Bis einer heult! • Eltern sein. Kein Nebenjob.
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3. Oktober 2012 | Pia Drießen

Eltern sein. Kein Nebenjob.

Über die kindliche Entwicklung, Selbstständigkeit, den eigenen Willen und das Trotzen. Und über uns. Die Eltern.

Der Miezmann und ich haben heute Abend ein wenig Zeit genutzt um unsere aktuelle Erziehungsmethodik mal zu reflektieren. Tatsächlich war uns schon vor ein paar Wochen aufgefallen, dass wir jedem unserer Kinder anders begegnen und auf ähnliche Verhaltensweisen unterschiedlich reagieren. Das liegt in erster Linie daran, dass unsere Kinder grundverschiedene Typen und Charaktere sind. Was beim Quietschbeu gut und schnell funktioniert, führt beim Löwenmäulchen zum absoluten Nervenkollaps. Und umgekehrt.

In den letzten Tagen stellte sich aber gerade bei mir eine deutliche Unzufriedenheit ein. Wenn ich abends im Bett liegend den Tag Revue passieren ließ, ertappte ich mich oft dabei, dass ich laut und ungeduldig geworden war. Das missfiel mir sehr. Ich zwang mich dann häufiger zur Ruhe und Gelassenheit, nahm mir fünf Minuten Auszeit, die ich alleine auf der Toilette verbrachte und wendete mehrmals die hier schon erwähnte Valium-Taktik an, in der ich mich absolut ruhig, verständnis- und liebevoll zeige. Am Ende eines Tages führt sie aber auch gerne mal dazu, dass man innerlich sehr erschöpft ist. Aber als Resultat habe ich dafür meist recht entspannte und zufriedene Miezbeus.

Das ist natürlich kein allwirksames Geheimrezept. Es gibt auch andere Situationen, gefährliche Situationen, unnötige Situationen. Und auch da muss man reagieren. Meist ohne Zeit sich eine gute und möglichst deeskalierende Taktik zu überlegen und mit Geduld und Ruhe zum Ziel zu gelangen. Ein Beispiel ist eine Situation, die ich mal mit dem Quietschbeu erlebte. Er war auf dem Höhepunkt seiner „Umgang mit dem eigenen Willen erproben und erlernen“-Phase und forderte grundsätzlich immer das Gegenteil von dem, was ich ihm zugedacht hatte, um was ich ihn bat oder was ich ihm anbieten konnte. Zudem wollte er ausnahmslos alles „Selba!“ machen.

Wir gingen zu Fuß vom Kindergarten nach Hause und mussten eine Kreuzung mit Ampel überqueren. Der Quietschbeu hatte gerade die Grundfarben erlernt und ich versuchte ihm den Sinn und die Funktionen einer Fußgängerampel zu erklären. Das gute alte „Bei Rot stehen, bei Grün gehen“-Prinzip. Sie wissen schon. Der Quietschbeu, müde und mit mittelprächtiger Stimmung, bockte direkt rum und erklärte mir, er wolle nicht bei Grün über die Ampel, sondern bei Rot. Ich erklärte ihm, dass das sehr gefährlich sei und blieb drei oder vier Ampelphasen mit ihm stehen, damit er beobachten konnte, wie die Autos und Fußgänger bei Grün fuhren oder gingen und bei Rot stehen blieben. Ich dachte, wenn er sieht, dass sich alle an diese Regel halten, könne auch er sie leichter verinnerlichen und akzeptieren. Als ich bei der folgenden Grün-Phase dann nach seiner Hand griff und los ging, begann er wie verrückt zu schreien, er wolle nicht bei Grün über die Ampel, sondern bei Rot. Ich ließ seine Hand los, in der Hoffnung, dass ihn das „Selba!“ und „Alleine!“-Ding dazu antreiben würde, mir selbstständig über die Straße zu folgen. Stattdessen ließ er sich mitten auf der Straße fallen und schrie hysterisch „NEEEEEIN! Bei Rot! BEI ROT!!!“ Da wir auf einer vielbefahrenen Straße standen fackelte ich nicht lang, packte ihm am Arm und zerrte ihn hinter mir her, mit der anderen Hand den Buggy mit dem Löwenmäulchen schiebend. Das war kein Glanzmoment meines Mutterdaseins, aber es war eben eine realistische, dem Trotzalter entsprungene Alltagssituation, wie sie jeder Mutter mit jedem Trotzkind wiederfahren kann. Und solche Situationen sind es auch, die mich Zitate von Jesper Juul, wie folgendes, belächeln lassen.

Wenn man die Selbstständigkeitsphase als Trotzalter bezeichnet, problematisiert man etwas, das ein Geschenk ist. Es ist ein natürlicher Prozess, der die kindliche Entwicklung vorantreibt.

Der einzige, der hier etwas problematisiert ist Herr Juul, in dem er uns Eltern suggeriert, wir würden unseren Kindern Unrecht tun, wenn wir die „Selbstständigkeitsphase“, wie er es nennt bzw. die „Umgang mit dem eigenen Willen erproben und erlernen“-Phase, wie ich es nenne, schlicht und ergreifend Trotzphase nennen. Nichts anderes ist es aber, wenn mein Kind einer Regel, in diesem Fall einer Verkehrsregel, trotzt und etwas seinem Willen und seiner Selbstbestimmtheit nach anders machen möchte.

Ohne jetzt tiefer und weiter auf Herrn Juul und seine Ansichten und Theorien einzugehen, wünsche ich mir einfach, dass die sogenannten Experten, Erziehungs- und Elternratgeber sich einen ordentlich Schritt näher am Alltag orientieren, als es meist der Fall ist. Erziehung besteht nicht nur aus diesen Grundsatzprinzipien, sondern auch und gerade aus Ausnahme- und Extremsituationen. Meist sind es nämlich genau die, an die man sich viele Jahre später erinnert und dem Erlebten entsprechend handelt.

Wer uns schon länger begleitet wird wissen, dass ich „Erziehen durch Vorbildsein“ praktiziere. Hinzu kommt, dass der Miezmann und ich Vieles sehr anschaulich erklären, Aufforderungen (Aufräumen, Hände waschen, etc.) bestimmt wiederholen, wenn nicht sofort reagiert oder sich sogar geweigert wird und zudem sehr konsequent sind. Wir haben allgemeine Regeln in unserer kleinen Familie, die das tägliche Miteinander regeln und an die sich ausnahmslos jedes Familienmitglied zu halten hat. Das sind wir. Die Familie Miez.

Und dann sind da die Anderen.

Es gibt kaum andere Ansichten, die so kontrovers sind, wie die über die vermeintlich richtige Erziehung.

Da werden Regeln schnell zu Bevormundung, die Erläuterung von Konsequenzen zur Erpressung oder Drohung und die Durchsetzung von Konsequenzen zur Bestrafung. Man muss sich nur in die eine oder in die andere Ecke der Betrachter stellen um für oder gegen eine Art von Erziehung zu sein.

Der Experte hat es da gut. Mit gerade mal einem eigenen Kind und kaum selber an der Erziehung dieses beteiligt, weil ständig auf Reisen, kann man ganz wunderbar die Erziehungsmethoden anderer Menschen be- und verurteilen. Ich verrate Ihnen was. Als ich noch keine Kinder hatte, habe ich auch immer die richtige Umgangsweise mit diesem oder jenem Problem parat gehabt. Immerhin hatte ich Kinder in der Verwandtschaft und mal auf welche aufgepasst. Das war ja quasi  wie ein Erziehungswissen-Diplom. Ja, das war Sarkasmus. Ja, das war gratis.

Wir bemühen uns unsere Kinder weder zu erpressen, ihnen zu drohen noch sie zu bestrafen. Wir arbeiten ab und an mit dem Belohnungsprinzip, was auch nicht jedermanns Sache ist und zum Beispiel beim Quietschbeu auch nur sehr temporärem zum Erfolg führt. Viele Dinge kann man gerade beim Quietschbeu gut aussitzen. So bitte ich ihn zum Beispiel ein Spiel wegzuräumen, woraufhin er beginnt und protestieren und zu schimpfen. Ich ignoriere sein Gebaren, wiederhole meine Aufforderung und wende mich einer anderen Sache zu. In der Regel räumt er dann nach wenigen Minuten ohne Murren und Knurren das Spiel weg, wofür ich mich dann aber noch ehrlich bedanke.

Dem Löwenmäulchen und seiner „Mag is nis!“-Phase begegnen wir inzwischen auch sehr – nun ja, man könnte es gleichgültig nennen. Wenn er vor seinem Teller sitzt und „Mag is nis!“ schimpft, dann gehen wir da gar nicht drauf ein, sondern lassen ihn schimpfen. In den meisten Fällen beginnt er nach einigen Minuten dann einfach mit dem Essen. Wenn er etwas tatsächlich nicht mag – was er aber erst wissen kann, wenn er das Essen auch probiert hat – muss er es natürlich auch nicht essen. In der Regel können wir aber ernsthafte Ablehnung von Trotz-Ablehnung gut unterscheiden. Wenn er besonders stur und bockig ist und das Essen irgendwann offiziell beendet, dann räumen wir auch schon mal seinen vollen Teller ab. Egal, ob er dann beginnt zu heulen und zu schimpfen. Wir essen gemeinsam, als Familie. Das ist eine unserer Regeln. Auch gibt es keinen Nachtisch, wenn nicht wenigstens eine angemessene Portion der Hauptmahlzeit gegessen wurde. Das ist eine andere Regel.

Jede Familie muss ihre eigenen Regeln haben, die für sie selber stimmig und vertretbar sind. Und jedes Kind braucht individuellen Umgang und auf sein Wesen und seinen Charakter abgestimmte Erziehungsmethoden. Und ab und an muss man die als Eltern auch mal reflektieren, bewerten und gegebenenfalls überdenken.

Unser heutiges Ergebnis ist jedenfalls, dass wir in den kommenden Tagen besonders dem Quietschbeu mehr Geduld, Verständnis und Raum für seine eigenen Entscheidungen geben wollen, in der Hoffnung, dass er wieder mehr zu sich findet, weniger unruhig und vor allem weniger zappelig ist. Valium-Taktik deluxe also. Das kann funktionieren. Das kann aber auch total nach hinten losgehen.

Ich werde sicherlich wieder berichten. Je nach Reaktionen auf diesen Beitrag auch gerne. Wenn Sie verstehen. Gnihi.

Es wäre schön, wenn wir von Grundsatzdiskussionen zu Herrn Juuls Abstand nehmen könnten. Ich denke, das Mama Miez‘ Blog wäre da die falsche Plattform.

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Anette / Okt 4 2012

    Danke für den Artikel!

    Mein Hauptproblem ist nicht der Trotz (ich nenne ihn jetzt einfach mal so) meiner Tochter (4), das Problem bin ich. Ich arbeite zu viel, ich schlafe zu wenig, ich bin immer müde und dementsprechend gereizt. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass manche Dinge mich so wütend machen. Heute zum Beispiel: Bei der Ankündigung, jetzt Abendessen zu machen, sagte die Tochter, die lieber Schokolade essen wollte, diese aber nicht bekam: „Mama, du kochst immer so blöde Sachen, die ich gar nicht mag!“ Mein Verstand wusste, dass das erstens nicht wahr und zweitens nicht so gemeint war. Ich hätte gerne so reagiert, wie man reagieren sollte: Lachen, „ach geh!“ sagen, das Kind in den Arm nehmen und ihm irgendeinen Quatsch erzählen von Regenwurmsuppe mit Käfercroutons. So in die Richtung. Wir hätten beide gelacht und sie hätte mich gefragt, ob sie mir beim Kochen helfen darf. Die Realität sah leider anders aus. Ich war ernsthaft beleidigt und sauer, obwohl ich ja wusste, dass es nicht so gemeint war. Ich fauchte meine Tochter an, was für eine Unverschämtheit das sei und dass sie sich in Zukunft selbst um ihr Essen kümmern solle, wenn es ihr bei mir nicht schmecke. Völliger Unsinn, aber ich konnte nicht anders. In dem Moment.

    Und so was passiert leider täglich. Ich lasse mich viel zu leicht provozieren, bin empfindlich und gehe zu schnell an die Decke – und das liegt nicht an meinem Kind, sondern nur an mir selbst!

    Die Lösung „weniger arbeiten -> mehr schlafen“ ist leider im Moment nicht möglich. Es ist auch nicht nur der Mangel an Schlaf, sondern einfach die generelle Überbelastung durch Job (selbständig), zwei Kinder und Haushalt.

    Nun ja. Selbsterkenntnis ist ja bekanntlich der erste Weg zur Besserung. Oder gibt es noch einen Trick, wie ich zu mehr Nerven und mehr Humor im Alltag kommen könnte, auch mit nur 5 Stunden Schlaf pro Nacht?

    GLG
    Anette

    • tina / Okt 4 2012

      Liebe Anette,
      als berufstätige, alleinerziehende Mutter von zwei Kindern (3 und 6), weiß ich was du meinst. Nein ich kann über sowas auch nicht lachen, weil ich manchmal das Gefühl habe, dass für das tägliche Abstrampeln kein Dank rüberkommt. Meine Tochter freut sich über Kleinigkeiten aber ist eben auch schnell noch beim „darf ich das auch noch und dies und jenes“. Wie oft ich ihr da an den Kopf geworfen habe, dass sie „wohl den Hals nicht vollkriegt“ …. Der Junior macht mich mit seinen „Trotzphasen“ auch ziemlich fertig. Gerade abends, wenn ich nach dem Schlafengehen der beiden eigentlich noch Haushalt machen will, aber nicht kann weil er meint laut singen zu müssen. Grrrrrr.

      Trotzdem versuche ich, die Kindern am Ende eines Tages mit einem lieben Wort in den Schlaf zu schicken. Und wenn ich vorher sehr geschimpft habe, dann sage ich ihnen, dass das heute ein schlechter Tag war und wir morgen neu starten und jeder dann die Möglichkeit hat, es besser zu machen. Auch ich. Ich glaube, es hilft in dem Moment, dass ich mich aus dem Bessermachenmüssen nicht herausnehme. Ach ja, und das Knuddeln natürlich.

      • Anette / Okt 4 2012

        Hallo Tina,

        danke für Deine Antwort! Beruhigt schon, dass man nicht alleine ist. Ich bin zwar nicht offiziell alleinerziehend, aber mein Mann ist morgens nie und abends selten da, am Wochenende arbeite ich oft, so dass ich da nicht viel Entlastung erwarten kann. (Und ich hab auch noch einen „Kleinen“ mit 1,5 Jahren, aber der ist ja im Moment noch pflegeleicht.)

        Wir vertragen uns auch immer so schnell wie möglich wieder, allerspätestens beim Ins-Bett-Gehen. Trotzdem – viele Eskalationen könnte ich ganz einfach vermeiden, und wenn ich mal halbwegs ausgeschlafen bin, gelingt mir das auch meistens.

        Na ja, ich arbeite daran.

        Liebe Grüße und viel Kraft für Dich!
        Anette

        • tina / Okt 4 2012

          Hihi, manchmal erhole ich mich auf Arbeit von den Kids.
          Klingt schlimm, ist aber so.
          Und auch völlig in Ordnung.
          LG Tina

  2. Anonyma / Okt 4 2012

    Hallo,

    gerade habe ich noch gedacht, daß es schön wäre, wenn Frau Miez auch etwas zur Erziehung schreiben könnte, da ist es auch schon da. Ich habe heute nämlich ein ziemliches Problem mit meinem 7 jährigen Sohn gehabt, welches mich jetzt schlaflos sein läßt, weil es mich immer noch sehr beschäftigt. Mein Sohn weigert sich zur Zeit bei fast allem, was ich sage, oder um was ich ihn bitte. Heute sollte er nur mal 2 Jacken anprobieren, damit ich sehe, welche für den Winter gekauft wird. Auch da weigerte er sich. Ich war sowieso schon ziemlich gereizt, wegen Erkältung, Kopfweh und Halsweh und da bin ich sehr laut geworden und fühlte mich extrem aggressiv. Dann ließ er kurz drauf auch noch mein neues Buch schwimmen, weil er aus Versehen Wasser draufschüttete und ich klebte unter der Decke und war nur noch laut. Er weinte und sagte daraufhin, daß ich ihn nicht mehr lieb hätte und ihm das Herz gebrochen hätte. Erst da kam ich wieder runter und konnte mich ehrlich bei ihm entschuldigen und wir nahmen uns in die Arme und sagten uns, wie lieb wir uns doch haben. Ich bin aber immer noch erschüttert, daß mich so kleine Sachen total aus der Bahn werfen können und möchte dies in Zukunft auf jeden Fall vermeiden. Haben Sie nicht einen Lösungsvorschlag für mich, daß ich wieder so eine liebevolle Mama seine kann, wie ich gerne möchte??
    LG Anonyma

  3. fishly / Okt 4 2012

    Frau Miez, das macht Sie sehr sympathisch, dass sie des abends noch einmal den erzieherischen Alltag revue passieren lassen. Ich bin überzeugt, dass der einzige Weg zu einer guten Erziehung die Reflektion ist.
    Falls Sie tatsächlich noch etwas zu dem Thema lesen wollen, kann ich ihnen „How to talk so kids will listen and how to listen so kids will talk“ ans Herz legen. Das scheint mir vom Stil dem Ihrigen sehr ähnlich und ist außerdem von zwei Müttern mit Praxiserfahrung geschrieben. Mir ist das dann auch allemal lieber als eine wissenschaftliche Theorie.

  4. Marei / Okt 4 2012

    Die Quintessenz, die ich aus deinem Beitrag ziehe ist: Jede Familie muss einen Weg finden, mit der sie den Alltag gut meistern kann und es allem Familienmitgliedern gut geht. Und das ist dann für diese Familie der richtige Weg.
    Ich nehme da gewisse Extreme einfach mal aus, aber dem würde ich mich absolut anschließen. Was hilft es denn, wenn in der Theorie einer Forschergruppe eine bestimmte Verhaltensweise am besten funktioniert, wenn sie nun mal einfach nicht anwendbar ist? Abgesehen davon gibt es ja zu jeder Theorie auf dem Markt der Erziehungsratgeber auch garantiert das Invers, welches ebenso als eierlegende Wollmilchsau und Stein der Weisen verkauft wird.

    Man darf ja nun mal nicht vergessen, dass wir eben doch nicht alle gleich sind, weder Eltern noch Kinder, so ähnlich wir uns vielleicht sein mögen…
    Und dass wir eben doch alle Menschen sind, die sich nicht immer perfekt verhalten, selbst wenn sie sich ihr Regelwerk selbst stricken…

  5. Kerstin / Okt 4 2012

    Schön geschrieben, danke!
    Ich finde ich in vielem wieder.

    Und die Nerven, ja, und die Geduld, an denen arbeite ich auch täglich! Aber ich kann berichten das es tatsächlich besser wir, mein 8 1/2 jähriger zeigt es mir. Es ist nun nicht so, das ab da alles supidupi ist, aber das trotzige, das ist schon mal durch – jetzt kommt das vor-pubertäre! Das ist auch nicht immer einfach, aber irgendwie anders ;o)

    Viele Grüße aus Hannover ;o)
    Kerstin

  6. AnJu / Okt 4 2012

    Bei unserem trotzenden Dreijährigen ist mir aufgefallen, dass er ausgeglichener ist, wenn er über den Tag etwas Exklusivzeit mit Mama oder Papa hatte. Etwas Zeit, in der man sich komplett auf ihn einlässt, mit ihm das spielt, was er möchte und sich nicht nebenher mit was anderem beschäftigt. Der kleine Bruder darf dabei sein, wenn der Große damit einverstanden ist. Sonst wird der in der Zeit vom jeweils anderen Elternteil betreut. Danach sind alle entspannter und es wird weniger geschrien und gestritten.

    • Sonni / Okt 4 2012

      ein sehr guter Tipp- den ich so nur unterschreiben kann :-)

  7. tina / Okt 4 2012

    Liebe Mama Miez,
    gerade die Essensituation mit dem „mag ich nicht“ kenn ich nur zu gut.Die läuft bei uns genauso ab. Wenn mein Junior dazu nocht die „trotzphase“ bekommt und sich komplett verweigert, brüllt, erstarrt und nicht mehr ansprechbar ist, hilft nunmal auch nix anderes, als ihn aus gefährlichen Situationen herauszuzerren. Wenn er das tut, ist es für mich ein sicheres Zeichen, dass er von was auch immer überfordert ist. Manchmal fällt mir sofort ein, was nicht passt, manchmal dauert es Tage. Je länger es dauert, umso mehr unschöne Situationen gibt es.

    Danke übrigens für deine Beschreibung der „Experten“. Ich kann mir das Grinsen meist nicht verkneifen, wenn Schwangere erst über Stoffwindeln schwadronieren und dann später Wegwerfwindeln benutzen und dies mit dem Schreikind-Streß rechtfertigen. Nur so als Beispiel.

    LG Tina

  8. Mama arbeitet / Okt 4 2012

    Liebe Mama Miez,

    ich kann mir die Szene lebhaft vorstellen. Meine Jüngste trotzte auch extrem diesen Sommer, und es war mir nicht gegeben, sie da „auf Augenhöhe“ und geduldig zu behandeln, weil das schlicht und einfach lebensgefährlich für sie gewesen wäre.

    Unter den Arm klemmen und raus aus der Gefahrenzone, das ist manchmal der einzige Weg. Mein Gefühl ist, dass meine Tochter genau diese Reaktion zuverlässig und mehrfach provozieren wollte, um zu sehen, ob ich ihr das wirklich nicht durchgehen lasse.

    Natürlich stimmt der Juulsche Satz „Kinder suchen keine Grenzen. Sie wollen Kontakt.“ Ich interpretiere das allerdings so, dass der Kontakt gelegentlich auch die Form einer Kollision annehmen kann, so ähnlich wie bei Boxautos auf dem Rummel. Und da bin ich eben der Chef.

    Und Respekt dafür, dass du mit deinem Mann den elterlichen Erziehungsstil reflektierst. Das finde ich beneidenswert. Klasse.

    Herzlich, Christine

  9. Ramona / Okt 4 2012

    Ich weiss nicht ob es Juul war oder Rosenberg, aber einer der beiden hat in seinen Erziehungsratgeberein auch gesat, daß solche Situationen an der Ampel zur Sicherheit dienen und Ausnahmen sind. Ich gehe nicht davon aus, daß einer der Erziehungsberater da erwartet, daß man verständnisvoll das Kind bei Rot über die Strasse laufen lässt. Ich glaube, es geht generell um ein anderes Gesamtverständnis in Sachen Beziehung zu seinen Kindern. Wenn man an seiner inneren Einstellung arbeitet und reflektiert (was ihr ja auch tut), dann kann man diese auch in den richtigen Momenten auf die brenzligen Alltagssituationen anwenden. Mal mehr, mal weniger erfolgreich. Ich bin kein Anhänger irgendeines Erziehungsberaters, hole mir aber immer wieder gern die ein oder andere Inspiration aus dem Pool der schlauen Gedanken und probiere aus, was bei uns am besten funktioniert und sich stimmig anfühlt.

    Schön, daß ihr auch im Gespräch bleibt über solche Themen. Das fehlt in so vielen Familien. Wir sind da sehr dankbar für den Kindergarten. Der regt durch sein pädagogisches Konzept (Elternabende mit Partnerübungen und Vorträgen vorallem Richtung Emi Pikler) sehr zum reflektieren an. Insgesamt klappt es bei uns auch recht gut. Die sogenannte Trotzphase war beim Wolf nie wirklich so ausgeprägt, wie ich es von anderen Müttern so höre oder lese. Momentan ist es immer mal schwierig, weil er noch etwas überfordert von den ganzen Veränderungen ist. Dann eskaliert auch schon mal die ein oder andere Situation.

    • Frau Zausel / Okt 4 2012

      Jep, Juuls macht bei Situationen, wo es um die Gesundheit und das Leben der Kinder geht absolute Ausnahmen. Und dann schränkt er auch noch weiter ein, denn man sollte ja auch seine eigenen Grenzen definieren, was ist einem persönlich ganz wichtig (ist ja bei jedem sehr individuell) und was geht so gar nicht. Wenn diese Grenze überschritten ist, dann darf man auch als Eltern eines Kindes, das in der sogenannten Trotzphase steckt, durchaus diese einfordern. Gerade das mit dem eigenen Grenzen definieren, hat mir immer ungemein geholfen. Ausserdem gibt es durchaus auch Kinder, die gerade in einer schwierigen Phasen regelrecht nach Grenzen brüllen. Bei meiner Tochter war das so, hätte ich die dann nicht gezogen, hätte sie was Neues gefunden und falls ich das auch noch umschifft hätte, wäre sie trotzdem ausgetickt, weil das rechte Haar hinterm Ohr nicht richtig liegt. ;-) Aushalten und Halt geben, war dann meine Devise. Wir haben relativ schnell gemerkt, wann man ihr mehr Freiheiten und Wahlmöglichkeiten geben konnte und wann man die Grenzen tatsächlich enger stecken muss, um ihr Sicherheit zu geben. LG Frau Zausel

  10. Cynthia / Okt 4 2012

    Ich sehe das genau so, dass jede Familie ihre Regeln aufstellen und einhalten muss. Wenn es einem die anderen nicht immer so schwer machen würden… Ich finde zum Beispiel, dass Konsequenz das A und O ist. Wenn wir bei Bekannten sind, die ebenfalls Kinder haben und ich nach dem X-ten Keks sage „jetzt ist Schluss mit Naschen“ dann meine ich das auch so. Meine Kinder halten sich in der Regel auch dran. Und sollte doch eine von beiden einen weiteren Keks nehmen, würde ich ihn sofort wieder wegnehmen. Wenn dann jedoch die befreundeten Kinder, die dieselbe Ansage erhalten haben einfach fröhlich weitermampfen und von der Mutter nur ein Seufzen kommt, ärgert mich das. Denn dann fragen meine Kinder zu Recht „warum dürfen die weiteressen?“ Das macht es manchmal leider schwierig… Aber ich fürchte, daran muss ich mich gewöhnen. Es wird immer ein „aber die anderen Mamas erlauben das auch!“ geben… Ich erinnere mich dunkel… :-)

    • Mama Miez / Okt 4 2012

      Das ist so ein bisschen wie die Brotdose-Thematik. Es gibt die Kindergarten-Regel, dass KEIN süßes Frühstück mitgebracht wird. Und ich empfinde es als unnötig und unsozial, wenn mich andere Eltern jeden Morgen dazu zwingen meinem Kind zu erklären, warum es kein Nutellabrot dabei hat, aber der N. und der M. fröhlich eins mampfen dürfen.

      • Frau Ährenwort / Okt 4 2012

        Ich erinnere mich noch an den Satz meiner Mutter “ Und wenn die anderen aus dem Fenster springen, springst Du auch hinterher, was?“

        Da war ich zwar schön älter, kommt aber aufs Gleiche heraus :-)

  11. Sonni / Okt 4 2012

    Hallo Mama Miez,

    ich mache seit längerem einen großen Bogen um jegliche Erziehungsratgeber, Entwicklungskalender uä Literatur.
    Bei meinem ersten Kind (jetzt 4) meinte ich noch alles lesen/ wissen zu müssen, worauf ich mich total verrückt gemacht hatte, da mein Kind entwicklungsmäßig nicht der offziellen „Norm“ entsprach.
    Mittlerweile vertrete ich als 2-fach Mama (2 Kind 17 Monate) die Meinung,
    wieder viel mehr auf das eigene Bauchgefühl zu hören und intuitiv zu handeln.
    (Es kommt also auch immer auf das wann, wie und wo an)
    Klar, jeder macht mal Fehler, Eltern wie Kinder.
    Wichtig finde ich auch, einen positiven Tagesabschluss zu finden, es gibt eben jeden Morgen wieder einen gemeinsamen Neustart.
    Ich kann also den Artikel (wieder mal) nur unterschreiben. Danke dafür :-)
    LG

  12. Christina / Okt 4 2012

    Hallo Frau Miez!
    Seit einigen Wochen nun lese ich Ihren Blog und verfolge die posts auf facebook. Ich bewundere ihre Offenheit und wollte mich einfach mal bedanken.
    Meine Eltern haben mich ähnlich erzogen, wie Sie das mit ihren zwei Jungs tun. Tatsächlich bin ich der Meinung, eine gute Erziehung genossen zu haben. Ich finde es großartig, zu lesen bzw schriftlich zu haben, was ich in ein bis zwei Jahren bei meinem eigenen Sohn einsetzten möchte. Da ich noch sehr jung bin, sind Sie ein Vorbild für mich.
    Viel Erfolg mit dem Quietschbeu, ich würde mich über weitere Berichterstattung freuen!
    Gruß, Christina

  13. Nadine / Okt 5 2012

    Hey, ich wollte Dir nur noch schnell eine Hinweis geben, auch wenn es umständlich ist! Aber ich bin ins plaudern gekommen und habe ein wenig zu viel geschrieben! Deshalb habe ich meins auf meinem Blog gelegt. Falls es Dich interessiert. Obwohl ich eigentlich dachte, das Thema wäre noch nichts für mich, bin ich doch ein wenig ausufernd geworden. Und ich will jetzt nichts so wirklich auseinander nehmen!
    http://das-leben-einer-nicht-elfe.blogspot.de/

    Kannst den Kommentar auch gerne löschen! Ist ja nur für Dich.
    LG

  14. Kat / Okt 5 2012

    Ich hoffe nun aber das ich viele Kommentatorinnen missverstehe und sie sich nicht gänzlich versagen auch als liebende Mutter mal „unter die Decke“ zu gehen?
    Natürlich soll man sein Kind nicht bei jeder „Trotz“-Phase anpflaumen, aber das auch Mami mal (verbal!) die Fassung verlieren kann, ist doch nicht nur schlecht für das Kind. Meiner Meinung nach lernt es dadurch das eben auch Mama ein denkender, fühlender Mensch ist.

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