Stay at home-Tagebuch Tag 19

Es fällt mir von Tag zu Tag schwerer einen schmissigen Einstieg in unser #stayathome Tagebuch zu finden. Diesen ersten Satz schreibe ich gerade zum vierten Mal. Soviel zu authentisch, ne?

Der Tag begann heute um 9 Uhr mit einer ausgedehnten Dusche und einem Postboten, dem ich aus den Badezimmerfenster – bekleidet mit einem Handtuch und einen T-Shirt-Turban – zurief, er solle das Paket bitte einfach vor die Tür stellen. Da der vermutlich schon ganz andere Dinge gesehen hat, hält sich meine Scham in Grenzen.

Noch vor dem Frühstück führte ich ein langes Telefonat mit meinem ehemaligen Schulpflegschaftsvertreter, der einfach mal hören wollte, wie es uns so geht. Es sind die kleinen Dinge und Aufmerksamkeiten, die in diesen Tagen unheimlich gut tun.

An das Frühstück selber habe ich gar keine richtige Erinnerung mehr. Irgendeiner schmollte bestimmt. Es gab auf jeden Fall Nutellabrötchen und ich hatte mindestens zwei Kaffee. Das weiß ich so genau, weil ich vorher ganz sicher nicht vom Frühstückstisch aufgestanden wäre.

Die Gräte und der Große waren heute schultechnisch wieder sehr fleißig. Der Große ist mit seinen Aufträgen pünktlich zu den Osterferien fertig und arbeitet weiter an seiner Handschrift und dem Wiederholen von Vokabeln, während die Gräte sich weiter durch die Aufgabenliste ackert. Der Mittlere ist nach wie vor nicht bereit auch nur einen Handschlag zu tun und ich habe für mich und meinen Seelenfrieden beschlossen, ihn damit jetzt auch bis vorerst Montag in Ruhe zu lassen.

Im Anschluss habe ich eine der Masken genäht, von denen ich hier gestern schon berichtet hatte. Ich sag mal so: die Passform ist so na ja und die Kleinkindmaske, die ich eigentlich für die Gräte und ihren kleinen Kopf genäht habe, passt mir. Vielleicht bleibe ich doch bei den eckigen Masken mit Falten und nähe statt Bindebänder einfach Gummis an.

Zum Mittagessen gab es heute Pizzaschnecken. Ich hätte jetzt normalerweise geschrieben, dass das hier ein Alltime favorite ist, aber tatsächlich fand der Mittlere das heute gar nicht cool und verweigerte das Essen. Da ich ihn ziemlich gut kenne, weiß ich natürlich, dass das einfach seine Art der Unmutsbekundung ist. Ihm setzt die ganze Situation enorm zu und das Gefühl von Unzufriedenheit muss halt irgendwie raus. Das ist okay und so isst er dann eben Müsli. Verhungern wird er eher nicht.

Folglich wollte er dann heute auch nicht mit aufs Feld. Aber da muss ich gestehen, dass ich auch nicht die größte Motivation hatte und nur den anderen beiden Kindern zuliebe einer kleinen Runde zustimmte.

Aus der kleinen Runde wurde dann eine große und wir fanden uns recht schnell im Nachbardorf wieder, wo wir einen Regenbogen nach dem anderen zählen konnten. Natürlich muss dann noch eine Straße und noch eine Straße abgegangen werden. MEHR REGENBÖGEN!

Insgesamt zählten wir 32 Regenbögen! Das ist definitiv neuer Rekord und kann von unserem Dorf bis dato nicht gehalten werden. Auf dem Rückweg machten wir dann noch einen großen Bogen durch den Bürgerpark und am örtlichen Gymnasium vorbei, wo wir diese große Freifläche für Graffitis bewunderten.

Als die Gräte die große Turnhalle sah, in der sie früher jede Woche zum Handball gegangen ist, erklärte sie mir todernst, dass sie nach der Corona-Krise wieder zum Handball gehen will. Und ich so innerlich: Neeeeeeeeeein!!! Ich hab mich doch gerade erst mit der ganzen Kung Fu Sache arrangiert und das so organisiert und hin gebogen, dass ich alle drei Kinder gut unter einen Hut bekomme. Aber warten wir erstmal die Zeit ab und wann dieses nach der Corona-Krise überhaupt sein wird.

Zurück auf dem Feld, Richtung Heimat, startete ich dann spontan einen Instagram-Livestream, der besonders den Kindern viel Spaß machte. Ich denke, das könnten wir wiederholen, sofern das Feld wieder so menschenleer sein sollte, wie es heute war.

Quelle: coronazaehler.de, 03.04.2020

Auch wenn der Tag eher gedrückt und unmotiviert begann, so nahm er doch noch ein richtig gutes Ende. Die frische Luft hat alle grauen Wölkchen aus meinem Kopf vertrieben und wieder Platz für Optimismus und Tatendrang gemacht. Hoffen wir, dass das bis morgen anhält.

Über die Osterferien, die ja nun offiziell heute begonnen haben, kann ich mich allerdings nicht so richtig freuen. Da wir noch Schulkram zu erledigen haben, ändert sich für uns im Grunde nichts im Vergleich zu den letzten Wochen. Lediglich die Tatsache, dass der Mann eigentlich in einer Woche nach Hause gekommen wäre, ist jetzt besonders präsent.

Zum Abschluss und um die Stimmung wieder etwas zu heben: der täglich zaubernde Schulleiter. Heute mit sich teleportierenden Osterhasen. It’s magic!

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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14 Gedanken zu „Stay at home-Tagebuch Tag 19

  1. Guten Abend,

    macht nicht gerade die Tatsache, dass der erste Satz nicht so schmissig ist, es wieder authentisch. War eben kein so schmissiger Tag.
    Auf dem “Porträt”foto vom Großen und der Gräte sieht die Gräte aus wie Ihnen aus dem Gesicht geschnitten.

    Ich wünsche ein entspanntes angenehmes Wochenende
    LG und bleiben Sie gesund

  2. Hallo,

    Wir haben uns auch durch die Mundschutze durchprobiert. Wir sind bei denen von Schnittenliebe gelandet. Geht ruckzuck und bei uns sass die gut. Man kann es ja nach Bedarf dann binden. Wollt ich nur mal als Tipp da lassen.
    Und wegen dem Einstieg, mein Sohn soll Corona-Tagebuch schreiben. Er hat nun seit fast 3 Wochen jeden Tag “Morgens bin ich aufgestanden und habe dann gefrühstückt.” stehen. Ausser Sonntags gefolgt von “Danach habe ich meine Schualaufgaben gemacht.”
    Er findet es praktisch, so kann er es immer abschreiben. Und es ist ja irgendwie immer das gleiche. Es geht vielen so. :)

    Liebe Grüße

  3. Hallo Pia, ich lese zur Zeit jeden Tag ihren Blog und dann geh ich ins Bett – und jetzt hab ich mir das erste Mal ihre Insta Story angeschaut (bin da nicht so aktiv) und habe nun mal eine Stimme zum Gesicht – das war jetzt wirklich interessant und witzig :-) Ja, zur Zeit fühlt man sich irgendwie wie in “und täglich grüßt das Murmeltier” aber auch das wird vorbei gehen. Eine Freundin meiner Schwägerin ist diese Woche mit 40 gestorben – die hätte wahrscheinlich gerne unsere Probleme gehabt. Das geht mir zur Zeit öfter durch den Kopf. Alles Gute ihnen und ihrer Familie!
    Ach ja, der Coronazähler lässt sich seit zwei Tagen nicht mehr anklicken.

    1. Ja, ich denke auch oft: eigentlich geht es uns noch verdammt gut! Aber ich weiß auch, wie schwer das für viele ist, sich diese Tatsache in der aktuellen Situation bewusst zu machen.
      Danke für den Hinweis mit dem Corona-Zähler. Habe das jetzt gefixt.

  4. Moin aus Plön. Ich lese schon sehr lange hier mit und freue mich an jedem neuen Beitrag. Deine Art des Schreibens finde ich sehr schön. Manchmal kommt es mir vor, als würde da jemand schreiben den ich gut kenne. Natürlich ist das eine Illusion. Womit ich beim Thema bin. Euer Zauberer ist ganz zauberhaft. Ich lasse mich sehr gerne verzaubern und freue mich an jedem Tag auf das Video. Hoffentlich gehen ihm die Kunststücke nicht so bald aus.
    Haltet durch, bleibt gesund und geduldig.
    Nordische Grüße von Iris

  5. Seltsam, dass das mit den Schnittmustern nicht gut geklappt hat. Ich habe Ihre Links angesehen und dann die Nähfroschanleitung genommen (die anatomische), weil ich mit den Faltenmodellen vorher gescheitert war (also besser gesagt, meine Uraltnähmaschine ist gescheitert – Molton plus Baumwolle gefältelt war ihr too much). Lange Rede, kurzer Sinn: Mit 1 Schicht Baumwolle, 1 Schicht Molton kam ich mit Nähfrosch super hin – die Fünfjährige hat eine 80%-Variante bekommen, der Achtjährige und ich 90%, der Papa die 100 %-Größe. Ich habe Gummibänder angenäht und die dann auch bei den Kindern und mir etwas verkürzt. LG Maren

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