Geburtstag im Kletterwald

Vor kurzem fragte mich das große Kind nach einem Ausflug, den wir im vergangenen Jahr gemacht haben. Als ich im Blog nachschauen wollte musste ich allerdings feststellen, dass ich diesen Ausflug gar nicht verbloggt hatte. Da fiel mir das erste Mal so richtig auf, welch Sammelsurium an Erinnerungen eigentlich hier drin steckt und wie viel doch verloren geht, wenn man es nicht aufschreibt.

Darum muss ich heute unbedingt unsere gestrige Geburtstagsfeier im Freiraum Kletterwald festhalten. Es war einfach ein so dermaßen schöner Tag voll Sonnenschein, guter Laune, aufregenden Erlebnissen und Gelächter, dass man keinen Moment davon vergessen möchte.

Vorneweg: keiner von uns war jemals zuvor klettern, aber der Wunsch des großen Kindes war klar: er wollte seinen Geburtstag mit seinen Freunden im Kletterwald feiern. Der Kletterwald in Hennef ist für uns der nächstgelegene, also haben wir uns für diesen entschieden. Voll gepackt mit Kuchen, Rohkost, Snacks und Getränken haben wir uns also gegen 13 Uhr auf den Weg gemacht, die Gäste eingesammelt und waren fast pünktlich (ähäm) zur Einweisung in Hennef.

Allein das Areal ist schon ein Hingucker. Meterhohe Bäume mit buschigen grünen Blätterkronen, dazwischen Seilstege, schwingende Holzbohlen, kleine Plattformen, Gelächter, Rufe und ab und zu ein Schrei, wenn jemand eine der Seilrutschen in schwindelerregender Höhe entlang saust. Eine Explosion an Eindrücken.

Wir luden also unser ganzes Zeug an unserem gebuchten Tisch ab und machten uns zügig auf zur Einweisung. Jeder kletternde Teilnehmer erhielt ein Gurtsystem zur Sicherung und einen Helm. Die Einweisung erfolgte dann in der Gruppe durch zwei erfahrene Trainer und war so gut gemacht, dass man sich nach dem selbstständigen Anlegen von Gurtzeug und Helm tatsächlich sicher fühlt. Abgesichert wird man in den Kletterparcours durch ein doppeltes Sicherungssystem, bestehend aus 2 Karabiner, die man nicht gleichzeitig öffnen kann. Somit ist man zu jeder Zeit durch mindestens einen Karabiner an den Sicherungsleinen fixiert.

Im Anschluss an die Einweisung ist jeder von uns einmal den Einführungsparcours in etwa 1 Meter höhe geklettert, um sich mit dem Sicherungssystem vertraut zu machen.

Da ich absolut keine Ahnung hatte wie unsere Kinder oder die Gäste mit Höhe umgehen, durfte jeder selber entscheiden mit welchen Parcours er beginnen möchte. Von sehr leicht bis extrem schwierig war auf 10 Parcours alles möglich, aber für den Einstieg wählten die meisten dann doch einen der sehr leichten bzw. leichten Parcours.

Ich war überrascht wie unerschrocken die Jungs waren. Den Mittleren entdeckte ich irgendwann plötzlich 13 Meter über mir auf einer Plattform stehend: „Mama, guck mal! Ich bin im schwierigen Parcours!!“ Da wuchs jemand wirklich über sich hinaus.

Obwohl das ganze Kletterareal auf den ersten Blick nicht groß wirkt, waren die Jungs die meiste Zeit nicht zu sehen, dafür aber manchmal zu hören. Die Gräte tat sich hingegen mit der Höhe etwas schwer, kletterte ein paar mal die Einsteigerparcours in 1 Meterhöhe und ließ sich dann aber doch einen anderen Klettergurt für das Takka-Tukka-Land geben. Dieser Parcours ist schon für ganz Kleine geeignet und hat eine Maximalhöhe von 2 Metern. Am Abend ärgerte sie sich dann allerdings schon, dass sie sich nicht auf einen der höheren Parcours getraut hat. Ich versprach ihr, dass wir den Ausflug auf jeden Fall wiederholen werden und sie dann einen neuen Versuch unternehmen kann.

Die größeren Jungs waren eine gute Stunde in den „Alpen“ auf rund 10 Meter höhe unterwegs. Inklusive stehend auf einer Schaukel von Plattform zu Plattform rutschen, in ein Netz springen und sich durch dünne Seilstege hangeln. Das Gelächter war teilweise so laut, dass man es quer durch den Kletterwald hören konnte. Das ein oder andere Mal schien auch der Mut zu schwinden, doch durch das Anfeuern und gut Zureden der Anderen schafften es letztendlich alle immer ins Ziel. Die Einzige, die zum Schluss ins Ziel gezogen werden musste, war ich, weil ich mich bei der Abfahrt mit der letzten Seilbahn gedreht habe, rückwärts auf der Plattform ankam, den Halt verlor und wieder in die Seilbahn gerutscht bin, wo ich 2 Meter über dem Boden in der Luft rumbaumelte. Einmal mit Profis, ey.

Nach einer Erfrischungspause, einem Stück Kuchen und kurz den Aufregungspuls beruhigen, überredete mich der Mittlere, mit ihm einen leichten Parcours zu machen, weil der „ein total cooles Ende hat!“ Na ja, vielleicht hätte ich vorher nochmal genauer nachfragen sollen, was genau so cool an dem Ende ist. So stand ich zum Schluss auf einer ca. 8 Meter hohen Plattform und musste an meiner Eigensicherung ins Nichts springen. Ich sag mal so: wäre das Kind nicht vor mir gesprungen und hätte nicht „Guck, Mama, ist ganz easy!“ von unten gerufen, ich hätte ganz sicher nach einem Trainer geschrien. Sollte man nämlich tatsächlich mal an einer Stelle nicht weiterkommen oder von Angst übermannt werden, gibt es im Kletterwald Hennef viele sehr freundliche Trainer, die einem jederzeit helfen und einem in schlimmsten Fall auch abseilen können. Aber so bin ich halt ins Leere gesprungen und trotzdem nicht am Boden zerschellt. Auch wenn mein Herzschlag was anderes behauptet hat.

Der Nervenkitzel, das Adrenalin und die körperlichen Herausforderungen haben nach 5 Stunden jedenfalls dafür gesorgt, dass wir alle völlig überdreht und zeitgleich platt wie das sprichwörtliche Männchen hinterm Ofen waren. Das perfekte Wetter hat dem ganzen Tag zudem die Krone aufgesetzt. Unter den Bäumen und ihrem Schatten war die Hitze jedenfalls gut auszuhalten.

Wir sind uns jedenfalls definitiv einig, dass wir sehr bald wieder zwischen Bäumen herumklettern wollen.

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Mediengestalterin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter und Instagram.
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3 Gedanken zu „Geburtstag im Kletterwald

  1. Mehr, Mehr, mehr. Gleich wieder Suchtpotential, wenn die Daily-Pia schreibt. Daaaaaanke :-)
    Da mir schon im Taka-Tuka-Land der Schweiss ausbrechen würde, bin ich im Kletterwald stets der Trinkflaschenträger und habe abends Nackenschmerzen, weil ich den ganzen Tag hoch starre. Euer Kletterwald hört sich schon sehr gut an – wir gehen öfter klettern und da gibt es Unterschiede wie Tag und Nacht. Megagenial finden wir den Kletterpark in Wiesbaden, weil er auf einer Anhöhe liegt. Wenn man dann noch einen der ganz hohen Parcours erklimmt, hat man eine sagenhafte Aussicht. Also…das sagen die Kletterer. Ich muss auf die Fotos abends warten. Der rechtfertigt für uns aber tatsächlich eine stundenlange Anreise. Macht ihr vielleicht in zwei, drei Jahren mal in den Sommerferien.

    Es war sehr schön von euch zu lesen :-)

  2. Vielen Dank für diesen schönen Blogeintrag! Ich vermisse es sehr, hier regelmäßig von euch zu lesen :)
    Klettern steht definitiv auch auf unserer To Do Liste in diesem Sommer.
    Herzliche Grüße!

  3. Wie schön, mal wieder von euch zu lesen.
    Das klingt nach einem absolut perfekten Geburtstag.
    Ich mag klettern auch, immerhin 2mal durfte ich das schon. Das müssen wir unbedingt mal wiederholen.
    LG von TAC

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