Bis einer heult! • kurzweilig
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6. Juli 2006 | Pia Drießen

kurzweilig

In letzter Zeit lief mir verstärkt das Wort „kurzweilig“ über den Weg. Meist in Zusammenhang mit dem Daily Me, als Kommentar oder in einer Feedback-Email. Ich verstand durchaus, dass das Wort als Kompliment gemeint ist, trotzdem hatte es für mich einen negativen Unterton. Kurzweilig, sozusagen der Keks zum Kaffee, den man in Sekunden mit seinen Zähnen zermalmt, eine kurze Weile den Geschmack auf der Zunge hat, um ihn dann mit Kaffee hinunter zu spülen.

In Zusammenhang mit manchen meiner Texte denke ich dann, dass mir ein anderes Wort vielleicht lieber wäre. An manchen Texten, die ich hier verfasse, sitze ich mehrere Stunden. Meistens sind es die Geschichten aus meiner Vergangenheit, meiner Familie, meinen Leben. Das sind Erinnerungen, die in die richtigen Worte gehüllt werden wollen, weil man sie im Regelfall zwar nur einmal formuliert, aber trotzdem ein Leben lang mit sich herum schleppt.

Ein Stück Langzeitgedächtnis in wenige Worte gequetscht und natürlich sollen es dann die richtigen sein. Diese Zeit, die ich dann mit der Suche nach richtigen Worten verbringe, soll zum Schluss nicht kurzweilig, sondern nachhallend sein, so denke ich mir das.

Schlussendlich habe ich mir dann aber doch mal die Mühe gemacht und mich auf die Suche nach der Bedeutung des Wortes „kurzweilig“ begeben.

Man legt die Benennungen: Kurzweile und Zeitvertreib, solchen Handlungen und Dingen bey, womit man sich die Zeit zu verkürzen sucht. Die lezte aber wird allein von ernsthafteren, die erste, nur von scherzhaften und lustigen Zeit=Verkürzungen gebraucht.

aus Oekonomische Encyklopädie von J. G. Krünitz

Ich denke, Ihnen die Zeit mit lustigen Texten zu verkürzen, ist nicht das schlimmste, was ich man tun kann. Darum meinen aufrichtigen Dank für das nette Kompliment.

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Seraphima / Jul 6 2006

    Ich habe das Wort „kurzweilig“ glaube ich noch nie benutzt.

  2. Tigerente / Jul 6 2006

    Ich bin ebenso unschuldig was das Wort „kurzweilig“ im Zusammenhang mit dir betrifft … ich muss sagen, dass ich deinen Blog und den Podcast alles andere als kurzweilig finde. Dazu sind einige Themen auch zu tiefgründig als das sie an einem vorbei gehen wie ein Keks zum Kaffee …
    Mach weiter so, liebe Pia. Kurzweilig ist wirklich etwas anderes … :wink:

  3. Anne / Jul 6 2006

    Ich würde kurzweilig auch als Kompliment sehen. :grin:

  4. Tobias K. / Jul 6 2006

    Kommt drauf an. Auf die Frage „Schatz, wie war ich?“ wärs definitiv die falsche Antwort. (und hat wäre dort am allerehestens mit „Microsoft“ etymologisch verwandt…)

    Aber wenn Du wüßtest, wie gut ich verstehe, was Du meinst… :wink:

  5. Herr T. / Jul 6 2006

    So wie ich das Wort kurzweilig verstehe, hat das nichts mit der Dauer zu tun.
    ich verstehe das eher als Gegenteil von langweilig.
    Kurzweilig ist eine Lektüre für mich dann, wenn ich mich dabei gut amüsiere, ob sie nun lustig, nachdenkenswert oder einfach nur interessant ist.

  6. marie / Jul 6 2006

    Ich stimme Herrn T. zu. Für mich bedeutet kurzweilig, dass es einfach Spaß macht, zu lesen, was du so schreibst, das heißt man langweilt sich nicht, wenn man es liest(im Gegenteil).

    Übrigens merkt man dass du dir bei den Geschichten sehr viel Mühe gibst, und ich würde kurzweilig so interpretiere, dass du uns(Leser) einfach unterhälst.

    Aber trotzdem ein doofes Wort..

    Also Danke für die Unterhaltung:smile:

  7. serotonic / Jul 6 2006

    Lustig. Den Begriff habe ich bisher noch nie gedanklich auseinandergenommen. Verwende ich ihn doch in meinem Impressum, in der Form, dass mein Blog dazu da wäre „mir bei Bedarf ein Ventil zu sein und Besuchern ein wenig Kurzweil zu bieten“. Dabei bin ich nun wirklich nicht auf rein humoristische Unterhaltung aus, die sich konsumieren lässt, wie ein Keks zum Kaffee. :eek:

    Und auch nach mehrmaligen Rumkauen auf dem Begriff klingt er für mich immer noch nicht negativ im Unterton. Ich kann aber nachvollziehen, warum er dir nicht ganz passend erscheint :ja:

  8. Henning / Jul 6 2006

    Ebenso wie Herr T. und marie verstehe ich kurzweilig als das Gegenteil von langweilig. Dass das dementsprechend dann positiv ist, ist für mich klar.

  9. Jan / Jul 6 2006

    Wenn man was ganz tolles, lustiges oder spannendes macht; etwas, was einem richtig Spass macht – ja dann vergeht die Zeit wie im Fluge…

    In diesem Sinne ist „kurzweilig“ doch ein großartiges Kompliment.

  10. Tobias K. / Jul 7 2006

    Nachdem ich ein wenig meditiert habe, möchte ich Herrn T. aufs äußerste widersprechen. Es hat nämlich NUR was mit der Dauer zu tun. Allerdings insofern, als dass eine eigentlich lange Zeit vermeintlich kurz wirkt. So dürfte das urspürnglich entstanden sein… :ja: Denn etwas langweiliges heißt ja auch nur so, weli die Weile so lange ist, die vergehen muß, bis mans erledigt hat.

  11. leachiM2k / Jul 7 2006

    Na, das war ja wieder Mal ein sehr kurzweiliger Eintrag… :razz:

  12. Herr T. / Jul 7 2006

    @Tobias:
    Du widersprichst mir gar nicht. Ich sprach bzw. schrieb von Dauer und meinte damit eine messbare Zeitspanne. Was Du ins Spiel bringst ist – so weit ich das richtig verstanden habe – eine „gefühlte Dauer“, und genau dieser Meinung bin ich auch.
    Daher:
    kurzweilig = die gefühlte Dauer ist kürzer als die tatsächliche (Beispiel: „kann ja gar nicht sein, dass ich schon 5 Stunden dieses Spiel spiele“
    langweilig = die gefühlte Dauer ist länger als die tatsächliche („hört das blöde Buch eigentlich nie auf?“)

  13. Henning / Jul 7 2006

    Genau so ist es, Herr T. Die gefühlte Dauer. Hätte man nicht besser ausdrücken können. Und die gefühlte Dauer hat eben immer damit zu tun, ob ich etwas gerne tue oder nicht.

  14. nodch / Jul 7 2006

    Ich denke Kurzweiligkeit ist eines der angenehmsten Dinge, die es gibt und sollte sie somit durchaus ehren.
    Sind es nicht auch diese Beziehungen, in denen die Zeit nur so dahin rennt, die die angenehmsten, in unserem Leben sind? Würde man nicht sagen, dass aufgrund des verlorenen Zeitgefühls, die angenehmen Momente unseres Lebens am schnellsten vorbei gehen?
    Schlussendlich sind es aber doch genau diese, die uns in unserem Leben am meisten berührt haben und dies schaffen sie, Fräulein Pia, mit ihrem Blog, ich kann mir keine schönere Anerkennung vorstellen, als mein Blog als kurzweilig betitelt zu bekommen.

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