Bis einer heult! • solche Momente
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9. Februar 2010 | Pia Drießen

solche Momente

Gestern Abend hatte ich nach vielen, vielen Wochen mal wieder so ein Erlebnis mit dem Quietschbeu, das mir die Tränen in die Augen trieb. Der Quietschbeu zahnt (schon wieder!!!) und sabbert dabei wie ein König. Den ganzen Tag hat er die Händchen im Mund, ist aber an sich tapfer und weint nicht zu viel. Aber wenn es ans Essen geht, speziell an Nahrung die er kauen und beißen muss, dann ist aktuell bei ihm Schluss.

Beim Abendbrot fing er noch mit dem ersten Stückchen Frischkäsebrot sofort fürchterlich an zu weinen, dann zu schreien und schließlich um sich zu schlagen. Binnen kürzester Zeit steigerte er sich in solch eine Hysterie, dass ich gar nicht mehr an ihn ran kam und ihn auch nicht mit Trinken, Singen, Tragen beruhigen konnte.

Nun wiegt der Quietschbeu inzwischen gute 10 Kilogramm und ich bin gute 21. Wochen schwanger. Sie erkennen mein Dilemma. Ich konnte ihn einfach nicht mehr tragen. Er wurde zu schwer. Also setzte ich mich mit ihm auf den Fußboden, umklammerte seine Ärmchen, damit er weder sich noch mit Schlagen oder Kratzen konnte (ganz, ganz fürchterlich ist es, wenn er sich selber an den Haaren reißt oder sich mit der einen Hand die andere blutig kratzt) und wartete.

Ich summte, ich wiegte, ich sang leise. Ich sprach ihn an, pustete ihm sachte ins Gesicht. Nix. Völlig unerreichbar.

Nach einer Stunde (!!!) kam endlich der Miezmann nach Hause, fand seinen Sohn und mich Rotz und Wasser heulend auf dem Boden sitzen und war sofort zur Stelle. Es dauerte vielleicht zwei Minuten und der Quietschbeu hatte sich auf Papas Arm beruhigt.

Die 60 Minuten davor hatte ich solche Gedanken wie: „Wie soll das erst werden, wenn Du zwei Kinder hast? Kannst Du dann überhaupt noch ausreichend für Beide da sein? Wie wird das wohl in den kommenden Wochen, in denen der Bauch immer dicker und Du immer unbeweglicher werden wirst? Wirst Du den Quietschbeu überhaupt noch tragen können? Was ist, wenn der Mann auf Lehrgang ist (was er in naher Zukunft oft sein wird)?“

Letztendlich bekommt der Quietschbeu an diesem Abend einfach eine Milchflasche und eine extra lange Portion Kuscheln zur Beruhigung. Als ich ihn ins Bett lege ist dieses hilflose Gefühl wieder verschwunden, mein Herz läuft vor Zuneigung und Liebe über und ich weiß, dass noch viele anstrengende Momente auf uns zukommen werden. Aber jeder einzelne davon wird auch wieder vergehen.

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. CooKie / Feb 9 2010

    Du wirst das mit 2 Kindern genauso großartig meistern wie mit einem! :)

  2. alexxblume / Feb 9 2010

    Oh, ich kann Dir sooo gut nachfühlen! (20 Wochen schwanger mit dem 3. Kind, das zweite ist 2 1/2 und wiegt satte 16 Kilo…). Aber, komm, wir werden das schaffen! Es wird schwierige Zeiten geben, aber auch wunderschöne, die uns mit allem versöhnen und uns Glücksmomente verschaffen, die einem nur Kinder geben können! Auf ins nächste Abenteuer… :)

  3. bauchherzklopfen / Feb 9 2010

    Ach, die Verzweiflung klang in Ihrer Beschreibung so lebendig, das ging mir grad ganzschön nahe…
    Also ich bin mir auch sicher, dass Sie an Ihrer neuen Aufgabe wachsen werden und diese meistern. Schon, dass Sie den kleinen besonderen Quietschbeu so eine wunderbar fröhliche Kindheit bescheren, sollte Sie darin bestärken. Aber ich verstehe auch die Angst, was wird, wenn der Miezmann nicht da ist. Ich hab meinem schon verboten die ersten 8 Wochen nach der Gummibärchenpüppiankunft beruflich zu verreisen, weil ich einfach will, dass ich ihn immer anrufen kann und er schnell da ist.

  4. sabrina / Feb 9 2010

    Oh, wie ich das nachvollziehen kann – mein Bauchzwerg landet ja bereits nächste Woche. Ich versuche bewusst die Zeit mit Luke, die wir alleine sind zu genießen und frage mich trotzdem, wie das sein wird, ob ich immer noch so für ihn da sein kann, wie ich es in den letzten 2 Jahren war. Ich lasse es einfach auf mich zukommen, stelle mich auf ein wenig heulerei meinerseits ein. Was das tragen angeht, so kann ich sagen das es noch geht, gut, nun ist Luke ja bereits weit selbstständiger und läuft ja doch überwiegend selber – aber auch ein 2,5Jähriger will noch häufig auf den Arm – Marathonlaufen geht sicherlich nicht mehr aber hier und da ist das schon noch möglich :-)

    • Mama Miez / Feb 9 2010

      Nächste Woche schon? Mehre Herren, wie die Zeit fliegt!

  5. Steffi / Feb 9 2010

    Ich kann Dir gut nachempfinden. Mein Töchterchen hat gerne auf einer Veilchenwurzel gelutscht, vielleicht hilft das ja?

  6. sabrina / Feb 9 2010

    Jo, nächsten Freitag ist es schon so weit – erst denkt man die Zeit vergeht gar nicht und dann ist sie auch schon um :-)

  7. eva / Feb 9 2010

    ach herrjeh, obwohl diese zeiten für mich schon etwas zurückliegen, so kann ich es doch noch seeehr gut nachempfinden….das kenne ich!
    einfach runterschalten, alle ansprüche an sich und das kind ausknipsen und das tun, was dann am einfachsten ist.
    und wirst sehen- es geht. ich habs dann insgesamt 3x getan. obwohl es unglaubliche grenzgänge gibt und gegeben hat.
    aber: es geht auch wieder besser. letztens durfte ich allein mit 3 freundinnen 1 woche wegfahren, während der mann die brut geschaukelt hat. und das tat richtig gut.
    jetzt sind mir sogar die hysterischen schreianfälle meiner töchter egal ;)
    und aaaalles geht vorbei. aaaaalles wird gut. solang du zwischendurch auftanken darfst!
    lg eva

  8. frauaehrenwort / Feb 9 2010

    Das Gefühl durfte ich auch schon kennen lernen und ich fühle mit Ihnen. Als Mutti ist man echt mit den Gefühlen auf der Achterbahn. Aber ich weiß, dass wir das alles schaffen und unsere Kinder eine tolle Kindheit haben werden und dann super tolle Erwachsene sein werden.

  9. Tatti / Feb 11 2010

    Wie schauts denn mit Banane aus dem Kühlschrank aus??? Gestern hatte unser Frosch auch wieder fürchterliches Zahnaua und mag dann auch nix nix nix und gar nix essen. Banane findet er toll,denn die ist weich und kühl zugleich. Grüße und Alles Gute!!! ;-) Tatti

  10. Finn / Feb 12 2010

    …und am Ende lohnen sich solche Momente immer, auch die verzweifelten.
    Liebe Grüße und viel Kraft
    Finn

  11. corinn / Feb 15 2010

    Wenns ums hysterische Schreien und Kreischen bis zum nix geht mehr, geht, war Conrad Weltmeister. Gefallen hat uns in solchen Situationen zum Fenster zu gehen und dem Straßenverkehr zu zuschauen, gerne auch bei geöffnetem Fenster. Vielleicht hilft das ja, wenn der Papa mal nicht greifabr ist.

    Viel Kraft weiterhin

  12. Simone / Feb 16 2010

    Oftmals kann ich in solchen Momenten nicht daran denken, aber ich weiß und hoffe, dass es besser wird. Der dritte Sohn wird in einem Monat bereits ein Jahr und in diesem Jahr habe ich mich oft an den klitzekleinen Dingen, die das Leben schön machen, festgehalten. Den Blick dafür … den sollte man sich bewahren, alles andere wird! Ganz bestimmt und ganz ehrlich! Lieben Gruß, Simone

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