Bis einer heult! • Anders als geplant.
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28. April 2014 | Pia Drießen

Anders als geplant.

Ich liebe es, wenn meine Pläne aufgehen. Tun sie das nicht kann ich ziemlich verzweifelt sein. Gut, verzweifelt war ich am Ende dieses Tages nicht, aber es macht mich dennoch wuschig.

Ich wollte heute mit den Jungs erstmalig zum Kinderturnen (ohne Eltern) gehen. Wir war bewusst, dass der Quietschbeu sich nur schlecht von mir lösen können würde und so sagte ich ihm bereits im Vorfeld, dass ich dabei bleiben würde. Die ersten Male jedenfalls. Das Meedchen wollte ich so lange im Kindergarten lassen, anschließend abholen und dann zum Eltern-Kind-Turnen gehen. Es kam dann aber so:

Um 14:40 Uhr schlug ich im Kindergarten auf und wurde von einem vorfreudigen Quietschbeu empfangen, der sich schnell die Schuhe anziehen wollte. In der Zeit ging ich in die Löwenmaulgruppe, um den Herrn Löwenmaul abzuholen, der mir aber eröffnete, er wollte nicht mit zum Ü4-Turnen und lieber später mit dem Meedchen zum U4-Turnen. Okay. War dann halt so. Als ich auf den Flur zurück kam, war der Quietschbeu weg. Ich suchte noch mal in seiner Gruppe und wollte dann raus gehen, weil ich dachte, dass er schon zum Tor vorgelaufen war. Da erklang ein schrilles „Mama!“ hinter mir und der Quietschbeu kam mir mit der kleinen Schwester an der Hand entgegen. Ich gnarfte so ein bisschen in mich rein, denn es war ja völlig klar, dass ich sie nun nicht im Kindergarten lassen konnte, wo sie mich nun schon gesehen hatte.

Ich fuhr also mit dem Quietschbeu und dem Meedchen zum Ü4-Turnen, wo wir einige Gruppenfreunde des Quietschbeus trafen und die Kinder vor der Turnhalle direkt begannen miteinander zu spielen. Ich dachte noch so: „Hui, läuft ja gut!“ Dann kam die Turnleiterin, schloss die Halle auf und der Quietschbeu verwandelte sich in mein kleines Klettbällchen, wie ich ihn in neuen Situationen von eh und jeher kenne. Er zog sich zwar seine Sportsachen an und ging auch mit mir in die Halle, weigerte sich danach aber standhaft am Turnen teilzunehmen und saß stattdessen neben mir auf der Bank.

Auf mein Nachfragen, warum er denn nicht mitmachen wolle, antwortete er, dass er die Erwachsenen ja gar nicht kennen würde. Und es wären so viele Kinder da. Es wäre so laut. Und die aufgebauten Geräte wären auch doof. Und wenn er irgendwas hätte, zu wem solle er dann gehen?

Es änderte auch nichts, als die beiden Turnleiterinnen ihre Namen nannten. Als er sah, dass jedes Kind nach der Reihe seinen Namen sagen musste, war’s endgültig vorbei. Soviel Aufmerksamkeit kann er nicht gut haben.

Er klammerte sich an mich uns sagte immer wieder, er wolle lieber kuscheln und bei mir bleiben. Auf die Ansprache einer neben ihm sitzenden Mutter reagierte er mit glasigen Augen und runter gekämpften Tränen.

Es machte einfach keinen Sinn und nach 45 Minuten strichen wir dann die Segel und holten das Löwenmaul ab, damit wir wenigstens noch rechtzeitig zum Eltern-Kind-Turnen kamen. Leider war dann die große Turnhalle wegen Wartungsarbeiten gesperrt und wir verlegten kurzerhand auf den angrenzenden Sportplatz.

Die Jungs liefen gemeinsam 4 Platzrunden, wobei der Quietschbeu locker 8 rannte, da er immer vor lief, dann zum Löwenmaulchen zurück rannte und wieder vor lief. Die letzte Runde bestritten wir zu viert als Pferdegespann. Das Meedchen führte die Zügel des Quietschbeus und das Löwenmäulchen meine.

20140428_sportplatz 20140428_sportplatz2

So wurde mein eigentlich ganz anders geplanter Tag doch noch ein ziemlich guter. Wir kamen gelüftet und hungrig nach Hause, verspeisten ein opulentes Abendbrot und schlichen uns dann in die Schafgemächer. Dort schlummern nun drei ziemlich erschöpfte Kinder.

Nächste Woche versuche ich das mit dem Ü4-Turnen noch mal mit dem Löwenmaulchen. Vielleicht fällt es dem Quietschbeu leichter, wenn der kleine Bruder dabei ist.

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Marketing- und Medienberaterin mit Schwerpunkt Social Media. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Juli / Apr 28 2014

    Liebe Frau Miez,
    mein Sohn (4,5 Jahre alt) ist vermutlich auch hochsensibel und verhält sich in solchen Situationen genauso wie Quietschbeu. Ich fühl mich dann irgendwie immer ganz hilflos … Ich danke Ihnen, dass Sie von solchen Situationen berichten und bin auch gespannt, für welche Schulform Sie sich entscheiden. Es tut gut zu merken, dass wir nicht alleine sind.
    Liebe Grüße unbekannter Weise
    Juli

  2. C. F. / Apr 28 2014

    Irgendwie erinnert mich der Quietschbeu so richtig an das Mäuschen.

  3. Andrea / Apr 28 2014

    Ich kann das dem QB sehr gut nachfühlen. Ich hasse das auch und alle glotzen einen an. Mein Sohn (4,5) will morgen unbedingt zum Fußball. Er verhält sich aber in unbekannten Situationen genauso wie Ihr Sohn. Ich bin gespannt und bewundere immer Ihrer Ruhe und Gelassenheit und auch den Mut so etwas überhaupt in Angriff zu nehmen. Mir graust es jetzt schon vor morgen.

  4. Alltagsheldin / Apr 29 2014

    Ohje ohje, der arme Knopf. Ich kann mir das so richtig vorstellen, wie das für ihn sein muss. So nicht aus sich heraus zu können – schwierig. {{?}}
    Meine Tochter hat zwar kein HS, ist aber auch immer sehr (!) schüchtern gewesen und es hat ganz schön gedauert, bis sich das gelegt hat. In dem Alter „klebte“ sie auch in jeder nur erdenklichen Situation an mir und ließ sich nicht überreden, irgendwie teilzunehmen. War ich nicht dabei (Musikgarten im KiGa z.B.), sah es anders aus.
    Bei uns hat es der Schuleintritt gerichtet, glaube ich. Sie musste quasi lernen, dass sie für sich selbst eintreten muss, wenn sie ihre Interessen gewahrt sehen möchte. Anfangs mit vielen Tränen und häufigen „Alles-ist-unfair“-Gefühlen, hat sie es mittlerweile raus und am Elternsprechtag kommt diesbezüglich nichts mehr.
    Aber sie ist auch nicht so hochsensibel, zwar deutlich sensibler als andere Kinder, aber auch nicht so extrem, wie Du das von Dir und dem QB berichtest…

    Ich wünsche Euch – und besonders dem QB natürlich – dass Ihr einen Weg findet, wie er damit umgehen kann, ohne sich selbst hintenan zu stellen. Das klingt alles so schwierig für eine kleine Kinderseele. {{?}}

    Liebe Grüße,
    die Alltagsheldin

  5. drachenkatz / Apr 29 2014

    Sehr süßes Bild von euch beiden. ?
    Voll in Action. :)

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