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22 Heulsusen

  1. Danke für den Artikel!

    Mein Hauptproblem ist nicht der Trotz (ich nenne ihn jetzt einfach mal so) meiner Tochter (4), das Problem bin ich. Ich arbeite zu viel, ich schlafe zu wenig, ich bin immer müde und dementsprechend gereizt. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass manche Dinge mich so wütend machen. Heute zum Beispiel: Bei der Ankündigung, jetzt Abendessen zu machen, sagte die Tochter, die lieber Schokolade essen wollte, diese aber nicht bekam: „Mama, du kochst immer so blöde Sachen, die ich gar nicht mag!“ Mein Verstand wusste, dass das erstens nicht wahr und zweitens nicht so gemeint war. Ich hätte gerne so reagiert, wie man reagieren sollte: Lachen, „ach geh!“ sagen, das Kind in den Arm nehmen und ihm irgendeinen Quatsch erzählen von Regenwurmsuppe mit Käfercroutons. So in die Richtung. Wir hätten beide gelacht und sie hätte mich gefragt, ob sie mir beim Kochen helfen darf. Die Realität sah leider anders aus. Ich war ernsthaft beleidigt und sauer, obwohl ich ja wusste, dass es nicht so gemeint war. Ich fauchte meine Tochter an, was für eine Unverschämtheit das sei und dass sie sich in Zukunft selbst um ihr Essen kümmern solle, wenn es ihr bei mir nicht schmecke. Völliger Unsinn, aber ich konnte nicht anders. In dem Moment.

    Und so was passiert leider täglich. Ich lasse mich viel zu leicht provozieren, bin empfindlich und gehe zu schnell an die Decke – und das liegt nicht an meinem Kind, sondern nur an mir selbst!

    Die Lösung „weniger arbeiten -> mehr schlafen“ ist leider im Moment nicht möglich. Es ist auch nicht nur der Mangel an Schlaf, sondern einfach die generelle Überbelastung durch Job (selbständig), zwei Kinder und Haushalt.

    Nun ja. Selbsterkenntnis ist ja bekanntlich der erste Weg zur Besserung. Oder gibt es noch einen Trick, wie ich zu mehr Nerven und mehr Humor im Alltag kommen könnte, auch mit nur 5 Stunden Schlaf pro Nacht?

    GLG
    Anette

    • Liebe Anette,
      als berufstätige, alleinerziehende Mutter von zwei Kindern (3 und 6), weiß ich was du meinst. Nein ich kann über sowas auch nicht lachen, weil ich manchmal das Gefühl habe, dass für das tägliche Abstrampeln kein Dank rüberkommt. Meine Tochter freut sich über Kleinigkeiten aber ist eben auch schnell noch beim „darf ich das auch noch und dies und jenes“. Wie oft ich ihr da an den Kopf geworfen habe, dass sie „wohl den Hals nicht vollkriegt“ …. Der Junior macht mich mit seinen „Trotzphasen“ auch ziemlich fertig. Gerade abends, wenn ich nach dem Schlafengehen der beiden eigentlich noch Haushalt machen will, aber nicht kann weil er meint laut singen zu müssen. Grrrrrr.

      Trotzdem versuche ich, die Kindern am Ende eines Tages mit einem lieben Wort in den Schlaf zu schicken. Und wenn ich vorher sehr geschimpft habe, dann sage ich ihnen, dass das heute ein schlechter Tag war und wir morgen neu starten und jeder dann die Möglichkeit hat, es besser zu machen. Auch ich. Ich glaube, es hilft in dem Moment, dass ich mich aus dem Bessermachenmüssen nicht herausnehme. Ach ja, und das Knuddeln natürlich.

      • Hallo Tina,

        danke für Deine Antwort! Beruhigt schon, dass man nicht alleine ist. Ich bin zwar nicht offiziell alleinerziehend, aber mein Mann ist morgens nie und abends selten da, am Wochenende arbeite ich oft, so dass ich da nicht viel Entlastung erwarten kann. (Und ich hab auch noch einen „Kleinen“ mit 1,5 Jahren, aber der ist ja im Moment noch pflegeleicht.)

        Wir vertragen uns auch immer so schnell wie möglich wieder, allerspätestens beim Ins-Bett-Gehen. Trotzdem – viele Eskalationen könnte ich ganz einfach vermeiden, und wenn ich mal halbwegs ausgeschlafen bin, gelingt mir das auch meistens.

        Na ja, ich arbeite daran.

        Liebe Grüße und viel Kraft für Dich!
        Anette

  2. Anonyma

    Hallo,

    gerade habe ich noch gedacht, daß es schön wäre, wenn Frau Miez auch etwas zur Erziehung schreiben könnte, da ist es auch schon da. Ich habe heute nämlich ein ziemliches Problem mit meinem 7 jährigen Sohn gehabt, welches mich jetzt schlaflos sein läßt, weil es mich immer noch sehr beschäftigt. Mein Sohn weigert sich zur Zeit bei fast allem, was ich sage, oder um was ich ihn bitte. Heute sollte er nur mal 2 Jacken anprobieren, damit ich sehe, welche für den Winter gekauft wird. Auch da weigerte er sich. Ich war sowieso schon ziemlich gereizt, wegen Erkältung, Kopfweh und Halsweh und da bin ich sehr laut geworden und fühlte mich extrem aggressiv. Dann ließ er kurz drauf auch noch mein neues Buch schwimmen, weil er aus Versehen Wasser draufschüttete und ich klebte unter der Decke und war nur noch laut. Er weinte und sagte daraufhin, daß ich ihn nicht mehr lieb hätte und ihm das Herz gebrochen hätte. Erst da kam ich wieder runter und konnte mich ehrlich bei ihm entschuldigen und wir nahmen uns in die Arme und sagten uns, wie lieb wir uns doch haben. Ich bin aber immer noch erschüttert, daß mich so kleine Sachen total aus der Bahn werfen können und möchte dies in Zukunft auf jeden Fall vermeiden. Haben Sie nicht einen Lösungsvorschlag für mich, daß ich wieder so eine liebevolle Mama seine kann, wie ich gerne möchte??
    LG Anonyma

  3. fishly

    Frau Miez, das macht Sie sehr sympathisch, dass sie des abends noch einmal den erzieherischen Alltag revue passieren lassen. Ich bin überzeugt, dass der einzige Weg zu einer guten Erziehung die Reflektion ist.
    Falls Sie tatsächlich noch etwas zu dem Thema lesen wollen, kann ich ihnen „How to talk so kids will listen and how to listen so kids will talk“ ans Herz legen. Das scheint mir vom Stil dem Ihrigen sehr ähnlich und ist außerdem von zwei Müttern mit Praxiserfahrung geschrieben. Mir ist das dann auch allemal lieber als eine wissenschaftliche Theorie.

  4. Marei

    Die Quintessenz, die ich aus deinem Beitrag ziehe ist: Jede Familie muss einen Weg finden, mit der sie den Alltag gut meistern kann und es allem Familienmitgliedern gut geht. Und das ist dann für diese Familie der richtige Weg.
    Ich nehme da gewisse Extreme einfach mal aus, aber dem würde ich mich absolut anschließen. Was hilft es denn, wenn in der Theorie einer Forschergruppe eine bestimmte Verhaltensweise am besten funktioniert, wenn sie nun mal einfach nicht anwendbar ist? Abgesehen davon gibt es ja zu jeder Theorie auf dem Markt der Erziehungsratgeber auch garantiert das Invers, welches ebenso als eierlegende Wollmilchsau und Stein der Weisen verkauft wird.

    Man darf ja nun mal nicht vergessen, dass wir eben doch nicht alle gleich sind, weder Eltern noch Kinder, so ähnlich wir uns vielleicht sein mögen…
    Und dass wir eben doch alle Menschen sind, die sich nicht immer perfekt verhalten, selbst wenn sie sich ihr Regelwerk selbst stricken…

  5. Kerstin

    Schön geschrieben, danke!
    Ich finde ich in vielem wieder.

    Und die Nerven, ja, und die Geduld, an denen arbeite ich auch täglich! Aber ich kann berichten das es tatsächlich besser wir, mein 8 1/2 jähriger zeigt es mir. Es ist nun nicht so, das ab da alles supidupi ist, aber das trotzige, das ist schon mal durch – jetzt kommt das vor-pubertäre! Das ist auch nicht immer einfach, aber irgendwie anders ;o)

    Viele Grüße aus Hannover ;o)
    Kerstin

  6. Bei unserem trotzenden Dreijährigen ist mir aufgefallen, dass er ausgeglichener ist, wenn er über den Tag etwas Exklusivzeit mit Mama oder Papa hatte. Etwas Zeit, in der man sich komplett auf ihn einlässt, mit ihm das spielt, was er möchte und sich nicht nebenher mit was anderem beschäftigt. Der kleine Bruder darf dabei sein, wenn der Große damit einverstanden ist. Sonst wird der in der Zeit vom jeweils anderen Elternteil betreut. Danach sind alle entspannter und es wird weniger geschrien und gestritten.

  7. Liebe Mama Miez,
    gerade die Essensituation mit dem „mag ich nicht“ kenn ich nur zu gut.Die läuft bei uns genauso ab. Wenn mein Junior dazu nocht die „trotzphase“ bekommt und sich komplett verweigert, brüllt, erstarrt und nicht mehr ansprechbar ist, hilft nunmal auch nix anderes, als ihn aus gefährlichen Situationen herauszuzerren. Wenn er das tut, ist es für mich ein sicheres Zeichen, dass er von was auch immer überfordert ist. Manchmal fällt mir sofort ein, was nicht passt, manchmal dauert es Tage. Je länger es dauert, umso mehr unschöne Situationen gibt es.

    Danke übrigens für deine Beschreibung der „Experten“. Ich kann mir das Grinsen meist nicht verkneifen, wenn Schwangere erst über Stoffwindeln schwadronieren und dann später Wegwerfwindeln benutzen und dies mit dem Schreikind-Streß rechtfertigen. Nur so als Beispiel.

    LG Tina

  8. Liebe Mama Miez,

    ich kann mir die Szene lebhaft vorstellen. Meine Jüngste trotzte auch extrem diesen Sommer, und es war mir nicht gegeben, sie da „auf Augenhöhe“ und geduldig zu behandeln, weil das schlicht und einfach lebensgefährlich für sie gewesen wäre.

    Unter den Arm klemmen und raus aus der Gefahrenzone, das ist manchmal der einzige Weg. Mein Gefühl ist, dass meine Tochter genau diese Reaktion zuverlässig und mehrfach provozieren wollte, um zu sehen, ob ich ihr das wirklich nicht durchgehen lasse.

    Natürlich stimmt der Juulsche Satz „Kinder suchen keine Grenzen. Sie wollen Kontakt.“ Ich interpretiere das allerdings so, dass der Kontakt gelegentlich auch die Form einer Kollision annehmen kann, so ähnlich wie bei Boxautos auf dem Rummel. Und da bin ich eben der Chef.

    Und Respekt dafür, dass du mit deinem Mann den elterlichen Erziehungsstil reflektierst. Das finde ich beneidenswert. Klasse.

    Herzlich, Christine

  9. Ich weiss nicht ob es Juul war oder Rosenberg, aber einer der beiden hat in seinen Erziehungsratgeberein auch gesat, daß solche Situationen an der Ampel zur Sicherheit dienen und Ausnahmen sind. Ich gehe nicht davon aus, daß einer der Erziehungsberater da erwartet, daß man verständnisvoll das Kind bei Rot über die Strasse laufen lässt. Ich glaube, es geht generell um ein anderes Gesamtverständnis in Sachen Beziehung zu seinen Kindern. Wenn man an seiner inneren Einstellung arbeitet und reflektiert (was ihr ja auch tut), dann kann man diese auch in den richtigen Momenten auf die brenzligen Alltagssituationen anwenden. Mal mehr, mal weniger erfolgreich. Ich bin kein Anhänger irgendeines Erziehungsberaters, hole mir aber immer wieder gern die ein oder andere Inspiration aus dem Pool der schlauen Gedanken und probiere aus, was bei uns am besten funktioniert und sich stimmig anfühlt.

    Schön, daß ihr auch im Gespräch bleibt über solche Themen. Das fehlt in so vielen Familien. Wir sind da sehr dankbar für den Kindergarten. Der regt durch sein pädagogisches Konzept (Elternabende mit Partnerübungen und Vorträgen vorallem Richtung Emi Pikler) sehr zum reflektieren an. Insgesamt klappt es bei uns auch recht gut. Die sogenannte Trotzphase war beim Wolf nie wirklich so ausgeprägt, wie ich es von anderen Müttern so höre oder lese. Momentan ist es immer mal schwierig, weil er noch etwas überfordert von den ganzen Veränderungen ist. Dann eskaliert auch schon mal die ein oder andere Situation.

    • Jep, Juuls macht bei Situationen, wo es um die Gesundheit und das Leben der Kinder geht absolute Ausnahmen. Und dann schränkt er auch noch weiter ein, denn man sollte ja auch seine eigenen Grenzen definieren, was ist einem persönlich ganz wichtig (ist ja bei jedem sehr individuell) und was geht so gar nicht. Wenn diese Grenze überschritten ist, dann darf man auch als Eltern eines Kindes, das in der sogenannten Trotzphase steckt, durchaus diese einfordern. Gerade das mit dem eigenen Grenzen definieren, hat mir immer ungemein geholfen. Ausserdem gibt es durchaus auch Kinder, die gerade in einer schwierigen Phasen regelrecht nach Grenzen brüllen. Bei meiner Tochter war das so, hätte ich die dann nicht gezogen, hätte sie was Neues gefunden und falls ich das auch noch umschifft hätte, wäre sie trotzdem ausgetickt, weil das rechte Haar hinterm Ohr nicht richtig liegt. ;-) Aushalten und Halt geben, war dann meine Devise. Wir haben relativ schnell gemerkt, wann man ihr mehr Freiheiten und Wahlmöglichkeiten geben konnte und wann man die Grenzen tatsächlich enger stecken muss, um ihr Sicherheit zu geben. LG Frau Zausel

  10. Cynthia

    Ich sehe das genau so, dass jede Familie ihre Regeln aufstellen und einhalten muss. Wenn es einem die anderen nicht immer so schwer machen würden… Ich finde zum Beispiel, dass Konsequenz das A und O ist. Wenn wir bei Bekannten sind, die ebenfalls Kinder haben und ich nach dem X-ten Keks sage „jetzt ist Schluss mit Naschen“ dann meine ich das auch so. Meine Kinder halten sich in der Regel auch dran. Und sollte doch eine von beiden einen weiteren Keks nehmen, würde ich ihn sofort wieder wegnehmen. Wenn dann jedoch die befreundeten Kinder, die dieselbe Ansage erhalten haben einfach fröhlich weitermampfen und von der Mutter nur ein Seufzen kommt, ärgert mich das. Denn dann fragen meine Kinder zu Recht „warum dürfen die weiteressen?“ Das macht es manchmal leider schwierig… Aber ich fürchte, daran muss ich mich gewöhnen. Es wird immer ein „aber die anderen Mamas erlauben das auch!“ geben… Ich erinnere mich dunkel… :-)

    • Das ist so ein bisschen wie die Brotdose-Thematik. Es gibt die Kindergarten-Regel, dass KEIN süßes Frühstück mitgebracht wird. Und ich empfinde es als unnötig und unsozial, wenn mich andere Eltern jeden Morgen dazu zwingen meinem Kind zu erklären, warum es kein Nutellabrot dabei hat, aber der N. und der M. fröhlich eins mampfen dürfen.

  11. Sonni

    Hallo Mama Miez,

    ich mache seit längerem einen großen Bogen um jegliche Erziehungsratgeber, Entwicklungskalender uä Literatur.
    Bei meinem ersten Kind (jetzt 4) meinte ich noch alles lesen/ wissen zu müssen, worauf ich mich total verrückt gemacht hatte, da mein Kind entwicklungsmäßig nicht der offziellen „Norm“ entsprach.
    Mittlerweile vertrete ich als 2-fach Mama (2 Kind 17 Monate) die Meinung,
    wieder viel mehr auf das eigene Bauchgefühl zu hören und intuitiv zu handeln.
    (Es kommt also auch immer auf das wann, wie und wo an)
    Klar, jeder macht mal Fehler, Eltern wie Kinder.
    Wichtig finde ich auch, einen positiven Tagesabschluss zu finden, es gibt eben jeden Morgen wieder einen gemeinsamen Neustart.
    Ich kann also den Artikel (wieder mal) nur unterschreiben. Danke dafür :-)
    LG

  12. Christina

    Hallo Frau Miez!
    Seit einigen Wochen nun lese ich Ihren Blog und verfolge die posts auf facebook. Ich bewundere ihre Offenheit und wollte mich einfach mal bedanken.
    Meine Eltern haben mich ähnlich erzogen, wie Sie das mit ihren zwei Jungs tun. Tatsächlich bin ich der Meinung, eine gute Erziehung genossen zu haben. Ich finde es großartig, zu lesen bzw schriftlich zu haben, was ich in ein bis zwei Jahren bei meinem eigenen Sohn einsetzten möchte. Da ich noch sehr jung bin, sind Sie ein Vorbild für mich.
    Viel Erfolg mit dem Quietschbeu, ich würde mich über weitere Berichterstattung freuen!
    Gruß, Christina

  13. Hey, ich wollte Dir nur noch schnell eine Hinweis geben, auch wenn es umständlich ist! Aber ich bin ins plaudern gekommen und habe ein wenig zu viel geschrieben! Deshalb habe ich meins auf meinem Blog gelegt. Falls es Dich interessiert. Obwohl ich eigentlich dachte, das Thema wäre noch nichts für mich, bin ich doch ein wenig ausufernd geworden. Und ich will jetzt nichts so wirklich auseinander nehmen!
    http://das-leben-einer-nicht-elfe.blogspot.de/

    Kannst den Kommentar auch gerne löschen! Ist ja nur für Dich.
    LG

  14. Ich hoffe nun aber das ich viele Kommentatorinnen missverstehe und sie sich nicht gänzlich versagen auch als liebende Mutter mal „unter die Decke“ zu gehen?
    Natürlich soll man sein Kind nicht bei jeder „Trotz“-Phase anpflaumen, aber das auch Mami mal (verbal!) die Fassung verlieren kann, ist doch nicht nur schlecht für das Kind. Meiner Meinung nach lernt es dadurch das eben auch Mama ein denkender, fühlender Mensch ist.

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