Stay at home-Tagebuch Tag 18

So, Ende mit Zwang und künstlichem Stress. Heute hab ich den Wecker einfach ausgestellt und bin bis 9:30 Uhr liegen geblieben. Was nützen mir die tollsten Strukturen, wenn ich müde und gereizt bin, obwohl ich das gar nicht sein müsste?

Und ja, das selbe gilt natürlich für die Kinder. Jetzt gerade im Moment muss hier niemand mitten in der Nacht aufstehen um pünktlich einen Schulbus zu bekommen. Hab ich früh bemerkt, wie? Schlafen bis in die Mittagsstunden finde ich dennoch uncool. Das ist wie mit ganz kleinen Kindern und dem Mittagsschlaf. Die werden sonst abends einfach nicht müde und gerade jetzt brauche ich zumindest abends meine Ruhe und Freizeit. Freizeit … ahahahaha. Ihr wisst was ich meine.

Frühstück stand jedenfalls um 10 Uhr auf dem Tisch und konnte gegen 10:30 Uhr mit allen hier wohnhaften Kindern eingenommen werden. Einer schmollte dabei aus unerfindlichen Gründen über alle Maße und begann erst zu essen, als ich bereits wieder abräumte. Ich bin wirklich gespannt wo das noch hinführt und wann der Erste so richtig ausflippt.

Gestern Abend war ich mit Abstand der stärkte Anwärter auf diesen zweifelhaften Ruhm. Die Kinder stritten ihre üblichen Geschwisterstreitigkeiten. Daily business und so. Ich kann das relativ gut überhören und ignorieren. Nur irgendwie nahm das gestern Abend dann eine neue Wendung, es wurde immer lauter und aggressiver und irgendwann dachte ich nur noch: Gleich platzt einer. JETZT muss du einschreiten! Nur leider befanden sich die Drei bereits so in ihrer Spirale, dass gar kein Durchdringen mehr war. Zu keinem mehr. Da bin ich dann mal kurz implodiert. Alter! Tat mir danach der Hals vom Schreien weh.

Um die Story abzukürzen: die Geschwister lagen sich danach heulend in den Armen, versicherten sich gegenseitig, dass sie es gar nicht so gemeint hätten und beschlossen, alle in einem Zimmer zu schlafen.

Ich bin jetzt nicht stolz auf meine Reaktion und hatte noch eine Stunde später einen Puls, der echt unter der Decke schwebte, aber immerhin war danach Ruhe.

Jedenfalls verlief der Tag heute wieder recht harmonisch. Die Gräte und der Große saßen nach dem Frühstück am Esstisch und arbeiteten an ihren Schulsachen. Der Große ist mit seinen Arbeitsaufträgen soweit durch, lernte nochmal Vokabeln und nahm sich dann das Lernheft zum Verbinden von Buchstaben vor.

Ich hätte nie damit gerechnet, dass ihm das wirklich viel Spaß machen würde und dass er dabei noch richtig was lernt. Das kleine a, zum Beispiel, kann er seit heute auch schnell und verbunden schreiben. Das selbe gilt für das kleine e oder l. Wie viel schneller man so plötzlich schreiben kann hat nicht nur ihn nachhaltig beeindruckt, auch die Gräte stellte bewundernd fest: “Boah, kannst du schnell schreiben. In der Zeit schaffe ich gerade mal eine Seite!” Da hatte er schon 5 gemacht.

Der Mittlere klagte heute wieder vermehrt über Kopfschmerzen und Schwindel und lag somit den halben Tag im Bett. Migräne incoming. Ich spür es auch schon und hoffe, dass die heutige Ruhe ihn vor einem schlimmeren Anfall bewahren wird.

Nachdem ich meinen heutigen Haar-Status dokumentiert hatte, wollte der Große gerne wieder lustige Fotos machen. Er sagt mir dann wie ich gucken und was ich machen soll und drückt den Auslöser. Die Gräte hat sich vor Lachen fast in die Hose gemacht.

Ich vermute das ist genau das, was der Mittlere meinte, als er mir letzten erklärte: “Du siehst zwar aus wie ein älterer Mensch, aber benimmst dich manchmal wie ein kleines Kind.” Im Herzen bin ich halt immer noch 10 und werde meinen Kindern somit erst in 1 bis 2 Jahren peinlich. Wenns gut läuft.

Zum Mittagessen gab es heute gefüllte Paprikas. Die Füllung bestand aus Reis, vegetarischem Hackfleisch, Zucchini, Mais, Zwiebeln und Kräuterfrischkäse. Das Ganze habe ich dann selbstredend noch mit Käse überbacken.

Die Gräte und der Mittlere aßen nur die Füllung, weil Paprika ja voll eklig ist. Die Zucchini und die Zwiebeln hatte ich so klein gehäckselt, dass sie gar nicht wahrgenommen wurden. Funktioniert schon seit dem Schummelgemüse ausgezeichnet.

Die heutige Runde übers Feld traten wir über eine Stunde früher an, als an den anderen Tagen. Generell hatte ich heute das Gefühl der Tag hätte viel mehr Stunden, als an den Tagen, an denen ich um 7:30 Uhr aufgestanden bin. Was ist denn das für eine seltsame Wahrnehmungskirmes? Jedenfalls waren viel zu viele Menschen unterwegs. Nix da mit Ruhe auf dem Feld. Morgen werden wir also definitiv wieder später übers Feld gehen, um unsere friedliche Ruhe zu genießen.

Daheim druckte ich der liebsten Nachbarin noch ein paar Regenbogen-Malvorlagen für ihre Enkel aus, die sie mit ins Osterpaket packen möchte und zwei weitere Schnittmuster für anatomisch geschnittene Nase-Mund-Masken. Mich würde es nämlich gar nicht wundern, wenn in den kommenden Tagen nun doch plötzlich ein Masken-Trage-Gebot in der Öffentlichkeit käme. Österreich hat vorgelegt und das RKI hat heute seine Empfehlungen zu Tragen von Masken nochmal angepasst:

[…] Nicht jeder, der mit SARS-CoV-2 infiziert ist, bemerkt das auch. In der Regel sind Betroffene bereits mit sehr leichten Symptomen ansteckend. Manche Infizierte erkranken gar nicht (asymptomatische Infektion), könnten den Erreger aber trotzdem ausscheiden. In diesen Fällen könnte das vorsorgliche Tragen von Behelfsmasken dazu beitragen, das Übertragungsrisiko zu vermindern. Deshalb könnte das Tragen von Behelfsmasken durch Personen, die öffentliche Räume betreten, in denen der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden kann, z.B. ÖPNV, Lebensmittelgeschäften oder auch ggf. am Arbeitsplatz, dazu beitragen, die Weiterverbreitung von SARS-CoV-2 einzudämmen. […]

Quelle: RKI
Quelle: coronazaehler.de, 02.04.2020

Ich nähe nun also auch für die Kinder und die liebste Nachbarin. Und da die Kinder sicherlich besser mit den anatomisch geschnittenen Masken mit Gummibändern zurecht kommen, habe ich mir eben die Schnittmuster von Nähtalente und Nähfrosch ausgedruckt und schaue nun, welches die bessere Passform hat.

Unterm Strich war dieser Tag ein guter Tag. Abgesehen von beginnender Migräne und zu vielen Menschen auf dem Feld. Dafür war aber das Essen megabombensuperlecker und ich ausgeschlafen. Und die Haare lagen heute auch gut. Reicht ja fürs Erste.

Last but noch least: der tägliche zaubernde Schulleiter. Bleibt gesund!

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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16 Gedanken zu „Stay at home-Tagebuch Tag 18

  1. Hey Pia,

    danke für Deine ehrlichen Berichte, es tut mir gut, das zu lesen… Gerade das Thema mit dem frühen Aufstehen: Ich hab mich heute auch gefragt, wozu mach‘ ich das eigentlich? Memo an myself: Wecker aus!!

    Danke und liebe Grüße aus Hamburg.
    Christina

  2. Uff. Ich bewundere ja immer wieder wie Sie das alles doch irgendwie stemmen. Alleine den Alltag mit 3 Kindern zu jonglieren. Hut ab, und (Ich entschuldige mich vorab falls ich den Finger in die Wunde lege) ich wünsche ihnen von ganzem Herzen, dass Der Mann in absehbarer Zeit nach Hause kann. ❤️❤️
    Vielen Dank nochmals für das kleine Stückchen Blog Alltag jeden Abend ☺️
    Mittlerweile bin ich auch hier auf Regenbögen in der Fenstern gestoßen, wenn aber noch.nicht so viele (4 derzeit) ich habe die kunde also Mal weiter getragen See☺️
    Danke auch für Ihren Zaubernden Rektor. Der erfeut sich hier auch mittlerweile Beliebtheit 😁

  3. Moin. Dein Blog und deine täglichen Einträge zur Zeit, lassen den Tag mit einem Schmunzeln beenden. Deine Art zu erzählen ist großartig und Mega sympathisch. Heute gab es hier auch das erste bröckeln in der Struktur und auch Tränen über ausfallende Reiterferien ect. Es ist für die Kids wirklich schwer. Ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute. …… ach ja, die Halsschmerzen nach dem Brüllen kenne ich sich. Bei mir kommt dann noch aufsteigende Hitze dazu 😂. LG Insa

  4. Ja, ausgeschlafene Eltern und Kinder sind was wert. Die zuhause-Zeit bringt auch interessante Erkenntnisse: Ich merke jetzt erst so richtig wie viel Schlaf unser Großer (14) immer noch braucht. Außerdem haben wir schon in der ersten Woche festgestellt , dass er nachmittags mit seinen Aufgaben wesentlich besser klarkommt als morgens. Die kleine Schwester (11) kann nachmittags dagegen garnicht….. aber wir haben ja Zeit und nichts vor.
    Wenn ich mit meinen Schulsachen morgen einigermaßen fertig bin, werde ich mich auch mal bei meinem Stoffvorräten umschauen und hoffe dann schon mal auf Erfahrungen mit den Modellen. Eine Nachbarin näht nach einem Schnittmuster der Stadt Essen u.a. schon fürˋs örtliche Krankenhaus.
    LG und eine guten Freitag, Katie

  5. Was ist das für ein Übungsheft? Unser Großer (auch 5. Klasse) schreibt soooo langsam und mittlerweile unleserlich, dass selbst die Lehrer das schon bemängeln.. Danke schon mal vorab.

  6. Liebe Pia,

    Da meine Kinder nun schon 21 und 18 sind , bin ich aus dem Schulsachen wohl ein bissel raus … aber die haben Schreibschrift in der 2. Klasse gelernt . Wird das denn heute nicht mehr in den Schulen gelehrt ? Jetzt bin ich ja doch irritiert . Wir sind mittlerweile in die USA ausgewandert und die beiden Kleinen (4 und 6) werden hier auch keine Schreibschrift lernen . Und ich dachte , die Amis spinnen wohl🤪. Aber das scheint dann wohl auch in Deutschland so zu sein ? Lernt G. das nun freiwillig?
    Ich lese bei dir ja nun mit seit die wilde Gräte dazu kam . … ihr seid eine tolle Familie 🥰 und weiter so
    Sandra

    1. Der Mittlere hat noch sowas wie Schreibschrift (vereinfachte Ausgangsscchrift) gelernt. Der Große hat es in der 2. Klasse mal gezeigt bekommen, musste es aber nie anwenden und ist hartnäckig bei Druckbuchstaben geblieben. Die Gräte lernt verbundene Grundschrift.

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