Bis einer heult! • Nicht mein Tag. Gar nicht.
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9. Dezember 2015 | Pia Drießen

Nicht mein Tag. Gar nicht.

Heute war ein Kacktag. Echt jetzt. Und dabei fing alles ganz harmlos an. Ich brachte Alex zur Schule und Max und Mimi in den Kindergarten. Zuhause wartete eine Menge Haushalt auf mich und einen Text sollte ich heute auch noch fertig stellen. Aber es kam anders. Zuhause angekommen wollte ich die Haustür aufschließen, drehte den Schlüssel im Schloss und … nichts. Die Tür ließ sich nicht mehr aufschließen.

Ich rüttelte an der Tür, drehte den Schlüssel hin und her und versuchte gute 15 Minuten alles, was mir so einfiel. Die Tür blieb zu. Der Mann war nicht erreichbar, da er in einer Besprechung saß. Ich hatte meine Handtasche und somit auch kein Geld dabei. Die trächtige Tiffy allein im Haus, noch ohne Frühstück. Ganz davon zu schweigen, dass ich zu diesem Zeitpunkt weder Kaffee noch Frühstück gehabt hatte.

Ich rief meinen Schwager an, der mal bei Schlüsseldienst gearbeitet hat, und schilderte mein Problem. Für ihn war recht schnell klar, dass ich da nicht um einen Schlüsseldienst drum rum kommen würde. „Lass Dir vorher einen Preis sagen! Und achte darauf, dass es ein ortansäsiger ist.“

Immerhin hatte ich WLAN. Ich suchte also im Internet nach einem örtlichen Schlüsseldienst und wurde schnell fündig. Am Telefon sagte man mir, dass der Monteur gerade das Auto belade und in 30 bis 40 Minuten bei mir sei. Der Preis berechne sich nach Aufwand und den könnte der Monteur ja erst vor Ort bestimmen. Nun gut, ich war verzweifelt, mir war kalt und so nahm ich diese Aussage einfach hin.

In der kommenden halben Stunde google ich ein paar Preise von Schlüsseldiensten, um einen Anhalt zu haben. Alle Ratgeber schrieben: lassen Sie sich bereit am Telefon über Anfahrtskosten und Pauschalen aufklären. Ich wurde zunehmend unruhig und googelte schließlich den Namen des Monteurs, den ich angerufen hatte. Wie sich herausstellte saß der gute Mann irgendwo im Osten Deutschlands. Ein paar weniger freundliche Einträge auf Verbraucherschutzseiten fand ich auch. Na bravo! Ich war dank der örtlichen Vorwahl gar nicht auf die Idee gekommen, dass der eben nicht aus unserer Stadt sein könnte. Naiv, as naiv can be.

Ich bat meine Nachbarin dazu zu kommen, wenn der Monteur eintraf, damit ich wenigstens einen Zeugen für alles Weitere hatte und sie willigte ein.

Eine Stunde nach unserem Telefonat war immer noch kein Monteur da. Ich rief erneut bei der Nummer an und hatte nun einen anderen Mann am Telefon. Der Kollege sei noch bei einem anderen Kunden gewesen, dort aber nun fertig und wäre nun schon auf dem Weg zu mir. Ich fragte nach, wo der Kollege sich genau befinden würde. „Lessingtraße*.“ Gut, die kannte ich. Die ist nicht weit weg.

Weitere 30 Minuten später war immer noch kein Monteur zu sehen. Von der Lessingstraße zu uns braucht man maximal 5 Minuten. Ich rief erneut die Nummer an, hatte wieder einen anderen Menschen am Hörer und fragte inzwischen ziemlich angespannt, wo denn nun der Monteur bliebe. Der wenig freundliche Mitarbeite hielt kurz Rücksprache mit irgendwem und verkündete mir dann, der Kollege sei ja noch bei einem anderen Kunden, dort aber gleich fertig und dann in 20 Minuten bei mir. Das war dann der Punkt, an dem ich wirklich sehr sauer wurde. „Ihr Kollege sagte mir vor 30 Minuten, der sei bereits los gefahren. Aus der Lessingstraße. Das sind 5 Minuten von hier! Ich kürze das ganze jetzt hier mal ab: Ihr Monteur brauch gar nicht mehr herkommen. Mir wurden 30-40 Minuten zugesagt, inzwischen sind 1,5 Stunden vergangen und ich werde schon wieder vertröstet? Und da ihr Monteur ja auch noch nicht auf dem Weg zu mir ist, fallen ja auch keine Anfahrtskosten an.  Ich Widerrufe hiermit also meinen Auftrag!“ Es knackte in der Leitung, dann machte es Tut tut tut.

Das war dann wohl dieses „unseriöser Schlüsseldienst“ von dem man immer hört.

Ich googelte erneut und bat die Nachbarin, bei ihr aufs Klo gehen zu dürfen. Während sie mir einen warmen Kaffee machte, rief ich einen weiteren Schlüsseldienst an, von dem ich weiß, dass er eine Filiale in der Nachbarstadt hat. Der Herr war sehr nett, nannte mir alle Preise  vorab (15 Euro Anfahrt, 35 Euro Öffnen einer zugefallenen Tür, bei aufwendigeren Arbeiten bzw. Sicherheittüren etwas mehr.) und verkündete dann, dass er aber gerade mit der Polizei auf einem Einsatz sei und erst in 2 Stunden könnte. Mir war das egal. Nach der Pleite mit dem 1. Schlüsseldienst wollte ich einfach jemanden, der mit offenen Karten spielte. Wir vereinbarten, dass er sich bei mir melden würde, sobald er mit seinem Auftrag fertig sei.

Da meine Nachbarin einen Termin hatte und Titus nun auch schon seit 2 Stunden im Garten saß, ging ich in unsere Garten und setzte mich mit ihm auf die Terrasse, wo wir uns gegenseitig warm hielten.

Ich kürze das ganze mal ab: nach insgesamt 4 Stunden in der Kälte sitzen war ich völlig durchgefroren und musste schon wieder aufs Klo. Aber keiner unserer Nachbarn war zuhause. Ich versuchte den Schlüsseldienst nochmal zu erreichen, aber dort ging keiner ans Telefon. Heulend suchte ich nach weiteren Schlüsseldiensten in der Gegend und rief diese. Der eine hätte gerne geholfen, hatte aber keine Zeit, weil er gerade bereits bei einem Kunden war. Der hätte um 14 Uhr da sein können. Beim 4. Schlüsseldienst wurde mir eine halbe Stunde Wartezeit in Aussicht gestellt. „Eine echte halbe Stunde? Wissen Sie, ich hab das heute schon mehrmals gehört. Ich sitze hier seit 4 Stunden!“ Er lachte und bejahte. Auch nannte er mir die Kosten (Pauschal 79 Euro inklusive Anfahrt, wenn Tür leicht zu öffnen sei) und bat um Barzahlung. Okay. Ich wollte die Hoffnung nicht aufgeben, dass nun wirklich jemand kommen würde.

Plötzlich kam der Mann durch den Garten. Ich brach erstmal in Tränen aus und heulte wie ein Kleinkind. Mir tat alles weh, ich war steif gefroren und mein Harndrang wurde jetzt auch nicht weniger. Aber immerhin war moralische Unterstützung da! Der Mann fuhr dann schnell zur Bank und holte Geld. 10 Minuten später kam er dann auch noch mit heißem Kaffee zurück.

Und während wir so in der Einfahrt unseren Kaffee schlürften kam der Mann vom Schlüsseldienst. ENDLICH!!!

Es stellte sich dann recht schnell heraus, dass wir dennoch nicht so einfach ins Haus gelangen sollten. Wir haben eine Sicherheitstür. Die kann man halt nicht mal eben so aufmachen. Der Monteur rüttelte an allen Ecken der Tür, schlug mit einem Hammer auf den im Schloss steckenden Schlüssel und fragte über die Schulter, ob nicht irgendwo ein Fenster auf Kipp sei. Das wäre wohl einfacher.

Nein, war es nicht. Einbruchschutz ist uns sehr wichtig und wir achten darum immer auf verschlossene Fenster, Türen, Rollos und und und.

Bei einem erneuten Schlag auf den Zylinder in Kombination mit einer Zieh-Drück-Bewegung sprang die Tür dann einfach auf. Ich hätte heulen können vor Freude. Endlich wieder im Haus! Nach immerhin 5 ½ Stunden. Das Ganze kostete uns 89 Euro, die wir zwar auch nicht zum aus dem Fenster werfen haben, aber verschmerzen können. Besser als mehrere hundert Euro und eine völlig zerstörte Tür.

Obwohl ich eigentlich soviel zu tun gehabt hätte, fiel ich erstmal nur aufs Sofa, wärmte mich auf und schlief eine Stunde, bevor ich wieder los musste, um die Kinder abzuholen. Also kochte ich das Gulasch, das ich heute morgen kochen wollte, erst am Nachmittag. Es gab dann ein sehr spätes Essen um 19 Uhr. Und heute, heute gehe ich wirklich früh ins Bett. Ich bin total erschöpft, mein Kopf pocht und die Nase läuft. Ich hoffe inständig, dass ich morgen nicht rotzekrank bin.

Jetzt noch eine heiße Milch mit Honig und dann gute Nacht!

*vermutlich gibt es in jeder Stadt eine Lessingsstraße und die sagen das zu jedem Anrufer, der unbequem wird.

 

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Kerstin / Dez 9 2015

    Sie sind nicht alleine. Ich saß mal hochschwanger ohne Haustürschlüssel vor verschlossener Haustür. Der „örtliche“ Schlüsseldienst brauchte 3 Stunden und verlangte 360€ dafür dass sie im Endeffekt die Tür aufbrachen. Kleiner Trost, man kann es von der Steuer absetzen.

    3 Monate später stand ich dann mit Baby im Hausflur und das Schloss der Wohnungstür bewegte sich keinen millimeter. Zum Glück war ein Nachbar zu Hause der es ausbauen konnte.

  2. Mama Maus / Dez 9 2015

    Hallo Pia,

    Da hatten Sie heute aber einen sehr anstrengenden Tag. Ist bekannt warum die Tür nicht aufging oder kann das jederzeit wieder passieren?

    Letztes Jahr im November hatte ich mit 3 Monate alten Baby auf dem Bauch die gleiche Situation, wobei ich meine Missere mehr oder minder selbst verschuldet hatte.
    Der erste Anruf beim Schlüsseldienst ließ bei mir auch alle Alarmglocken schrillen, bei mir hat allerdings direkt der zweite Anruf die Rettung gebracht.

    Die komplette Geschichte gibt es auf meinem Blog unter
    http://kinder-kueche-kaufrausch.blogspot.com/2014/11/wie-ich-heute-einen-fremden-mann-umarmte.html

    Viele Grüße
    Mama Maus

  3. Tulpentopf / Dez 9 2015

    @dailypia Ein Montag als Mittwoch getarnt… hier auch. Und ich geh jetzt auch schlafen. Und morgen zum Arzt und zur Werkstatt. Yeah!

    — via twitter.com

  4. Frau Rabe / Dez 9 2015

    @dailypia Das ist ja total krass. Ich wäre ein heulendes Häufchen Elend gewesen… 😳

    — via twitter.com

  5. Pia Drießen / Dez 9 2015

    @Rabensalat ja. So wars auch.

    — via twitter.com

  6. Lisa / Dez 9 2015

    Ist heute allgemeiner Kacktag? Muss das so? (Bei uns hat der Hund eine große Menge der Schoko-Minz-Kekse gefressen und wir durften Notfallmäßig zum Tierarzt. Der Mann einer Freundin hatte einen Splitter im Auge…. scheint ein super tag zu sein!)

  7. Julie / Dez 9 2015

    @dailypia Wäh, du Arme. :-( Ich drück die Daumen, dass du gesund bleibst!! Erhol dich gut!

    — via twitter.com

  8. Nina / Dez 10 2015

    Ohwei, ich glaube sofort, dass das echt ein doofer Tag war. Ich stand letztens eine Stunde in der Kälte mit Bürooutfit an der Bushaltestelle, danach war ich schon unglaublich durchgefroren und froh, als ich zu Hause war. 5,5 Stunden sind echt übel. Aber was mich mal interessieren würde: Warum ließ sich der Schlüssel denn im Schloss überhaupt nicht mehr drehen?

  9. kat / Dez 10 2015

    Hallo, das hört sich ja echt bescheiden an… Meinem Mann und mir ist sowas mal Altweiber passiert, war auch super, nach einem durchgefeierten Tag, mit nicht mehr ganz klaren Kopf in Eiseskälte wollte der gute Mann vom Schlüsseldienst 300 DM. Ich war damals noch in der Ausbildung, da war mein halbes Monatsgehalt weg.lg & einen besseren Tag heute!

  10. Iris / Dez 10 2015

    Lessingstrasse. Ja, gibt es in meiner Stadt auch und auch in der, in der ich arbeite. Ebenso wo ich aufgewachsen bin, auch wo ich studiert habe… und der Mann, das war wieder ne andere. Danke für die Warnung, ist ja ein Ding.

  11. Andrea / Dez 10 2015

    Jetzt verstehe ich deine Solidarisierung mit mir gestern auf Twitter noch um so mehr. Das ist echt ein sch…. Tag!
    Hoffe heute wird für Dich etwas ruhiger – eigentlich hoffe ich das für uns beide.

    Mir hat es gestern geholfen zu Wissen, das ich nicht allein bin. DANKE dafür!

    Ganz liebe, solidarische Grüße…

  12. isabella / Dez 10 2015

    Scheiße scheiße scheiße. Arme Pia. Wirklich. Sowas ist unmer sooo unnötig. Ich drück die Daumen, dass du der Eiseskälte keine Erkältunflg verdankst.

  13. Beatrice / Dez 11 2015

    Da kann man aber auch mal weinen. Sowas Blödes! Gute Besserung!

  14. Steffi / Dez 14 2015

    Krass. Wäre das ein Film gewesen, hätte ich sicher gesagt: „Wie unrealistisch!“. Tut mir total Leid. Ich wäre ausgerastet. Definitiv.
    LG Steffi

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  1. Carsten Kubicki
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