Preiset die Sportlehrerin!

Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass wir keine Fußball-Familie sind. Und dennoch fanden wir es heute gar nicht schlimm, dass wegen des Fußballspiels das Handballtraining ausfiel. Immerhin konnte ich so mein Versprechen, endlich mal wieder Schwimmen zu gehen, wahr machen.

Wir haben im Ort ein kleines städtisches Schwimmbad, das von Schulen und Vereinen stark beansprucht wird und daher nur wenige Zeiten für die Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. Aber Mittwochnachmittags ist das der Fall.

Also packte ich die Schwimmklamotten für alle Kinder, holte sie von der Schule und dem Kindergarten ab und fuhr unter großem Jubel das Hallenbad an.

Ja, meine Kinder können alle drei immer noch nicht schwimmen. Gründe dafür gibt es gleich mehrere. Da wäre zum einen der geringe Altersabstand. Mit drei so kleinen bzw. jungen Nichtschwimmern ins Schwimmbad zu gehen war für mich eine nervliche Herausforderung und Belastung, die ich nicht gut hin bekommen habe. Ich habe es ein, zweimal versucht, aber die Angst, einem von ihnen könnte etwas passieren, war dabei immer übermächtig. Ich habe halt nur zwei Arme!

Ein weiterer Grund ist die Wasserangst des großen Kindes, die er inzwischen zwar recht gut unter Kontrolle hat, die ihn aber nach wie vor sehr ausbremst. Schwimmkurse in der Kleingruppe mussten wir daher abbrechen. Im Einzelunterricht machte er einen Schritt vorwärts und zwei zurück. Dieser Knoten in seinem Bauch, der will einfach nicht platzen.

Dann ist da noch die geringe Körpergröße des Mittleren, die eine Teilnahme am Schwimmkurs noch bis letztes Jahr verhinderte, weil er nicht mal im Nichtschwimmerbecken sicher stehen konnte. Das alles zusammen ergab einfach eine sehr doofe Mischung die dazu führte, dass alle drei Kinder eben immer noch nicht schwimmen können. Beziehungsweise gelten sie alle drei als Nichtschwimmer, denn, wie die Schwimmlehrerin des Großen mir erst kürzlich eröffnete: der große Sohn machte im laufenden Schuljahr super Fortschritte, kann im Grunde auch schon prima schwimmen, traut sich aber nach wie vor nicht ins tiefe Wasser.

Egal. Sie müssen jetzt einfach schwimmen lernen. Und wenn wir einfach nur zur Wassergewöhnung immer und immer wieder neue Versuche starten. Schwimmen ist wichtig. Zudem wird auch der mittlere Sohn im kommenden Schuljahr Schwimmunterricht haben und ich möchte ihm dabei gerne ein wenig mehr Selbstvertrauen mitgeben, als der große Bruder es hatte.

Heute also mit drei begeisterten und vor Vorfreude überschäumenden Nichtschwimmern ins Schwimmbad. Es dauerte gute 10 Minuten bis ich das erste Mal heulend im Wasser stand. Nicht weil einer abgesoffen ist, sich an mich klammerte oder Panik schob, nein. Mein großes Kind schwimmt! Und zwar richtig sicher und gut. Kein hektisches Gepaddel, Wasser schlucken und auf fünf Meter fünf mal absetzen. Er schwimmt und schwimmt und schwimmt und das schnell, ruhig und flüssig. HALLELUJA!!!! Preiset seine Sportlehrerin! Ich muss ihr morgen früh unbedingt sagen, wie super sie das gemacht hat. Wie dankbar ich ihr bin. Ihr ist vermutlich nicht einmal bewusst was sie da geleistet hat. 4 Jahre ununterbrochener Schwimmunterricht. Einzelunterricht. Über Jahre! Und die Sportlehrerin schafft es in nicht einmal einem Halbjahr. Ich bin so glücklich!

Ja, okay, er traut sich immer noch nicht ins tiefe Wasser. Er wollte es heute versuchen, nahm allen Mut zusammen, aber es ging einfach nicht. Das ist okay. Er schwamm dann zwei Bahnen mit Poolnundel neben mir durchs tiefe Wasser. Immerhin. Auch das wäre vor ein paar Monaten noch nicht denkbar gewesen. Also heißt es jetzt dran bleiben. Bis dieser doofe Bauchknoten plöpp macht.

Und auch die beiden Kleineren bewiesen ganz viel Mut und Willensstärke. Anfänglich mit Schwimmgürtel, dann nur noch mit Poolnudel. Beide schwammen im Nichtschwimmerbecken eine Querbahn nach der anderen. Mit ganz viel Elan und Spaß. Ich stelle mal die Prognose auf, dass Mimi noch vor Max schwimmen können wird. Sie ist einfach deutlich ehrgeiziger und unerschrockener als der große kleine Bruder.

Beide schwammen mit Poolnudel und Gürtel je zwei Bahnen im tiefen Wasser mit mir.

Ja, ich bin wirklich sehr euphorisch, weil ich einfach nicht damit gerechnet hätte, dass das so gut klappt. Jetzt müssen wir nur noch die Zeit finden um eine gewisse Regelmäßigkeit in unsere Schwimmbadbesuche zu bringen.

Im Anschluss wollten wir uns natürlich noch die obligatorischen After-Schwimmbad-Pommes gönnen. Und – Überraschung – beim Griechen neben dem Schwimmbad lief die 2. Halbzeit des Fußballspiels. Also bestellten wir zwei große Portionen Gyros mit Pommes, setzten uns zu den anderen Fußballfans und schauten den Rest vom Spiel. Alex wollte zwar sofort nach Hause, nachdem wir aufgegessen hatten, aber die restlichen 15 Minuten des Spiels haben wir dann doch noch abgesessen.

Die Trauer und Enttäuschung über den Ausgang des Spiels hält sich bei allen Familienmitgliedern in Grenzen. Hat halt auch was Gutes, wenn man keine Fußball-Familie ist. Allen anderen: Kopf hoch, die nächste EM/WM kommt gewiss.

Für mich war das dennoch ein rundum guter Tag den ich mir im Kalender rot markieren werde: Mein großes Kind kann schwimmen. Bäm!

(Und wenn er jemals dieses verschi**ene Seepferdchen ablegt, dann köpf‘ ich ne Flasche Champagner, jawohl!)

Print Friendly, PDF & Email
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
Beitrag erstellt 4504

13 Gedanken zu „Preiset die Sportlehrerin!

  1. Na, das ist doch echt toll ! Ich kann das so gut nachvollziehen. Unser Sohn, gleiches Alter, wie Dein Großer, hat ähnliche Schwierigkeiten. Wir haben 3 Jahre Schwimmkurs gemacht, dann waren die Blockaden so groß, dass wir in einen anderen Kurs im anderen Vorort gewechselt haben – bei ihm lag es einfach an den Leuten. Er muss mit den Personen können, sonst wird das nix. Und plötzlich, wie aus dem Nix, kurz vor Weihnachten vor 2 Jahren, dann das Seepferdchen – da hab ich dann auch geheult.
    Nicht aufgeben und so, wie Du das immer machst, behutsam dranbleiben. Wie Du schon sagst, Schwimmen ist wichtig – das wird schon !

  2. Ich erinnere mich, dass wir damals schwimmen können mussten, um am Schulschwimmen teilnehmen zu dürfen. Warum…? Ich vermute aus Sicherheitsgründen, da die Lehrerin mit uns 24 Kindern alleine war. Dafür habe ich aber erst mit 7 Radfahren gelernt. So what.

  3. Das kommt mir alles sehr bekannt vor!!Meine Große (bald 9) hat es endlich raus mit dem Schwimmen (nach unzähligen Kursen), hier ist das Tauchen aber ein ganz ganz großes Problem. Sie kann lang und gut tauchen, aber sobald sie ins Tiefe Wasser soll, macht ihr Kopf komplett dicht. Kaum geht man ein paar Wochen nicht schwimmen, fangen wir beim Springen und Tauchen bei Null an. Mir ist es aber wichtig, dass sie unter Wasser auch keine Panik bekommt.
    Der Kleine (fast 5) verkrampft sogar mit Schwimmflügeln völlig.
    Welchen Schwimmgürtel nutzt ihr denn? Ich bin da grad auf der Suche nach einem guten….

  4. Das hört sich so gut an! Dann wünsche ich, dass die Zeit auch die letzten Ängste vor dem tiefen Wasser platzen lässt! Manchmal muss man als Eltern echt geduldig und behutsam sein, was das Platzen von Knoten angeht. Und an die Kinder glauben! Das habe ich bei meinem großen Bub erst kürzlich gemerkt bei einem ganz anderen Thema. Ich kann da grad so mitfühlen :-)
    Viele Grüße Stefanie

  5. Wasser ist nicht was für alle, denke ich. Aber wenn dann das Seepferdchen bestanden ist, dann heulen doch alle Mamis. So geschehen 2 Wochen nach Minilamas fünftem Geburtstag. Fast 2 Jahre jede Woche zum Schwimmkurs und einmal die Woche so zum Schwimmen -davon 1,5 Jahre lang nur Palaver, sogar beim Duschen Gebrüll wie irre, dass die Schwimmlehrerin meinte wir brauchen den RTW – dabei gings nur ums Haarewaschen. Und irgendwann dann der Durchbruch und jetzt: angenommen im örtlichen Schwimmverein. Die Schwimmerin in mir freut sich jedes Mal wie irre, wenn das Kind vom Einer hüpft oder 200 Meter schwimmt. Ich hab ehrlich nichts dran gemacht, auf einmal ging es. Ab Herbst dann: Schwimmkurs hoch 2 mit den Zwillingslamas. Ich wappne mich schonmal.

  6. Liebe Pia,
    kenn ich vom Älteren Sohn auch, er wollte es selbst so gerne und schaffte es einfach nicht, sich zu trauen. Mit fast 8 nahm er allen Mut zusammen, ging zum Schwimmmeister – und dann gab’s kein Halten mehr. Erst Seepferdchen, 2 Tage später den Seeräuber und dann (weils so schön war) am nächsten Tag noch Bronze!
    Wenn der Knoten platzt, dann richtig – nur bis dahin ist das auhalten können für alle ne harte Nummer!

  7. Also muss ich mir keine Sorgen machen, dass meine 5 Jährige noch nicht schwimmen kann? Ich bin ja schon so froh, dass sie ganz alleine mit Schwimmflügeln ohne sich an mir festzukrallen im Wasser schwimmt. Erst seit Juni diesen Jahres :) Ich finde ja die Schwimmkurse (in unserer Stadt) eigenartig. Die Eltern dürfen nicht mit. Was ist wenn mein Kind aber nicht alleine bleiben will? tztztzt

  8. Wir wohnen an der Ostsee und hier können die Kids mit 5/6 den ersten Seepferdchenkurs im Verein machen. Nach 12-14 Einheiten können sie schwimmen. Eltern sind leider dabei keinen guten Lehrer…das gehört in Profihände. In der 3. Klasse gibt es dann regulär für alle Schulschwimmen. Auf den Dörfern lernen sie in einer Woche im Sommer im See das Schwimmen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Beginne damit, deinen Suchbegriff oben einzugeben und drücke Enter für die Suche. Drücke ESC, um abzubrechen.

Zurück nach oben