Bis einer heult! • Muttersorgen. Geschwisterbande.
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24. April 2012 | Pia Drießen

Muttersorgen. Geschwisterbande.

Trotz aller mir gegebenen Gelassenheit und grenzenlosem Optimismus, ich habe auch Sorgen vor der Zukunft. Keine großen, bedrohlichen Sorgen, sondern kleine feine, die mich aber doch des Nachts gerne ein Weilchen beschäftigen. Eine davon ist zum Beispiel, wie wohl das Löwenmäulchen auf das neue Geschwisterchen reagieren wird.

Das Löwenmäulchen ist ein sehr feinfühliger, zärtlicher und interaktiver Typ. Er sucht immer den Kontakt zu anderen Kindern, spielt schon lange intensiv mit und nicht nur neben ihnen und geht auf Gefühllagen seines Umfelds ein. Er tröstet, er schimpft und er lacht mit und über andere und deren Quatsch. Und dennoch. Das Löwenmäulchen ist sehr viel einnehmenden in seinem Wesen, als es der über-empathische Quietschbeu ist, der zwar unglaublich viel Aufmerksamkeit, Ansprache und Begleitung braucht, aber in sich selber total stabil und sicher ist. Das hört sich verwirrend an, ist für mich als Mutter dieser Jungs aber genauso erkennbar.

Wenn wir Besuch von fremden Kindern bekommen, ist der Quietschbeu erst mal sehr interessiert, stellt sich vor, versucht ein bisschen zu kommunizieren, sortiert den Gegenüber für sich ein und beschäftigt sich dann mit was anderem. Das Löwenmäulchen schäkert und tänzelt um das andere Kind herum, befasst sich viel intensiver mit ihm, bleibt dabei aber auf Distanz. Es ist ein bisschen so, als wäre ihm die Konkurrenz im Haus nicht geheuer, während der Quietschbeu weiß, dass er Chef-Sohn ist.

Ganz anders ist das, wen wir wo anders sind. Dann klebt der Quietschbeu wie ein Klettbällchen an mir, während das Löwenmäulchen einmal laut „Tzüüüüüs!“ ruft und verschwindet. Urvertrauen fehlt dem Kerl jedenfalls nicht.

Und so denke ich, dass der Quietschbeu, dem jetzt schon sehr wohl bewusst ist, dass da ein richtiges echtes Baby in Mamas Bauch ist, das da bald raus kommt und dann hier bei uns lebt und wohnt, sehr viel weniger Anpassungsschwierigkeiten haben wird. Sicher wird man ihn dann und wann zügeln müssen, weil er seine Kräfte noch nicht richtig einschätzen kann und fremde Babys am liebsten den ganzen Tag streicheln und kitzeln würde, aber er wird das neue Geschwisterchen vermutlich rascher als gegebenen und Teil unserer Familie ansehen, als der kleine Bruder.

Das Löwenmäulchen, ja, das wird vermutlich schon so ein bisschen seine Probleme mit der lieben Eifersucht bekommen. Dass da wirklich ein Baby in Mamas Bauch ist glaubt er mir nicht so recht. Auch was so ein Baby kann bzw. eben noch nicht kann, ist ihm gar nicht bewusst. Er ist gerade in seiner Rabaukenphase, in der er sich gerne mal mit Gebrüll auf seinen großen Bruder wirft und beide dann laut gackernd über den Wohnzimmerteppich rollen. Wie demoralisierend und frustrierend muss das sein, wenn man ständig ermahnt und zurückgenommen wird, weil man für das neue Baby zu wild ist? Armes Löwenmäulchen.

Doch dann erinnere ich mich an die erste Zeit mit dem Quietschbeu und dem Löwenmäulchen. Der Mann war auf seiner 10wöchtigen Geschäftsreise im Ausland und ich stand in der Küche, während die Jungs im Flur waren, wo ich sie im Auge behalten konnte. Der Quietschbeu  war 1 Jahre und 4 Monate, das Löwenmäulchen gerade mal 2 Monate alt. Ich ging in den Flur, weil der Quietschbeu rief und stellte panisch fest, dass das Löwenmäulchen weg war, dafür der Quietschbeu vergnügt im Maxi Cosi schaukelte.

Ich fand das Löwenmäulchen unter seinem Bruder im Maxi Cosi liegend. Lachend. Das war im ersten Moment ein riesen Schock. Heute muss ich jedes Mal lachen, wenn ich mich daran zurück erinnere. Der Quietschbeu hatte sich einfach auf den kleinen Bruder gesetzt, so dass der nicht mehr zu sehen war. Und das hatte dem rein gar nichts ausgemacht!

Sie sehen, ich mache mich vermutlich schon wieder selber unnötiger Weise kirre. Ich möchte einfach, dass all meine Miezkinder zufrieden und glücklich sind. Dass sich keines benachteiligt oder zurückgestellt fühlt. Und dass die von mir so geliebten Geschwisterbande wachsen und das Maimiez mit einschließen werden. Das ist meine größte Hoffnung. Mein größter Wunsch.

Aber, wie ich ja schon mehrfach schrieb: wir werden es erleben. Alle Prophezeiungen dieser Welt werden und nicht verraten, wie es letztendlich wirklich kommen wird.

 

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Mamachaos / Apr 24 2012

    Ich glaube, dass wir uns manchmal, wie du schon sagst, zu viele Gedanken machen. Natürlich wird das für alle eine Umstellung, aber gerade die Kinder stecken das oft besser weg als wir glauben, das Löwenmäulchen ist ja auch noch klein und in einem Alter wo Eifersucht noch nicht so stark ausgeprägt ist. Ausserdem habe ich das Gefühl, dass du, so einfühlsam wie du bist, das alles schon sehr gut hinbekommen wirst!
    Oft vergisst man bei all den Sorgen, dass Geschwister ein wahrer Segen sind!
    Ich bin trotzdem schon sehr gespannt was du nach der Geburt des Maimiez zu berichten hast!
    Liebe Grüsse
    Nathalie

  2. Shura / Apr 25 2012

    Unsere Große war bei der Ankuft des Brüderchens genauso alt wie das Löwenmäulchen jetzt ist. Und sie ist scheinbar über Nacht „groß“ geworden. Mit viel Umsicht ist sie an das Baby rangegangen, hat es stundenlang angeguckt, aber auch streichelt oder wild im Maxi Cosi gewippt und der Bruder giggelte.
    Mir schien auch, dass die intuitiv genau wusste, wie viel gerade gut ist oder nicht, sie nahm sich oft als Maßstab und das funktionierte sehr gut. Aber T. ist auch ein Mädchen und nicht so wild wie der Bruder. Sie ist sehr behutsam, einfühlsam und empathisch. Sie mag es nicht wild, eher ruhig oder sie ist selbst der Wirbelwind.

    L. dagegen. Ich sehe ihn oft ihn Kontakt mit anderen Babys, ein kleiner Raufbold. Die Kräfte kann er nicht gut einschätzen, immer 100%. Ihn muss ich viel stärker reglementieren als T. Er denkt, sobald das kleine Wesen auch nur einen Laut von sich gibt, dass es sofort mitmachen kann. Er animiert auch unheimlich viel. Kann aber auch trösten oder versucht sich darin. Auch sehr süß!

    Ich denke mit dem Quietschbeu als sehr gutes Vorbild wird das Löwenmäulchen ein ebenso toller großer Bruder wie der große Bruder und auch behutsam mit dem Maimiez umgehen!

    Ich wünsche ganz viel Glück und Freude zu 5!

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