Big Brothers. Little Sister.

Meine lieben Söhne,

heute muss ich Euch aus ganzem Herzen einmal dafür danken, dass ihr so tolle große Brüder für Eure kleine Schwester seid. Jeden Tag gibt es so viele kleine Momente, kleine Szenen, in denen ihr Eure Schwester mit Aufmerksamkeit und Liebe überschüttet, sie in Schutz nehmt, ihr hilfreich zu Seite steht und sie tröstet. Ich weiß, dass das ganz tief aus euch selber kommt und nichts mit mir oder Eurer „Erziehung“ zu tun hat. Es sind die kleinen Gesten, die vermeintlich unbeobachtet, die ganze Tragweite dieser Geschwisterliebe deutlich macht. Wenn Du, liebes Löwenmaul, Deiner kleinen Schwester morgens im Kindergarten die Hausschuhe anziehst, weil sie so furchtbar ungeduldig ist und sofort in ihre Gruppe will, obwohl zuerst der große Bruder abgegeben wird, dann bist Du da, hilfst ihr, hängst ihre Jacke an ihren Hacken und öffnest Ihr das Türschutzgitter zum Gruppenraum.

Wenn sie Durst oder Hunger hat, bist Du, großer Quietschbeu, sofort zur Stelle, fragst was sie trinken mag und schüttest ihr dies auch ein. Oder Du fragst, ob sie lieber Brot oder Joghurt mag und richtest ihr beides dann Verzehr fertig her. Wenn Du im Auto hinten in der Mitte zwischen Deinen Geschwistern sitzt und diese einschlafen, achtest Du darauf, dass ihre Köpfe nicht nach vorne fallen und richtest sie immer wieder vorsichtig auf. Du drückst Deiner Schwester Zahnpasta auf die Zahnbürste, holst ihr Spiele aus dem Regal und kannst Dich auf dem Spielplatz fürchterlich darüber echauffieren, wenn ihr jemand eine Schüppe oder einen Eimer wegnimmt. Meist stört Dich das mehr, als sie. 

Du liebes Löwenmaul bist stets um ihr Seelenheil besorgt, fragst warum sie weint, pustet auf schmerzende Stellen und bist ihr ganz oft ein mutiges Vorbild, wenn sie vor etwas Angst hat. Damit sie beim Haarewaschen nicht weint, hast Du irgendwann beschlossen, dass Du ab sofort nicht mehr beim Haarewaschen meckern oder jammern würdest, damit sie sieht, dass da gar nichts schlimm dran ist. Nun bist Du immer der erste, der sich die Haare waschen lässt und kündigst dies stets mit einem: „Schau, Mathi, das ist gar nicht schlimm. So geht das!“ an. Und sie glaubt dir, beobachtet sich bewundernd und versucht es Dir nachzumachen. Dieses: „nach oben gucken und die Augen ganz fest zu machen!

Wenn sie abends „Aaanst!“ hat, dann schleichst Du Dich in ihr Bett und kuschelst Dich ganz fest an sie. Wenn ihr beide Angst habt, dann schleicht ihr gemeinsam zum Quietschbeu, der Euch dann unter seinem Bett einquartiert. Ihr seid ein wunderbares Dreiergespann, dass einander soviel gibt. Es ist bezaubernd.

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Aber auch du, kleines Meedchen, hast schon ein ganz besonders sorgsames Auge für Deine Brüder. Du streichelst und küsst sie, wenn sie weinen. Manchmal bist Du aber auch genervt und rollst mit den Augen: „Jussus weine! Schoooon wieda!“ Du teilst immer und alles mit Deinen Brüdern, auch mal zu Deinem Nachteil. Und Du verteidigst sie wie eine Löwin: Im Kindergarten vor anderen Kindern oder auch mal zu Hause, wenn’s Mecker von mir gibt: „Mama! Nicht schimpfe Jussus!

Du weißt genau, wer welches Glas oder welche Tasse bevorzugt und deckst den Tisch stets nach den Wünschen jedes einzelnen. Du bringst Deinen Brüdern morgens ihre Schuhe und ihre Jacken. Du trägst ihnen ihre liebsten Kuscheltiere hinterher und kuschelst Dich bei jeder Gelegenheit an sie. Die bist einfach wundervoll zu ihnen.

***

Meine lieben Kinder,

ich wünsche Euch von ganzem Herzen, dass Ihr dieses Band zueinander nie verlieren werdet. Ja, es wird bessere und schlechtere Tagen geben. Ihr werdet Euch anschreien und verfluchen. Mal für ein paar Stunden. Mal für ein paar Wochen. Aber behaltet Euch stets das Wissen darum, dass ihr für einander da seid, wenn Ihr einander braucht. Dass da jemand ist, zu dem man gehen und mit dem man reden kann. 

Ihr werdet gemeinsam um Familienmitglieder trauern, auf Hochzeiten tanzen und große Familienfeste – mit hoffentlich vielen Kindern – feiern. Ihr habt diese eine gemeinsame Kindheit, mit vielen schönen Erinnerungen und Erlebnissen, die Euch auf ewig verbinden und hoffentlich soviel Vertrauen und Halt geben wird, wie mir mein Verhältnis zu meinen Geschwistern gibt.

Ihr seid die 3 Musketiere, Tick, Trick und Track, die Chipmunks. Ihr seid laut, wild und halt immer 3. Das bedeutet auch: 3 mal lachen, 3 mal weinen, 3 mal lieben. Danke!

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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46 Gedanken zu „Big Brothers. Little Sister.

  1. Danke! Einfach nur wunderschön. So wünsche ich es mir für unsere Familie auch. Ich liebe Deine Art, Emotionales in Worte zu fassen. Ich danke Dir, das Du uns teilhaben läßt!
    Liebe Grüße!

  2. Wie wundervoll geschrieben…hach ja……genau deshalb hätten wir gerne ein Geschwisterchen für unseren Schatz. Es gibt ja leider nicht nur Freude im Leben die man teilen kann, auch Leid. – Geteiltes Leid ist halbes Leid –
    Vielleicht klappt es ja noch. Wir sind auf jeden Fall dankbar das wir doch noch Eltern werden durften.

  3. Einfach nur unglaublich schön.
    Regen in den Augen.
    Geschwister sind das Schönste, was es gibt.
    Ich wünsche mir, dass jede Mama so einen Blick auf und für ihre Kinder hat, wie du ihn für deine hast!

  4. Huhu,
    Da kamen auch mir als nichtmutter die Tränen.
    Ich glaub ich muss mal meinen Bruder anrufen (den ich als Kind immer vor den großen Jungs beschützt hab <3)

    Liebe grüße,
    Ninberry

  5. super schön geschrieben…ich kann gerade nicht auf hören meine tränen zu trocknen…sooooo schöne worte hast wieder gefunden…. ich liebe es auf deinem blog zu lesen…

  6. So wunderschön geschrieben! Vielen Dank dafür!
    Eigentlich bin ich ein ganz ganz stiller Leser, aber dieser Post rührt mich so arg, dass ich schreiben muss.
    Mein Mann und ich sind beide Einzelkinder und konnten dieses Band nie spüren, wir wissen beide nicht wie sich so etwas anfühlt. In diesem Text findet sich dieses Gefühl wieder, es fühlt schon so gut an! Wir wünschen uns für unseren Sohn, dass er vielleicht, hoffentlich … Wer weiß … Irgendwann such ein Bruder wird mit dem er seine Kindheit teilen und genießen kann. Wir als Eltern haben Angst vor dieser Herausforderung. Sei es aus finanziellen Gründen, aber auch weil wir es nicht kennen, wie es ist Geschwister zu haben. Aber dieser Post gibt Mut, Zuversicht und zeigt warum/wofür man diese Herausforderung annehmen sollte. Liebe!

  7. Liebe Mama Miez, das ist so wunderschön geschrieben. So sollte es sein, so ist es schön und richtig und genau deshalb ist es so wichtig für Kinder mit Geschistern aufzuwachsen. Einen schönen Abend wünscht Minkakatinka

    1. […] In Briefen (auch auf Ansichtskarten u. Ä.), E-Mails und SMS kann man allerdings auch großschreiben: ?Liebe Elly, wir wünschen dir/Dir viel Erfolg in deinem/Deinem neuen Amt als Vorsitzende des Bachvereins und euch/Euch allen viele renaturierte Bäche voller überbordend lebensfroher Bachflohkrebse.? Allgemein gilt: In allen Textformen, in denen der Autor selbst den Leser persönlich anredet, kann man du/Du und die genannten Wörter großschreiben. […]

      Quelle

    2. Über so etwas denken Sie beim Lesen eines solchen Textes nach? Wow, das verwundert mich. Und ganz ehrlich: Selbst wenn im Text alles groß oder alles klein geschrieben wäre… Das ist ein Blog mit persönlichen Texten. Ich finde, da darf man durchaus auch ohne Erklärung oder Rechtfertigung schreiben, wie man mag. (Abgesehen davon, das hier nichts „falsch“ gemacht wurde.)

    3. Ach du meine Güte.
      Da ist aber jemand mit dem falschen Fuß aufgestanden, Hmm?!
      So eine wunderschöne Liebeserklärung an die Kinder und dann so ein Rumgekrittel…
      Ich fass es nicht.

  8. Wunderbar, Du hast wirklich tolle Worte für Deine Gefühle und Gedanke gefunden. Danke, daß Du uns teilhaben läßt.

    P.S: Und wie man sich darüber aufregen kann, wie man EUCH schreibt, kann ich absolut nicht nachvollziehen, aber solche Korinthenkacker findet man halt überall…. Schade.

  9. Guten Morgen liebe Miez,
    wunderschön und mit soviel Liebe geschrieben…
    Nun muss ich ein paar heimliche Tränchen wegwischen.
    ich hab auch einen jüngeren Bruder, den ich immer nach Kräften verteidigt habe. Und genauso oft haben wir uns gestritten. Und wieder versöhnt.
    Geschwister sind toll! Und manchmal würde man sie am liebsten auf den Mond schießen :)

    Ich hoffe ganz fest, das deine 3 Kleinen immer dieses Band spüren werden.

    Liebe Grüße
    Tanja

  10. Welch tolle Worte einer Mama an ihre Kinder, welche toller Bund der Geschwister. Und wieder einmal bin ich traurig daß meine Zaubermaus wohl Einzelkind bleiben wird und dies nie erleben darf.

  11. Ich bin gerade mit dem zweiten Kind schwanger und natürlich treibt auch mich hin und wieder die Sorge um die Gefühle meiner Tochter.
    Dein Post macht mir Mut, dass sie wundervolle Geschwister werden.

    Danke!

  12. Hach, das ist so schön. Ich habe selbst 3 (jüngere) Geschwister – wir sind ja nun alle etwas älter als deine 3 (insgesamt zwischen 11 und 21 Jahre), aber eins ist klar: So eine gemeinsame Kindheit verbindet. Wobei es bei uns schon anders war und ist, wohl, weil wir nicht ganz so eng aneinander sind (altersmäßig): Meinen nächsten Bruder und mich trennen 22 Monate, aber er war und ist schon immer ein völlig anderer Typ gewesen, der nächste ist gut 5 Jahre jünger als ich und der jüngste 10. So hat man zu jedem der Geschwister eine völlig andere Beziehung und die wiederum ändert sich auch ständig (bspw. ist die große Schwester beim jüngsten längst nicht mehr so beliebt, wie sie’s mal war, weil nicht cool genug), aber man weiß halt doch, dass irgendwie immer jeder da ist und sei es nur zur Ablenkung oder um sich gemeinsam statt alleine zu langweilen. Bei uns war und ist immer was los, es ist meistens laut und trubelig: So kenne ich das und so will ich das später für meine Familie auch haben. :)

  13. Was ein schöner Text. Und doch bin ich beim Lesen gestolpert. Bitte, bitte, nicht die Jacke an den Hacken hängen. Das ist die Ferse. Da unten am Fuß. Ihr wollt doch eure Jacke lieber an den Haken hängen. Das ist der, der an der Wand hängt. (Wieso schreiben so unheimlich viele Hacken? Sprecht ihr das auch so?)
    Nix für ungut.

  14. In wunderschönen, treffenden Worten hast du es geschafft mir (Einzelkind) aus dem Herzen zu schreiben, was ich empfinde, wenn ich meine 3 Kids anschaue.

    Danke! Danke! Danke!

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