Bis einer heult! • Einmal, im Ferienlager ... (2)
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4. Oktober 2006 | Pia Drießen

Einmal, im Ferienlager … (2)

Es gab eine Zeit, in der ich einen starken Hang zum deutschen Punkrock pflegte. Über grüne Haare, gebatikte Jeans und T-Shirts sprach ich hier in diesem Zusammenhang schon einmal. Was wohl aber verdient, den Höhepunkt dieser Zeit genannt zu werden, war ein kleiner Zwischenfall im schönen Österreich, als ich auf einer Party mal wieder zu lauten Gitarren und rotzfrechen Punktexten durch den Raum fegte. Natürlich haben wir gepogt, natürlich haben wir auch gehaedbangt. Das waren solche Momente, in denen man alles um sich herum einfach vergaß, wir eine Wüstenrennmaus auf Speed von einem Bein aufs andere sprang und der Nackenmuskulatur eben alles abverlangte, was sie zu bieten hatte.

An diesem Abend stieß ich im Gedränge mit jemandem zusammen. Der Kopf schmerzte kurz, ich schüttelte mich und „tanzte“ weiter. Es dauerte rund zehn Minuten und zwei bis drei weitere Lieder, bis ich für meine Unvernunft die Quittung bekam: gähnende Stille und Schwärze.

Das nächste, an das ich mich erinnerte, war das Auto, in welchem ich zum Krankenhaus fuhr, die Notaufnahme und die Computertomografie. Man war der Meinung, ich hätte mir die Halswirbel gebrochen, da diese auf dem Röntgenbild leicht deformiert in die falsche Richtung abstanden und schob mich daher in diese enge Röhre, in welcher man wunderbar Platzangst entwickeln kann.

Zu guter Letzt stellte sich heraus, dass meine Wirbelsäule von Geburt an deformiert ist, dass ich allerdings eine 1A-Gehirnerschütterung und eine Zerrung der kompletten Hals-Nacken-Muskulatur hatte und diese daher leider nicht mehr in der Lage war, meinen Kopf zu stützen. Drei Tage verbrachte ich im österreichischen Krankenhaus, von einer engen Halswirbelstütze eingeklemmt, mein Umfeld nicht verstehend und mich selber nicht artikulieren könnend, da meine Stimme sich mit meiner Hals-Nacken-Muskulatur verabschiedet hatte.

Natürlich gab es nur Suppe, die wunderbar klebrig in die Halswirbelstütze lief und heute noch einen leichten Würgereflex auslöst, sobald ich Hühnerbrühe rieche.

Ja, damals … als ich noch einen starken Hang zum deutschen Punkrock pflegte.

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Jojo / Okt 4 2006

    das gehört dazu !
    So ist eben Rock’n Roll :)

  2. Jörg / Okt 4 2006

    Auch eine gute Art, sich Punkrock abzugewöhnen…

  3. Littleandy / Okt 4 2006

    Klingt schon recht brutal…

  4. malte / Okt 4 2006

    Und was haben Dir Deine Kumpels am Krankenbett gesungen? „Bleib tapfer“ oder „Es ist vorbei“?

  5. Pia / Okt 4 2006

    Wizo musst Du fragen?

  6. Dom / Okt 4 2006

    Tja, da haben die Ärzte wohl diagnostiziert dass erstmal tote Hose mit deinem Nacken ist…

  7. Carsten / Okt 4 2006

    Das ist bis in die letzte Nachkommastelle Punk.

  8. Jörg / Okt 4 2006

    Hier gibts auch einen, der mal dem Punk verfallen war
    http://www.titanic-magazin.de/index.php?id=90

  9. to01 / Okt 5 2006

    @malte solange es nicht „tod im freibad“ war… ;)

  10. Malte / Okt 5 2006

    @to01: bdu ;-)

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