  4. Rina

    Ich würde ja auch sagen, ruf beim nächsten Mal zuhause bei ihm an oder lass ihn bei sich zuhause anrufen. Das kann auch ein Siebenjähriger problemlos übersetzen (ich weiss ja wie meine Kinder übersetzen…)

  5. spoonman

    @Gaby
    Dasselbe habe ich auch sofort gedacht. Klassischer Fall von zu viel um die Ecke gedacht. Zu meiner Kinderzeit hätte man den Jungen spätestens am dritten Tag mit reingeholt und ihn zu Hause anrufen lassen. Damit wäre das Problem wahrscheinlich erledigt gewesen, bzw. gar nicht erst entstanden.

      • spoonman

        Wie willst du das denn ohne beeidigten Dolmetscher/Übersetzer jemals erfahren? Ob nun telefonisch oder mit Zettel – falls der Junge nicht die Wahrheit sagt, kannst du es sowieso nicht ändern. Wobei ich mich frage, woher überhaupt dieses Misstrauen gegenüber Kadem kommt.

        (Wenn du ihn zu Hause anrufen lässt und das Telefon auf laut stellst, kannst du wahrscheinlich schon am Tonfall erkennen, ob man ihm das Spielen mit deinem Sohn erlaubt oder nicht.)

        Wenn schüchterne Kinder Schwierigkeiten haben, Freundschaften zu schließen, sollten die Eltern durch übertriebene Besorgnis nicht noch zusätzliche Hürden aufbauen. Ich spreche da aus Erfahrung – damals, in der Rolle des Kindes.

  6. Annett

    Liebe Pia!
    Ich verstehe gut, wie Ihr Euch dabei fühlt.
    Leider bleiben solche Erlebnisse in keiner Kindheit aus.
    Meiner Tochter wurde so z.B. ihr 7. Geburtstag verdorben. Am Abend zuvor hatte sie auf einer Feier bei unseren Nachbarn ein Geschwisterpaar kennengelernt, welches mit seiner Familie mehrere Tage dort zu Gast war. Sie verstanden sich prima und meine Tochter lud sie spontan ein, am nàchsten Vormittag zu uns rüber zu kommen, Geburtstagskuchen zu essen und mit ihr zu spielen. Ich sprach auch mit der Mutter der Kinder ab, dass das okay wäre. Am nächsten Morgen – ihrem Geburtstag – wartete sie vergeblich. Gegen Mittag traute sie sich, bei den Nachbarn zu klingeln. Dort wurde sie weggeschickt, da man für den Nachmittag einen Ausflug plane und die Kinder daher nun keine Zeit mehr hatten. Meine Tochter heulte wie ein Schlosshund. Es tat mir so leid. Eine Erklärung oder gar Entschuldigung kam anschließend natürlich nicht.

    Ein anderes WTF-Erlebnis hatten wir als wir einmal ein Mädchen mit zu uns zum Spielen nahmen, natürlich auch in Absprache mit der Mutter. Als ich das Mädchen abends wieder nach Hause bringen wollte, war niemand da. Eine Telefonnummer hatte ich auch nicht. Ein bizarres Gefühl, dort vor der verschlossenen Tür zu stehen und dann suchend durch den Ort zu laufen…

    Was ich damit sagen will: Es gibt tatsächlich einige Eltern, denen es egal ist, wo ihr Kind den Nachmittag verbringt, oder wie es sich für andere anfühlt, wenn man sie versetzt. Lass doch die Jungs eine Stunde zusammen spielen, wenn sie nochmal gemeinsam vor der Tür stehen und ruf dann eben bei ihm zu Hause an, um Bescheid zu sagen, dass er bei Euch ist. Ich denke, das ist im geschilderten Fall ausreichend.

  7. fs

    Der Junge hat Interesse an Ihrem Sohn, sonst hätte er ihn nicht über mehrere Tage nach Hause begleitet, und das unter großen persönlichen Mühen.

    Wahrscheinlich hat Kadem es falsch interpretiert, ist alleine nach Hause gegangen und war genau so deprimiert wie Alex.

    Was wäre damit: Kuchen backen, einpacken und mal bei Kadem vor der Haustür auftauchen? Es gibt auf den Smartphones Übersetzungs-Apps: Reinsprechen, auf übersetzen tippen und über Lautsprecher ausgeben lassen.

    Bei einer Tasse Tee und Kuchen lässt sich das gut besprechen und vielleicht auch belachen, was die Übersetzungs-App aus der Frage macht.

    Bei uns in der Gegend laufen die Kinder auch häufig alleine oder maximal in Begleitung ihrer älteren Geschwister herum. Die Familien können sich häufig nur kleine Wohnungen leisten. Die Mütter sind froh, wenn sich die FAmilienmitglieder nicht ständig auf die Füsse treten und in der Wohnung rumhängen.

    Der ältere Bruder wird die Rolle des „Abi“ einnehmen, voraussgesetzt, es sind Türken. Dann spricht er tatsächlich in Vertretung der Mutter. Die meisten dieser älteren Kinder nehmen es sehr ernst, sich um ihre jüngeren Geschwister zu kümmern. Wenn diese Kinder zusagen, dass ihre Mutter zustimmt, ist das richtig.

  8. Sundancer30

    Oh das kenne ich auch zu genüge. Ich wollte meinen 18 Geburtstag feiern und wurde bitter geteuscht. Ich machte einen Förderlehrgang im JAW mit und wir hatten ein Jugendcafe gehabt. Ich fragte meinen Chef ob ich den Abend dort feiern durfte. Alles war organiesiert und wir freuten uns schon darauf. Aber der Laden wurde nicht aufgemacht. Der jenige der Dienst hatte wollte mich und meine Gäste nicht reinlassen. Der Tisch war gedeckt und alles war besorgt. Ich war sehr traurig und wütend auf diese Person die uns den Abend versaute. Ich rief meine Mutter an damit sie mich abholte und die Sachen liessen wir einfach da. Auch meine Freunde waren sehr traurig weil wir alle lieber gefeiert hätten. Aber nicht konnten. Ich habe den ganzen Abend geheult und am nächsten Tag habe ich mit meinem Chef gesprochen. Seit dem habe ich nie wieder eine Feier geplant. Ich kann den Jungen verstehen. Er tut mir sehr leid. Sie sollten einfach wenn der Junge wieder ihn begleitet in die Wohnung holen und ihn später bei seiner Familie anrufen lassen damit sie bescheid wissen wo er ist. Auch dafür gibt es eine Lösung

  9. Steffi

    Eine Schulfreundin von mir ist Türkin. Sie hat selbst Söhne. Falls man über eine andere Mutter telefonieren mag, könnte ich sie anfragen, ob sie das mal klären würde. Von türkischer Mutter zu türkischer Mutter.

  10. Trueffi

    Liebe Pia,

    Wie so oft berührt mich dein Post sehr. Ich lese ja eher leise mit. Manchmal muss ich lächeln. Manchmal weinen. Manchmal eine ganze Buchserie kaufen. Manchmal verdreh ich auch das innere Auge und denk mir meinem Teil.
    Heute dachte ich „Armer Junge, hoffentlich steckt da nix dahinter. Die Pia hängt sich da bestimmt voll rein, hoffentlich geht das für alle gut aus!“
    Damit war ich eigentlich durch. Dummerweise scrollte ich weiter zu den Kommentaren…
    Liebe Menschen, wenn ihr meckern wollt, geht doch bitte zu den Ziegen in den Stall.
    Liebe Pia, fühl dich virtuell umarmt und bestärkt.

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