Bis einer heult! • Männer: Soll & Haben
Skip to content
4. Februar 2006 | Pia Drießen

Männer: Soll & Haben

Nein, Frauen wollen keine hellsehenden Männer, denn dann würde sie jedes Mal auffliegen, wenn sie ein neues Paar Schuhe oder eine Handtasche gekauft haben. Frauen hätten aber gerne aufmerksame Männer, die kleine Nebensätze á la „Oh, das ist aber toll.“ hören, aufnehmen, verarbeiten und behalten. Natürlich überraschen diese Männer die Dame dann ein paar Tage später mit eben dem Gegenstand, der so toll war.

Soviel zur verheißungsvollen Theorie.

Stellen wir uns nun einmal vor, Sie haben einen Mann/Partner, der unauffällig aufmerksam ist. Jedes noch so unbedeutsame „Das ist aber hübsch“ konsumiert und in seiner internen Datenverarbeitungsmaschine Überraschungen ausbrühtet. Was haben Sie dann? Eine Überraschungswahrnehmungsabstumpfung.

Folglich muss der ideale Partner ein unauffällig aufmerksamer Mensch sein, der dazu noch ein guter Datenverarbeiter ist und somit nur etwa jede 10te Äußerung von „ach toll, wie hübsch“ zur weiteren Ausführung unter überraschungswert ablegt.

Dass es den idealen Partner nicht gibt, wissen wir ja bereits. Können wir uns nicht an Ecke und Kanten stoßen, langweilen wir uns schnell. Ich will daher kurz von meinem Exemplar berichten:

Er nimmt jedes noch so kleine, finzelige „Guck mal …“ auf, verarbeitet es und legt es ab. Sein Ausführungs-Intervall ist dafür aber sehr hoch. Etwa jedes 37. Mal bringt er etwas zur Ausführung. Natürlich ist der Datenspeicher, um besondere Anlässe herum, nur sehr gering gefüllt, so dass Fragen wie „Was wünscht Du Dir eigentlich zum Geburtstag?“ direkt neben dem „Guck mal …“-Verzeichnis gespeichert sind und dann aktiviert werden. Natürlich hat er aber doch noch den „Top Secret“ oder auch „Geheim“-Ordner in der Hinterhand, welchen er dann zur Ausführung benutzt. Seine Geschenke sind daher immer großartig und wahrlich überraschend.

Leider funktioniert sein Datenverarbeitungssystem aber auch so gut, dass folgende kleine Situationen entstehen können:

Er: „Na, warst Du einkaufen?“
Sie: „Ja, mit meiner Mutter.“
Er: „Und was, hast Du gekauft?“
Sie: „Ach, gar nichts. Wir haben nur ein bisschen Gebummelt.“
längere Pause
Er: „Und seit wann hast Du das Armband?“
Sie: roter Kopf, hektische Blicke nach links und rechts, Fluchtmöglichkeiten abschätzen.
Er: „Als wenn Du einkaufen gehen würdest – mit Deiner Mutter – und nichts kaufst. Pff.“

Er zieht dann triumphierend ab und kontert ihre hektischen Erklärungsversuche mit einem, über die Schulter geworfenen, lachenden „Ja ja!“.

Jede kleinste Neuanschaffung, die eigentlich ja unbemerkt bleiben sollte, wird von ihm sofort und umgehend erkannt, aufgenommen und verarbeitet. In Millisekunden gleicht er alle an Ihrem Körper befindlichen Gegenstände mit seiner internen „Hat Sie schon“ und der „Will Sie noch“-Datenbank ab.

Wenn er ein Computer wäre, dann hätte er einen Arbeitsspeicher von trölftausend Terrabyte – da bin ich mir sicher.

Print Friendly
Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Blaui / Feb 4 2006

    meckert frau sonst immer drüber, dass kerlen was neues nie auffällt?

  2. Torx / Feb 4 2006

    Alternativ zum Betreiben eines internen Rechenzentrums mit genannter Kapazität rufe ich ab und an das Programm „Blumen schenken“ auf.

    Spart genau …. äh … „trölftausend Terrabyte“.

    :ja:

  3. Boris / Feb 5 2006

    Täte ich eine Frau sein, so früg ich nun, wo ich einen wie IHN herbekäme. Denn ER ist cool, weil er das Spiel namens »Beziehung« richtig gut mitspielt.
    :razz:

  4. marcc / Feb 5 2006

    Frauen wollen keine hellsehenden Männer

    Nein, es ist sogar noch viel schlimmer:

    Frauen hätten aber gerne aufmerksame Männer,

    D.h. welche die hellsehen wan Hellsehen angebracht ist und wann nicht.
    :razz: :wink:

  5. Tobias K. / Feb 5 2006

    Und dann war da noch meine Freundin. Nach folgdenem im Dezember zweidreimal geführten Dialog: (T: „Ich weiß, was ich Dir schenke, aber ich fürchte Du holst es dir selber…“ – „Wenns ein Buch ist, ich kauf mir dieses Jahr sowieso keins mehr.“) traute ich mich am 22.12 dann meine Weihnachtseinkauf zu tätigen. Am 23. bekam ich dann mittags um 17 Uhr die SMS eines Freundes, der konsterniert berichtete, dass die Dame sich ein Buch mit dem Titel XY gekauft hätte, das säh so aus, wie das, was ich ihm (ein wenig stolz) gezeigt hätte…
    Hab dann in meiner Pause versucht in Bad Godesberg noch einen würdigen Ersatz aufzutreiben, wollte aber nicht mit irgendeinem Killefit auftauchen… Daher bekam sie dann zu Weihnachten nichts direkt passendes. Frauen. Tssss.

  6. Sascha / Feb 5 2006

    sher schöner Artikel. Ich denke, cih werde ich werde meine Festplatte im Kopf neu indexieren müssen. Ich kann ja dazulernen…

    :twisted:
    Gruss
    Sascha

  7. eco / Feb 5 2006

    Hmm, meine Freundin darf diesen Artikel auf keinen Fall lesen. Sie könnte neidisch werden. Mein Speichersystem besteht aus einem 8-Bit-Schieberegister.

Leave a Comment