Herzjungs. Brüder.

Der Quietschbeu war heute den ersten Tag in dieser Woche im Kindergarten. Er hatte seit gestern keine Fieber mehr, war fit und gut gelaunt. Ich sah also keinen Grund der dagegen sprach, dass er am heutigen Ausflug ins Kindertheater „Urmel aus dem Eis“ teilnehmen konnte.

Da er aber die letzten Tage nachmittags immer schlapp war und deutlich abbaute, holte ich die Jungs heute früher aus dem Kindergarten ab.  Er war fit und gut gelaunt, spielte gewohnt mit seinen Geschwistern und aß ordentlich zu Abend. Als wir dann gemeinsam nach oben gingen und uns Bettfertig machten, leierte der Quietschbeu mir den Kompromiss aus dem Kreuz, dass er mit dem Bruder noch im Spielzimmer spielen dürfe, während ich das Meedchen ins Bett bringen würde. Normalerweise gehen beide vorher in ihr Bett und dürfen dort noch Bücher angucken, bis das Miezmeedchen schläft.

Durch die Wand hörte ich sie hopsen und toben, die Registrierkasse des Kaufmannladens piepste und es wurden Zwiebeln und Zitronen gezählt. Nach 3 Minuten wurde es stiller. Nach 5 Minuten war es totenstill und ich sorgte mich ein wenig. Dann hörte ich es leise singen.

Als ich nach 10 Minuten wieder ins Spielzimmer kam, lag der Quietschbeu tief und fest schlafend auf der Matratze in der Kuschelecke. Das Löwenmäulchen lag neben ihm auf dem Rücken und sang leise.

„Quietschbeu släft. Hab La Le Lu sungen.“

Als ich ihn in sein Bett stecken wollte wurde er wieder wach und forderte die allabendliche Gute Nacht Geschichte ein. Ich las ihnen die Hasenschule vor. Das Löwenmäulchen war bockig, dass die Geschichte irgendwann zu Ende war und motzte mich an, als ich mit ihm beten wollte. Also sagte ich ihm, dass er dann heute alleine beten solle, wenn er denn noch mit dem lieben Gott sprechen wollte. Mit vorgeschobener Unterlippe erklärte er mir, dass er das nicht vorhabe. Ich bekam ein Küsschen und ein „Gute Nacht“ und durfte dann raus gehen.

Nachdem ich das Spielzimmer ein wenig aufgeräumt hatte ging ich noch mal am Kinderschlafzimmer vorbei. Ganz oft lausche ich dann noch eine Weile meinen plappernden Babys, wie sie sich vom Tag erzählen und gemeinsam singen. Heute war das anders. Heute hörte ich, wie das Löwenmäulchen den Quietschbeu bat, mit ihm zu beten. Also sprach der große Bruder die Worte, die ich immer spreche und der Kleine zählte die Dinge auf, für die er heute dankbar war. „Müsii, Ledabrot, Bau‘n, Ball spiel‘n …“. Den letzten Satz sprachen sie dann gemeinsam.

„Lass uns heute Nacht gut schlafen und morgen einen schönen Tag haben. Amen.“

„Ich hab Dich lieb, Löwenmaul.“
„Is dis au, Quietscheu.“
„Schlaf gut.“
„Slaf gud.“

Ich hab mich dann auf Zehenspitzen die Treppe runter geschlichen und erst mal ein bisschen vor Rührung geheult. Meine Herzjungs. Die Wundervollen. Die Brüder.

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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35 Gedanken zu „Herzjungs. Brüder.

  1. Ach das ist so rührend, da kommen selbst mir die tränen, wenn ich das lese. Es ist so toll zu sehen, wie sich Geschwister untereinander lieb haben, gemeinsam Zeit verbringen. Toll, dass du uns davon erzählst. Ich bin selbst vor zwölf Tagen nochmal Mama geworden u freue mich so auf die Zeit die vor uns liegt, zu sehen, wie die große Schwester (3) dann mit ihrem Bruder aufwächst. Hach

  2. Und genau diese Momente sind es, aus denen ich so viel Kraft und Zuversicht schöpfe. Sie sind für mich ein wenig die Bestätigung, dass nicht alles daneben ist, was ich so mache. Tolle Jungs!

  3. Oh wie goldig. *schnüff*
    Und wenn ich die halbe Schwangerschaft (irgendwann in drei Jahren…) liegen muss, der Rauperich bleibt kein Einzelkind. Nein.
    Danke bis dahin für das Teilen solch herziger Momente. :-)

  4. Total krass schön, anders kann ich es grad nicht sagen. Ich wünsche mir solche ähnlichen momente auch für meine lieblingsjungs. Danke fürs teilen.

  5. Wie herzig ist das denn?!?
    Mir geht es auch so, dass ich die Beziehung, die „Brüder-schaft“ die meine beiden Jungs verbindet (sie sind 3 Jahre und 8 Monate alt) mit Staunen und voller Herzensfreude beobachte. Hach….

  6. Da hab ich auch gleich Tränen in den Augen, ist das schön! <3

    Es ist doch echt toll, wenn sich Geschwister so gut verstehen. Das wünsche ich mir für meine Jungs auch, aber es ist denke ich auch immer eine Typ- bzw. Charakterfrage. Wir werden sehen wie sie sich verstehen, wenn Nr. 2 da ist.

    Liebe Grüße
    Isa

  7. Hallo Mamamiez,
    mein Sohn ist jetzt zwei Jahre alt und ich würde auch gerne mit ihm Abends beten. Welches Gebet sprecht ihr denn? Ich tue mich mit der Wahl der richtigen Worte ein bisschen schwer. Sehr schön finde ich es aufzuzählen, was am Tag schön war!
    Liebe Grüße,
    Kathrin

      1. Ach so, ich dachte, ein Teil davon wäre ein bestimmtes Gebet, das ihr immer wiederholt und sich so von den Kindern gemerkt wird. Hmm, mal sehen, ob ich das mit meinem Sohn mal hinbekomme. Ich hab immer ein paar Hemmnisse offen zu beten, würde es meinem Sohn aber gerne mitgeben.
        Viele Grüße,
        Kathrin

        1. Na ja, nach einem bestimmten Schema läuft es schon ab:
          „Lieber Gott, danke für … Wir bitten Dich … Bitte beschützte … Lass uns heute Nacht gut schlafen und morgen einen schönen Tag haben. Amen!“

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