Beulenmäulchen

Das Löwenmäulchen ist an sich hart im Nehmen. Auch wenn er theatralisch und sehr ausdrucksstark Schreien und Weinen kann, weil zum Beispiel eine Erdbeere zu Boden gefallen ist: wenn er selber stürzt, rappelt er sich für gewöhnlich auf, klopft sich die Hände an der Hose ab und rennt, springt oder fährt weiter.

Heute, am späten Nachmittag, nach einem sehr langen und wunderschönen Tag in Uromas Garten an der holländischen Grenze, stürzte der kleine Herr Löwenmaul beim Balancieren auf einem Randstein und schlug mit der Stirn genau auf die Kante auf. Erst war es ganz still. Ich sah, wie er sich langsam versuchte aufzurappeln und hörte ihn im nächsten Moment bitterlich aufschreien. Dann weinte er sehr laut, verzweifelt und ausdauernd. Ich rannte direkt zum ihm, wo ich sonst erst mal abwarte, was als nächstes passiert. Ich riss ihn hoch, drückte ihn an mich und flüsterte sofort, dass alles gut sein!

Dann fragte ich ihn, ob er denn irgendwo Schmerzen hätte und als er das bejahte, fragte ich ihn wo. Die Stelle an der Stirn, die er mir dann anzeigte, war dick geschwollen, blau und von roten Punkten und Flecken durchzogen. Schwammartig. Dass sich binnen weniger Momente so eine monströse Beule hatte bilden können riss mich aus meiner sonst so ruhigen und beherrschten Art und begann sofort zu zittern und rief dem Miezmann zu, er solle etwas zum kühlen besorgen.

Um das Drama mal nicht in die Länge zu ziehen: nach 5 Minuten war das Weinen verebbt und das Löwenmäulchen wollte schon wieder Auto fahren.

Dennoch behielt ich ihn sehr genau im Auge. Er äußerte auf der Rückfahrt immer wieder, ihm täte der Kopf weh, was aber auch daran liegen kann, dass er recht wenig getrunken hatte. Zuhause gab ich ihm erst mal Arnika und überprüfte erneut, wie sich seine Augen und sein Gleichgewicht verhielten. Er schien völlig normal und der Miezmann beruhigte mich, es sei schon nicht so schlimm.

Trotzdem habe ich ihn bereits einmal seit dem Zubettgehen geweckt und etwas zu trinken gegeben. Einfach so. Damit ich weiß, dass es ihm gut geht.

Meine stählernen Muttinerven waren – nein, sind – heute nicht die Besten. So einen Stunt brauche ich nicht öfters und schon gar keine Atom-Beulen an Löwenmäulchenköpfen. So.

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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7 Gedanken zu „Beulenmäulchen

  1. Oh der arme Kerl!
    Mit dem Wecken hast Du übrigens alles richtig gemacht- im Erste Hilfe für Kinder-Kurs habe ich damals gelernt dass man die Kinder nach Kopfstürzen 24 STunden lang jede Stunde kontrollieren sollte, das heisst auch nachts wecken. Wenn sie irgendwie sehr anders reagieren als normal (also anders als normal schläfrig) sollte man einen Arzt aufsuchen.
    Ich muss allerdings zugeben, dass ich bei einem Kopfsturz der Kinder das mit dem stündlich nicht so hinbekommen habe, weil ich nachts dann selber nicht komplett wach geworden bin, also stündlich. Aber das kontrollieren ist natürlich wirklich wichtig, man kann ja nicht in den Kopf hinein gucken…
    Ich drück Euch die Däumchen, dass die Beule morgen früh nicht mehr so riesig ist!
    Liebe Grüße
    Katha

  2. Ohje den Schock kann ich sehr gut nachvollziehen! Es wird sicher nichts schlimmeres sein, aber es ist gut, dass du so aufmerksam bist. Ich wünsche dem Löwenmäulchen, dass die Beule schnell wieder schrumpft!

  3. Ich glaub jeder Mama bleibt erstmal kurz das Herz stehen, wenn sich das Kind weh tut – wir hatten kürzlich auch einen Sturz von der Couch – auch auf die Stirn. Intuitiv handelt man dann aber doch irgendwie richtig, auch wenn man nicht den 10. Erste Hilfe Kurs besucht hat.

  4. Oh je der arme Kerl, die kleinen sind Gott sei Dank sehr zäh. Bei so Stunts darf Mutti auch schwache Nerven bekommen. Das ist absolut normal.
    Wie gehts ihm heut?
    Lg Steffi

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