Schäfchenwolken

Meine Finger klammern sich um die Kette, welche die Schaukel mit dem Holzgerüst verbindet, an dem sie hängt. Noch ein Stückchen höher und ich kann bestimmt die dicke Schäfchenwolke da oben links anfassen, oder auch die dahinter? Mit einer Hand lasse ich die Kette los und schnappe mit dieser nach den Wolken, wenn die Schaukel sich auf den Weg in den Himmel befindet. „Was machst Du da?“, fragt mich eine piepsige Stimme neben mir, die dann und wann mit mir im Takt schaukelt.

„Ich schnappe nach den Wolken.“, antworte ich grinsend und sehe, wie die Piepsstimme neben mir einen Moment nachzudenken scheint. Dann sagt sie plötzlich. „Bist Du eigentlich ein Kind oder ein Erwachsener?“

Mein Schaukeln wird, von der Frage ein wenig überrumpelt, langsamer und mein „Wieso?“ klingt neugierig, nicht verwundert.

„Na, weil Du so viel mit mir spielst. Schaukeln, Wippen, Malen und so.“ Ich muss grinsen, als ich die kindliche Logik hinter der Frage erkenne. „Ich bin erwachsen, aber darum spiele ich immer noch gerne. Weiß Du, wenn man groß wird, dann hört das ‚Spielen wollen‘ ja nicht auf. Die meisten Erwachsenen glauben wohl, sie dürften nicht mehr spielen, wenn sie groß sind. Das stimmt aber gar nicht.“ Ihre Miene sieht ein wenig nachdenklich aus, als sie mir mit einem „Ach so.“ antwortet.

Ich beobachte sie von der Seite. „Magst Du es denn, wenn ich mit Dir Schaukel und spiele?“ Das heftige Kopfnicken und das gegackerte „Ja!“ überzeugen mich davon, dass ich ruhig noch lange so bleiben kann, wie ich bin.

Dann schaukeln Prinzessin L. und ich wieder um die Wette und schnappen gemeinsam nach Schäfchenwolken.

Eine nehme ich später mit nach Hause, in einem unsichtbaren Wolkennetz, und lege sie abends in mein Bett. Denn auf Schäfchenwolken lässt sich besonders gut schlafen.

Print Friendly, PDF & Email
-Anzeige-

8 Kommentare

Kommentar verfassen

-Anzeige-