Geständnisse #19

In meinem bisherigen noch jungen Leben wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass ich einmal einen Text zum Thema Körperhygiene verfassen würde. Also zu meiner eigenen jetzt. Über andere lästert spricht es sich ja immer leichter.

Vorneweg muss ich anmerken, dass ich ein sehr gesteigertes Bedürfnis an körperlicher Reinlichkeit und Hygiene habe. Einmal täglich duschen. Das war mal völlig normal. Und ja, Sie lesen richtig: das war mal normal.

Mit zunehmendem Körperumfang bzw. voranschreitender Schwangerschaft nahm zwar nicht das Bedürfnis an Reinlichkeit ab, dafür aber Beweglichkeit, Balance, Ausdauer und Kreislauf. Das wiederum hat zur Folge, dass man gründliche Körperhygiene planen muss. Das funktioniert so:

  • Man bestimmt einen Zeitpunkt, am besten mit Uhrzeit, zu dem man die Duschkabine betreten möchte, mindestens einen halben Tag im Voraus. Letztendlich braucht man dann doch drei Anläufe, um sich zu motivieren.
  • Man stellt alle Heizungen auf Frost, weil einem nach dem Duschen definitiv einfach nur zu warm sein wird.
  • Man vergewissert sich für einen Duschvorgang mindestens 30 Minuten Zeit zu haben, plant aber zur Sicherheit noch mal 15 Minuten oben drauf, falls man ausrutscht, der Kreislauf einen in die Knie zwingt oder ein ausgedehnter Wadenkrampf das ganze künstlich verzögert.
  • Man legt sein Handy in trockene Reichweite, sofern man alleine zu Hause ist.
  • Man reguliert zehn Minuten an der Temperatur herum, weil man nur noch zu warm und zu kalt kennt. Temperaturempfinden ist auch so ein spannendes Thema.
  • Man stellt sich unter das Wasser, macht brrr (zu kalt) oder schhhh (zu heiß) und beruhigt den aufgebrachten Nachwuchs, der die Wassertemperatur grundsätzlich auch erst mal aufs deutlichste kommentieren muss.
  • Man beginnt mit dem schamponieren der Kopfbehaarung, weil der Kopf nach wie vor ein gut und einfach erreichbares Körperteil ist. Nach oben ist alles schön.
  • Das Schampon soll laut Herstellerangabe 5 Minuten einwirken. Es werden 15 Minuten, weil man immer noch im festen Glauben ist, die mittige Haarentfernung im Blindflug in 5 Minuten erledigt zu haben.
  • Man spült das Schampon aus und trägt Spülung auf. Das ganze soll fünf Minuten einwirken.
  • Zehn Minuten später hat man die Beinrasur abgeschlossen. Das geht auch blind noch recht gut. Auch wenn man sich dabei mit einer Hand an der Wand abstützen muss, um nicht vorne überzukippen.
  • Alle erreichbaren Körperpartien werden unter Zuhilfenahme eines Duschpoufs kreisend eingeschäumt. Der Nachwuchs versucht dabei nach dem Pouf zu schnappen, treten, boxen. Dinge die sich im Weg befinden, wie Magen oder Rippen, werden dabei gerne ignoriert.
  • Wenn Nerven und Ausdauern noch reichen, schäumt und schrubbt man sich zu guter Letzt ausgiebig die Füße, seufzt tief, stellt das Wasser ab und kletter aus der Dusche, ohne sich vorher abzutrocknen.
  • Man reißt die Badezimmertür und/oder das Fenster auf und kühlt erst mal ein wenig aus.
  • Man bricht erschöpft auf dem Klodeckel – manchmal schafft man es noch bis zum Bett – zusammen und muss erst mal zehn Minuten nur atmen.

Sie können mir glauben, dass ich unter diesen Umständen gerne dazu bereit bin zuzugeben, dass ich derzeit nicht täglich dusche. Hätte ich früher nie für möglich gehalten, aber es gibt tatsächlich auch andere Wege und Möglichkeit sich zu reinigen, ohne dabei ein ganzes Workout hinlegen zu müssen.

Und trotzdem sehne ich mich der Zeit entgegen, in der ich wieder gerade mal so eben husch husch duschen kann. Täglich. Hurra.

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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18 Gedanken zu „Geständnisse #19

  1. Hmhm, so mal eben „huschhusch“… *g* Mal sehen, wie Ihr Kleiner das dann findet. Ich erinnere mich an Vormittage, in denen ich mehrmals versuchte, die Dusche zu betreten, oder sie hastend noch mit schamponierten Haaren vorzeitig verließ. ;-)

  2. Ich war beide Male von dem Wahn befallen, ja schön sauber und auf jeden Fall gut rasiert zu sein. Wer weiß, wann es denn losgeht…
    Völliger Schwachsinn, aber es ging nicht anders.

    LG jacqueline

  3. Es werden 15 Minuten, weil man immer noch im festen Glauben ist, die mittige Haarentfernung im Blindflug in 5 Minuten erledigt zu haben.

    Ich liege lachend unterm Tisch .. großartige Umschreibung.

    Und DuschPoufs sind toll .. ich liebe sie und ich frage mich oft, wie man das früher so ohne gemacht hat.

    Bald ist es geschafft .. :) !

  4. Ja, mal eben schnell husch husch unter die Dusche um dann aller 2 Minuten das Wasser abzudrehen, weil mal denkt das Baby schreien zu hören (Idealfall). Aber deine Beschreibung war echt gut. Wie wäre es denn mit Baden?

  5. Das mit dem huschhusch schnell mal unter die Dusche springen ist leider auch nicht so einfach.
    Die Kleinen schreien als ginge es um ihr Leben, man springt klatschnass aus der Dusche ins Kinderzimmer um festzustellen, dass das Kind friedlich schläft und nur Mama`s Reaktion testen wollte. Das kann sich je nach Laune des Kindes vielfach wiederholen…
    Allerdings hab ich das aus der Dusche springen jetzt bei Kind Nummer 3 aufgegeben und gehe nur noch duschen, wenn jemand zu Hause ist.
    Schont die Nerven!

  6. Alles nicht so schlimm. Ich glaube jedes Kind ist anders und jeder hat seine Wege und Möglichkeiten mit Alltag + Kind umzugehen. Ich habe meinen Sohn, im Maxi Cosi, mit ins Bad genommen und hab ihn bespielt während des duschens. Heute ist er 3 und ich geh duschen, wann es mir passt, seit mehr als einem Jahr.

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