Eigensinniger Zottelkopf

Dein infantiles Gemüt ist heute aber auch in Hochform,“ kommentiert der Mann eben mit hochgezogener Augenbraue mein anhaltendes Gekicher über das von ihm absichtlich falsch betonte „Vanülle.“ Gut, dass ich mich vorher in unsere große Einkaufskiste gesetzt habe, darin stecken geblieben bin und ohne seine Hilfe nicht mehr heraus kam, das verheimliche ich Ihnen jetzt einfach mal.

Manchmal ist es einfacher infantil und albern zu sein, als sich in Alltagssorgen zu wälzen. Ob das jetzt eine Verdrängungs- oder Bewältigungsstrategie ist sei mal dahin gestellt.

Unsere kleine Gräte ist da ein zuverlässiger Smilie-Garant. Mit ihrer putzigen Mimik, den altklugen Kommentaren und ihrem kleinen Sprachfehler ist sie aktuell einfach so zuckersüß, dass man sie die ganze Zeit knutschen möchte. Es sei denn, sie ist gerade mal wieder sauer auf einen und „mag Euch alle nich‘!“

Heute Morgen, beim Zähneputzen, erklärt sie mir schwafelnd und während ihr Zahnpasta aus dem Mundwinkel tropft, dass ich mich echt mal dringend kämmen müsste. „Weiß Du, Mama, is nich schön so. Sieht ein bisschen aus wie ein überfahrender Igel.“ Öh. Danke, Tochter. Du kommst auch nicht gerade wie aus dem Ei gepellt aus dem Bett. Außerdem siehst Du nur 5 Minuten nach dem Kämmen wieder aus wie ein frottiertes Faultier. So! Aber Hauptsache das Krönchen sitzt.

Überhaupt ist das gerade ein sehr amüsantes Alter. Wie sie ihre Brüder zurecht weißt, alles besser weiß und dabei die Augenbrauen hoch zieht oder die Stirn in Falten legt.

Heute wollte ich ihr irgendwas erklären. Ich glaub es ging um die Vereinbarung, dass man eine neue Milchtüte aus dem Keller holt , wenn man die vorherige ausgetrunken hat. Jedenfalls hebt sie mitten in meiner Ausführung die Hand, schließt kurz die Augen und sagt dann: „Mama, sei mal still. Ich muss da kurz drüber nachdenken.“ Ich, total perplex, verharre also mit offenem Mund in meiner Rede, während Mimi mit geschlossenen Augen so vor mir steht, diese schließlich wieder öffnet und mit dem Kopf schüttelt. „Also, nein. Das sehe ich anders. Der Papa fragt mich auch manchmal, ob ich neue Kaffeemilch holen kann. Dabei trink ich ja gar keinen Kaffee. Dann kannst Du mir auch ruhig die Milch holen.“ Öhm. Okay. Ja. Ich geh kurz Milch holen.

Diese Gräte, ey. Eigensinniger Zottelkopf.

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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31 Gedanken zu „Eigensinniger Zottelkopf

  1. Ich kann mir das so richtig vorstellen, fassungslos verwundert mit offenem Mund, darauf wartend, was das Kind jetzt wieder raushaut.
    Das liebe ich so an dem Alter, meine wollte gestern unbedingt alle Schränke in der Küche abputzen, also wienerte sie mit dem Waschläppchen bewaffnet, alle Schränke, Wasserflaschen, Stuhlritzen, zeterte zwischendurch was von „nee nee, kaum daheim, muss man schon wieder putzen“ und murmelte, dass hinter dem Puppenherd schon ewig keiner mehr geputzt hätte, um sich dann, im Kreuz haltend, mit den Worten „puuh, ich brauche mal ein Päuschen“ zum Abendbrot hinzusetzen ?

  2. Herrliches Alter :D Dieser Spagat zwischen High Five und OMG XD

    Aber mal was anderes, ist das Design Neu? Mir fehlt hier irgendwie alles *grübel* alles so weiß xD Keine Links und Bildchen und Werbung mehr.

        1. Echt? Dann hatte mein Browser da wohl bisher irgendwas im Cache. Aber hattest du nicht früher trotzdem ein Logo (also vor der Sponsoring-Geschichte? Oder war das noch zu MamaMiez-Zeiten?) Ich sehe da nur die drei Worte (Bis einer heult!) als Header – kein Bild, keine Schnörkel und das wirkt sehr ungewohnt.

  3. Liebe Pia!
    Ich lese deine Artikel nun schon seit Jahren, habe sie aber noch nie kommentiert.
    Heute ist es irgendwie so weit.
    Was ich dir schon so oft sagen wollte: ich liebe deinen schreibstil: mal überlegt und sachlich und dann wieder einfach aus dem Bauch heraus, weil es jetzt niedergeschrieben werden muss.
    So oft, kann ich fühlen wie es euch geht. Auch weil ich selber 2 im Alter von 12 und 5 Jahren habe.
    Und was ich am schönsten finde: so oft entlockst du mir mit deinen Zeilen ein Lächeln oder sogar laut schallendes Lachen.
    I like it – weiter so!

  4. Meine Maus kommt auch immer mehr in das Alter, wo sie sich behaupten will. Momentan kommandiert sie gerne alle rum, vorallem ihre Freunde. Sie hat nach wie vor einen „starken Charakter“. Man muss sie da doch manchmal zurückholen und daran erinnern, dass andere Kinder dieses oder jenes vielleicht lieber anders machen würden.

    Wobei meine Maus die Milch in deinem Text wohl eher deshalb nicht geholt hätte, weil sie nicht in den dunklen Keller alleine gehen wollen würde. Sie hat ja schon Angst auf Toilette zu gehen, wenn ich in der Stube und sie nur einen kleinen Mini-Flur durchqueren muss *hahahaha*

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