Bis einer heult! • Trotzmäulchen - die neue Dimension
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25. Juli 2012 | Pia Drießen

Trotzmäulchen – die neue Dimension

Als ich im März mit einem Muttherzschmunzeln über das kleine Trotzmäulchen schrieb, da ahne ich ja nicht, wie sich das noch entwickeln würde.

Das Löwenmäulchen befindet sich seit ein paar wenigen Wochen in der absoluten Trotz-Motz-Bock-Phase. Es schmeißt sich schrill schreiend auf die Erde, wenn ihm was nicht passt und haut nach uns, wenn er sauer auf uns ist. Leider ist er dabei trotzdem immer noch irgendwie sehr niedlich. Eben weil er trotzdem vor Charme und Charakter strotzt. Dennoch haben wir inzwischen ein Trotz-Level erreicht, dass meine Nerven arg strapaziert.

Heute waren wir auf einem 3.Geburtstag einer Miezbeusfreundin. Ziemlich zum Ende hin geriet er mit der kleinen Gastgeberin über deren neuen Puppenwagen in Streit, woraufhin er sich theatralisch hinwarf und schrie. Nachdem er nach 20 Minuten immer noch nicht wieder zur Ruhe gekommen war, entschied ich mich zum Fluchtartigen und sofortigen Abzug. Ich mache das nicht, um die Jungs zu bestrafen, sondern weil ich der Meinung bin, dass wenn sie sich so extrem verhalten, sie einfach todmüde und fertig sind. Tatsächlich hielt das Weinen auch bis zu Hause an. Bis ich ihn aufs Sofa setzte, die Schuhe auszog und er einfach nur müde zur Seite kippen konnte und sich am kühlen Ledersofa etwas abkühlen konnte.

Das Schlagen des Löwenmäulchens handhaben wir so, dass wir dann seine Hände festhalten und ihm klar und deutlich sagen, dass er sauer sein könne, aber dass trotzdem nicht geschlagen wird. Setzt er dann noch einmal nach, stehen wir auf, gehen weg und ignorieren sein Gebaren.

Die meisten „Ich machen!“-Ansagen berücksichtige ich übrigens. So ging er einen Morgen bereits mit der Jeanshose falsch herum in den Kindergarten. Oder trägt auch mal Entenfüße. Manchmal muss ich Dinge auch zurückbauen. Also ihm die angezogene Socke wieder ausziehen oder den geöffneten Joghurtbecher wieder verschießen (jede Mutti ist ja auch so ein bisschen McGyver), damit er das selber machen kann

Und, ich schäme mich fast es zuzugeben, mit Essen lässt er sich immer recht gut ablenken. Im Kindergarten wirkt ganz oft ein: „Hilfst Du mir den Tisch zu decken?“ Zuhause das Locken mit Lieblingsspeisen, wie Wassermelone, Paprika oder natürlich Kekse.

Wer weiß schon, ob wir uns in seinen Trotzanfällen richtig verhalten. Wer weiß schon, ob das Löwenmäulchen diese Phase so extrem lebt, weil er jüngst großer kleiner Bruder geworden ist. Oder einfach, weil er eben 2 Jahre alt ist. Da er schon immer extrovertierter war, als der große Bruder, wirkt seine Trotzphase vielleicht auch einfach viel extremer, ist im Endeffekt aber einfach seinem Naturell und Alter entsprechend.

Seine geringe Körpergröße führt jedoch leider weiterhin dazu, dass Außenstehende seine Wüterei unheimlich niedlich finden, weil er ungewollt meist den Niedlichkeitsfaktor eines Einjährigen hat. Ich hoffe sehr, dass das seinem kleinen an sich so herzigen Wesen nicht noch zum Nachteil wird und er – Gott bewahre – das Schreien und Hauen tatsächlich als effektives Mittel zum Erreichen seiner Ziele beibehält.

Die andere Seite der Medaille ist im Übrigen ebenso extrem: Fröhlichkeit, Aufgeschlossenheit und sonniges Gemüt from Hell. Er erobert jedes, wirklich ausnahmslos jedes Herz mit einem kleine gesungenen „Hallo!“ gepaart mit einem spitzbübischen Grinsen.

Herzmäulchen. Eben auch.

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Nathalie / Jul 25 2012

    Für mich klingt das nach einem normalen Zweijährigen, er testet seine Grenzen aus. Auch wenn er mit seinem Charme die Leute bezirzt, denke ich, dass in seinem Alltag ja nicht jeder seinem Charme erliegt und er so schon lernt wie weit er gehen darf.
    Ich kann mir das schon lebhaft vorstellen, haben wir mit dem Millchen auch so ein Exemplar. Gott sei Dank ist sie aber auch schnell versöhnlich zu stimmen und der Jähzorn schnell wieder vergessen!
    Liebe Grüsse
    Nathalie

  2. Maufeline / Jul 25 2012

    Ich glaube ja, dass die Zeit zwischen zwei und drei jahren einfach die schlimmste ist, von der trotzigkeit her. mein großer sohn hatte in der zeit auch superdupermega trotzanfälle, mit schlagen, treten, möbel zertrümmern o.O, etwa 2-3 stunden lang…
    weil ich zu dem zeitpunkt grade schwanger war und keine kraft hatte habe ich dann unser gartenhaus in eine „gummizelle“ verwandelt, mit matratzen, kissen und stofftieren, wo man sich austoben konnte ohne sich zu verletzen und alles kaputt zu machen. ich habe mich dann natürlich immer mit dazu gesetzt, und habe ausgeharrt… und war da falls er doch mal trost brauchte. das war auch echt nervenaufreibend… da waren dann die 45minütigen anfälle meiner tochter nahezu niedlich gegen ;-)
    jetzt bin ich mal gespannt wie sich der krümel entwickelt, der ist nämlich von der art her ganz anders als die beiden…
    und ich kann nur sagen: istallesnureinephase (also ernsthaft), geht wieder vorbei :-)

  3. Frau Bauchwohnung / Jul 25 2012

    Ich find ihn einfach so süß… (:

  4. eva / Jul 25 2012

    Jede Mutter ist mcgyver! Was hab ich gelacht – super :)
    Ansonsten: wie gut, dass es genügend Tricks gibt, ja. Benutze sie ;)
    Und Taten sind je kleiner das balch auch besser *gnihihi*
    LG aus Oostkapelle, Eva

    • Mama Miez / Jul 25 2012

      Boah, Oostkapelle (zerfließt im Neid!)

      • eva / Jul 26 2012

        Zum Glück können wir dank Freunde öfter hierhin ! Übrigens finden meine meine grolsch äh Großen es extrem lustig, wenn ich ihnen ihre schlimmsten trotzanfälle an den unmöglichsten orten erzähle! Die brüllen sich weg. Ich mich auch, inzwischen ;)

        • Mama Miez / Jul 28 2012

          Ich bin neidisch! Und wünsche Euch noch einen wunderbaren Urlaub.

  5. Luci / Jul 25 2012

    Meine Mutter sagte mir ja immer, als meine Große in dieser Phase war: „Wenn sie am anstrengendsten sind, haben sie auch den meisten Charme“ – ich glaube, das trifft bei Deinem Löwenmäulchen den Nagel auf den Kopf. Und wer weiß schon, was in dieser Situation richtig ist? Ich finde Euer Verhalten genau richtig: ihm zu zeigen, wo die Grenzen liegen (dass nämlich nicht gehauen wird), dass er durch das extreme Verhalten nicht schneller oder leichter erreicht, was er möchte, und dass er, auch wenn er sich so verhält, trotzdem sehr sehr liebgehabt wird. So machen wir das hier auch und fahren bis jetzt sehr gut damit.
    Meine Große hat übrigens genau das gegenteilige Problem vom Löwenmäulchen: Da sie sehr groß ist und schon immer sehr viel und sehr gut spricht, wird sie meistens für älter gehalten, als sie ist (ich werde zurzeit gerne gefragt, ob sie denn nach den Sommerferien in die Schule komme – sie ist aber gerade mal vier …), und daher erwartet man von ihr gerne ein Verhalten, dass sie noch nicht leisten kann. Mehr Vernunft, mehr Verständnis … Ist beides blöd!

    Viele liebe Grüße
    Luci

  6. neumama / Jul 25 2012

    Ha! Da hab ich gestern gerade einen Artikel auf sueddeutsche.de drüber gelesen. Man solle die Wutanfälle nicht ignorieren, dann fühle sich das Kind als Person ignoriert. Ich ignorier (nach Erklärungen, Kompromissversuchen und Entgegenkommen) auch irgendwann. Siehe da, daraufhin ist bald Ruhe und er wirkt nicht, als hätte ihn das in seinen Grundfesten erschüttert. Ich sollte auch nicht immer alles lesen…is mir nur grad so eingefallen…sorry…weitermachen…
    ;)
    Grüße

  7. MamaMia / Jul 26 2012

    Ach ja, ich glaube schon das das einfach seinem Wesen entspricht wie sehr oder intensiv er diese Phase auslebt. :-)
    Mein Mäuschen, grade mal 17Monate, mutiert zum brüllenden, sich um die eigene Achse windenden Monster wenn sie bockt. So arg, das man sie teilweise kaum halten kann. In den Kinderwagen bekommt man sie einfach nicht alleine wenn sie nicht will, sie wirft sich bereits jetzt auf den Boden und brüllt was das Zeug hält, wenn eine Situation für sie gerade nicht verständlich ist oder einfach anders als sie es gerade möchte.
    Dabei ist sie ansonsten ein absoluter, sensibler Sonnenschein, aber eben mit einem sehr sehr ausgeprägten eigenen Willen, bereits jetzt. *grins*
    Schön das wir so wunderbare kinder haben, mit so starken Charakteren, auch wenn es manchmal nicht leicht ist. *lacht*
    GLG

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