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Das Rauschen meines Blutes übertönt das Klopfen meines Herzens. Die Folge übertönt den eigenen Ursprung.

Als die Sonne aufging, an diesem einen Morgen, raste mein Herz vor Sehnsucht, da war er noch gar nicht durch die Tür getreten.

Theoretisch ist alles machbar. Theoretisch bin ich stark, hellwach und taff.

Taff. Das sagen sie immer wieder. „Du bist taff, Du machst das schon.“

Die Grausamkeit des eigenen Seins besteht ja darin, dass man es selber besser weiß. Dass ich ganz und gar nicht taff bin. Ich weiß auch nicht, woher dieses Denken kommt. Was ich mache oder eben nicht, dass die Menschen so denken, mich so falsch einschätzen.

„Keine falsche Scham“, sagte er zu mir und zwinkerte. Ich bin Menschenscheu. Das absolute Gegenteil von taff. Falsche Scham kenne ich nicht. Das ist alles echt.

Ich igel mich ein, überschütte mich selber mit Arbeit und einer ellenlangen To-Do Liste. Hamsterrad, dreh Dich! Die Zeit vergeht schneller, wenn man in Bewegung ist. Und ich bin ständig in Bewegung. So sehr, dass ich abends nicht einmal mehr die Kraft finde, zu grübeln, zu denken, Sorge zu haben.

Jeder findet einen Weg mit dem Leben umzugehen. Der eine früher, der andere später. Ich hatte Glück und schon beim ersten Schuss einen Treffer. Bullseye. Direkt in die 10. Yeah!

Und in diese stillen Momente, zwischen Pinkeln müssen und Klospülung, da geb ich zwei Tränen nach, schluchze einmal und formuliere in meinen kopf kryptische Texte zu meinem kryptischen Seelendings.

Der innere Zwang, der mich das dann auch noch aufschreiben lässt, der ist genauso gegenwärtig, wie diese Menschenscheu. Das bin ich. Da kann man auch mit Pillen nichts gegen machen. Wohin damit. Wohin nur?

Das Internet ist ein großes dunkles Loch und an den Rändern setzt Grünspan an. Hinein damit. Stopfe rostige Löcher, durch die belangloser Sermon rinnt. Sei nur ein paar Stunden wichtig. Gewichtig. Entlaste meinen Kopf. Mein Herz.

Wenn ich abends im Bett liege, zu erschöpft zum denken oder grübeln, dann greife ich manchmal ganz automatisch mit der Hand rechts neben mich, streiche über das kalte Laken und seufzte schwer.

Halber Mensch. Ich. Aber glücklich zu wissen, dass es eine andere Hälfte gibt. Dass er da ist. Zurzeit leider nur nicht hier.

Atmen.

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
Beitrag erstellt 4495

5 Gedanken zu „. . .

  1. ich habe ein bißchen gehofft, dass die tweets genau das bedeuten.

    Das mit dem Taff-sein ist so eine Sache..ich frag mich immer, wie sich die Leute fühlen, denen man das nicht bescheinigt..noch unsicherer? hmm..

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