Merkwürdige Träume VIII

Ich träumte von meinem Ex-Chef und meiner Ex-Firma. Ich sollte da wieder arbeiten und kam in ein total umstrukturiertes Unternehmen mit x neuen Mitarbeitern, die wilde Werbemaßnahmen planten und demokratisch darüber abstimmten, ob das neue Agentur-Erkennungszeichen eher lila oder eher magenta sein solle.

Ich war schon mal ein paar Tage zuvor dort gewesen und von denen neuen Räumlichkeiten beeindruckt. Aber diese ganzen neuen Mitarbeiter, die gab es da noch nicht. Nur Pjöni, den ich freudig begrüßte. Vielleicht hätte ich etwas ahnen sollen, als er mir zuflüsterte, dass doch einiges anders sei. Jetzt.

Ich saß also in einem Hörsaal ähnlichen Raum und hörte meinen neuen Kollegen beim Brainstorming zu. Seltene einen solch inkompetenten Haufen gesehen. Soviel Bla und sowenig Go. Aber hey, sie sind Bestandteil dieser Firma. Ich bin ja erst den ersten Tag hier.

Meinen Ex-Chef hatte ich nur kurz beim reinkommen gesehen. Er hatte mir meinen Schreibtisch gezeigt und lapidar gemeint, dass es schön sei, dass ich wieder da bin, bevor er wieder verschwand. Das war der erste Moment, in dem ich meine aktuelle Firma und meine Kollegen schmerzlich vermisste.

Im Verlauf des Tages unterhielt ich mich mit Ex-Lieblingskollege O. und dem Mettigel. Erklärte ihnen, wo es mangelte, wo Fehler gemacht wurden und wie wahnsinnig unwohl ich mich in diesem Durcheinander von Selbstbeweihräucherern fühlen würde. „Lila, O. Die wolle das neue Logo Lila machen. Es sieht aus wie eine stilisierte Vagina!“ Das war kein Witz. So sah es wirklich aus. Und wie ich den Ex-Lieblingskollegen kenne, so drehte er sich zur Masse und erklärte, dass sie mir zuhören sollten und dass Lila nun wirklich gar nicht ginge.

Ein wenig später stand ich dann im Büro im Ex-Chef O², der mich schon so Unheil ahnend ansah. „Ich kann das nicht, O². Ich fühle mich hier sowas von unwohl. Das ist nicht mehr meine Firma. Ich hätte alles für Euch getan, aber das kann ich nicht. Ich geh zurück zu [aktueller Arbeitgeber]. Da fühle ich mich wohl. Da bin ich jetzt zuhause. Da arbeitet mein Kopf und schlägt mein Herz.“ Er nickte verstehend, sah mich aber traurig an. Und dann haben wir uns in den Arm genommen … eine Geste, die wir all die Jahre vermieden haben. Ein Eiertanz an Geburtstagen. An meinem allerletzten Tag war er sogar extra früher gegangen, um dieser Umarmung zu entgehen. Er würde es wohl kaum zugeben, aber ich weiß es.

Ich hab ihm dann gesagt, dass ich ihn vermisse. Dass ich Lieblingskollege O. vermisse. Und das tue ich wirklich.

Nach fünf Jahren, an denen man sich an 5 von 7 Tagen in der Woche sah, viele lustige und weniger lustige Momente miteinander hatte … da darf man auch seinen Ex-Chef und seinen Ex-Lieblingskollegen vermissen. Und dennoch fühlt es sich heute Morgen anders an. Irgendwie fühlte es sich so an, als war es ein endgültiger Abschied. So, als würde das „Wir haben mal für X dasunddas gemacht.“ endlich aufhören und in ein „Die haben mal für X dasunddas gemacht.“ umschlagen. So, als wäre ich nach ziemlich genau einem Jahr da angekommen, wo ich hingehöre. Oder so, als hätte ich nach einem Jahr endlich losgelassen, was mir über 5 Jahre soviel bedeutet hat.

Mein cholerischer Ex-Ex-Chef begegnete mir dann auch noch, als ich mit Ex-Chef O² die Agentur verließ. Er schrieb Strafzettel für Falschparker. *gnihihi*

Morgen kehre ich dann nach dem Kurzurlaub zurück in meine Firma zu meinen Kollegen. Everything is fine.

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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3 Gedanken zu „Merkwürdige Träume VIII

  1. Schon interessant, was man im Schlaf so alles verarbeitet. Ich träume immer davon, dass ich meiner jetzigen Firma den Rücken gekehrt habe. Ich denke, dass bedeutet auch schon was, oder?

  2. „Wir haben mal für X dasunddas gemacht.”

    das kenne ich auch noch zu gut.;)
    und es ist nach fast einem jahr immer noch nicht weg. auch wenn die neuen kollegen jedes mal verwirrt gucken!

  3. dafür sind Träume da. Du bist scheinbar nach einem Jahr wirklich angekommen – happy arrive :). Ich habe vor ein paar Tagen erst gesehen das Frauen für eine 6 jährige Beziehung durchschnittlich 3 Jahre brauchen um sie zu verarbeiten. Unter diesem Gesichtspunkt kannst du stolz sein, dass alles nach einem Jahr schon mal abgeschlossen zu haben. Nach der Studie (6/3) bist du ja Rekordhalter im verarbeiten *g*

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